Wikipedia GNU FDL Artikel anzeigen Artikel bearbeiten
 
Carlismus

Toplinks zu diesem Thema:
Gruppe, Verlag, Homepage, Rahmen, Gruppen, Kurs, Schutz, Spanisch, Ausbildung, Autor, Balearen, Geld, Ideal, Mag, Option, Otto, Rolle, Sprache, Sprachen, Tour, Vergleich



Der Artikel Carlismus gehört zur Kategorie: Exzellent, Monarchistische Partei, Spanische Partei, Spanische Geschichte, Spanischer Bürgerkrieg, Spanische Militärgeschichte, Baskenland, Haus Bourbon, Haus Bourbon-Parma, Historische Partei (Spanien)
Als Carlismus (auch Karlismus) bezeichnet man eine monarchistische Bewegung in Spanien, die seit 1833 Angehörige einer auf Carlos María Isidro von Bourbon zurückgehenden Seitenlinie des bourbonischen Königshauses und mehrheitlich seit 1952 Angehörige einer auf Francisco Javier von Bourbon-Parma zurückgehenden Seitenlinie des Hauses Bourbon-Parma als Thronprätendenten favorisiert.

Von diesem vordergründigen Ziel abgesehen, waren die Carlisten lange Jahre die Hauptpartei in einem innerspanischen Kulturkampf, welcher sich von der napoleonischen Besatzung bis zum Spanischen Bürgerkrieg von 1936 hinzog und sich in mehreren Bürgerkriegen äußerte, den sogenannten Carlistenkriegen. In diesem Kulturkampf kämpften die Carlisten mit ihrer absolutistisch-katholischen Gesinnung gegen die liberalen, später die republikanischen Kräfte in Spanien.

Entstehung der carlistischen Bewegung

Der Konflikt zwischen Liberalen und Absolutisten

1808 hatte Spanien vor Napoleon kapituliert, konnte ihn und seine Herrschaft aber in einem grausamen Guerillakrieg mit englischer Unterstützung vertreiben. Dieser Widerstand gegen die französische Besatzung ging nicht vom König aus, vielmehr hatte das Volk – in Ermangelung funktionierender zentraler politischer Institutionen – selbst Juntas und Räte zur Organisation der Verteidigung gegen die bonapartistische Besatzung ins Werk gesetzt. Als die Cortes Generales im Jahr 1810 in Cádiz zusammentraten, um eine Verfassung zu beschließen, waren sie ebensowenig vom König einberufen worden. Diese Erfahrungen machten auf große Teile des spanischen Volks bleibenden Eindruck.

Abbildung
Ferdinand VII.
Bildherkunft
Ferdinand VII erstieg den spanischen Thron und versuchte trotz aller zwischenzeitlich eingetretenen Ereignisse, an den Cortes vorbei absolutistisch weiterzuregieren. Eine liberale Verfassung wurde 1820 infolge eines pronunciamiento von der Armee erzwungen, wobei die Inquisition abgeschafft und erneut die Cortes einberufen wurden. Die liberale Mehrheit in den Cortes setzte zunächst neben einem Presse- und Vereingesetz auch die Aufhebung der Klöster (bis auf vierzehn) und die Unterwerfung der Geistlichkeit unter die staatliche Besteuerung durch. Als die radikalen Liberalen, die „Exaltados“ (denen nach Salvador de Madariaga „die weise Kunst des Wartens ab[ging]“Salvador de Madariaga, Spanien, S. 54), 1822 die Mehrheit in den Cortes erlangten, gaben sie ihre Zurückhaltung jedoch auf und erließen eine Reihe weiterer Reformgesetze, die jedoch praktisch nicht umgesetzt werden konnten, da der König ihre Umsetzung nach Möglichkeit behinderte und die Stimmung im Volk dieses radikale Vorgehen nicht guthieß.

Doch schon drei Jahre nach der Wiederannahme der Verfassung (dem „Liberalen Triennium“ oder, wie die Absolutisten sie nannten, den „drei sogenannten Jahren“) wurde diese Verfassung durch eine von Ferdinand selbst herbeigerufene französische Invasion der „Hunderttausend Söhne des heiligen Ludwig“ wieder kassiert. Louis XVIII. von Frankreich wollte mit seiner Intervention allerdings den Absolutismus nicht wiederherstellen, sondern hatte Ferdinand VII. das Versprechen abgenommen, seinem Volk eine charter, also ein gemäßigtes Grundgesetz, einzuräumen. Als Ferdinand sich nicht daran hielt, bestand Louis, um sein Gesicht wahren zu können, darauf, dass wenigstens die Inquisition nicht wieder eingerichtet werden dürfe, und veranlasste Ferdinand, seinen Kirchenminister Víctor Saez zu entlassen.

Im weiteren Kampf um eine Verfassung standen sich als Kontrahenten im wesentlichen die liberale, sehr stark freimaurerisch geprägte und die Ideen der Französischen Revolution favorisierende Armee und die dem Absolutismus zugeneigte konservative Kirche gegenüber. Die Positionen beider Parteien waren unvereinbar.

Die Anhänger des Absolutismus waren vom hergebrachten Bild des Königs überzeugt, welcher sein Amt direkt von Gottes Gnaden erhielt und durch diese Belehnung über die Sterblichen hervorgehoben wurde. Sein Amt war es, als Gottes Schild und Schwert auf Erden zu wirken. Indem der Monarch Souverän war, war Gott der Souverän: Monarchismus und Religion waren für die Absolutisten – und zumal für die spanischen – untrennbar ineinander verschränkt. Daher war eine vertragliche Vereinbarung, welche das Verhältnis des Monarchen zu seinem Volk zu regeln unternahm, nach ihrem Empfinden zugleich eine Majestätsbeleidigung und eine Gotteslästerung. Der König schwor einen Eid bei seiner Krönung, und ebenso schwor er oder vielmehr sein Vertreter, im Falle etwa des Baskenlands unter der Eiche von Guernica, die alten Vorrechte der nichtkastilischen Regionen zu achten. Die Absolutisten sahen demgemäß keinen Vorteil darin, eine Verfassung, welche Menschenwerk war und mit einem Federstrich geändert werden konnte, dem unabänderlichen und vor Gott geschworenen Eid vorzuziehen. Das spanische monarchische Ideal stand hierbei weniger nach dem bourbonischen Absolutismus französischen Vorbilds nach Art einer Regierung des nostre bon plaisir, sondern – Salvador de Madariaga zufolge – weit eher nach der Regierungsweise der Habsburger, welche darin bestand, politische Ideen und Institutionen wie vor allem den spanischen König in einer Weise in Personen verkörpert zu sehen, dass alle Verehrung, alle etwaigen religiösen Attribute nicht der Person, sondern dem Amt zukamen. Dem Amt des Königs war Ehrfurcht geschuldet, soweit und solange er es pflichtgemäß ausfüllte und somit als christlicher König anzusehen war.Salvador de Madariaga (Spanien, S. 51) gibt ein anschauliches Beispiel dieser Geisteshaltung anhand einer kleinen Episode: „Als Sigismund Clotaldo den Bediensteten des Königs bestrafen will, der ihn gefangengehalten hatte, wirft einer der Anwesenden ein, alles sei auf Befehl des Königs geschehen. Darauf antwortet Sigismund: En lo que no es justa ley / no ha de obedecer al Rey“. (Sofern der König im Unrecht ist, braucht man ihm nicht zu gehorchen.)

Selbst von dieser religiösen Komponente abgesehen bedeutete eine Verfassung der von den liberalen Kräften vorgesehenen Art die Errichtung eines Zentralstaats nach französischem Vorbild, was die Absolutisten ablehnten. Spanien war seit jeher eher einem Staatenbund als einem Staat ähnlicher gewesenBrenan, Geschichte Spaniens, S. 53. Gemeinsame Institutionen aller Landesteile waren im wesentlichen nur der König in Kastilien und die katholische Kirche gewesen, während die Regionen ihre eigenen Institutionen und ihr althergebrachtes Sonderrecht gepflegt hatten.

Die Liberalen dagegen empfanden das geistige Klima in Spanien, welches dem freien Gedanken und freien Wort entgegenstand, als drückend und arm. Sie sahen mit Bedauern, dass ihr Land bereits seit langem von Europa isoliert war und nach ihrem Empfinden in seiner geistigen Entwicklung anderen Nationen nachstand. Aus diesem Grund standen sie für die Ideale der Französischen Revolution ein und wünschten, dass diesen auch in ihrem Lande zum Durchbruch verholfen werden sollte. Bereits seit dem 18. Jahrhundert in Freimaurerlogen organisiert, hatten sie 1810 beim Zusammentreten der konstituierenden Cortes die Liberale Partei gegründet. Das Liberale Triennium war vor allem das Werk der spanischen Freimaurerei gewesen. In diesen drei Jahren verbreiteten sich die Logen in einem Maße, dass sie zur führenden Kraft des Mittelstands wurden. Von da an stellten die Logen der Liberalen „die Internationale des revolutionären Mittelstandes in ihrem Kampf gegen feudale und religiöse Institutionen“Brenan, Geschichte Spaniens, S. 239 dar. Im Militär übten die Liberalen einen besonders starken Einfluss aus, und viele pronuniciamientos der folgenden Jahrzehnte waren auf die Tätigkeit von Angehörigen der Militärlogen zurückzuführen. Nach den Vorstellungen der Liberalen sollte Spanien, wie andere europäische Länder es bereits getan hatten, sein Verhältnis zum König nach Art eines Gesellschaftsvertrags regeln und zum Vorteil aller die Befugnisse des Monarchen, der Cortes und anderer Verfassungsorgane klar festlegen. Zu einer nach liberaler Auffassung überfälligen Reform des spanischen Staatswesens gehörte die Ordnung und Straffung der unübersichtlichen staatsrechtlichen Konstruktion des Landes.

Die Pragmatische Sanktion und die Nachfolge Isabellas II.

Abbildung
Jugendbild Carlos’ (V.)
Bildherkunft
Die Zeichen, die einen ernsten Konflikt zwischen Absolutisten und Liberalen ankündigten, mehrten sich bereits zu Lebzeiten Ferdinands. Während seiner weiteren absolutistischen Herrschaft bildete sich bei den Anhängern des Absolutismus unter Führung Victor Saez’ eine radikale Gruppe, die so genannten Apostólicos, welche die Wiedereinführung der Inquisition forderten. Die Apostólicos waren glühende Anhänger Don Carlos’, des Bruders Ferdinands. Infante Carlos María Isidro hatte sich durch besondere Frömmigkeit und strikten Antiliberalismus hervorgetan. Diese Gruppe kann als ein Vorläufer des Carlismus angesehen werden. In den Jahren zwischen der Aufhebung der Verfassung und der späteren Wiederannäherung Ferdinands an die Liberalen um 1830 hatte dieser Kreis um Carlos erhebliche Macht inne. So konnten die Apostólicos die Entlassung mehrerer Minister durchsetzen, wenngleich auch nicht die Wiedereinführung der Inquisition, da die französischen Besatzungstruppen im Lande, die bis ins Jahr 1828 in Spanien verblieben, die Umsetzung einer solchen Maßnahme einstweilen nicht ratsam erscheinen ließ.

Auch die Liberalen radikalisierten sich immer mehr und wurden antiklerikal mit einer besonderen Abneigung gegen Ordensgeistliche. Für religiöse Belange hatten sie wenig Verständnis und wollten auch keines aufbringen. Vielmehr fassten sie die Religion und den Klerus als ernstes und – in dem Maße, in dem sie radikaler wurden – als zu beseitigendes Hindernis für die Errichtung eines modernen und freien Spaniens auf.

Die Bruchstelle des künftigen Konflikts der zwei Teile der spanischen Gesellschaft zeichnete sich schon 1830 ab. Don Carlos, der Bruder Ferdinands, dessen Gesundheit sich unter seiner ausschweifenden Lebensführung immer weiter verschlechterte und der heftig unter der Gicht litt, beanspruchte die Nachfolge des Königs, dem in seinen vier Ehen kein Sohn geschenkt worden war. Gleichzeitig gaben sich die Apostólicos in anmaßender Weise allzu siegesgewiss und sahen in Carlos allzu offen den künftigen König. Bereits im Zuge eines Aufstands, der 1827 Katalonien erfasste und der von einer weiteren radikalabsolutistischen Gruppe initiiert worden war, die sich Agreugats („Gekränkte“) nannte, wurde Carlos zum König ausgerufen. Ferdinand ging jedoch mir Entschlossenheit gegen diese Bewegung vor, und Carlos musste abwinken, um nicht den Vorwurf des Hochverrats zu riskieren.

Ferdinand hatte jedoch seine einzige Tochter Isabella II. 1830 im Rahmen einer Pragmatischen Sanktion (Pragmática Sanción) unter Abschaffung der Salischen Erbfolge und Rückkehr zur alten spanischen Erbfolge als Thronerbin bestimmt. Dies geschah, indem Ferdinand einen 1789 von den Cortes eingebrachten Antrag auf Herstellung der alten Thronfolgeregelung, den der damalige König Carlos IV. nicht als Gesetz hatte verkünden lassen und der seitdem ruhte, über 40 Jahre später nachträglich genehmigte.

Abbildung
Isabella II. als Erwachsene
Bildherkunft
Die in Spanien von König Philipp V. im Jahr 1713 eingeführte Salische Erbfolge sah die Thronfolge von Frauen nur dann vor, wenn männliche Thronerben auch in keiner Seitenlinie mehr vorhanden waren. Philipp V., erster spanischer Bourbone, hatte diese Thronfolgeregelung am 13. Mai 1713 auf Druck der übrigen europäischen Mächte nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs anstelle der auf das Königreich Kastilien zurückgehenden Regelung eingeführt. Damit sollte verhindert werden, dass die beiden bourbonischen Kronen Spaniens und Frankreichs in einer Hand vereinigt werden konnten.

Um diese Pragmatische Sanktion, die unter Abkehr vom Salischen Gesetz die Thronfolge Isabellas vorbereitete, im eigenen Lande umsetzen zu können, machte Ferdinand den Liberalen Zugeständnisse, etwa indem er die Regierung auswechselte und ein gemäßigt-absolutistisches Kabinett berief. Die Liberalen, die einer Thronfolge Carlos’ mit Schrecken entgegensahen, waren unter diesen Umständen gerne bereit, Isabella als Prinzessin von Asturien anzuerkennen. Carlos sah die Gefahr, und nachdem ein Anschlag seiner Anhänger auf das Leben des Königs erfolglos geblieben war, presste man dem 1832 schwer erkrankten Ferdinand den Widerruf der Pragmatischen Sanktion ab, welche er nach seiner Genesung allerdings umgehend zurücknahm.

Ferdinand sollte Recht behalten, als er im Jahre 1832 den folgenden merkwürdigen Vergleich zog: „Spanien ist eine Bierflasche, und ich bin der Pfropfen. Wenn ich herausspringe, wird sich der gesamte Inhalt in Gott weiß welche Richtung ergießen“zit. nach Marion Höflinger, in: Geschichte mit Pfiff 7/92, S. 19. Bereits unmittelbar nach Ferdinands Tod im Jahr 1833 entzündete sich der unablässige Konflikt zwischen Liberalen und Absolutisten, der bereits seit vielen Jahren an einen Bürgerkrieg grenzte, an der Frage der Nachfolge Ferdinands. Don Carlos sah Isabellas Thronfolge als Raub seiner Thronansprüche an, wofür er durch Ferdinand nach Portugal ausgewiesen wurde. Er wurde von der Kirche und regionalen Autonomisten des Nordens und Nordostens unterstützt. Nachdem die Cortes der dreijährigen Isabella huldigten und die Königinmutter María Cristina die Regentschaft übernahm, führte der Aufruf des Bischofs von León und der Jesuiten, zu den Waffen zu greifen, zur Sammlung der Absolutisten unter dem Banner Don Carlos’, der sich selbst zum rechtmäßigen König erklärte, und damit zur Entstehung der Carlistenbewegung und sofort zu offenem Kriegszustand in Spanien.

