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Barockmusik

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Der Artikel Barockmusik gehört zur Kategorie: Barock (Musik), Klassische Musik
Abbildung
Evaristo Baschenis, Musikinstrumente, Mitte 17. Jahrhundert
Bildherkunft

Die Periode der Barockmusik in der abendländischen Kunstmusik, auch bezeichnet als Generalbasszeitalter, schließt sich an die Renaissance an und erstreckt sich vom Beginn des 17. bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie zählt zur alten Musik.

Der Beginn des musikalischen Barock wird durch die Kompositionen Claudio Monteverdis markiert. Eine mögliche Einteilung des weiteren Zeitraums, die jedoch nur als ungefähr betrachtet werden muss, ist wie folgt:

  • Frühbarock (ca. 1600 bis 1650), unter italienischer Dominanz;
  • Hochbarock (ca. 1650 bis 1710), mit bedeutenden französischen Einflüssen;
  • Spätbarock (ca. 1710 bis 1750), mit Tendenz zur Vereinigung regionaler Stile.

Gesamtkulturell folgte die Phase des Rokoko; in der Musik hatte sich bereits ab den 1730er Jahren der so genannte empfindsame Stil zu etablieren begonnen. Ab den 1780er Jahren schloss sich musikgeschichtlich die Periode der Wiener Klassik an.

Charakterisierung

Die zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufkommenden Merkmale, die den Beginn eines neuen Musikzeitalters rechtfertigen, sind die Monodie (Sologesang mit Begleitung), der Generalbass und die neu entstandenen Gattungen Oper und Oratorium.

Kompositionstechniken

Form

Es war ein Merkmal der Zeit, der Form mindestens gleich viel Gewicht zuzumessen wie dem Inhalt. Während des Barock emanzipierte sich die – vorher streng an den Gesang gekoppelte – Instrumentalmusik. Dies zeigt sich im „konzertanten Prinzip“, dem bewegten Zusammenwirken und Wetteifern von Stimmen (vokal wie instrumental). Es entstand das „Concerto Grosso“, das das solistische („Concertino“) und chorische (Orchester, „Tutti“) Konzertieren von Instrumentengruppen bezeichnet. Weitere wichtige musikalische Formen, die sich im Barockzeitalter ausbildeten, waren Passacaglia, Chaconne, Fuge, Sonate, Solokonzert, Kantate und Passion.

Opern waren im Barock Populärmusik.Gerade wenn so eine Oper erfolgreich war, stellte man aus den darin enthaltenen Tanzsätzen Ouverturen, auch Suiten genannt, zusammen – man kann hier durchaus von „Auskopplungen“ sprechen. Menuette und andere Tanzsätze wurden im Nachhinein auch gern vertextet. So ist z. B. überliefert, dass es in Paris Anfang des 18. Jahrhunderts einen Interpreten gab, der Menuette zugleich sang und tanzte.

Ausdruck

Die musikalische Sprache und Melodienbildung beruhte auf einem reichhaltigen System von Figuren, die einer musikalischen Rhetorik entsprachen und an „Affekte“ gekoppelt waren, das heißt, menschliche Gemütszustände aufzuzeigen versuchten. Als nur eines unter sehr vielen möglichen Beispielen sei die chromatisch absteigende Basslinie (passus duriusculus) genannt, die immer wieder gerne verwendet wurde, wenn ein Klagegesang zu komponieren war.
Besonders im Frühbarock wurde die venezianische Mehrchörigkeit – das Musizieren unter Einbeziehung der räumlichen Verteilung – weitergeführt.

Struktur

Die bereits im Mittelalter entstandene und in der Renaissance zu ihrer Vollendung geführte Polyphonie, also das Zusammenklingen selbstständig geführter Melodielinien, fand breite Verwendung im Barock. Zu diesen Melodiestimmen trat meist der Generalbass, eine in einer besonderen Ziffernnotation aufgezeichnete, durchgehende und improvisatorische Begleitung durch Instrumente wie Laute oder Cembalo, häufig verstärkt durch ein weiteres Bassinstrument wie Cello oder seltener Fagott. Oft wurde diese polyphone Struktur imitatorisch komponiert, beispielsweise in Fugen.

