Wikipedia GNU FDL Artikel anzeigen Artikel bearbeiten
 
Alfred Dreyfus

Toplinks zu diesem Thema:
Ausbildung, Dokumentation, Rolle



Der Artikel Alfred Dreyfus gehört zur Kategorie: Person des Judentums, Militärperson (Frankreich), Franzose, Elsässer, Mann, Geboren 1859, Gestorben 1935
Alfred Dreyfus [] (* 9. Oktober 1859 in Mülhausen; † 12. Juli 1935 in Paris) war ein französischer Offizier.

Abbildung
Alfred Dreyfus
Bildherkunft

Alfred Dreyfus war neunter Sohn eines jüdischen Textilunternehmers aus Mülhausen (Elsass). Als das Elsass nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 vom Deutschen Reich annektiert wurde, optierten seine Eltern für die Beibehaltung der französischen Staatsbürgerschaft und gingen mit einem Teil der Familie nach Paris. Dreyfus legte hier das baccalaureat ab und wurde 1878 Eleve der traditionsreichen Pariser Elitehochschule École polytechnique. Anschließend durchlief er eine Ausbildung als Artillerist an der Kriegsschule (École de guerre) und wurde Berufsoffizier. Als solcher wurde er 1893 dem Generalstab zugeordnet.

Dreyfus-Affäre

1894 wurde er, inzwischen Hauptmann, des Geheimnisverrats bezichtigt. Durch eine als Hausdienerin eingeschleuste Spionin, die in der deutschen Botschaft die Papierkörbe leerte, war der französische Geheimdienst in den Besitz eines Schriftstücks gelangt, das Informationen über die französische Artillerie enthielt. Der Verdacht fiel schnell auf den Artilleristen Dreyfus, den seine Eigenschaft als quasi deutschstämmiger Jude als Verräter zu prädestinieren schien. Ein graphologisches Gutachten (das allerdings von anderen Gutachtern angezweifelt wurde), diente als Hauptbeweismittel.

Dreyfus, der vergebens seine Unschuld beteuerte, wurde am 22. Dezember 1894 von einem Kriegsgericht in Rennes wegen Landesverrats degradiert und zu lebenslänglicher Verbannung auf die Teufelsinsel (bei Cayenne, Französisch-Guayana) verurteilt. Am 5. Januar 1895 wurde er in erniedrigender Form in der École Militaire degradiert, bevor er am 17. Januar auf die Teufelsinsel deportiert wurde. Im Zusammenhang mit dem Prozess kam es zu antisemitischen Demonstrationen und zu nationalistischer Hetze gegen die noch junge Regierungsform der Republik in der monarchistischen Presse.

In den folgenden Jahren wurde aus dem Justizirrtum ein Justizskandal. Es stellte sich bald heraus, dass Dreyfus offensichtlich unschuldig war, woraufhin sich viele Personen, vor allem Intellektuelle, für eine Wiederaufnahme des Prozesses einsetzten. Einen wahren innenpolitischen Sturm entfachte am 13. Januar 1898 der offene Brief J'accuse (Ich klage an), den Émile Zola in der Zeitung L'Aurore an den Staatspräsidenten richtete.

Die Generäle, die als Zeugen ausgesagt hatten, waren allerdings nicht bereit, ihren Irrtum einzugestehen, vielmehr ließen sie nachträglich Beweise fälschen und deckten den eigentlich Schuldigen, der inzwischen enttarnt worden war, einen Offizier namens Ferdinand Walsin Esterhàzy.

Die französische Republik wurde von der Dreyfus-Affäre erschüttert und stand am Rande eines Bürgerkriegs, ging letztlich aber gestärkt daraus hervor.

1899 wurde der Prozess schließlich wieder aufgerollt. Dreyfus wurden aber nur mildernde Umstände zugebilligt und er wurde nun zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Der französische Staatspräsident Emile Loubet beugte sich der internationalen Kritik und begnadigte ihn. 1904 begann am Kassationsgericht Rennes eine neuerliche Revision des Prozesses, wobei das Urteil 1906 endgültig für nichtig erklärt wurde. Unmittelbar darauf wurde Dreyfus mit einem feierlichen Akt als Major wieder in die Armee aufgenommen und zusätzlich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Eine weitere Karriere als Generalstabsoffizier blieb ihm allerdings verwehrt. Er fand nur kurz Verwendung als Kommandant zweier nachrangiger Artillerie-Depots im Pariser Umland, in Vincennes und Saint-Denis. Im Oktober 1907 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet.

Als 1908 die Asche des 1902 verstorbenen Zola in den französischen Ruhmestempel, das Pariser Pantheon, überführt wurde, verübte ein Anti-Dreyfusard ein Pistolenattentat auf Dreyfus. Dieser wurde aber nur verletzt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ließ er sich reaktivieren, stand an der Front und wurde zum Oberstleutnant befördert. Mit diesem Rang schied er endgültig aus der Armee. Er starb 1935. Seine Enkelin Madeleine Levy wurde als Jüdin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Dreyfus nach und nach zu einer Art Ikone der Republik stilisiert. Seit (?) hat er ein Denkmal im Jardin des Tuileries.