Die Carlistenkriege

Alle drei carlistischen Kriege haben als Guerillakriege begonnen, und reguläre Armeeeinheiten fanden sich in keinem Falle von Beginn an auf carlistischer Seite. In allen Fällen standen sich auch in den carlistischen Hochburgen die von unabhängigen Kleinbauern geprägten ländlichen Gebiete und die mit wenigen Ausnahmen weitgehend liberal gesinnten Städte gegenüber. Nur der Dritte Carlistenkrieg war eine von planerischer Hand eingeleitete Erhebung, die anderen begannen als Aufstände. Bald entstanden jeweils mehr oder weniger zusammenhängende und sich bekämpfende carlistische und regierungstreue Territorien mit einer Frontlinie und Armeen. Hierbei bildete die territoriale Basis der Carlisten (insbesondere Navarra, die Rioja, das Baskenland, Katalonien und der nördliche Teil der Provinz Valencia) jeweils bald eigene staatliche Strukturen heranEin Beispiel sind die von den Prätendenten während des Ersten und Dritten Carlistenkriegs ausgegebenen Peseten, vgl. http://www.partidocarlista.... mit Ausnahme des zweiten Carlistenkrieges, in welchem das nicht der Fall war. Interessanterweise verlief auch der Spanische Bürgerkrieg später weitgehend nach diesem Muster.

Der Erste Carlistenkrieg

Der Erste Carlistenkrieg, ein erster spanischer Bürgerkrieg und zusammen mit den weiteren Carlistenkriegen der letzte größere europäische Konflikt mit dem Ziel der Inthronisierung eines Prätendenten, brach am 5. Oktober 1833, nur sechs Tage nach Ferdinands Tod, mit einem Aufstand in den drei baskischen Provinzen aus. Von hier breitete er sich über Navarra, die Rioja, Aragon, Katalonien, Valencia und sogar Teile der Extremadura und Andalusiens aus. Die Carlisten konnten in Nordspanien (abgesehen von den Festungen des Gebiets) vorübergehend ihre eigene Herrschaft aufrichten, und die Kampfhandlungen zogen sich über volle sieben Jahre bis 1840 hin.
Ziele des Ersten Carlistenkriegs
Der Erste Carlistenkrieg hat viele Facetten und wurde von beiden Seiten aus vielen Motiven geführt. Es handelte sich bei diesem Krieg um einen Krieg um die Verteidigung der Religion und des Klerus, einen Krieg um die Macht in Spanien und die künftige Verfasstheit des Landes und um einen Sezessionskrieg derjenigen spanischen Randgebiete, die auf carlistischer Seite standen – vor allem aber handelte es sich um einen Kulturkampf zwischen Staat und Kirche.

Die spanischen Liberalen und das Militär, als „Cristinos“ oder auch „Isabelinos“ bezeichnet, arbeiteten auf eine Trennung von Kirche und Staat und eine entschiedene Forcierung eines zentralistischen Aufbau des Staats hin. Sie kämpften für den Anspruch Kastiliens auf die Herrschaft über die ganze iberische Halbinsel – und somit auch gegen die Sonderrechte der Randgebiete. Die Regentin María Cristina von Sizilien und ihre Tochter Isabella hatten keine andere Wahl, als sich vollends auf diese in sich heterogenen Gruppierungen, welche man unter der Bezeichnung der konstitutionellen Monarchisten zusammenfassen könnte, zu stützen, wenn sie politisch überleben wollten. Der Preis der Unterstützung durch die Liberalen, die Ausarbeitung und Verkündung einer Verfassung für Spanien, stand von vornherein fest, wenngleich dieser nicht María Cristinas Überzeugung entsprach. Die selbst absolutistisch gesinnte Königinmutter wurde lediglich durch Carlos’ Angriff im Norden daran gehindert, die Liberalen umgehend wieder aus dem Zentrum der Macht zu vertreiben. Da sich die Absolutisten selbst im Wege standen, triumphierten die Liberalen. 1834 verfügte die Regentin Maria Cristina einen königlichen Freibrief: Spanien war damit praktisch zu einer konstitutionellen Monarchie geworden. 1836 zwang der Aufstand eines Armeeregiments, welches nach dem Königspalast zog, María Cristina endgültig zur Anerkennung der Verfassung von 1812.

Abbildung
Carlos (V.)
Bildherkunft
Eine konstitutionelle Monarchie wollten vor allem diejenigen eigenständigen spanischen Randgebiete wie vor allem das Baskenland eben verhindern, welche ihre alten Rechte weitgehend ungeschmälert hatten bewahren können und nun nicht nur um ihre Autonomie, sondern auch um ihren Bestand als geschichtlich gewachsene territoriale Einheiten zu fürchten hatten. Nur durch Carlos glaubten diese Regionen mit ihrem traditionellen Sonderstatus innerhalb Spaniens, ihre Rechte (die fueros) bewahren zu können.

Diese fueros bestanden etwa im Baskenland, wo sie seit jeher am weitreichendsten gewesen waren, in einem eigenen Parlament (in Guernica), einem eigenen Münzwesen sowie in einer eigenen Verwaltungs-, Zoll- und Steuerhoheit und in der Befreiung vom spanischen Militärdienst. Ohne baskische Erlaubnis durften die Truppen des Königs ihr Land nicht passieren.

Die Gebiete, welche sich auf Carlos’ Seite stellten, waren darum namentlich Navarra, Aragon, Katalonien, die ländlichen Gebiete des Baskenlandes – und selbst Teile Altkastiliens. Nach carlistischem Empfinden war selbst noch der durch die Bourbonen herbeigeführte staatsrechtliche Zustand schon zu zentralistisch und daher zu überwinden: so verlangte Katalonien, welches kaum noch eigene fueros hatte, seine alten Rechte zurück, welche ihm vom ersten Bourbonenkönig nach dem Spanischen Erbfolgekrieg genommen worden waren, da es sich unter den Schutz Frankreichs gestellt hatte.

Eine Verfassung aber drohte infolge der zentralistischen und uniformistischen Bestrebungen der Liberalen, Spanien unwiderruflich zu einem Zentralstaat umzuwandeln. Und in der Tat beschlossen die Liberalen im „Real Decreto de 30 de noviembre 1833“http://es.wikisource.org/wi... nach französischem Vorbild die Aufteilung Spaniens in Provinzen, womit die alten Gliedstaaten des spanischen Staats von der Landkarte verschwinden sollten.

Die Frage nach der künftigen Verfasstheit aber führte zwangsläufig zu einem Kulturkampf des Staates gegen die Kirche. Das alte System war von der Kirche nicht zu trennen und ohne sie nicht einmal zu denken, da abgesehen vom Amt des Königs die Kirche in der Vergangenheit die einzige gesamtspanische Institution gewesen war. Sie war der Kitt zwischen den halben Dutzend ansonsten unabhängiger Staaten, aus denen sich Spanien zusammensetzte und die unter der Herrschaft der Habsburger allesamt ihre eigenen Verwaltungen, ihre eigenen Cortes und eigene Gesetze gehabt hatten. Hieran hatte sich auch unter den Bourbonen nichts Grundlegendes geändert, auch obgleich diese mit Antritt ihrer Herrschaft den Gliedstaaten mit Ausnahme des Baskenlands die fueros weitgehend genommen hatten. Diese staatliche Verfasstheit stand und fiel mit der Stellung und der Macht der Kirche. Daher kann gesagt werden, dass die Carlisten die Waffen für die Selbstbehauptung der Kirche innerhaupt des spanischen Staats ergriffen.

Ablauf des Ersten Carlistenkriegs
Abbildung
Tomás Zumalacarregui
Bildherkunft
An der Spitze der carlistischen Truppen, der so genannten Requetés, stand Tomás Zumalacárregui aus Ormaiztegi in Guipúzcoa, der sich bereits 1820 auf die Seite der Gegner des liberalen Trienniums geschlagen hatte. Er formte aus den zunächst schlecht ausgebildeten und bewaffneten carlistischen Kämpfern eine reguläre Armee. Hierzu war er zunächst weitgehend auf von den Regierungstruppen erbeutetes Material angewiesen, da die Regierung die spanischen Häfen und damit die Nachschubwege der Carlisten blockierte. Zu Beginn des Ersten Carlistenkriegs konnten die Carlisten trotz dieses Nachteils beachtliche Erfolge erzielen, und während der meisten Zeit sahen sich die Regierungstruppen – die sich zumeist aus unmotivierten und knapp gehaltenen Eingezogenen unter der Führung eines oft wenig fähigen Offiziersstabs zusammensetzten – in der Defensive. Zumalacárregui kontrollierte bald ganz Navarra und das ganze Baskenland mit Ausnahme der Festungen. Damit zog er sich allerdings den Argwohn des Prätendenten zu, welchen das gewaltige Ansehen, das Zumalacárregui bei den Soldaten genoss, in Sorge versetzte.

Die Gräuel, welche die einander mit großer Unerbittlichkeit gegenüberstehenden Parteien sich gegenseitig wie auch unbeteiligten Zivilisten zufügten, waren von einer solchen Grausamkeit, dass andere europäische Mächte Cristinos und Carlisten im Rahmen des „Lord Elliot Agreement“ zur Einhaltung gewisser Standards der Kriegführung bewegen mussten. Carlos hatte bereits zu Beginn der Feindseligkeiten verfügt, dass jeder Spanier, der sich nicht unter seinem, Carlos’, Kommando erhebe, ungeachtet aller Gründe, welche er dafür auch anführen mochte, zu töten sei. Dem entsprach später das „Dekret von Durango“, wonach alle aufgegriffenen ausländischen Kombattanten der Gegenseite ohne weiteres zu erschießen waren. Da die Carlisten nicht auf die staatliche Infrastruktur zurückgreifen konnten, sondern sich aus dem Lande versorgen mussten, richteten sich mit der Zeit Gewalttätigkeiten von zu Banden herabgesunkenen carlistischen Freischärlern auch gegen die spanische Bevölkerung, und viele militärische Aktionen wurden hauptsächlich zu dem Zweck durchgeführt, Geld aus der Bevölkerung zu pressen.

Die Cristinos hingegen nahmen den Ausbruch der Cholera während des Krieges zum Anlass, zu verbreiten, die „Mönche“ hätten die Brunnen vergiftet. Als der Mob das Feindbild begeistert aufgriff und die Klöster stürmte, kamen über hundert katholische Ordensleute ums Leben. Zwei Jahre nach Kriegsausbruch, im Juli 1835, ließ die Regentin die Gesellschaft Jesu verbieten und schloss außerdem im Oktober desselben Jahres auf Betreiben des Bankiers Álvarez Mendizábal durch ihr ley desamortizado eine Anzahl von Konventen. Was ein Akt der Beschwichtigung der kirchenfeindlichen städtischen Massen sein sollte, wurde im Gegenteil zu einem bis dahin beispiellosen Klostersturm. Hunderte von Klöstern wurden niedergebrannt und zahlreiche Ordensangehörige und Kleriker verloren ihr Leben. Die Gewaltausbrüche gegen den Klerus haben viel zur Bitterkeit zwischen den spanischen Parteiungen beigetragen und wurden ein Leitmotiv des spanischen Kampfes der Liberalen gegen die Konservativen, das über die Semana Trágica bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg noch oft neu inszeniert werden sollte.

1835 schien die Sache der Cristinos verloren zu sein. Zumalacárregui kontrollierte fast ganz Spanien nördlich des Ebro, und seine Armee umfasste 30.000 Mann, deren Kampfkraft und Moral weit besser war als die der Regierungstruppen. In Andalusien drang der carlistische General Gomez vor. Zumalacárregui plante nun, seine Kräfte zusammenzuziehen und direkt auf Madrid zu marschieren – ein Plan, der, wenn er umgesetzt worden wäre, gute Aussichten gehabt hätte, dem Prätendenten die Kontrolle über die Hauptstadt zu verschaffen. Carlos (V.) wünschte allerdings zur Lösung der Nachschubfrage zunächst die Kontrolle über einen Seehafen zu erlangen, und so wurde Zumalacárregui angewiesen, Bilbao zu belagern. Zumalacárregui zog sich hierbei am 14. Juni 1835 eine an sich ungefährliche Wunde an seiner Wade zu, als er von einer verirrten Kugel getroffen wurde. Er verlangte nach seinem englischen Leibarzt, der diese Wunde wohl unschwer hätte kurieren können, doch sandte ihm Carlos seine eigenen Ärzte, unter deren Behandlung Zumalacárregui am 24. Juni 1835 starb. Unter den Carlisten wurden deshalb Gerüchte laut, dass Zumalacárregui vergiftet worden sei.

Abbildung
Abrazo de Vergara: Darstellung der Generäle Espartero (links) und Maroto (Gemälde von Bernardo Lopez, 1801–1874)
Bildherkunft
Der Erste Carlistenkrieg zeigt auch insoweit Parallelen zum Spanischen Bürgerkrieg von 1936, als sich auf beiden Seiten gewissermaßen Internationale Brigaden zeigten. Beide Parteien des gerade in den Jahren vor Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs in Portugal ebenfalls zwischen Liberalen und Absolutisten ausgetragenen Miguelistenkriegs griffen in den Krieg ein, um der jeweils eigenen Sache auf der spanischen Seite beizustehen. Auf carlistischer Seite bildeten portugiesische Einheiten sogar eine eigene Kompanie. Ferner galt die Sympathie der Heiligen Allianz der Carlistenbewegung. Auch einige englische Freiwillige schlossen sich den Carlisten an, und manche englische Tories lieferten Waffen und erschienen zu Besuchem in Carlos’ Lager, wobei sie aber nach Verkündung des Dekrets von Durango ihre Hilfe wieder einstellten (Brenan weist darauf hin, dass es sich hierbei um dieselben englischen Konservativen handelte, welche zu Hause in England die Emanzipation der Katholiken bekämpften). Auf der Seite der spanischen Regierung hingegen griffen britische Hilfstruppen mit fast 10.000 Mann und die französische Fremdenlegion unter Colonel Bernelle in die Kämpfe ein. Die Fremdenlegion verzeichnete jedoch so viele Deserteure, dass die Carlisten aus ihnen eine eigene Truppe, die sogenannten Argelinos, aufstellen konnten. Für die Cristinos erfocht die französische Fremdenlegion die Siege von Terapegui 1836 und Huesca 1837. Nach Ende des Ersten Carlistenkriegs hatte die Fremdenlegion die Hälfte ihrer Mannschaft verloren.

1837 erschienen die Carlisten unter der Führung Carlos’ (V.) schließlich noch vor Madrid. Allerdings blieb der erhoffte Aufstand in der Stadt aus, und die Hauptstadt konnte nicht genommen werden. In diesem Jahr gelang (am 14. Oktober) dem christinischen General Baldomero Espartero der Sieg in der Entscheidungsschlacht von Huerta del Rey, wonach er Schritt für Schritt die nördlichen Provinzen wieder unter Regierungskontrolle zu bringen begann. Zugleich begann sich Uneinigkeit im carlistischen Lager auszubreiten. Der carlistische General Maroto, der erst Jahre nach Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs zu den Carlisten gestoßen war, geriet wegen seiner gemäßigten Haltung mit den Apostólicos in Konflikt – was mit der von ihm angeordneten Erschießung der apostolischen Generäle endete.