Der gesamte Konzertsatz wurde durch das Eröffnungsmotiv melodisch wie rhythmisch geprägt; Ritornelle des Tutti gliederten den Gesamtablauf. Eine beständige Wiederholung rhythmischer und melodischer Kleinmotive (Motorik) führte zu einer festen Betonungsordnung und Akzentgliederung, zum Takt. Als charakteristische Schlusswendungen zur formalen Gliederung und Abgrenzung klarer Tonartenbereiche (Dur- und Moll-Tonarten) dienten Kadenzen.

Klangtheorie

Die Barockmusik wurde durch die Erkundung der Chromatik geprägt. Die gebräuchlichen Kirchentonarten wurden auf Dur und Moll beschränkt; mitteltönige und später auch temperierte Stimmungen kamen auf.

Instrumente

Die barocken Formen heute noch gebräuchlicher Instrumente unterscheiden sich im Klang beträchtlich von ihren Nachfahren, da ein ganz anderes Klangideal vorlag, bei dem Instrumente an die menschliche Stimme erinnern sollten. Streichinstrumente (Barockvioline), aber auch Holzbläser klangen allgemein leiser, weniger strahlend und tragfähig, dafür aber weicher und modulationsfähiger in der Klangfarbe.

Der große Instrumentenreichtum der Renaissance schwand im Barock. Instrumente wie Zinken, Dulzian und andere Blasinstrumente konnten sich noch einige Zeit in den Stadtpfeifereien halten. Liren, Fideln und zuletzt auch die Gamben verschwanden aus den Streichinstrumenten und wurden durch die Violinenfamilie ersetzt. Dafür gab es in dieser Zeit aber einige kuriose Erscheinungen wie das pantalonische Cymbal in Sachsen und das Salterio in Italien, das sogar eine gewisse Breitenwirkung erlangte.

Das auf Streichinstrumenten aufgebaute und mit Blasinstrumenten ergänzte Orchester, darunter zum Beispiel die berühmte Kurfürstlich-Sächsische und Königlich-Polnische Kapelle in Dresden und Warschau, begann sich zu standardisieren – in schrittweiser Abkehr von den freien und wechselnden Instrumentalbesetzungen der Renaissance.
Tasteninstrumente wie Cembalo und Orgel erfuhren eine Erweiterung ihres Umfangs bzw. ihrer Register und eine Verbesserung ihrer Mechanik.

Bedeutende Vertreter

Siehe auch: Liste von Barockkomponisten

Frühbarock

Zu Beginn des Barock steht Claudio Monteverdi (1567–1643), der mit kompositionstechnischen Innovationen und der Entwicklung neuer Musikgattungen Pionierarbeit leistete. Er kombinierte als erster Komponist alle sich in der Spätrenaissance abzeichnenden neuen Entwicklungen. Heinrich Schütz (1585–1672) nahm sich den neuen italienischen Stil zum Vorbild und verband ihn mit den Ausdrucksformen der deutschen Sprache, was ihm als erstem deutschen Komponisten europäischen Ruf einbrachte.

Zusammen mit Schütz übte Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621) großen Einfluss aus, der sich in den Werken ihrer Schüler teilweise niederschlug.

In der Folge wurden einige Instrumental- und Vokalformen unter anderem von Girolamo Frescobaldi (1583–1643), Giacomo Carissimi (1605–1674) und Johann Heinrich Schmelzer (1623–1680) maßgeblich geprägt.

Hochbarock

Das Musikleben des späten 17. Jahrhunderts wurde maßgeblich von Jean-Baptiste Lully (1632–1687) am Hofe Ludwigs XIV. geprägt. Die eingängige Musik Lullys, die vor allem die Tanzbegeisterung dieser Epoche befriedigte, prägte den „Barock“ in allen Alltagsbereichen. Als typisch französische musikalische Form sei die Suite genannt, große Bedeutung hatte auch das Ballett.

Im Gegensatz zum populären, tanzbetonten Stil Lullys stand im Hochbarock die eher intellektuelle und vielleicht „progressive“ italienische Musik, deren vornehmster Vertreter Arcangelo Corelli (1653–1713) war.

In Deutschland wurde die Musik vor allem von den Komponisten der norddeutschen Orgelschule geprägt, deren repräsentativster Vertreter Dietrich Buxtehude (1637–1707) war. Aus dem geistlichen Konzert entstand hier die Kantate.