Am 12. Juli 2006, dem 100. Jahrestag der Rehabilitierung, fand eine Gedenkzeremonie in der Pariser Militärschule statt, bei der Staatspräsident Jacques Chirac wie selbstverständlich als Hauptredner auftrat und in Begleitung des Premierministers und vier weiterer Minister Dreyfus "die feierliche Huldigung der Nation" (l'hommage solennel de la Nation) darbrachte.

Die verschiedentlich vorgeschlagene Überführung von Dreyfus' sterblichen Überresten in das Panthéon, scheint dagegen zur Zeit keine Aussicht auf Verwirklichung zu haben.

Eine sehr instruktive und eindringliche literarische Verarbeitung der Dreyfus-Affäre findet man in dem Roman Jean Barois (1913) des Literaturnobelpreisträgers von 1937, Roger Martin du Gard. Die Affäre spielt auch eine zentrale Rolle in der Filmbiografie The Life of Emile Zola (1937) unter der Regie von William Dieterle mit Paul Muni als Zola und Joseph Schildkraut als Dreyfus. Die antisemitischen Aspekte werden darin jedoch weitgehend ausgeklammert.

Als literarisches Werk: Rolf Schneider Süß und Dreyfus, 1991

Werke

  • Cinq années de ma vie 1894–1899. – Paris: Eugène Fasquelle, 1901 (häufige Neuauflagen)

Literatur

  • Duclert, Vincent Die Dreyfus-Affäre. Militärwahn, Republikfeindschaft, Judenhaß, Wagenbach TB: Berlin 1994 (ergeht sich leider oft in Spekulationen)
  • derselbe, A.D. L'honneur d'un patriote Paris, Fayard, 2006 (frz.)(bisher umfangreichste Biographie, aber keine neuen Erkenntnisse)
  • Jean-Denis Bredin L'Affaire Paris, 1983 u.ö., auch engl. Version erhältlich: L'affaire Dreyfus, 1998 (Jurist, Wissensstand der 80er Jahre)
  • Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, bei Piper, München Zürich, 7. Auflage Februar 2000, ISBN 3-492-21032-5, darin Kapitel I, Abschnitt 4: Die Dreyfus-Affäre, S. 212-272; erste deutsche Ausgabe: 1986, englische Originalausgabe: The Origins of Totalitarism, bei Harcourt Brace Jovanovich, New York, 1951
  • Kotowski, Elke-Vera/ Schoeps, Julius H.(Hrsg): J'accuse...! - ... ich klage an!. Zur Affäre Dreyfus. Eine Dokumentation, Berlin 2005. ISBN 3-935035-76-4

Ausstellung

Paris, bis 1. Oktober 2006: Alfred Dreyfus. Le combat pour la justice Näheres [LINK]

Weblinks

{{Personendaten|

 NAME=Dreyfus, Alfred

|ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=französischer Offizier |GEBURTSDATUM=9. Oktober 1859 |GEBURTSORT=Mülhausen |STERBEDATUM=12. Juli 1935 |STERBEORT=Paris }}

als:Alfred Dreyfus


Diskussion der Autoren über den Artikel: Alfred Dreyfus


Dreyfus wurde nicht nur zum Oberleutnant reaktiviert, denn er war vor seiner Entlassung aus der französischen Armee bereits Hauptmann, sondern zum Major und später Oberstleutnant befördert. Mario todte 16:16, 26. Oktober 2004 (CEST)

weiß irgendjemand WANN er den nun begnadigt wurde?

siehe http://www.justizskandale.d... (letzter Absatz) -- Manfred Strack 22:21, 22. Aug 2005 (CEST)

Ironisch

Sehr ironisch ist es, nicht wahr, dass Dreyfus dem deutschen Reich geholfen haben sollte.

Nein, die Idee war 1894 für viele Franzosen überhaupt nicht abwegig. Der langjährige Vordenker der französischen Rechten z.B., Charles Maurras, glaubte um diese Zeit, Frankreich vor einer "jüdisch-deutschen Gefahr" warnen zu müssen. Der Antisemitismus war damals in Frankreich erheblich virulenter als in Deutschland, und zwar vielleicht durchaus auch deshalb, weil sehr viele französische Juden (wie ja auch Dreyfus) deutsch wirkende Namen trugen. Da lag der Schluss nahe, sie hätten eine quasi angeborene Sympathie für Deutschland. Gert pinkernell 17:27, 25. Jul 2006 (CEST)

Alfred Dreyfus vs. Dreyfus Affäre

Leider widerspricht die Sachverhaltsdarstellung der Dreyfus Affäre im Artikel Dreyfus Affäre der im Artikel Alfred Dreyfus, kann das bitte jemand abgleichen der sich auskennt? 62.178.12.228 00:14, 30. Sep 2006 (CEST)

Rechtschreib- und Ausdrucksfehler

Der Artikel hat 'ne Menge Rechtschreibfehler und auch der sprachliche Ausdruck ist, denke ich jedefalls, mitunter zu kritisieren. Erstere Fehler kann ich zwar ohne Weiteres beheben, aber die des Ausdrucks möchte ich lieber jmd. überlassen, der mit dem Thema vertrauter ist als ich.



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Alfred Dreyfus und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 24.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).