Abbildung
Convenio de Vergara
Bildherkunft
Beendet wurde der Erste Carlistenkrieg, als sich Ermüdungserscheinungen auf beiden Seiten zeigten. Die Kommandeure der sich gegenüberstehenden Seiten – nämlich auf Seite der Carlisten General Rafael Maroto, der die Rache der Apostólico fürchtete, und auf der Seite der Cristinos General Baldomero Espartero – waren von ihrer früheren Tätigkeit in Südamerika her miteinander bekannt und befreundet. Beide Generäle einigten sich am 31. August 1839 in einem freundschaftlichen Gespräch, dem so genannten abrazo de Vergara (Verbrüderung von Vergara), über die Köpfe der Regentin und des Prätendenten hinweg auf eine Einstellung der KampfhandlungenWikisource: Convenio de Vergara (span.), woraufhin eine Anzahl der carlistischen Regimenter die Kampfhandlungen einstellte. Obwohl der abrazo und seine geheimen Waffenstillstandsvereinbarungen von zahlreichen anderen Carlisten als Verrat angesehen wurde, ging Don Carlos auf Druck Marotos am 15. September 1839 ins Exil auf das Schloss Bourges in Frankreich, wo er noch jahrelang in halber Gefangenschaft lebte, bis er 1845 auf seinen Thronanspruch verzichtete. Die Kämpfe erstarben allmählich, und als der letzte Widerstand des Generals Cabrera durch dessen Verbtreibung nach Frankreich am 15. Juli 1840 erstickt werden konnte, hatten die Liberalen die Oberhand behalten.

Den Basken wurde nach dem Ersten Carlistenkrieg ein bedeutender Teil ihrer fueros genommen. Sie behielten jedoch die Steuer- und Zollhoheit, und man nahm sie weiterhin vom Militärdienst aus.

Der Sieg der liberalen Seite war allerdings – davon abgesehen, dass der Konflikt zwischen Absolutisten und Liberalen nicht endgültig entschieden und keineswegs ausgeräumt war – nicht ganz vollständig, da den aufständischen Provinzen weiterhin die alten Vorrechte zugesichert wurden und den meuternden carlistischen Offizieren der Übertritt in die Reihen der spanischen Armee unter Wahrung ihres Dienstgrads und ihrer vollen Bezüge erlaubt wurde. Diese Lösung legte allerdings für ein volles Jahrhundert den Grund für den krassen Offiziersüberhang in der spanischen Armee – und damit für ihren Prätorianismus und die „[unablässige] Serie von Staatsstreichen (Pronunciamientos) […], ausgeführt von einem General nach dem anderen, einmal zugunsten der Liberalen, im nächsten Augenblick zugunsten der Konservativen“Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 31, von welchen Spanien bis hin zum Spanischen Bürgerkrieg geplagt wurde.

Aus dem Ersten Carlistenkrieg ging letzten Endes der General Espartero als lachender Dritter und als Sieger hervor. Er trieb 1841 die (nach überstandener Gefahr sich umgehend wieder den reaktionären Kräften zuneigende) Königinmutter vorübergehend ebenfalls ins Exil und wurde bis 1843 (und nochmals ab 1854) zum „starken Mann“ Spaniens.

Der Krieg der Matiners (Zweiter Carlistenkrieg)

Abbildung
Daguerreotypie von Ramón Cabrera
Bildherkunft
1845 kamen die Carlisten ihren Ambitionen am nächsten, als Heiratspläne zwischen dem Prätendenten Carlos (VI.) mit Isabella fast zum Erfolg geführt hätten. Die Pläne zerschlugen sich allerdings, weil Ludwig Philipp von Frankreich einem seiner Söhne auf den spanischen Thron verhelfen wollte. Er konnte sich insoweit durchsetzen, als die Hochzeit des betreffenden Sohns stattdessen mit Isabellas Schwester Luise geschlossen wurde und Isabella stattdessen am 10. Oktober 1846 ihren schwächlichen Vetter Franz d'Assisi Maria Ferdinand zu heiraten hatte, von dem angenommen wurde, dass er körperlich nicht in der Lage war, einen Erben hervorzubringen. Die Carlisten jedenfalls fühlten sich übergangen, und von 18471849 schloss sich mit dem Zweiten Carlistenkrieg ein weiterer spanischer Bürgerkrieg an.

Die Zählung der Carlistenkriege ist uneinheitlich. Gelegentlich wird der Krieg der Matiners nicht als eigener Carlistenkrieg in der Reihe gezählt und der Krieg von 1872 als der Zweite Carlistenkrieg bezeichnet.

Der Krieg der Matiners (auf Katalanisch guerra dels matiners, etwa: Krieg der Frühaufsteher) bezieht seinen Namen von einer Gruppe von Carlisten, die in Katalonien in der Erwartung losschlugen, dass sich wie im Ersten Carlistenkrieg die carlistischen Hochburgen ihnen anschließen würden, als diese tatsächlich jedoch dazu noch nicht bereit waren. Der Konflikt spielte sich darum hauptsächlich in Katalonien ab. An der Spitze der Truppen stand General Ramón Cabrera y Griño, welcher unter den Carlisten Ansehen genoss, da er während des ersten Carlistenkriegs auch nach dem abrazo de Vergara die Waffen nicht niedergelegt hatte und darum 1840 von den Cristinos samt seinen Truppen nach Frankreich vertrieben worden war. In der Schlacht von Pastoral von 1849 wurde Cabrera verwundet vom Schlachtfeld getragen und floh im April dieses Jahres nach Frankreich, während die Regierungstruppen dem Aufstand noch im darauf folgenden Mai ein Ende setzten.

Ein begrenzter Aufstand der Carlisten fand ferner 1855 statt, als der Prätendent Carlos (VI.) zu den Waffen rief, aber nur örtlich begrenzte Unruhen auslösen konnte.

Die Invasion von Tortosa

Im April 1860, als das Gros des spanischen Heers im Spanisch-Marokkanischen Krieg gebunden war, suchte Carlos (VI.) die vermeintliche Gunst der Stunde zu nutzen und landete zusammen mit seinem jüngsten Bruder Ferdinand und dem Befehlshaber der Balearen namens Ortega in San Carlos de la Rápita nahe Tortosa. Allerdings wurden seine Pläne bald zunichte gemacht, da sich kaum ein Anhänger zeigte und seine Soldaten sich seinen Befehlen verweigerten. Während sein Begleiter Ortega nach der Festnahme Carlos’ erschossen wurde, konnte er selbst sein Leben nur durch förmlichen Verzicht auf seine Thronrechte zugunsten Isabellas retten.

Dieser Umstand und die Folge seiner Abdankung – die Prätendentenrolle fiel seinem liberalen Bruder Juan (III.) Carlos zu, der den carlistischen Idealen kritisch gegenüberstand – führte zu einer bedrohlichen Krise des Carlismus, zumal Carlos (VI.) seinen Verzicht nach dem Verlassen Spaniens widerrief, da er unter Zwang erwirkt worden sei. Damit hatte die carlistische Bewegung bis zu Carlos’ (VI.) Tod zwei Prätendenten. Diese Krise wurde nur dank des Einsatzes der Stiefmutter beider Prätendenten, der Prinzessin von Beria, überstanden; sie endete erst, als Juan 1868 zugunsten Carlos (VII.) zur Abdankung gezwungen wurde.

Der Dritte Carlistenkrieg

Abbildung
Carlos (VII.) in Uniform, aus Vanity Fair, 1876
Bildherkunft
Im September 1868 wurde Isabella durch einen von Cádiz ausgehenden Staatsstreich der liberalen General Prim und Admiral Topete – der sogenannten Revolución gloriosa – des Thrones enthoben, weil sie angeblich ihrem carlistischen Beichtvater zu sehr Gehör geschenkt hatte. Die Frage ihrer Nachfolge führte indirekt zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870, weil Otto von Bismarck 1870 das Ansinnen Frankreichs, dass Wilhelm I. Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen zum Verzicht auf den ihm angebotenen spanischen Thron bewegen solle, mit der Emser Depesche zurückwies. So wurde statt ihrer schließlich der Fürst von Aosta (Amadeus I.) zum spanischen König ausgerufen, der dem unter Spaniens Konservativen als freimaurerisch und atheistisch verschrienen Haus Savoyen (auf Spanisch: Saboya) angehörte. Amadeus aber „fand es viel zu schwierig, Spanien zu regieren“Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 31, und dankte bereits nach kurzer Zeit wieder ab. Es folgte die Ausrufung der Ersten Spanischen Republik.

Die Carlisten, deren Selbstbewusstsein sich nach dem Fall Isabellas und infolge der Unterstützung durch Papst Pius IX. sehr gehoben hatte, stellten als reguläre politische Partei in den Cortes 1871 etwa 90 Abgeordnete, womit sie bei weitem die stärkste konservative Kraft waren. 1872 fanden Wahlen statt; sie endeten damit, dass die Carlisten erhebliche Stimmverluste hinnehmen mussten. Der Prätendent Carlos (VII.) gelangte zu der Überzeugung, den Thron nur durch Waffengewalt besteigen zu können, und richtete am 15. April ein Manifest an seine Anhänger. So entfesselte er den Dritten Carlistenkrieg, der sich bis in das Jahr 1876 hinzog.

Am 14. April 1872 rief Carlos zum allgemeinen Aufstand auf. In Navarra und im Baskenland erhoben sich die Carlisten, und aus Frankreich stieß der Prätendent hinzu. Hinzu kam, dass sich mehrere Städte des Südens die Verwirrung nutzten und sich für unabhängig erklärten. Am 4. Mai 1872 – gerade zwei Tage nach Eintreffen des Prätendenten in Spanien – kam es in Navarra zur ersten größeren Schlacht, als Regierungstruppen unter der Führung des Generals Domingo Moriones in Oroquieta eine ungleich größere Zahl von Carlisten schlugen, wobei Carlos aber über Roncesvalles die Flucht nach Frankreich gelang. Die baskischen Carlisten legten vorübergehend die Waffen nieder. Nun erhob sich jedoch Katalonien, von wo aus die Rebellion erneut auf Navarra und das Baskenland übergriff. Eine carlistische Armee, deren Mannschaftsstärke 50.000 Mann betrug, wurde bis 1873 auf die Beine gestellt.

Abbildung
Carlos (VII.; Bildmitte) 1873 inmitten seiner Truppen
Bildherkunft
Als König Amadeus am 11. Februar 1873 des Throns entsagte, wurde die Erste Republik ausgerufen, welche den Kampf gegen die Carlisten fortführte. Erst jetzt, am 15. Juni, wagte sich Carlos sich von Bayonne kommend wieder auf spanischen Boden, um am 2. August in Gernika auf die baskischen Fueros zu schwören und die Stadt Estella als Sitz seines Hauptquartiers zu wählen.

Die Carlisten kämpften an vielen Fronten, insbesondere in Navarra und Katalonien, durchaus siegreich, aber wiederum mit großer Grausamkeit, wozu das Füsilieren ihrer Kriegsgefangenen gehörte. Obwohl sie viele, auch kriegserfahrene Freiwillige für sich gewinnen konnten, mangelte es an Ausrüstung und an Kenntnissen über die Kunst der Belagerung von Städten. So scheiterten die Carlisten erneut vor der Festung Bilbao, welche von den republikanischen Truppen nach sechs Monaten der Belagerung entsetzt wurde. Mit diesem Erfolg der Republik begann das Blatt sich zu wenden, und die republikanischen Truppen konnten die Initiative an sich reißen. Auch Pamplona blieb 1875 den Carlisten trotz Belagerung verschlossen. Hinzu kam, dass sich in den Reihen der Carlisten eine Reihe autonom agierender Heerführer fanden, die sich den Anweisungen der Hauptmacht nicht fügten.

Bereits im Jahr 1875 aber fand die Republik, unter welcher die Anarchie in Spanien – der Dritte Carlistenkrieg war nur einer von mehreren zur gleichen Zeit stattfindenden Erhebungen in Spanien – stetig zugenommen hatte, nach Besetzung und Auflösung der Cortes ein Ende. Nach den Erfahrungen mit aus dem Ausland importierten Fürsten und der Republik wollte man es wieder mit einem einheimischen Fürsten versuchen. Da sich die progressiven Generäle begreiflicherweise nicht für Carlos (VII.) begeistern konnten, kam es zur Inthronisierung des ältesten Sohns Isabellas, Alfons XII.. Unter der Herrschaft Alfons' stellte die Armee im Februar 1876 unter den Kommandanten Jovellar und Martinez Campos durch ihre Siege gegen die Carlisten in Trevino (7. Juli 1875) und Montejurra (17. Februar 1876) die Einheit des Staates wieder her. Nach der verlorenen Schlacht von Montejurra und der Einnahme seines Hauptquartiers in Estella zwei Tage später flüchtete der unterlegene Carlos (VII.), der eine Entscheidungsschlacht vermied und stattdessen seine Anhänger von ihrem Eid entband, wiederum über Roncesvalles nach Frankreich. Der dritte Carlistenkrieg endete durch Kapitulation der carlistischen Regimenter am 25. Februar 1876.

Montejurra, wo die Carlisten die letzte Hoffnung fahren lassen mussten, wurde zu einer Art Wallfahrtsort der carlistischen Bewegung, wo traditionell bis heute ihre Treffen stattfinden.

Dem Baskenland wurden nach Ende des Dritten Carlistenkriegs die fueros endgültig genommen. Ihm blieben lediglich einige Steuervorteile nach den Bestimmungen des mit Madrid vereinbarten concierto económico („Wirtschaftskonzert“), welches den Basken die Erhebung regionaler Steuern und die Zahlung einer Pauschale an die spanische Staatskasse einräumte.

Bilanz der Carlistenkriege

Abbildung
Kriegssteuermarke 1875
Bildherkunft
Die Carlistenkriege, in welchen die Zentralmacht (wenngleich mitunter nur knapp) die Oberhand behalten konnte, ohne andererseits der carlistischen Bewegung endgültig Herr werden zu können, werfen ein Schlaglicht auf den spanischen Sonderweg. Während im 19. Jahrhundert und namentlich um 1848 (als gerade der Krieg der Matiners tobte) in vielen Ländern Europas progressive Revolutionäre gegen ihre konservativen Staatsspitzen aufstanden, hatte es in Spanien umgekehrt eine liberale Staatsspitze mit einem Aufstand von Konservativen zu tun. Stritten etwa die Revolutionäre in Österreich 1848 für eine Verfassung, so stritten die in Spanien gegen eine solche.

Wenngleich die carlistische Bewegung in allen militärischen Konflikten unterlag, konnte sie mit ihrer mächtigen Opposition (und alleine schon mit ihrer nie aufgegebenen Option militärischen Vorgehens) in mancher Beziehung doch das völlige Obsiegen liberaler Ideen verhindern. Auch obgleich das liberale Zentrum Spaniens 1836 die Orden und 1841 die Kirche enteignete, geschah das doch gegen das Zugeständnis, dass der Staat für den Unterhalt der Kirche und der Geistlichkeit aufkam und sie seinem besonderen Schutz unterstellte. Im Konkordat von 1851 entspannte sich die Lage weiter, als zwar die Kirche endgültig auf den enteigneten Besitz verzichtete und die Krone das Patronatsrecht der Bischofsernennung behielt, andererseits aber die katholische Konfession als „Religion der spanischen Nation“ anerkannt wurde und der Staat für Religionsunterricht in den Schulen zu sorgen hatte. Waren die Carlisten auch im Zuge der Verhandlungen über die Verfassung von 1869 insoweit unterlegen, als sie einen darin enthaltenen Glaubensfreiheitsartikel nicht verhindern konnten, so wurde nach dem Dritten Carlistenkrieg in der Verfassung von 1876 der Katholizismus wie bereits 1812 wieder zur Staatsreligion erklärt und die Kirche sukzessive in ihre alten Rechte wieder eingesetzt. In einer sich – wie überall in Europa – wandelnden Gesellschaft führte dies jedoch auch dazu, dass die katholische Kirche in den Augen der Arbeiterbewegung als Verbündete der herrschenden Klassen und damit als Klassenfeind wahrgenommen wurde.