In England entwickelte sich unter Henry Purcell und anderen ein ganz eigener Stil.

Spätbarock

Entwickelte sich im Hochbarock die Musik noch unabhängig in verschiedenen Regionen Europas, so zeichnete sich der Spätbarock durch eine grenzübergreifende Verbreitung der Stile aus. Im deutschen Raum trieb Georg Philipp Telemann (1681–1767) diese Entwicklung voran und wurde schließlich zur „Ikone“ unter den Tonkünstlern. Weitere berühmte deutsche Tonschöpfer des Spätbarock waren Carl Heinrich Graun und Johann Adolph Hasse. In Sachsen und Thüringen genoss auch Johann Sebastian Bach (1685–1750) Berühmtheit.

Der italienische Violinist und Komponist Antonio Vivaldi (1678–1741), der im 20. Jahrhundert zu neuer Popularität fand, beeinflusste mit seiner Konzertform viele weitere Musiker. Besonders im Spätbarock erfreuten sich Opern großer Beliebtheit. In England war vor allem Georg Friedrich Händel (1685–1759) in diesem Bereich produktiv.

Mit dem Tod Telemanns und anderer letzter Vertreter der deutschen Barockmusik in den 1770er Jahren schwand auch die Popularität des empfindsamen oder „galanten“ Stils zugunsten der Wiener Klassik!

Geistiger Hintergrund

Typisch für die Zeit des Barock ist der Absolutismus, der seinen reinsten Ausdruck am Hofe Ludwig XIV. fand und dessen kulturelles Schaffen in ganz Europa imitiert wurde. Die Kultur blühte unter feudalistischer Förderung auf, und in Bauwerken, Gartenanlagen und anderem wurde das Repräsentative und Monumentale bis hin zum Übertriebenen angestrebt.

Die Bezeichnung dieser Epoche stammt vom portugiesischen „barroca“ – einem vieldeutigen Begriff, der u. a. Tongefäße, aber auch Lehm/Geröll bedeutet. Hingegen ist „barocca“ die spätere italienische Variante – hier bereits ausschließlich als Bezeichnung der barocken Epoche. Der Ausdruck Barock ist auf jeden Fall eine eher unfreundliche Titulierung, die erst in nachbarocker Zeit zum Namen besagter Epoche wurde. Frischs Deutsch=Frantzösisches Wörterbuch („andere Auflage“, 1719) bezeichnet „baroque“ als eine Perle, „die nicht gantz rund“ sei.

Ansonsten fühlte sich der Zeitgenosse des Barock als ein Vertreter einer modernen, aufgeschlossenen, „galanten“ Zeit. Problematisch ist die Tatsache, dass der Stilbegriff „Barock“ für recht verschiedene Zeitströmungen steht. Das Frühbarock neigte eher zum Derben, Rauen – völlig im Gegensatz zur Galanterie des Hochbarock. Die Bezeichnung „Spätbarock“ ist ebenfalls problematisch, weil diese spätere Epochen überschneidet, die eigentlich einen eigenen Namen haben (Regence, Rokoko).

In den Künsten der Barockzeit interessierte man sich insbesondere dafür, die verschiedenen menschlichen Stimmungen (Affekte) zum Ausdruck zu bringen und in festen Formen zu repräsentieren.
Eine besondere Vorliebe hatte man für die Allegorie, das „Sinnbildniß“. Die Ideale der Galanterie waren eigentlich moralphilosophisch gemeint. Es ging dabei schlicht um die Regelung menschlichen Zusammenlebens: Rücksicht, Zuvorkommenheit, Höflichkeit, Duldsamkeit. Doch schon damals interpretierten „leichtlebige“ Gemüter das Wesen des Galanten zu einer Lebensweise um, die darauf bedacht war, das jeweils andere Geschlecht mit vorgeschütztem Anstand für sich einzunehmen. Religiöse Schwärmer nahmen dies wiederum zum Anlass, bekennend galanten Damen und Herren generell sündhafte Absichten zu unterstellen. Hier zeigt sich das Widersprüchliche des Barock: Auf der einen Seite steht es für Lebensfreude, Lust – andererseits stößt man auch immer wieder auf streng asketische Haltungen (siehe u. a. Pietismus).

Mit dem Tode des Sonnenkönigs (1715) schien sich dann das Zeitgefühl verändert zu haben. In der Mode schlugen ab etwa 1715 völlig neue Akzente durch: der Barock verabschiedete sich langsam und es bahnt sich der Regence-Stil an – um die Mitte des Jahrhunderts abgelöst vom Rokoko, jedoch verschwimmen im musikhistorischen Bereich die Begriffe „Barock“ und „Rokoko“.

Moderne Rezeption

Wiederentdeckung

Nach dem Ende des Barockzeitalters wurde Barockmusik als veraltet betrachtet und nicht mehr aufgeführt, wodurch die Aufführungstradition unterbrochen wurde. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts begann man sich erneut für die nun „Alten Meister“ zu interessieren; der Beweggrund dafür lag im Wesentlichen in der romantischen Hinwendung zu einer mythisch verklärten Vorzeit, aus der die eigene (auch nationale) Identität erklärt werden sollte.

Ein wichtiger Meilenstein zur Wiederentdeckung der Barockmusik war die Wiederaufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion 1829 durch Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Werk wurde einschneidenden Bearbeitungen (Instrumentierung, Kürzungen) unterzogen, da es in seiner Urgestalt als nicht zumutbar empfunden wurde. Zudem wurden einfach die aktuell üblichen Instrumente, Spieltechniken und Orchestergrößen eingesetzt. Diese „romantische“ Aufführungstradition lebte bis in die 1970er-Jahre (und in Einzelfällen bis heute) fort.

Heutige Sichtweise

Mit der Wiederentdeckung von Bachs Oeuvre wurde der Grundstein für die bis in die heutige Zeit reichende posthume Berühmtheit Bachs gelegt, dessen Werke immer noch als Inbegriff und teilweise Vollendung des Barock gelten. Jedoch war Bach zu Lebzeiten kaum außerhalb von Sachsen und Thüringen bekannt. Ab den 1950er Jahren tauchten immer mehr Notendrucke und Manuskripte anderer Tonschöpfer auf, die zudem die musikgeschichtliche Bedeutung Bachs relativieren. Dennoch verhalf vor allem das populäre Interesse an Bach, das durch eine große Auswahl an Tonträgern befriedigt wurde, zur Wiederentdeckung des Barock.

Die aktuelle Interpretation von Barockmusik wird im Wesentlichen von Musikern vorgenommen, die im Rahmen der so genannten historischen Aufführungspraxis die dieser Musik eigenen Mittel und Spielweisen einzusetzen versuchen. Jeder Interpret von Barockmusik ist sich heutzutage dieser Erkenntnisse bewusst, auch wenn im Einzelfall Kompromisse bezüglich der zur Anwendung kommenden Mittel eingegangen werden oder auch bewusst anders entschieden wird.

Mit der historischen Aufführungspraxis, die anfangs belächelt wurde und sich erst etwa in den 1970er Jahren durchsetzte, kam es auch zu einer zunehmenden Öffnung des barocken Repertoires. Heute werden weltweit ähnlich viele Tonträger der Alten Musik – darunter insbesondere des Barock – wie der klassischen Musik nachfolgender Epochen verkauft.

Siehe auch: Liste von Barockinterpreten

Literatur

  • Isolde Ahlgrimm: Zur heutigen Aufführungspraxis der Barockmusik, in: Organa austriaca, 2 (1979), S. 1–36
  • Ingeborg Allihn (Hrsg.): Barockmusikführer. Instrumentalmusik 1550 - 1770, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-00979-3
  • Robert Haas: Die Musik des Barock, VG Athenaion, Potsdam, 1979, ISBN 3-7997-0728-X
  • Hans J. Moser: Der klingende Grundstein. Das Schicksal der deutschen Barockmusik in zwölf Erzählungen, Essener Verlagsanstalt, Essen, 1937
  • Rolf Dammann: "Der Musikbegriff im deutschen Barock", Volk, Köln 1967 (3. Auflage Laaber 1995)

simple:Baroque music


Diskussion der Autoren über den Artikel: Barockmusik


Lemma nach Jahrhunderten löschen

Darf ich mal vorschlagen, sämtlichst die musikgeschichtliche Einordnung nach Epochen zu löschen? Dann ist kein verhunzt aktualisierter Meyer-Artikel mehr da, sondern wir können uns frohgemut an die Barockmusik, die Wiener Klassik oder Klassische Musik wagen! Alles, was man von der zeitlichen Einordnung bekommt, sind ja schließlich redirects auf die historisch gewachsenen Stilepochen! Wer so am alten Meyer hängt, soll das doch bitte als Quelle verlinken... Siren 23:17, 10. Mär 2006 (CET) -

Diskussion Bach vs. Telemann etc.