Daher war der Dritte Carlistenkrieg bereits eine weniger machtvolle Erhebung gewesen als der Erste Carlistenkrieg. Die Enteignungen während des Ersten Carlistenkriegs und die Regelungen des Konkordats führte dazu, dass die Kirche ihre eigene wirtschaftliche Basis entweder verlor oder vom Staat entgegenzunehmen hatte. So nahm sie – anders als früher, als sie daran mitgewirkt hatte, Spanien zu einem der egalitärsten Staaten Europas zu machen, in welchem Besucher sich darüber entsetzten, wie selbst arme Schlucker Adelige auf der Straße ohne jeden Respekt begegneten – erstmals Rücksicht auf die Oberschicht, um sich gut mit ihr zu stellen, während es sich in vergangenen Jahrhunderten eher umgekehrt verhalten hatte. In den Augen der unteren Schichten aber hatte die Kirche sich von ihnen abgewandt und war habgierig geworden.

Diese neue Sicht setzte sich weniger im Baskenland durch, das eine Landschaft unabhängiger Klein- und Großbauern war, als vor allem in der Tagelöhnerwirtschaft des Südens, welche sich von einem Leibeigenensystem nicht wesentlich unterschied. Denn die langfristigen Folgen der Kirchenenteignung von 1835 waren noch in anderer Hinsicht weitreichend. Der Kirchenbesitz wurde zu so verlockenden Preisen angeboten, dass die obere Mittelschicht ihre Kirchentreue vergaß und sich die ausgedehnten Besitztümer sicherte. Fortan standen die besitzenden Gesellschaftsschichten auf liberaler Seite, da sie nun eine Rückkehr der Kirche in ihre alten Rechte und vor allem ihren alten Besitz zu fürchten hatten. So entstand eine neue Klasse, welche vor allem in Andalusien ihre Latifundien errichtete und vor allem in der alfonsinischen Ära in den Jahren nach 1874 durch ihr Patronatswesen, den caciquismo, einen politischen und sozialen Druck auf die auf ihren Feldern arbeitenden, verelendeten Tagelöhner ausübte, dass diese für die radikalen Ideen des Anarcho-Syndikalismus empfänglich wurden.

Keiner der Carlistenkriege konnte also den Konflikt, der die spanische Gesellschaft in zwei Teile zerriss, endgültig beilegen – im Gegenteil taten die beteiligten Parteien alles dafür, ihn weiter zu verschärfen. Der Konflikt wurde weniger intensiv, aber – nicht zuletzt infolge der nachlassenden Bindungen an die katholische Kirche – auf einer breiteren Ebene unter Einbeziehung neuerer politischer Ideen wie dem Sozialismus, Anarchismus und Faschismus in Form von pronunciamientos und Erhebungen wie der Semana trágica von 1909 weitergeführt. Spanien blieb bis zum Ende des Spanischen Bürgerkrieges eines der politisch instabilsten Länder in Europa. Nirgendwo wurde der Konflikt zwischen den althergebrachten und den neuen politischen Ideen so unerbittlich und erbarmungslos, mit solchem Hass und solcher Grausamkeit ausgefochten wie hier. Der Begriff der „beiden Spanien“ (las dos Españas) für diese Scheidung in zwei unversöhnliche Lager wurde in dieser Zeit geprägt. Der spanische Lyriker Antonio Machado fasste dies in die folgenden Verse:

Españolito que vienes
al mundo, te guarde Dios.
Una de las dos Españas
ha de helarte el corazón.
vgl. http://www.trovadores.net/i...
Kleiner Spanier, der du auf die
Welt kommst: dich soll Gott behüten.
Eins der beiden Spanien wird dir
Einst das Herz gefrieren lassen.

Der Spanische Bürgerkrieg war letztlich nur ein Finale, auf welches die politische Entwicklung in Spanien seit sehr langer Zeit beinahe zwangsläufig zusteuerte und in dem zum letzten Mal versucht wurde, die alten Rechnungen zu begleichen und endgültig eine Entscheidung für eine der beiden Richtungen herbeizuführen.

Die Carlisten von 1875 bis 1975

Die Carlisten in der Zeit des alfonsinischen Königtums

In den unruhigen Jahrzehnten, die der Inthronisierung des Königs Alfons XII. im Jahr 1874 und der Annahme der Verfassung von 1875 folgten, hatten die Carlisten weiter Bestand, engagierten sich aber im Gegensatz zu den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens vorwiegend friedlich, indem sie sich nunmehr vorwiegend den Betätigungsfeldern der geistigen Auseinandersetzung und der Propaganda widmeten.

Bisher hatte der Carlismus sich vornehmlich als eine Art von den Frauen und Priestern am Leben gehaltene romantische Tradition innerhalb bestimmter Familien des nördlichen Spaniens halten können. Nun formte der Marquis von Cerralba die bis dahin weitgehend aus lose organisierten Freiwilligen bestehende carlistische Bewegung in eine moderne Partei um, welche den Namen Comunión Tradicionalista (CT), auf Deutsch „Traditionalistische Glaubensgemeinschaft“, trug. Die CT wurde zum Sammelbecken der carlistischen Bewegung. Der Marquis gestaltete nach 1888 – als das „Manifest von Burgos“ als programmatische Grundlage des Carlismus herausgegeben wurde – auch das Vereinsleben und soziale Engagement der Carlisten neu. 1936 gab es in ganz Spanien hunderte Versammlungshäuser der Carlisten, die so genannten „círculos“ – Ortsgruppen, „an [deren] Spitze… meist ein erlesen höflicher Aristokrat mit der Pistole in der Tasche [stand]“Hugh Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 63. Hinzu kam eine Frauenorganisation, die „Margaritas“, und eine Jugendabteilung, die „Pelayos“. Die carlistische Bewegung entwickelte in dieser Zeit ein umfangreiches Pressewesen. Ihr Zentralorgan war die bereits 1841 gegründete Zeitung „La Esperanza“ (Die Hoffnung).

Nicht zuletzt infolge ihrer Uneinigkeit, von welcher zahlreiche Spaltungen der Bewegung zeugen, blieb die carlistische Bewegung nach dem Dritten Carlistenkrieg jedoch parlamentarisch ohne besondere Bedeutung (1891: 4 Sitze in den Cortes, 1896: 10 Sitze; 1901: 7 Sitze; 1907: 4 Sitze).

Während des Ersten Weltkrieges stand der Prätendent Don Jaime ohne Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit der Comunión Tradicionalista, dem politischen Arm der carlistischen Bewegung, in seinem Gastland Österreich unter Hausarrest. Als die Kommunikation nach Kriegsende wieder möglich war, kam es alsbald zum Bruch: war Don Jaime profranzösisch (eben deshalb hatte man ihn in Österreich festgesetzt), so war die politische Leitung der Carlisten während des Kriegs wegen der liberalen Zielsetzungen Frankreichs und Englands strikt prodeutsch gewesen. Darüber kam es zum Konflikt, in welchem die Bewegung sich auf eine neutrale Linie einigte, während die prodeutschen – gleichzeitig auch in Hinblick auf das carlistische Programm reformgeneigten – Anhänger der Bewegung (die so genannten Mellisten, nach ihrem Anführer Juan Vazquez de Mella) aus der Partei ausgeschlossen wurden.

Nach dem Dritten Carlistenkrieg beschränkte sich das Stammgebiet der Carlisten zunehmend auf Navarra. Im Baskenland und in Katalonien brachte der wirtschaftliche Aufschwung ein Unternehmertum hervor, welches einen westlichen, marktwirtschaftlichen Lebensstil und die dazugehörigen wirtschaftlichen und politischen Freiheiten anstrebte. Die Carlisten spielten jedoch während des Semana Trágica genannten katalonischen Aufstands von 1909 noch eine Rolle, als sie in Barcelona in die Straßenkämpfe eingriffen.

In Katalonien kam hinzu, dass die traditionelle Klientel der Carlisten, die Arbeiter und Bauern, sich zunehmend weniger konfessionell gebunden fühlten. Sie machten sich zumeist auch die Abneigung der Liberalen gegen den Klerus und die kirchlichen Institutionen zu eigen und wandten sich dem Kommunismus und Anarcho-Syndikalismus zu.

Die Einwohner des ländlichen Baskenlands (mit Ausnahme allenfalls der Provinz Álava, die länger carlistisch geprägt blieb als die beiden Küstenprovinzen) dagegen schlossen sich überwiegend der durch Sabino Arana Goiri begründeten nationalbaskischen Bewegung an. Diese wünschte, vereinfacht ausgedrückt, den auf das gesamte Spanien bezogenen carlistischen Gedanken, die Autorität des Königs und der Kirche zu bewahren, zwar weitgehend beizubehalten, aber auf das Baskenland alleine zu beschränken.

Nur im konservativen Navarra, das bisweilen auch als „spanische Vendée“ bezeichnet wirdBeevor, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 90, herrschte weiterhin eine freie Bauernschaft vor, die streng katholisch war, den Liberalen in Madrid grundsätzlich und in allen Belangen misstraute und aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen die moderne Welt weitgehend ablehnte. Bezeichnenderweise verwarf diese Provinz später auch das ihr angebotene Autonomiestatut der Zweiten Republik, welches im Baskenland und in Katalonien mit großer Mehrheit angenommen wurde. Für Navarra waren eine von einer Republik gewährte Autonomie und die ihnen von alters her zustehenden fueros nicht dasselbe. Es bleibt zu vermerken, dass selbst noch heute der navarresischen Regionalhymne auszugsweise die folgenden Zeilen entnommen werden können:

Por Navarra…
que tiene por blasón
la vieja Ley tradicional.zit. nach http://es.wikipedia.org/wik...
Für Navarra…
das in seinem Wappen führt
das alte traditionelle Gesetz.

Die Haltung der Carlisten zur Diktatur Miguel Primo de Riveras, die von 1923-1930 dauerte, war uneinheitlich. Während seiner Diktatur verhielt sich die Comunión Tradicionalista wie die meisten Parteien weitgehend passiv.

Die Carlisten und die Zweite Republik (1931–1936)

Nachdem 1931 der König Alfons XIII. vertrieben worden war, fanden die königstreue Legitimistische Partei und die Comunión Tradicionalista, die in Verfassungsfragen kaum unterschiedliche Positionen aufwiesen, zueinander und schlossen einen Pakt, den sie TYRE (Tradicionalistas y Renovación Española) nannten. Der gestürzte König und der carlistische Prätendent Don Jaime trafen in Paris zusammen und söhnten sich hierbei angeblich aus – dass Alfons den Prätendenten als Familienoberhaupt der spanischen Bourbonen anerkannte, mag aber ein Gerücht sein. Don Jaime, der scharf gegen die Ausrufung der Republik protestiert hatte, starb aber schon bald darauf, und sein Onkel Don Alfonso Carlos, in den Augen der Carlisten nunmehr der rechtmäßige Prätendent, ließ den Pakt wieder aufkündigen. Hierauf kam es zu einer Spaltung der Carlisten. Der bedeutendere Teil wendete sich von den Legitimisten ab und pflegte wie einst sein Gemeinschaftswesen in navarresischen Ortszirkeln. Hier bildeten sie von 1933 an Truppen aus, wie es allerdings die meisten politischen Lager, einschließlich der Falangisten, Anarchisten und der kommunistischen und sozialistischen Jugendverbände in Erwartung einer großen Auseinandersetzung zur selben Zeit taten.

Abbildung
Historische Flagge der Comunión Tradicionalista
Bildherkunft
Die Ausbildung der carlistischen Aufgebote, welche wie einst als „Requetés“ bezeichnet wurden, wurde dem während seiner Einsätze in Marokko hoch dekorierten Obersten José Varela anvertraut und von Benito Mussolini mit 1,5 Millionen Peseten finanziert. Mussolini ließ auch einige carlistische Offiziere in Italien ausbilden, während Waffen aus Deutschland besorgt wurden.Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, S.65

Die Zweite Republik (1931–1936) kam zwar den Randprovinzen mit der Einräumung weitgehender Autonomien weit entgegen. Gleichwohl standen die Carlisten dem Chaos und den Ausbrüchen allseitiger politischer Gewalt in Madrid sowie den nach ihrer Auffassung einseitig kirchenfeindlichen und ideologisch diktierten Maßnahmen, die die Zweite Republik aufgrund ihres laizistischen Selbstverständnisses von 1931 bis 1936 in reicher Zahl traf, mit größtem Ressentiment gegenüber. Aber auch abgesehen von diesen Handlungen (wie der Einführung der Zivilehe und der Ehescheidung, der Aufhebung der Ordensschulen und des erneuten Verbots der Gesellschaft Jesu) sahen die Carlisten getreu ihren hergebrachten staatsrechtlichen Vorstellungen die Republik an sich, die sich dazu mit dem Himno de Riego das Kampflied der konstitutionellen Aufständischen des Jahres 1820 als Nationalhymne zu eigen gemacht hatte, ohnedies als illegitim an und waren alleine schon deswegen nicht bereit, sich mit ihr abzufinden.

Hinzu kamen bereits im Vorfeld des Spanischen Bürgerkrieges zahlreiche gewalttätige Angriffe gegen den Klerus und Brandanschläge gegen spanische Kirchen meist von anarchistischer Seite, welche von der politischen Leitung der Republik oft nur mit einem Achselzucken quittiert wurden. Eine am 10. Mai 1931 in Madrid stattgehabte monarchistische Ohrfeige für einen republikanischen Taxifahrer etwa schaukelte sich im selben Monat zu einer sich durch Spanien ziehenden Brandstiftungswelle an Kirchen und Klöstern auf. Hierauf ließ sich der Kriegsminister Manuel Azaña mit dem Spruch vernehmen, lieber sollten alle Kirchen brennen, als dass einem Republikaner ein Haar gekrümmt werde. Diese und andere Zwischenfälle polarisierten die spanische Gesellschaft weiter und trugen dazu bei, auch die nichtcarlistischen kirchentreuen Spanier zum Widerstand zu reizen, was den Carlisten zwischen 1931 und 1936 großen Zulauf bescherte. Ferner fanden die Mellisten zu den Carlisten zurück.

Mehrere hochrangige Anführer der Comunión Tradicionalista unterstützten bereits 1932 das gegen die „kirchenfeindliche Diktatur Azañas“ gerichtete pronunciamiento des Generals José Sanjurjo Sacanell, und auch bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs sahen die Carlisten – aus übergeordneten Gründen, aber auch in Hinblick auf die revolutionäre Rhetorik des Anführers der PSOE, Largo Caballero – nicht nur keinen Anlass, die Hand zur Verteidigung der Republik zu erheben, sondern wirkten im Gegenteil bei der Planung des pronunciamiento vom Juli 1936 zusammen mit Geheimbünden innerhalb der Armee und weiteren rechten Gruppen tatkräftig mit. Zur Vorbereitung des Putsches hatten im Frühjahr 1936 der Regent der carlistischen Bewegung, Prinz Javier de Borbón-Parma, zusammen mit dem Vorsitzenden der Comunión Tradicionalista, Manuel Fal Conde, in St.-Jean-de-Luz, einer französischen Stadt knapp hinter der spanischen Grenze, den Obersten Militärrat der Carlisten gegründet.Beevor, der Spanische Bürgerkrieg, S. 65

Die Carlisten im Spanischen Bürgerkrieg

Die Carlisten schlugen sich auf die Seite Francos, nachdem auf Basis eines Kompromisspapiers General Sanjurjos rechtzeitig vor der Erhebung am 17. Juli 1936 eine Einigung zwischen General Emilio Mola Vidal und dem Anführer der Comunión Tradicionalista, Manuel Fal Conde, über eine Beteiligung der Carlisten an dem pronunciamiento hergestellt worden war. Fal Conde hatte zunächst auf seinen Forderungen beharrt, dass der Aufstand unter monarchistischer Fahne geschehen und im Erfolgsfalle die Auflösung aller Parteien nach sich ziehen müsse.