Hallo (ich halte mich an den Vorschlag "Neues zuoberst"),

Dieser Vorschlag war aber schwach. In dieser Kultur liest man von oben nach untern!! Da ich diesen "Vorschlag" anfänglich befolgte, wurde die Diskussion:Barock "unleserlich". Herr Qpaly war also letztlich der Auslöser für sein eigenes Problem. Jungfer A.

Was war das für eine Sperre? Wo ist der gute Herr AKA? Wissen Sie eigentlich, dass sie die Zentralbibliothek des Landes Berlin gesperrt haben? Was heißt "Diskussion" hier eigentlich? Etwa bloß: "Da hinten is noch'n Fehler und da müss'ma noch wat ändern"? Ist das Diskussion, ja?? Und mag man hier geistige Tiefe nicht? Übrigens, das Rote war von mir gewesen - wenig fundiert, ich machte es weg, schwupp war es wieder da. Bitte lasst es raus! Jungfer A.--141.15.30.1 20:50, 22. Nov 2005 (CET)

   m.E. kommt J.S.Bach hier allzu schlecht weg. Man mag persönlich seine Musik mögen oder nicht, aber Telemann und Graun als Spätbarockkomponisten zu nennen und ihn nicht, heißt doch, die flachere populäre Musik der Zeit als wichtiger anzusehen als die kunstvollere von Bach, der im  kompositorischen Sinne sicher (nach Ansicht wohl der Mehrheit der Fachleute) der "Vollender" der Barockmusik ist. Telemann war zu seiner Zeit viel bekannter, stimmt. Aber welches Stück von Telemann, lieber Phrood, würden Sie als gleichwertig mit der 6stimmigen Fuge aus dem Musikalischen Opfer ansehen, oder mit der Geigen-Chaconne? Es wäre schön, wenn ein Fachmann hier etwas Fundiertes dazu schreiben könnte.
  Grüße,  Ulrich von Möllendorff,   14.11.05 21:20    

Bach wurde im Abschnitt Spätbarock ergänzt. --Phrood 09:05, 15. Nov 2005 (CET)

Lieber Herr v. Möllendorff: Die Fuge ist für Bachs Zeit untypisch - gehört eher ins 16./ frühe 17. Jahrhundert. Es gab in der frühen Neuzeit eine Diskussion: "Lieber mehr Kunst anstatt von Kunststücken". Mancher Bachfreund hört sich verzückt eine Fuge an und tut im Konzert so, als sage ihm das was. Bach hat sogar mit noch mehr Stimmen aufgetrumpft. So was kann ein Mensch basteln - aber heraushören kann auch ein Bach da nichts mehr. Der Bach des Jazz war vielleicht Charlie Parker: ja ist denn dessen immergleiches Getürm von Skalen und Arpeggien schöne Musik? Im 18ten Jahrhundert gab es eine ganz ähnliche Entwicklung in der Generalbaß Musik: Weg vom annehmlichen/schönen, hin zum übertechnischen, das ich als oberflächliches Gedudel empfinde. Wenn man was von Musik versteht, ist dieses Strickmuster leicht durchschaubar. Demoiselle A.--141.15.30.1 20:45, 22. Nov 2005 (CET)

Hallo, wie zu sehen ist, habe ich ein Portugisisch-Wörterbuch konsultiert. "Barocca" ist auf keinen Fall portugisisch, sondern italienisch. Interessant auch der Blick ins Spanisch-Wörterbuch: die dem portugisischen verwandten Begriffe bezeichnen auch den Körperteil Bauch - gleichzeitig aber auch bauchige Gefäße: Fässer, Tonkrüge ect. - Ich habe auf der allgemeinen "Barock"-Seite schon die Vermutung geäußert, dass "nicht recht runde" Perlen vielleicht als 'Dreck/Geröll' abgetan wurden. Denn im Portuigischen bedeutet "barroca" auch gar 'Geröll/Erdloch'. Das wäre eventuell eine Erklärung, zumal das Barock hier recht penibel gewesen ist: Symetrie war ja die erstrebte Norm - das Unperfekte, Unförmige wurde weitgehend abgelehnt.--Demoiselle Amelise 17:58, 10. Okt 2005 (CEST)

Um vertrakte Schrittfolgen einer Rigaudon-Choreographie zu übern, griff ich kürzlich nach der 1.Ouvertüre von J.S.Bach - zunächst wählte ich die Neuauflage einer alten Berliner DDR-Produktion (einst sehr billig erstanden). Da fiel mir auf, dass mich die Suitensätzte extrem einschläferten. Zum Glück habe ich auch eine moderne Einspielung, worauf die Musik fröhlicher, verspielter, tänzerischer interpretiert ist. Früher wurde Barockmusik generell Kirchenmusikmäßig interpretiert. Dass man nach Bachs Tanzsätzen aber hervorragend tanzen kann, erfuhr ich bei meinem ersten Barocktanzlehrer. Ich finde seinen 1.Gavottesatz großartig - hoch kompliziert und trotzdem eingängig - ein richtiger Qualitätsschlager. Dass die Leute im Barock quasi unter Baldrian gestanden hätten, kriegt man aus vielen Älteren leider nicht raus. Im Charlottenburger Park übte unsere Tanzgruppe einmal. Angesichts der vielen Sprünge und Hüpfer unserer Originalchoreographien, meinten einige Senioren: "Das kann aber gar nicht sein, früher war alles ruhiger, so hektisch kann das nicht gewesen sein." Es tut diesen Leuten weh, erkennen zu müssen, dass die "früher alles besser-Welt" genauso unruhig gewesen ist, wie unsere heutige.--Demoiselle Amelise 17:00, 19. Aug 2005 (CEST)

Eigentlich ist es UNGERECHT (!), daß man deß Sonnenkönigs Herrn Directeur uber die Muicken "de" heut einfach so hinweg raubet. Obwohl der König ihn zum "de Lully" machte, gönnt man ihm das nicht. Aber da dies in allen Medien heute so verbrochen wird, muss man diese Verbrechen wohl mittragen (sonst haut der Link ja nit hin). Fridrich I. von Brandenburg=Preüssen unterschrieb seine Anweisung, die Gründungsurkunde für Charlottenburg auszustellen z.B. nicht mit "ie", sondern "Fridrich" - wehalb ich ihm den Gefallen tue. Leibnitz schrieb sich mit tz, außerdem hatte er sich ein "von" angemaßt, was allgemein toleriert wurde. Warum sind Profihistoriker nur so erschrecklich luschig - schnüff...--Demoiselle Amelise 20:51, 9. Aug 2005 (CEST)

Da ich zunächst nicht gewusst hatte, das hier ein Nutzername vonnöten ist, habe ich meine bisherigen Passagen heraus genommen und dann im nächsten Durchgang wieder eingesetzt. Somit liegt jetzt offen, was ich alles 'verbrochen' habe. --Demoiselle Amelise 18:27, 9. Aug 2005 (CEST)

Neues zuoberst! (mein Vorschlag, Qpaly 12:08, 27. Apr 2005 (CEST))


Eingefügt wurde:

Des weiteren gehört die Vorherrschaft einer führenden Melodiestimme Homophonie. Die Begleitstimmen sind bei- bzw. untergeordnet.

Mein Votum:

  • das erste kein Satz ;-)
  • das Barock warja wohl ein Zeitalter nicht der Homo-, sondern der Polyphonie
  • das gehört alles nicht in den Abschnitt "Instrumente"

--Qpaly 12:08, 27. Apr 2005 (CEST)