Auf der Seite Nationalspaniens kämpften die Carlisten zur „Wiederherstellung der alten (Welt) mit Maschinengewehr und Meßbuch“ Hugh Thomas, Der spanische Bürgerkrieg, S. 63 mit etwa 50 banderas (Kompanien) gegen die Volksfront, viele von ihnen mit der detente bala (Stopp-die-Kugel) über dem Herzen, einem für die Carlisten typischen Amulett mit einer Abbildung des „Herz Jesu“. Mit 40.000 Freiwilligen diente nicht weniger als ein Zehntel der navarresischen Bevölkerung als brigada de Navarra unter den carlistischen Fahnen. Die Verlustlisten der Carlisten erwähnten unter anderem schwer verletzte Fünfzehnjährige. Brenan vertritt die Ansicht, dass die Carlisten – anders als nach seiner Auffassung selbst die Falange – die einzigen wirklich motivierten und für eine cruzada zu begeisternden Kämpfer auf der Seite Francos waren.

Bald aber gerieten sie in Streit mit der militärischen Führung der nationalspanischen Koalition, wobei Manuel Fal Conde nach einer Auseinandersetzung mit Francisco Franco nach Portugal verbannt wurde. Die Carlisten waren über diese Behandlung ihres Anführers erbost und stellten Kontakte mit einigen Anführern der faschistischen Falange her, die mit Franco ebenfalls nicht einverstanden waren. Mit der Falange konnte trotz der erheblichen Unterschiede zwischen beiden Bewegungen immerhin im Hinblick auf die Ablehnung des Liberalismus, der Demokratie und des „neunzehnten Jahrhunderts“ eine gemeinsame Basis gefunden werden. So wurde Fal Conde in Portugal der Vorschlag unterbreitet, die carlistische und die falangistische Bewegung zu vereinen. Verhandlungen wurden geführt, allerdings gelangten die Carlisten zur Ansicht, dass die Falange im wesentlichen nur darauf aus war, die carlistisch-traditionalistische Bewegung zu schlucken, weshalb sie schließlich eine Verschmelzung ablehnten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich allerdings bereits Franco mit dem Gedanken einer Verschmelzung der Comunión Tradicionalista mit der Falange angefreundet. Dies geschah infolge der Bemühungen des politischen Beraters Francos, Ramón Serrano Súñer, den Staat der nationalspanischen Koalition unter Franco auf eine theoretische oder sogar ideologische Basis zu stellen. Nach seiner Ansicht konnte keine der Parteien der nationalspanischen Koalition für sich genommen eine solche Basis bieten, und zwar weder die Falange noch die Carlisten – vielleicht aber beide zusammen. Hinzu kam, dass die Ziele der einzelnen Organisationen unterschiedlicher nicht hätten sein können: wollten die Carlisten letztlich auf einen spanischen Staat des 16. Jahrhunderts zurück, so hielt die Falange, der ein „nationaler Syndikalismus“ im Sinne eines faschistisch-korporativen Systems vorschwebte, nichts von alldem.

Franco beschloss, Nationalspanien endgültig eine einzige Richtung, und zwar seine eigene, zu geben. 1937 wurde die Comunión Tradicionalista mit der faschistischen Falange Española de las JONS zu der Organisation „Falange Española Tradicionalista y de las JONS“, der späteren Staatspartei des Franquismus, zwangsvereinigt. Parteiuniform der „F. E. T. y de las JONS“ wurde das falangistische Blauhemd zusammen mit der carlistischen roten Baskenmütze. Haupt dieser Organisation wurde Franco, obwohl er weder Falangist noch Carlist war, womit er beide Organisationen unter seine Kontrolle brachte und so seine Stellung im nationalspanischen Lager ungemein stärkte. Um die interne Opposition weiter zu verwässern, ordnete Franco außerdem an, dass alle Berufs- und Reserveoffiziere automatisch Mitglied dieser Organisation seien. Die „F.E.T. y de las JONS“ führte bald darauf den unverbindlicheren Namen Movimiento Nacional, ab 1970 war dies auch der offizielle Name der Staatpartei. Traditionell stand im franquistischen System der Posten des Justizministers einem loyalen Carlisten zu.

Der amtierende Regent, Don Javier, protestierte gegen diese Zwangsvereinigung, zu welcher man ihn gar nicht erst konsultiert hatte, und wurde ebenfalls nach Portugal vertrieben. Obwohl bald darauf die Beteiligung an der Macht nach dem Sieg im Bürgerkrieg über vieles hinweghalf, hielt eine Missgestimmtheit sowohl seitens der Comunión Tradicionalista als auch seitens der Falange gegen diese Zusammenlegung noch durch Jahrzehnte an: da die Parteiuniform der „F.E.T. y de las JONS“ sich aus dem blauen Hemd der Falange und der roten Baskenmütze der Carlisten zusammensetzte, pflegten die Falangisten die Mütze bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Tasche zu stecken, und viele Carlisten zogen es vor, zu offiziellen Anlässen der Bewegung lieber in Zivil als im blauen Hemd zu erscheinen.

Die Carlisten in der Zeit des Franquismus

Nach dem Tod Alfonso Carlos’ war Alfons XIII. Familienoberhaupt, der nach Rom ins Exil gegangene frühere König Spaniens, womit theoretisch die Spaltung der spanischen Bourbonen in zwei sich befehdende Linien behoben hätte sein können. Allerdings waren viele Carlisten der Ansicht, dass Alfonso XIII. und sein Sohn Juan, Graf von Barcelona, sich unter dem Gesichtspunkt der „Legitimität durch Taten“ als Anführer der Bewegung disqualifiziert hatten.

Alfonso Carlos, der letzte Prätendent des carlistischen Zweiges der Bourbonen, hatte kurz vor seinem Tod noch selbst Prinz Francisco Javier de Borbón-Parma als Regenten bestimmt, da dieser der am nächsten verwandte Bourbone war, der die carlistischen Ideale hochhielt. Francisco Javier – ein Bruder Zitas, der letzten österreichischen Kaiserin – kehrte während des Zweiten Weltkriegs nach Belgien zurück, in dessen Armee er während des Ersten Weltkriegs gedient hatte. Dort wurde er demobilisiert, woraufhin er sich dem französischen Widerstand anschloss. Von den Nationalsozialisten gefangen genommen, wurde er in Natzweiler und Dachau interniert, wo die amerikanischen Truppen ihn 1945 befreiten. Nach der Wiedereinführung der Monarchie im Jahr 1947 verkündete Francisco Javier im Jahr 1952 als Javier (I.) öffentlich seinen Anspruch auf den spanischen Thron und begründete somit die zweite carlistische Dynastie der Borbón-Parma.

Dieser Rang wurde ihm und seinem Sohn Carlos-Hugo de Borbón-Parma von Juan, Graf von Barcelona und Vater des derzeitigen Königs von Spanien, Juan Carlos I. (Spanien), streitig gemacht, weil Francisco Javier unstandesgemäß geheiratet hatte und außerdem – ebenso wie Carlos-Hugo – nicht die spanische Staatsbürgerschaft besaß. Franco selbst äußerte sich nicht zu den Ansprüchen Francisco Javiers und Carlos-Hugos, weil dies seinen Bestrebungen entgegen kam, Uneinigkeit unter den spanischen Monarchisten zu stiften. Insbesondere war Franco daran gelegen, dass sich die spanischen Monarchisten nicht hinter dem Grafen von Barcelona vereinten, welcher sich ausdrücklich für die Schaffung einer parlamentarischen Demokratie ausgesprochen hatte, während Franco von einem künftigen König die volle Identifizierung mit dem „Movimiento Nacional“ erwartete.

Obwohl der Umstand, dass ihnen keine spanische Staatsbürgerschaft zukam, keineswegs unumstritten war (der nie aufgelöste Vertrag von Aranjuez von 1801 sicherte allen Prinzen von Borbón die spanische Staatsbürgerschaft zu), stellten Francisco Javier und Carlos-Hugo einen Antrag auf Einbürgerung. Franco tat das Seine, eine Entscheidung über diesen Antrag immer weiter hinauszuzögern (zu einer Einbürgerung kam es im Falle Carlos-Hugos darum erst am 5. Januar 1979). Davon abgesehen ließ er keine Gelegenheit verstreichen, die verschiedenen Thronanwärter gegeneinander auszuspielen. Als etwa Juan Carlos sich 1962 zu seiner Heirat nach Athen begab, lud Franco den inzwischen in Madrid lebenden Carlos-Hugo zu einem Treffen ein, wonach er den Grafen von Barcelona wissen ließ, dass er sich nun einen anderen Kandidaten überlegt habe. Allerdings begann Carlos-Hugo in diesen Jahren von Franco abzurücken und griff Juan Carlos als dessen angebliche Marionette an. Juan, den Grafen von Barcelona, bezeichnete er als Liberalen, Zentralisten sowie als Günstling des Kapitalismus und des Establishments. Carlos-Hugos Anhänger sahen sich deshalb dazu veranlasst, Juan Carlos bei öffentlichen Auftritten mit faulem Gemüse zu bewerfen.

1964 heiratete Carlos Hugo Prinzessin Irene von Oranien-Nassau. In den Flitterwochen ließ sich Irene in einem Bikini ablichten, einem Kleidungsstück, welches in Spanien damals als obszön betrachtet wurde. Franco nutzte die öffentliche Empörung, um Carlos-Hugo dadurch herabzusetzen, dass er die Einladung zu einer Audienz mit „Prinzessin Irene der Niederlande und ihr Mann“ übertiteln ließ. Daraufhin brach Carlos-Hugo sowohl mit Franco als auch mit seinem traditionalistischen Vater und begann, einen linken Kurs zu verfolgen. In der Volksabstimmung von 1966, welche einer Verfassungsreform (Ley Orgánica del Estado) galt, rief Francisco Javier seine Anhänger dazu auf, mit „Ja“ zu stimmen. Carlos-Hugo stellte daraufhin seinen Vater dadurch bloß, dass er ihm öffentlich die „Legitimität durch Taten“ absprach. Damit war der Bruch innerhalb der carlistischen Bewegung besiegelt. Francisco Javier tat ein Weiteres und bekundete seine Unterstützung für den baskischen und katalanischen Separatismus. Franco, dem das zuviel war, ließ daraufhin alle Prinzen von Borbón-Parma aus Spanien ausweisen. Carlos-Hugo und mit ihm seine Anhänger verfolgten nach seinem Bruch mit Franco 1967 die Idee eines partikularistischen Sozialismus.

Letztlich zerschlugen sich die Hoffnungen der Carlisten erneut, als Franco sich unter den vielen in Frage kommenden Prätendenten für den Enkel Alfons’ XIII., Juan Carlos, entschied.

Die Carlisten nach 1975

Am 8. April 1975, noch vor Francos Tod, dankte Francisco Javier zugunsten von Carlos-Hugo ab. Dieser hatte bereits 1971 eine weit linksgerichtete carlistische Gruppierung ins Leben gerufen, die ab 1971 den Namen Partido Carlista (PC) führte und nach einer politischen Neuorientierung auf dem Carlistischen Volkskongress von 1972 einen föderalistisch-autonomistischen sozialistischen Kurs einschlug, welcher sowohl vom II. Vatikanischen Konzil beeinflusst war als auch Elemente der Befreiungstheologie aufgriff. Zentrale Elemente waren betriebliche Selbstbestimmung und ein staatlicher Föderalismus mit autonomen Regionen. Im Gegensatz zu früher sollte das allerdings ausdrücklich im Rahmen eines pluralistischen Systems durchgesetzt werden. Zur Zeit von Francos Tod 1975 war der 1977 legalisierte Partido Carlista eine weit linksgerichtete Organisation, die sich unter anderem an der Gründung der Izquierda Unida (Vereinigte Linke) beteiligtevgl. http://www.partidocarlista.... (span).

Alles dies führte zu einer irreparablen Spaltung der seit ihren Ursprüngen konservativ-katholischen Carlistenbewegung. Die Anführer der carlistischen Bewegung forderten Carlos-Hugo dazu auf, sich für ihre traditionalistische Linie auszusprechen. Als Carlos-Hugo darauf nicht reagierte, erklärten sie ihn seines Rechts auf Führerschaft für verlustig. Carlos-Hugo verwahrte sich allerdings dagegen, auf irgendein Recht verzichtet zu haben. Die Bewegung teilte sich nunmehr offiziell in den „Partido Carlista“ Carlos-Hugos und verschiedene – von seinem Bruders Sixto angeführte – traditionalistische Gruppen, die sich 1986 unter Sixto zur weit rechtsgerichteten „Comunión Tradicionalista Carlista“ (CTC) vereinigten.

Jedenfalls unmittelbar nach Francos Tod standen sich beide carlistischen Gruppierungen derart feindselig gegenüber, dass traditionalistische Carlisten unter Don Sixto, die angeblich von ihnen nahe stehenden Kreisen – die Rede ist von einer Beteiligung von Gladio – unterstützt wurden, mit einem Bombenanschlag auf eine Versammlung der PC auf dem Montejurra im Jahr 1976, der zwei Todesopfer forderte, in Verbindung gebracht wurden.

Sixto Enrique de Borbón-Parma beanspruchte die Anführerschaft der carlistischen Bewegung und nahm für sich in Anspruch, der legitime Prätendent zu sein. Beide beriefen sich auf ihren am 7. Mai 1977 verstorbenen Vater. Die Hintergründe sind unklar. In einem Manifest vom 4. März 1977 verurteilte Francisco Javier (angeblich auf nachdrückliches Betreiben Sixtos) die immer linkere Politik Carlos-Hugos, während – nachdem Carlos-Hugo seinen Vater aus dem Hospital geholt hatte – ein drei Tage später verfasstes Papier Carlos-Hugo als Erben auch in Hinblick auf den Thronanspruch bezeichnete. Die Mutter beider Prätendenten hielt jedenfalls zu Sixto und ging so weit, Carlos-Hugo von ihrem eigenen Begräbnis 1984 auszuschließen.

Eine anhängerstarke Bewegung blieben die Carlisten noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Bereits bei den ersten freien Wahlen 1977 zeigte sich allerdings, dass die Carlisten infolge ihrer Selbstlähmung durch Uneinigkeit im Zuge nur eines Jahrzehnts politisch in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht waren. Der PC blieb eine Splitterorganisation, welche 1977 etwa 8.500 Mitglieder zählte, und brachte es sogar im navarresischen Regionalparlament 1979 lediglich auf 4,79 % der Stimmen http://www.parlamento-navar... und einen einzigen Sitz, war ab 1983 dort nicht mehr vertreten und fährt inzwischen als Splitterpartei weit unter 1 % der Stimmen ein – 2003 waren es 0,34 % der Stimmen.

Es gibt Ansichten, dass dieser Niedergang der carlistischen Bewegung nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen ist, dass dem amtierenden König Juan Carlos I. nach der Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Spanier in weit höherem Maße als jedem Prätendenten Legitimität zukommt. Diese Legitimität habe Juan Carlos spätestens durch seinen Einsatz für die Transition Spaniens, die Einführung der parlamentarischen Demokratie, ihre Verteidigung gegen den Putschversuch von 1981 sowie durch seine Mitwirkung an der föderativen Verfassung erworben, während die Prätendenten hauptsächlich durch nicht mehrheitsfähige politische Ansichten und nicht enden wollenden Familienzwist von sich reden machten.

1980 zog sich Carlos-Hugo aus der Politik zurück und trat aus dem Partido Carlista aus, ohne jedoch seine Ansprüche auf den Thron aufzugeben. 1981 erfolgte die Scheidung von Prinzessin Irene, mit welcher Carlos-Hugo vier Kinder hatte.

Im Jahr 2000 setzte eine gewisse Wiederbelebung des PC ein, welcher in den Kommunalwahlen im Jahr 2003 in zehn Navarreser Gemeinderäte einziehen konnte. Im Jahr 2005 bekannte sich der PC auf dem Bundeskongress zu Tolosa erneut zur regionalen Selbstbestimmung und sprach sich gegen eine europäische Verfassung aus.