In Sachen Homo-/ Polyphonie ist zu bedenken, dass die eigentlich polyphone Musikepoche die Renaissance gewesen ist. Die Regeln des Kontrapunktes waren in der Renaissance am allerstrengesten und komplizierte Vielstimmigkeit stand an erster Stelle. Das Barock bricht vielfach mit dieser Tradition (die schon in der Gotik aufgekommen war). Kennzeichnend für die Musik des Barocks ist ja der Generalbass, das Continuo. Und dieser Generalbass begleitet die Melodieinstrumente wesentlich homophoner als zuvor - eben akkordisch. So ist kaum verwunderlich, dass Barockmusik gerne mit traditionellem Jazz verglichen wird - vor allem mit Dixieland und Swing. Zu beachten ist auch unbedingt, dass in das barocke Continuo (im Jazz die Rhythmusgruppe) unbedingt auch die Laute gehört und da tendiert das Ganze dann durchaus etwas zum 'Schrumm-schrumm'. Auch Schlaginstrumente, wie Tambourin, Kastagnietten und Triangel tauchen nicht selten auf. Heutzutage gibt es ja viele 'historische' Aufnahmen und die unterscheiden sich wesentlich von dem, was man um die Mitte des 20.Jahrhunderts von Barockmusik dachte. Sie war eben 'popiger', als die verstaubten Bilder heute noch glauben machen. Polyphonie ist im Barock nicht mehr 'alles', sondern ein Stilmittel und daneben haben homophone Ausdrucksmittel auch ihren Platz. - Bach war ein großer 'Fan' des Kontrapunktes, man darf aber nicht übersehen, dass Bach damals relativ unbedeutend war und für das Barock eben relativ untypisch. Aber auch Bach hat viel Homophone Musik geschaffen. In jungen Jahren war er von der Musik Lullies sehr inspiriert und hat sich erst später den Idealen der Renaissance so sehr verschrieben, wie sie heute vielfach als barocktypisch hingestellt werden. Vor allem sollte man nicht vergessen, dass der Mensch des Barock uns ähnlich gewesen ist. Sein Moden und sonstigen Vorlieben waren bei Leibe nicht so karg, wie man sich das heute vorstellt. Junge Menschen waren lustig und unternehmensfreudig - sie tanzten (so wie heute) vor allem deswegen gern, um dem jeweils anderen Geschlecht nahe zu kommen. Komponisten lebten damals maßgeblich davon, diese Bedürfnis nach Abenteuer und Amusement zu befriedigen. Es gab schließlich keine CD-Player, daher musste schon irgend jemand ein Tasteninstrument, eine Laute, oder eine Gitarre schlagen oder ein Streichinstrument spielen, damit man tanzen konnte. Für Profis war Improvisation damals ein Muss. Da Amateure dies vielfach nicht leisten konnten, waren Bearbeitungen von Tanzsätzen ein echter Markt. Kam eine neue Oper heraus, bot man fast an jeder Ecke die 'Hits' daraus feil - in Noten. Das ist mein Anliegen: Um dem Barock gerecht zu werden, müsste unbedingt mehr die Lebens- 'Pop'- Kultur dieser Zeit gewürdigt werden. Vor allem müsste der unberechtigte 'Übervater', die 'Ikone' -fast schon zum 'Gott' erhobene- Johann Sebastian Bach dringend relativiert werden. Er selbst sah sich kritischer, als seine Anhänger heute. Wahrscheinlich mit Unrecht, denn sein Ouvertüren zeigen ja, dass er auch diesen Stil hervorragend bedienen konnte - und da agierte er unheimlich homophon!

Gegeben, Amalie Elisabethe Lagavotte

Ich sehe das auch so. Die heutige übertriebene Bedeutung J. S. Bachs hat rein historische Gründe. Weil sich ein paar Biographen mit ihm beschäftigt hatten, war sein Werk alles, was man vor 100 Jahren vom Barock kannte, und von da an wurde er zunehmend glorifiziert. Und da ja Lexika gerne voneinander abschreiben, Bach sehr religiös war und sein "jazziger", von banalen Melodien durchzogener Stil sonderbarerweise oft gefiel, hat sich das bis heute gehalten. Das ging sogar soweit, dass man sein Werk absurderweise als Vollendung des Barock bezeichnete. Vielleicht sollte man mehr Augenmerk auf Telemann lenken? Wenn man noch etwas über den barocken "Pop" schreiben könnte, dann wäre das klasse. Phrood 21:02, 4. Aug 2005 (CEST)