Politische und gesellschaftliche Ziele des Carlismus

Allgemeines

Es ist nicht leicht, den Carlismus zutreffend zu kategorisieren, da die Carlisten niemals monolithisch waren, während ihrer langen Geschichte kontinuierliche Entwicklungen durchmachten und Einflüsse anderer politischer Richtungen aufnahmen, wie auch andere politische Richtungen carlistisches Gedankengut übernahmen – etwa das soziale Engagement, das bei den Carlisten zum Beispiel in der Gründung christlicher Gewerkschaften zum Ausdruck kam. Ursprünglich aus einem Rückzugsgefecht des spanischen Ancien Régimes entstanden, definierte der Carlismus sich durch die Zeiten wiederholt neu, um den Anschluss an die Zeit nicht zu verlieren: um seine Vorstellungen durchzusetzen, focht der Carlismus zuerst Kriege aus, um dann zu einer parlamentarisch tätigen politischen Partei und unter dem Franquismus schließlich zu einer Art Interessenverband zu werden.

Die Carlisten galten jedenfalls in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend als Partei des niederen Adels, waren aber bei ihrem zahlenmäßig beachtlichen Anhang bei den Bauern und Arbeitern auf diese Gruppe keineswegs beschränkt. Sie waren streng katholisch und tief konservativ – Teile von ihnen so sehr, dass sie im Zuge des Dritten Carlistenkriegs Bahnhöfe als neumodische Abscheulichkeiten angriffen. Ihr von den reformerischen Mellisten geprägtes Programm von 1897 nahm zwar Abstand von einem absolutistischen Staat, forderte jedoch auch weiterhin regionale Selbstbestimmung bei Einheit Spaniens unter dem Zeichen des Katholizismus, eine monarchische Staatsform, Wiedereinführung der Aristokratie in ihre traditionellen Funktionen und soziales Engagement im Sinne der katholischen Soziallehre in Übereinstimmung mit den betreffenden päpstlichen Enzykliken.

Der Carlismus fasste sich als bestimmende Kraft des so genannten Conservadurismo (spanischer Konservativismus) auf und neigte je länger, desto mehr zu einer autoritären Staatsführung und zum Korporativismus. So gelangte die CT in den frühen dreißiger Jahren zu einem Programm, welches einen „ständischen neotraditionalistischen Monarchismus“ vorsah, der allerdings „einen extremen Etatismus vermied und bestrebt war, den Carlismus deutlich von faschistischem Radikalismus und faschistischer Diktatur abzusetzen“.Stanley Payne, Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung, Tosa-Verlag im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2006, S. 315 Sie waren tief antikommunistisch und jedenfalls um den Spanischen Bürgerkrieg herum – ähnlich wie auch andere rechte Bewegungen – fest davon überzeugt, dass eine „jüdisch-marxistisch-freimaurerische Verschwörung“ Spanien in einen Satelliten der Sowjetunion verwandeln wolle.Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 64

Als Monarchisten lehnten die Carlisten die Idee der Volkssouveränität ab, propagierten aber keine diktatorische, sondern eine durch Glaube, Sitte und Gesetz eingehegte Königsherrschaft. Sie wandten sich vielmehr explizit gegen Despotismus: Sobre el Rey está el Ley, „über dem König steht das Gesetz“, womit in erster Linie das unabänderliche Naturrecht und die ungeschriebenen Grundsätze guten und gerechten Regierens gemeint waren. Die politischen Vorstellungen der Carlisten brachten sie selbst am besten in ihrer eigener Version der Marcha Real auf den Punkt:http://revista-arbil.iespan...

Viva España,
gloria de tradiciones,
con la sola ley
que puede prosperar.

Viva España,
que es madre de Naciones,
con Dios, Patria, Rey
con que supo imperar.

Guerra al perjuro
traidor y masón,
que con su aliento impuro
hunde la nación.

Es lebe Spanien,
der Ruhm des Althergebrachten,
mit dem einzigen Gesetz,
das Gedeihen verheißt.

Es lebe Spanien,
das die Mutter der Nationen ist,
mit Gott, Vaterland und König
durch welche es zu herrschen wusste.

Krieg den Meineidigen,
Verrätern und Freimaurern,
deren unreiner Atem
die Nation verdirbt.

Der Historiker Hugh Thomas illustriert die mit der carlistischen Weltanschauung in der Praxis verbundene Auffassung von Politik wie folgt: Als der Fraktionsvorsitzende der Carlisten in den Cortes, der Graf von Rodezno, 1931 gefragt wurde, wer im Falle einer Rückkehr des Königs wohl Ministerpräsident werden würde, soll er die folgende bezeichnende Antwort gegeben haben: „Sie oder einer von den Herren hier, es handelt sich doch nur um Sekretärsstellen …ich [selbst aber] bliebe beim König, und wir würden von der Jagd sprechen." Hugh Thomas zufolge „gehörte zum Kern der carlistischen Gesellschaftsauffassung… [d]ass die Politik auf der Jagd gemacht wird“.Hugh Thomas: Der Spanische Bürgerkrieg, S. 63

Der Einfluss dieser die spanische Geschichte durch mehr als ein Jahrhundert nachhaltig prägenden Bewegung auf das heutige Spanien war vielfältig. Der baskische Nationalismus hat carlistische Wurzeln. Carlisten gründeten ferner mit den „Sindicatos libres“ die ersten christlichen Gewerkschaften Spaniens.

Verhältnis von Kirche und Staat

Das carlistische Verständnis und Staat und Gesellschaft basierte wesentlich auf ihren idealen Vorstellungen eines Verhältnisses zwischen Staat und Kirche, wie es im Spanien der Zeit vor der Aufklärung vorgeherrscht hatte. Die Kirche legitimierte seit jeher nicht nur die Königsherrschaft mit ihrem Gottesgnadentum, sondern war seit den Zeiten der Reyes Católicos in einem so heterogenen Staat wie Spanien die stärkste integrierende und stabilisierende Kraft und in dieser Eigenschaft als Stütze der bestehenden Ordnung von entscheidender Bedeutung. Auf politischem wie auf kulturellem Gebiet war die Kirche allgegenwärtig. Der Gipfel der spanischen Macht in Europa und der Welt fiel in diese Zeit der Symbiose von Thron und Altar. Im Zuge der Verklärung dieser Zeit nach dem Niedergang Spaniens um den Spanischen Erbfolgekrieg herum wurde ein Zusammenhang zwischen der alten Staatsverfassung und der vergangenen Herrlichkeit hergestellt, welchen der Carlismus aufgriff und sich zu eigen machte, weshalb er als eine Art Jesuitentum für Laien beschrieben worden ist.Beevor, der Spanische Bürgerkrieg, S.64

Die mächtigste gesamtspanische Institution des alten Spaniens, die Inquisition, war eine kirchliche Institution und eine wesentliche Stütze der Macht der Kirche. Auch obgleich die Inquisition in den letzten vierzig Jahres ihres Bestehens keine Todesstrafe mehr verhängt hatte (die letzte Hexenverbrennung fand 1781 stattBrenan, Geschichte Spaniens, S. 237), war ihre politische Macht bis in die Zeiten der Regierung Ferdinands VII., der sie auf Druck Frankreichs abschaffte, noch immer enorm und reichte bis in den Hofstaat des Königs hinein. Ferner trauten es die Absolutisten alleine der Inquisition zu, mit der Freimaurerei fertig zu werden und den Liberalismus aus Spanien zu verbannen, und es verwundert nicht, dass noch bis in das 20. Jahrhundert eine der Hauptforderung der Carlisten lange Zeit die Wiedereinrichtung der Inquisition war, von der sie als von dem ehrwürdigsten, von Engeln vom Himmel auf die Erde gebrachten Tribunal sprachen.

Im wesentlichen machten vier Elemente die gesellschaftspolitischen Vorstellungen aus, auf welche die Carlisten hinaus- oder besser zurückwollten: religiöse Einheit des Volks, ein auf religiösen Glaubenssätzen aufgebautes staatliches und gesellschaftliches System, Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat und Freiheit der Kirche. Bezeichnenderweise verbanden die Carlisten bei ihren Zusammenkünften stets politische mit religiösen Elementen. Einer politischen Ansprache pflegte das Lesen einer Messe voranzugehen.

Die carlistischen Vorstellungen vom Staatswesen waren dem Mittelalter entlehnt. Eine Trennung von Kirche und Staat war dort nicht vorgesehen. Zudem konnte die Religion keine Privatsache sein, denn die katholische Konfession und die christlichen Werte waren nach carlistischer Auffassung das Fundament der Gesellschaft. Um in diesem Sinne wirken zu können, wurde im Rückgriff auf das spanische Mittelalter die völlige konfessionelle Einigkeit des spanischen Volkes als erforderlich angesehen, was die Institution der Inquisition verbürgen sollte. Daher lehnte der Carlismus Religionsfreiheit strikt ab. Dass im Zuge der Debattierung des Entwurfs der Verfassung von 1869 die Carlisten in den Cortes im Streit um die Gewährung der Religionsfreiheit unterlagen, wird deswegen als einer der Gründe für den erneuten Griff zu den Waffen wenige Jahre später angesehen.

Die Carlisten sahen die politische Entwicklung Europas im 19. Jahrhundert als die in eine europäische Revolution übergegangene Französische Revolution an, welche ihrer Ansicht nach in allen europäischen Ländern, einschließlich Spaniens, fortwährend im Sinne ihrer politischen Gegner, der Liberalen, am Werk war. Der Liberalismus galt als Quelle allen Übels der Moderne.Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, S.64 In diesem Sinne äußerte sich der Prätendent Carlos (VII.) wie folgt: „Die spanische Revolution ist nur eines der Bataillone der großen kosmopolitischen Revolution. Wesentliches Merkmal der letzteren ist die vollständige Verneinung der Herrschaft Gottes über die Welt; ihr Ziel besteht in der völligen Zerstörung der Grundlagen, welche durch das Christentum hervorgebracht worden sind und auf welchen die menschliche Gesellschaft begründet ist.“Carlos (VII.), Manifest an die Spanier, La Tour de Peilz, Schweiz, 8. Dezember 1870, vgl. http://www.scalan.co.uk/Car... Die Carlistenkriege sowie der Spanische Bürgerkrieg waren nicht nur politisch motiviert, sondern waren auch religiöse Kreuzzüge. So bezeichneten die Carlisten den Spanischen Bürgerkrieg offen als cruzada (Kreuzzug).

Symbole des Carlismus

Abbildung
Modernes Symbol der Carlistenbewegung
Bildherkunft
Symbol der Carlisten ist ein rotes Burgundisches Andreaskreuz (cruz de Borgoña) auf weißem Grund. Das Burgundische Andreaskreuz stellt mehr oder weniger stilisiert zwei gekreuzte, nur roh zurechtgeschnittene Äste dar. Es erinnert an das Martyrium des Apostels Sankt Andreas. Auf einem weißen, aber gelegentlich auch blauem oder auch in anderen Farben gehaltenen Feld war es seit dem 15. Jahrhundert – als Philipp der Schöne, ein Herzog von Burgund, es als persönliches Zeichen verwendete – die spanische Kriegsflagge sowie Flagge Neuspaniens. Ursprünglich handelte es sich um ein burgundisches Emblem – Schutzheiliger der Herzoge von Burgund war St. Andreas. In Verwendung war das Burgundische Andreaskreuz als Kriegsflagge bis 1843, als die 1785 eingeführte rotgelbrote Seekriegsflagge (die in ihren Grundzügen der heutigen Flagge Spanien entspricht) auch für den Krieg zu Land sowie als Staatsflagge verwendet wurde. Von 1843 an stand die carlistische Bewegung somit unter einer alten spanischen Flagge im Feld, was an das Phänomen der schwarz-weiß-roten und schwarz-rot-goldenen Flaggen in Deutschland erinnert.

Die carlistische Tracht besteht in roten Baskenmützen, von welchen eine goldene Kordel hängt (auf baskisch txapelgorri genannt).

Ihre Hymne ist die „Marcha de Oriamendi“, benannt nach einer Schlacht des Ersten Carlistenkriegs 1837.

Der Wahlspruch der Carlistenbewegung lautet Dios, Patria, Fueros, Rey („Gott, Vaterland, alte Vorrechte, König“. Man vergleiche das Motto der christkonservativen baskischen Partei EAJ/PNV: Jainkoa eta Lege Zaharrak – „Gott und das alte Recht“). Der Wahlspruch des Partido Carlista allerdings lautet Libertad, Socialismo, Autogestión, Federalismo („Freiheit, Sozialismus, Selbstverwaltung, Föderalismus“).

Die carlistischen Prätendenten

Erste carlistische Dynastie

  • Carlos (V.) Maria Isidro de Borbón y Borbón-Parma (* 29. März 1788 in Aranjuez; † 10. März 1855 in Triest). Begründer der ersten carlistischen Dynastie. Auch bekannt als Graf von Molina. Prätendent von 1833 bis 18. Mai 1845 (Abdankung). Anführer der Bewegung im Ersten Carlistenkrieg, von seiner Kontrahentin, der Regentin María Cristina am 16. Oktober 1833 zum Rebellen erklärt.

  • Carlos (VI.) Luis de Borbón y Braganza. Sohn des vorhergehenden Prätendenten (* 31. Januar 1818 in Madrid; † 13. Januar 1861 in Triest). Auch bekannt als Graf von Montemolín. Prätendent von 1845 bis 1860. Abdankung in Konsequenz seiner Gefangennahme durch Isabellas Truppen in Tortosa.

  • Juan (III.) Carlos de Borbón y Braganza. Bruder des vorhergehenden Prätendenten (* 15. Mai 1822 in Aranjuez; † 21. November 1887 in Brighton). Auch bekannt als Graf von Montizon. Prätendent von 1860 bis 1868. Wegen seiner Neigung zum Liberalismus zur Abdankung gezwungen, da ihm nach Ansicht der Carlisten keine „Legitimität durch Taten“ (nicht nur durch Abstammung) zustand. 1883 wurde er Haupt der königlichen Familie der Capets und konnte damit den französischen Thron beanspruchen.

  • Carlos (VII.) María de los Dolores de Borbón y Austria-Este. Sohn des vorhergehenden Prätendenten (* 30. März 1848 in Laibach; † 18. Juli 1909 in Varese). Auch bekannt als Herzog von Madrid. Prätendent vom 3. Oktober 1868 bis 1909, 1873 im Santuario de Loyola zum spanischen König gesalbt. Anführer der Bewegung während des Dritten Carlistenkrieges. Großvater des späteren Prätendenten Erzherzog Karl Pius von Habsburg-Lothringen-Toskana.

  • Jaime (III.) de Borbón y Borbón. Sohn des vorhergehenden Prätendenten (* 27. Juni 1870 in Vevey; † 9. Oktober 1931 in Paris). Auch bekannt als Herzog von Madrid. Prätendent von 1909 bis 1931.

  • Alfonso Carlos (I.) de Borbón y Austria-Este. Onkel des vorhergehenden Prätendenten, Bruder Carlos’ (VII.) (* 12. September 1849 in London; † 29. September 1936 in Wien anlässlich eines Verkehrsunfalls). Auch bekannt als Herzog von San Jaime. Prätendent von 1931 bis 1936. Letzter männlicher Thronerbe der carlistischen Linie.

Mit Alfonso Carlos erlosch die erste carlistische Dynastie. Ein Enkel Carlos’ (VII.) trat jedoch zwischen 1943 und 1953 als „Carlos (VIII.)“ auf. Der Habsburger Erzherzog Karl Pius von Habsburg-Lothringen-Toskana (Carlos de Habsburgo-Lorena y Borbón), ein Abkömmling des Kaisers Leopold II. väterlicherseits und Enkel Carlos’ (VII.) mütterlicherseits, beanspruchte als legitimer Thronanwärter der Ersten Carlistischen Dynastie gemäß der „lex salica“ als Prätendent die Führerschaft der Bewegung, unterstützt von einer Gruppe sogenannter „carlo-octavistas“.

Zweite carlistische Dynastie

Von 1936 bis 1952 gab es keinen offiziellen Prätendenten der carlistischen Bewegung. Als Regent diente in dieser Zeit Francisco Javier de Borbón-Parma.

Die Borbón-Parma sind ein Zweig der Familie, der sich vom Stammhaus bereits im 18. Jahrhundert unter Philipp V. getrennt hat. Letzter gemeinsamer Vorfahr der Stammlinie, der ersten carlistischen Dynastie und der Borbón-Parma war Philipp I. Herzog von Parma, dessen Tochter María Luisa als Ehefrau Carlos’ IV. Mutter sowohl Ferdinands VII. als auch des Prätendenten Carlos (V.) war. Abgesehen davon war die Ehefrau Carlos (VII.) eine Borbón-Parma und somit Mutter Jaimes (III.).

Am 30. Mai 1952 erhob Francisco Javier selbst Anspruch auf den Thron und begründete so die zweite carlistische Dynastie:

  • Javier (I.) de Borbón-Parma y Braganza, mit vollem Namen Francisco Javier, * 25. Mai 1889, † 7. Mai 1977, Prätendent von 1952–1975 (Abdankung). Seit dem Jahr 1964 Träger des Titels des Grafen von Molina.

Als Gegenprätendent der traditionalistischen Richtung der carlistischen Bewegung ist aufgestellt

  • Sixto (I.) Enrique de Borbón-Parma y Borbón, Gegenprätendent seit 1977. * 22. Juli 1940 in Pau. Auch bekannt als Herzog von Aranjuez.

Weitere Prätendenten

Die Legitimität der Zweiten Carlistischen Dynastie war vor allem in ihren ersten Jahren nicht unumstritten. Obgleich die große Mehrheit der Carlisten Javier (I.) zunächst als Regenten und sodann als König anerkannte, akzeptierte eine Anzahl Carlisten ihn nicht als legitimen Prätendenten und wandte sich darum Personen aus der Hauptlinie der spanischen Bourbonen sowie einem Abkömmling Carlos’ (VII.) zu. Daneben gab es Carlisten, die weder die Zweite Carlistische Dynastie noch einen der nachfolgenden Prätendenten anerkannten.

  • 1958 erkannte eine zahlenmäßig starke Gruppe von Carlisten Juan de Borbón y Battenberg, Graf von Barcelona, Vater des derzeitigen spanischen Königs Juan Carlos, als Oberhaupt an.
  • 1960 proklamierte eine zahlenmäßig starke Fraktion auf dem Montejurra den ältesten Sohn Alfonsos XIII. Jaime (IV.) als Prätendenten, welcher eigentlich wegen seiner Taubstummheit die Rechte auf den spanischen Thron an seinen jüngeren Bruder Juan, den Grafen von Barcelona, abgetreten hatte.
  • Carlos (VIII.), ein Enkel Carlos’ (VII.), beanspruchte die Führung der carlistischen Bewegung von 1943–1953; siehe bereits oben zur Ersten Carlistischen Dynastie.

Triest – Sitz und Grablege der carlistischen Prätendenten

Ihren „Hof“ hielten die carlistischen Prätendenten bis 1874 in Triest (Italien). Die Wahl Carlos’ (V.) fiel im Jahr 1847 auf diese Stadt, weil die Herzogin von Berry, die Schwester der Ehefrau Carlos’ (V.), ein Gebäude in der Via Lazzaretto Vecchio Nr. 9 besaß, dessen ersten Stock sie selbst bewohnte. Den zweiten Stock des Gebäudes überließ sie Carlos (V.). 1874 starb die Prinzessin von Beira, Carlos’ (V.) zweite Ehefrau, was dazu führte, dass Triest als Sitz der Prätendenten aufgegeben wurde.

Abbildung
Kathedrale von San Giusto zu Triest
Bildherkunft
Die Grablege der carlistischen Prätendenten ist die Kathedrale San Giusto zu Triest, die deshalb auch der „carlistische Escorial“ genannt wird. Hier sind die Prätendenten Carlos (V.), (VI.) und (VII.) und Juan (III.) beigesetzt, sowie
  • die beiden Ehefrauen Carlos’ (V.) – María Francisca de Asís y de Borbón (1800–1816) und die seit 1838 mit Carlos vermählte María Teresa de Braganza y de Borbón, Prinzessin von Beira (1793–1874),
  • die Ehefrau Carlos’ (VI.) – María Carolina de Borbón-Dos Sicílias (1820–1861),
  • der Infant Fernando de Borbón y de Braganza (1824–1861), Sohn Carlos’ (V.),
  • Francisco José Carlos de Habsburgo y de Borbón (1905–1975), Enkel Carlos’ (VII.).

In Parzelle Nr. 111 des Friedhofs von Santa Anna zu Triest liegen darüber hinaus 24 Mitglieder des carlistischen Hofgefolges. Diese Parzelle wurde 1868 von der Prinzessin von Beira angekauft; dem Grabstein sind die folgenden Worte zu entnehmen: Seguito dell’Augusta Signora Maria Teresa di Borbone, Contessa de Molina.

Die anderen Prätendenten wurden an anderen Orten bestattet:

  • Jaime (III.) sowie Blanca de Borbón y Borbón-Parma, die Ehefrau Carlos’ (VII.), in Viareggio (Italien),
  • Alfonso Carlos und seine Frau, María de las Nieves de Braganza, in Schloss Puchheim (Österreich).
  • Carlos (VIII.) fand seine letzte Ruhestätte im Monestir de Santa Maria de Poblet (Spanien).
  • Juan de Borbón y Battenberg und sein Bruder Jaime, die sich beide allerdings nicht als Anführer der carlistischen Bewegung verstanden, wurden im Escorial beigesetzt, Juan mit königlichen Ehren als Juan III.

Anhang

Siehe auch

Literatur

Leider ist dem Autor kein in deutscher Sprache verfasstes Sachbuch bekannt, welches sich explizit mit dem Carlismus und den Carlistenkriegen auseinandersetzt. Die folgenden Bücher befassen sich mit der spanischen Geschichte des 19. und 20 Jahrhunderts und behandeln in diesem Zusammenhang die Carlistenkriege und/oder den Carlismus mit unterschiedlicher Ausführlichkeit.
  • Antony Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, Verlag C. Bertelsmann, München, 2006, ISBN 3-570-00924-6
  • Gerald Brenan, Die Geschichte Spaniens. Über die sozialen und politischen Hintergründe des Spanischen Bürgerkrieges, Karin Kramer Verlag Berlin, 1978, ISBN 3-87956-034-X
  • Walther L. Bernecker / Horst Pietschmann: Geschichte Spaniens, Kohlhammer, 2005, ISBN 3-170-16188-1
  • Walther L. Bernecker, Sozialgeschichte Spaniens im 19. und 20. Jahrhundert, Edition Suhrkamp (Band 1540), 1989, ISBN 3-518-11540-5
  • Walther L. Bernecker, Hans-Jürgen Fuchs, Bert Hoffmann et al., Spanien-Lexikon, Verlag C.H.Beck, 1990, ISBN 3-406-34724-X
  • Salvador de Madariaga, Spanien, Deutsche Verlags-Anstalt, 1979, ISBN 3-421-01925-8
  • Dr. Franz Metzger (Hrsg.) „Geschichte mit Pfiff“ (heute: „Geschichte“) 7/92: „Abstieg einer Weltmacht. Spanien 1700–1900“
  • Hugh Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg, Büchergilde Gutenberg, 1964, ISBN B0000BOKPQ (Standardwerk zum Spanischen Bürgerkrieg, leider vergriffen)

Fußnoten

Weblinks

   

Link=Wikipedia:Exzellente_Artikel} Dieser Artikel wurde in die Liste exzellenter Artikel aufgenommen.

Exzellent

en:Template:Featured eo:Ŝablono:elstara fr:Modèle:Article de qualité he:תבנית:ערך מומלץ it:Template:vetrina no:Mal:Utmerket pl:Szablon:Medal sr:Шаблон:Изабрани sv:Mall:utvald sq:Stampa:Perfekt th:Template:เป็นบทความคัดสรร vi:Tiêu bản:Chọn lọc zh:Template:特色条目


Diskussion der Autoren über den Artikel: Carlismus


unverständlicher Satz

Im Abschnitt über den ersten Krieg steht:

"Die Carlisten konnten in Nordspanien (abgesehen von der Festungen des Gebiets) vorübergehend ihre eigene Herrschaft aufrichten, und die Kampfhandlungen zogen sich über volle sieben Jahre bis 1840 hin."

Was ist mit der Klammer gemeint? Es klingt nach einem simplen Typo, aber ich weiss schlicht nicht, was es heissen könnte, deshalb konnte ichs auch nicht berichtigen. den Festungen? der Befestigung? der Festigung? ratlos: Benni Bärmann 10:24, 24. Aug 2005 (CEST)

Weiter unten, 3. Absatz desselben Abschnitts, vorletzter Satz, wird klar, dass es ein Typo ist/war. Ansonsten, sehr schöner Artikel, höchstens zu viele Bandwurmsätze. -- Chrigo 19:24, 24. Aug 2005 (CEST)

Reviewdiskussion: Carlisten, 20. Februar

Darin wurde eine Review-Baustein eingetragen. -- Dishayloo [ +] 23:39, 20. Feb 2005 (CET)

Ich habe den von mir vor einem Monat begründeten Artikel in den vergangenen Tagen nochmals ausgebaut und ihmn die nötige Gliederung verpaßt. Wäre für Kommentare dankbar. Antaios 15:09, 26. Feb 2005 (CET)

Ein Wort: Bilder! Da muss doch was gemeinfreies zum Thema zu beschaffen sein. -- Carbidfischer 16:34, 26. Feb 2005 (CET)

Nochmals weiterer Ausbau. Inzwischen auch mit Bildern. Antaios 22:50, 28. Feb 2005 (CET)

Ich glaube, jetzt ist er wirklich gut. Aber eine weitere Meinung wäre schön. Antaios 22:35, 3. Mär 2005 (CET)

Ist deutlich besser geworden und sehr ausführlich. Kleiner Schönheitsfehler: die vielen roten Wikilinks bei den Thronprätendenten. Vielleicht Links streichen oder kleine Artikelchen dazu verfassen? -- Carbidfischer 12:31, 4. Mär 2005 (CET)

Ich hätte den Artikel ja jetzt beinah in den Kandidaten vorgeschlagen, aber gibt es echt keine Literatur zu dem Thema? -- Achim Raschka 13:44, 15. Mär 2005 (CET)

Nachgetragen. --Antaios 17:45, 17. Mär 2005 (CET)

Der Artikel ist fraglos gut. Aber irgendwie fehlt zur Exzellenz noch das gewisse, schwer zu beschreibende Etwas. -- Carbidfischer 18:04, 17. Mär 2005 (CET)

Dennoch, gibt es die Möglichkeit, das in Worte zu fassen? Vielleicht läßt sich ja was tun. --Antaios 22:36, 17. Mär 2005 (CET)

Ich überlege noch. Aber das Plakat mit der cruzada ist cool. -- Carbidfischer 18:45, 18. Mär 2005 (CET)

Dear all - ich erachte den Artikel nach finalem Ausbau und Ausformulierung jetzt insoweit als fertig, als mir selbst nichts mehr einfällt, was man noch tun könnte. Für Hinweise, wie er im Sinne eines letzten Schliffs verbessert werden könnte, wäre ich dankbar. --Antaios 10:47, 20. Mär 2005 (CET)

Der letzte Schliff kommt bei den Kandidaten ;-). Mein Pro hast du. Aber hol lieber noch eine zweite Meinung ein. -- Carbidfischer 12:01, 20. Mär 2005 (CET)

Ist das Lemma richtig gewählt? Sollte es nicht Carlismus lauten? Immerhin fängt auch der erste Satz bereits damit an. --Birger Fricke Birger_Fricke 21:24, 17. Mär 2005 (CET)

Danke für den Hinweis, habe den ersten Satz geändert (und dazu das 20 Jahrhundert deutlich ausgebaut). Ich wollte den Begriff "Carlismus" eigens vermeiden, weil die Carlisten sich heute weder auf einen bestimmten Prätendenten (es stehen mehrere zur Auswahl, einschließlich des amtierenden Königs von Spanien) oder vielleicht auch auf gar keinen Prätendenten noch darauf einigen können, ob sie eigentlich partikularistisch-links oder rechtskonservativ-katholisch sein wollen. Entsprechend schwierig ist die Definition, die ja eben am Anhang stehen muß. Dann schon lieber nach dem Kriterium: Carlist ist, wer sich als Carlist bezeichnet. ;-) --Antaios 22:36, 17. Mär 2005 (CET)

Einwand berechtigt. Den Artikel gibt es noch in einer Reihe anderer Sprachen, und stets heißt es "Carlismo", "Carlism" usw. Dann lieber konsequent sein. --Antaios 23:47, 17. Mär 2005 (CET)

Weiterer Ausbau des Artikels um den Carlismus im 20. Jahrhundert plus weiteres Bild. --Antaios 18:15, 18. Mär 2005 (CET)

Carlismus, 21. März

Aus dem Wikipedia:Review, siehe hier: Diskussion:Carlismus

Nach einem vollen Monat im Review, in dem sich viel getan hat, wage ich nunmehr den Schritt. Als Autor stimme ich natürlich mit Enthaltung. --Antaios 21:23, 21. Mär 2005 (CET)

  • pro - schöner Artikel, sehr ausführlich, gut bebildert (bist Du Dir sicher, dass das Plakat unseren strengen Anforderungen genügt?). Zwei, drei Sachen fand ich holprig formuliert. Ich finde es beispielsweise unglücklich und etwas un-enzyklopädisch, wenn eine Frage im Fließtext auftaucht (War es klug, eine Verfassung, welche Menschenwerk war und mit einen Federstrich geändert werden konnte, dem unabänderlichen und vor Gott geschworenen Eid vorzuziehen?); Die Pläne zerschlugen sich allerdings, und Isabella heiratete anderweitig - es klingt ein wenig, als hätte sie sich für einen anderen Ort der Hochzeit entschieden und nicht für einen anderen Mann - und bei mir kommt die Frage auf, wen sie denn nun heiratete. Nachdem die Frage ihrer Nachfolge indirekt zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870 geführt hatte steigt bei mir sofort die neugierige Frage auf, wie das denn zusammenhing. Das ist allerdings auch alles, was mir auffiel. --BS Thurner Hof 22:30, 21. Mär 2005 (CET)
berechtigte Einwände - angepaßt. Das Plakat allerdings wird von der EN-WK als weltweit PD bezeichnet. Ich sehe deswegen eigentlich nichts, was gegen ein Einstellen in den DE-WK sprechen könnte. --Antaios 23:37, 21. Mär 2005 (CET)
Und ich sehe deswegen allen Grund gegen eine Einstellung. Ums ganz deutlich zu sagen: nach meiner Einschätzung ist nur ein winziger Teil der Bilder, die laut en oder Commons angeblich weltweit PD sind, tatsächlich weltweit PD. Das sind alles IMHO nur dreiste Lügen von Leuten, die nicht die mindeste Ahnung haben. Spanien hatte lange die längste europäische Schutzfrist überhaupt (80 Jahre pma), ich sehe nicht den geringsten Grund, dieses Plakat nicht 70 Jahre nach dem Tod seines Urhebers geschützt zu sehen, wie dies das Gemeinschaftsrecht vorsieht. --Historiograf 15:20, 22. Mär 2005 (CET)
Ich habe mal einen Urheberrecht-ungeklärt-Baustein eingefügt. --Antaios 21:22, 22. Mär 2005 (CET) Da ist es leider verhungert. Darum auf "Löschantrag:Bild". Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/Bilder#5._April Das Bild wurde aus dem Artikel genommen. Sollte man zu einer begründeten gegenteiligen Meinung gelangen, dann kommt es eben wieder rein. --Antaios 21:40, 5. Apr 2005 (CEST)