Hallo, ich bin ganz neu hier; Gestern bemeldete der RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) einiges von Wikipedia, was ich gestern hier gleich 'verbrochen' machte mir im Nachher dann doch ein schlechtes Gewissen. Ich sehe, dass ich über die Wortbedeutung von "Barock" im ersten Teil etwas vorwegnehme, was unter einer anderen Überschrift im Ansatz schon erklärt wird. Da muss ich mal umstrukturieren. Mein Wörterbuch von 1719 ('der Frisch' ist für mich 'der Duden') habe ich leider nicht hier in der Bibliothek (ist ein Original) aber zuhause schlage ich nochmal nach, um hier den ganzen Absatz zitieren zu können. - Manche Leute erschreckt meine betont emotionale heran-gehens-weise an ein scheinbar rein historisches Thema, ich gebe aber zu bedenken, dass man mit reiner Objektivität nie das wirkliche Leben einer Zeit erfassen und darstellen kann. Anfang 1999 entschloss ich mich, in 'den Barocken Kalender' einzusteigen und setzte das Jahr 1699 - mittlerweile schreibe ich das Jahr 1705 und sehe, dass ich da recht wohl 'angewachsen' bin. Das Experiment ist also geglückt. In der Regel meide ich moderne Literatur über das Barock, um Originalliteratur zu bevorzugen. Indem ich diese als 'Gegenwartsliteratur' auffasse, wächst in mir soetwas wie 'barockmediale Lebenserfahrung', beziehungsweise wachse ich an den Originalmedien des Barock. Zur Musik: weiß gar nicht recht, wo ich anfangen soll. In 'Teütschland' gab es damals eine Musikszene, die heute kaum ein Barockmusikfreund erahnt. Es gibt aber durchaus CDs davon, die im Handel meist nicht in der ersten Reihe stehen, weil sie eben wenig gefragt sind. Gerade jetzt ist eine CD heraus gekommen, die sich "Ouvertüren" nennt, bei HarmoniaMundi, und zwar von der Berliner Akademie für alte Musik. Darauf sind Tanzsätze von Händels 1705er Erstlings-Oper enthalten - aber es sind vor allem eben die heute unbekannten Komponisten darauf, die damals bedeutender waren als Händel. Da neben dem Cembalo Laute und Schlaginstrumente nicht fehlen, 'rockt' dieser Barock auf besagter CD nicht zum Wenigsten. Zu Bach: Wenn's bei ihm richtig schön klingt, zitiert er offensichtlich meist Melodien, die schon bekannt sind (bei alten Chorälen ja leicht nachzuvollziehen). In den Brandenburgischen Konzerten stören mich seine langatmigen Sequenzen, die er -versetzt auf verschiedenen Tonstuffen- schier endlos wiederholt. Irgend ein Bach-Biograph räumt ein, Bach hätte höchstselbst seinem "Wol=Temperirtes Clavier" musikalische Qualität abgesprochen; er betonte danach damals, es sei nur ein Experiment. Ich muss Bach hier zustimmen: dieses Werk ist wahrlich kein Genuss - es ist schlicht hochinteressant. Doch wie vorgebliche Freunde dergleichen mit aufgesetzter Ergriffenheit konsumieren, ist mir ein Rätsel. Barockfreunde sind offenbar entweder extrem verkopft, oder extrem kokett (ich meine hier meine Barocktanzszene): von diese Side hier erhoffe ich mir, Leute kennen zu lernen, die irgendwie dazwischen stehen. Ich muss zuhause mal etwas vorstrukturieren. Wenn ich hier anfange, meine Barocke 'Lebenserfahrung' auszupacken, wird's ganz 'erschrecklich weitläuffig'. Nach meinen gestrigen Erfahrungen habe ich mich vorerst in den Diskussionsteil verbannt. Sagt Ewre dienstwillige Demoiselle Amelise

Nachtrag/ Amelise: Bin jetzt zufriedener - habe noch einiges ergänzt. Was ich nicht tun mag, ist etwas zu löschen. Ich habe mir aber erlaubt Sätze zu ergänzen und hoffe, dass dies nicht als allzu schwerwiegende Manipulation gewertet wird.

Geschrieben stand:

Andere, wichtige Neuerungen in der Musik sind die Taktstriche, die nun erstmals eine geregelte metrische Einteilung darstellten.

Die gab es schon in der Renaissance. Im Barock wurden sie nur immer mehr zur Konvention.

--Qpaly 15:46, 11. Jul 2003 (CEST)



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Barockmusik und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 24.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).