  • pro - ausführlich, gut lesbar. --Frank Schulenburg 08:40, 22. Mär 2005 (CET)
  • pro - sehr guter Artikel --Suse 10:04, 22. Mär 2005 (CET)
  • Pro. Auch wegen der konstruktiven Zusammenarbeit im Review. -- Carbidfischer 11:33, 22. Mär 2005 (CET)
  • Contra: Nach Inhalt und Umfang durchaus ein Artikel, der exzellent werden kann. Aber nicht, so lange - beginnend mit dem ersten Satz - dermaßen viele sprachliche Hämmer drin stecken.
    Beispiel 1: Nur eine Einzelperson kann ein Thronprätendent sein, nicht aber die Seitenlinie einer Dynastie. (Im übrigen erführe man gerne schon in der Einleitung, um welche Linie es sich da handelte.)
    Beispiel 2: Der Mount Everest lässt sich vielleicht ersteigen, nicht aber ein Thron. Den besteigt man bestenfalls.
    Ganz schlimm wird es, wenn der Autor nicht erkennt, ab wann man im Deutschen den Konjunktiv zu benutzen hat. Wenn man nämlich Positionen einer Partei in deren eigenen Worten wiedergibt, klingt das ohne Konjunktiv so, als mache man sich diese Positionen selbst zu eigen.
    Klingt jetzt alles etwas beckmesserisch, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass der alte Schopenhauer recht hatte: Die Unklarheit des Ausdrucks kömmt zumeist von der Unklarheit des Denkens her. Tschuldigung, ist mir jetzt so rausgerutscht Delos 01:10, 23. Mär 2005
Habe die Kritikpunkte 1 und 2 aufgegriffen - allerdings bei 1 nur teilweise, weil die Sache mit der Seitenlinie der Bourbonen etwas komplexer ist, man für hinreichende Verständlichkeit dazu weiter ausholen muß (was im Artikel geschieht) und ich den Einführungssatz nicht überladen möchte. Was den letzten Punkt angeht: welche Passagen meinst du? Danke --Antaios 09:05, 26. Mär 2005 (CET)
Na, zum Beispiel diese:
"Die Anhänger des Absolutismus waren vom hergebrachten Bild des Königs überzeugt, welcher sein Amt direkt von Gottes Gnaden erhielt, durch diese Belehnung über die Sterblichen hervorgehoben und zu Gottes Schild und Schwert auf Erden wurde. Indem der Monarch Souverän war, war Gott der Souverän: Monarchismus und Religion waren für die Absolutisten - und zumal für die spanischen - untrennbar ineinander verschränkt. Daher war ein Stück Papier, welches das Verhältnis des Monarchen zu seinem Volk vertraglich und gewissermaßen wie unter Krämern zu regeln unternahm, zugleich eine Majestätsbeleidigung und eine Gotteslästerung."
Wenn man die Sätze mal von dem umständlichen Wortballast befreit, der sich durch den ganzen Artikel zieht, ist wohl folgendes gemeint:
"Die Anhänger des Absolutismus hielten an der Vorstellung vom Gottesgnadentum fest. Danach erhalte der König sein Amt direkt von Gottes und werde so zu dessen Schild und Schwert auf Erden. Durch den Monarchen sei also Gott selbst der Souverän. Für die Absolutisten, zumal für die spanischen, waren Monarchie und Religion untrennbar miteinander verbunden. Daher betrachteten sie eine Verfassung, die das Verhältnis zwischen König und Volk vertraglich regeln sollte, zugleich als Majestätsbeleidigung und Gotteslästerung."
So drückt man im Deutschen korrekt aus, dass sich bei diesen Ansichten um eine Parteimeinung handelt und nicht um die des Verfassers. Überhaupt lässt es der Text an etlichen Stellen an nüchterner Distanz zum Gegenstand fehlen.
Noch eine kleine Anmerkung: Hier wird immer ein Riesentheater um Bildrechte und Layouts gemacht. Wenn aber ein Artikel in teils umständlichem, teils falschem Deutsch geschrieben ist, schert das offenar kaum jemanden. Gerade bei der Beurteilung eines Enzyklopädie-Artikels aber sollte eine prägnante und korrekte Sprache von allen formalen Kriterien das wichtigste sein. Denn mit ihr steht und fällt die Verständlichkeit des Texts.Eben darum aber - ums Verstehen und nichts anderes - geht es hier doch wohl, oder? Delos 23:28, 26. Mär 2005 (CET)
Das ist abhängig vom Sujet: in einem naturwissenschaftlichen Artikel wäre deiner Argumentation nichts hinzuzufügen, aber nicht im Falle der Literaturwissenschaft und eben der Geschichtswissenschaft, wo es mitunter um Standpunkte geht, welche - wie im Falle der Absolutisten - uns heute fremd und nicht ohne weiteres verständlich sind. Dies vor allem dann, wenn Quellenzitate, die das Anliegen der historischen Partei möglichst prägnant unterstreichen könnten, dem Autor nicht bekannt oder ihm nicht ohne weiteres verfügbar sind. Zur "Distanzlosigkeit": gleich im nächsten Absatz wird in gleicher Weise die Ansicht der Liberalen vertreten. Ein normaler Leser versteht auch ohne Konjunktiv ohne weiteres, daß hier zwei Parteimeinungen einander gegenübergestellt werden. Und beide gleichzeitig kann der Autor nicht gut vertreten. Zum Stil: Ein anschaulicherer Stil kann auch in einer Enzyklopädie mitunter angezeigt sein, solange er nicht in Pathos ausartet, was hier nicht der Fall ist. Ich komme zum Schluß, daß wir hier um eine Geschmackssache streiten. Dennoch, ich habe die ggf. diskutablen Ausdrücke "Stück Papier" und "wie unter Krämern" einmal herausgenommen.
Zur "Distanzlosigkeit": gleich im nächsten Absatz wird in gleicher Weise die Ansicht der Liberalen vertreten. Ein normaler Leser versteht auch ohne Konjunktiv ohne weiteres, daß hier zwei Parteimeinungen einander gegenübergestellt werden. Und solange ich im selben Satz zum Ausdruck bringe, daß das absolutistische Ansicht sei, brauche ich den auch nicht. Die Sätze, die aus dem Zusammenhang gerissen - und nur dann - wie eine Meinungsäußerung aussehen, sind inzwischen angepaßt worden.
Zum Stil: Ein anschaulicherer Stil kann auch in einer Enzyklopädie mitunter angezeigt sein, solange er nicht in Pathos ausartet, was hier nicht der Fall ist. Ich komme zum Schluß, daß wir hier um eine Geschmackssache streiten. Dennoch, ich habe die ggf. diskutablen Ausdrücke "Stück Papier" und "wie unter Krämern" einmal herausgenommen.
Das alles ist abhängig vom Sujet: in einem naturwissenschaftlichen Artikel wäre deiner Argumentation nichts hinzuzufügen, aber nicht im Falle der Literaturwissenschaft und eben der Geschichtswissenschaft, wo es mitunter um Standpunkte geht, welche - wie im Falle der Absolutisten - uns heute fremd und nicht ohne weiteres verständlich sind. Dies vor allem dann, wenn Quellenzitate, die das Anliegen der historischen Partei möglichst prägnant unterstreichen könnten, dem Autor nicht bekannt oder ihm nicht ohne weiteres verfügbar sind. Hier ist eine lebendigere Sprache ein Vorteil, kein Nachteil und steht einer sachlichen Darstellung auch nicht entgegen.
--Antaios 15:32, 28. Mär 2005 (CEST)
  • pro --NL 16:45, 27. Mär 2005 (CEST)
  • contra: Ich finde Delos' Einwände sehr einleuchtend. Antaios' Ansicht, korrektes Deutsch sei (sic!) eine reine "Geschmackssache", halte ich für völlig daneben. Es gibt in Sachen Rechtschreibung und Grammatik klare Regeln, an die wir uns hier halten sollten. Der Artikel aber hält sich in allzu weiten Teilen nicht dran. SteffenG 23:24, 28. Mär 2005 (CEST)
  • neutral der artikel hat sich prächtig entwickelt, nur frage ich mich, ob nicht am thema vorbei. zum Carlismus (Organisation, Programm, Akteure, Glaubensinhalte) steht eher weniger im Artikel, dafür mehr zu den Carlistenkriegen. die literaturliste bestärkt mich auch irgendwie in der einschätzung. -- Southpark 23:18, 31. Mär 2005 (CEST)
Ich habe das einmal aufgegriffen und bin am gegebenen Ort im Artikel vermehrt auf Programm und Zele der Carlisten eingegangen, nebst einigen Ergänzungen anderwärts im Artikel. --Antaios 11:59, 2. Apr 2005 (CEST)
  • pro mit minus-tendenz alles so weit in ordnung (abgesehen von den ounkten meiner vorredner, die nicht noch mal wiederholen will). was mich extrem stört: die einleitung. aus den zwei sätzen sollte man besser doppelt so viele machen. diese 5 zeilen sind im grunde genommen eine einzige verschachtelung. Schaengel89 Schaengel89 15:19, 7. Apr 2005 (CEST)
habe aus zwei Sätzen drei gemacht und denke-glaube-hoffe, dass sich das jetzt leichter liest. --Antaios 19:34, 7. Apr 2005 (CEST)
Dear all - zum Finale bin ich nochmals sprachkritisch, Schachtelsätze zerlegend, präzisierend und ergänzend durch den Artikel gegangen. Sollten jetzt noch Kritikpunkte anstehen, bitte ich um Mitteilung. --Antaios 14:04, 9. Apr 2005 (CEST)

  • Ich will nicht mit contra stimmen - der Artikel ist ungeheuer informativ -, aber bei einem exzellenten Artikel sollte auch die Sprache exzellent sein... Vielleicht erst noch einmal sprachlich überarbeiten oder überarbeiten lassen? So viele Sätze sind überladen und hölzern:
  • Die Gräueln, welche die einander mit großer Unerbittlichkeit gegenüberstehenden Parteien, die carlistischen sogenannten Requetés und die reguläre spanische Armee, einander sowie ihren Gefangenen und unbeteiligten Zivilisten zufügten, waren von einer Grausamkeit, daß andere europäische Mächte die sich befehdenden Parteien im Rahmen des sogenannten "Lord Elliot Agreement" zur Einhaltung gewisser Standards der Kriegführung bewegen mußten.
  • oder:
*Die Regentin María Cristina von Sizilien und ihre Tochter Isabella hatten keine andere Wahl, als sich vollends auf die Liberalen und Zentralisten, besser: die konstitutionellen Monarchisten zu stützen, wenn sie politisch überleben wollten (wobei sich später noch herausstellen sollte, daß der Hof zu Madrid nach überstandener Gefahr die Liberalen fast sofort wieder fallen ließ und anderen Gruppoen sein Ohr verlieh).
  • und mit dem "Ohr verleihenden Hof", der "immer linksextremeren Politik Carlos-Hugos" oder gleich zu Beginn der "wichtigen Hauptpartei" ist die Grenze zum unfreiwillig Komischen schon (fast) erreicht. Ein guter Artikel - aber exzellent? --Saum 20:14, 12. Apr 2005 (CEST)

Ich bin nochmal durch. Wie Jahresringe legen sich immer neue Informationen um die vorhandenen, und mit der Zeit entstehen solche Sätze ... Es ist ein Drama. Seit dem letzten Mal ist wieder eine Menge dazugekommen. --Antaios 21:46, 12. Apr 2005 (CEST)

Hexenverbrennungen in Spanien

Habe in dem Abschnitt den Hinweis (im Zusammenhang mit der Inquisition) getilgt, dass die letzte Hexenverbrennung 1781 stattfand. Das bezieht sich m.W. auf Deutschland oder die Schweiz. In Spanien gab es seit Anfang des 17. Jh. überhaupt keine Hexenverbrennungen - eben w e i l die Inquisition hier stark war. Dirk J. von mir hierher verschoben Antaios Antaios Antaios/Bewertung 15:58, 7. Okt 2006 (CEST)

Brenan sieht das anders und nennt genau das Jahr 1781, vgl. die jetzt angefügte Referenz. Wen es interessiert - der Vorwurf lautete darauf, dass die betreffende ältere Dame „geschlechtlich mit dem Teufel verkehrt und Eier gelegt [haben soll], auf denen Prophezeiungen standen“. Antaios Antaios Antaios/Bewertung 15:58, 7. Okt 2006 (CEST)

Der Erste Carlistenkrieg. Es stimmt folgendes nicht

... Der Erste Carlistenkrieg, ein erster spanischer Bürgerkrieg...

Der erste spanische Bürgerkrieg fand 1820-1823 statt.

... mit einem Aufstand in den drei baskischen Provinzen aus.... Von hier breitete er sich über Navarra ...

Der Aufstand fand in Tricio, La Rioja, am 6.10.1833, südlich vom Ebro, seinen bewaffneten Anfang, von hier aus kam er sehr schnell nach Navarra und dann erst ins Baskenland. Die die im Baskenland am Anfang für Carlos waren, waren nur Politiker, sie schrien viel aber hatten keine Waffen. Und ohne Waffen gibt es keinen anständigen Aufstand.

... und ihre Tochter Isabella hatten keine andere Wahl ...

Isabella war nur 4 Jahre alt!

... Die Gebiete, welche sich auf Carlos' Seite stellten, waren darum namentlich Navarra, Aragon, Katalonien, die ländlichen Gebiete des Baskenlandes - und selbst Teile Altkastiliens.

Alle Gebiete waren ländlich. 1833 gab es nur ein paar Wochen lang organisierte Carlisten in Altkastilien, sonst nur in Navarra und Baskenland. In Aragon und Katalonien erst Jahre später.

... der so genannten Requetés,...

Das dritte Batallon von Navarra hatte ein Lieblingslied, da sangen sie, da sie zerfetzten Hosen hatte, dass man beim marschieren ihr culo (Arsch) zu sehen war. Da Carlos keine unanständige Wörter duldete, ersetzen sie das Wort culo durch das nichtssagende "requete". So bekamen sie den Spitznamen requeté. Nur die vom dritten Batallon von Navarra wurden damals als requetes bezeichnet. Erst 1936 bekamen diesen Nahmen alle Carlisten die auf der Seite Francos waren.

... Zumalacárregui kontrollierte bald ganz Navarra und das ganze Baskenland mit Ausnahme der Festungen ...

Er kontrollierte nur etwa 20 % der Bodenfläche von Navarra mit nur 5% der Bevölkerung. Nicht nur keine Festung sondern keine einzige wichtige Ortschaft war in seiner Hand. Das Baskenland, aber ohne Haupstätte und wichtige Häfen, bekam er erst im Mai 1835 in seine Hand.

... Damit zog er sich allerdings den Argwohn des Prätendenten zu, welchen das gewaltige Ansehen, das Zumalacárregui bei den Soldaten genoss, in Sorge versetzte...

Das ist eine lächerliche Festsetzung!

... 1835 schien die Sache der Cristinos verloren zu sein. Zumalacárregui kontrollierte fast ganz Spanien nördlich des Ebro...

Nördlich vom Ebro befindet sich 15 % Spaniens und davon hatte Zumalacárregui keine 2 % besetzt.

... In Andalusien drang der carlistische General Gomez vor...

Das geschah erst 1836, als Zumalacarregui längst begraben war.

... Er verlangte nach seinem englischen Leibarzt ...

Nein, er hat den Engländer abgelehnt (siehe Henningsen) und seinen Heilkundinger Petriquillo bevorzugt.

... Für die Cristinos erfocht die französische Fremdenlegion die Siege von Terapegui 1836 ...

In der spanischen Geschichtschreibung über diesen Krieg ist nichts von einer Schlacht von Terapegui zu finden. Auch der geografische Namen ist nicht bekannt. 1836 war die Fremdenlegion in Ortschaften von Navarra untergebracht und bildeten die sogenante Linea de Zubiri. Diese Linie ging nördlich von Pamplona bis zur französichen Grenze. Sie sollten den Verkehr der Carlisten mit Frankreich unterbinden, was ihnen nicht gelang. Es gab dort kein bedeuntendes Gefecht.

Was in Google über diese Schlacht zu finden ist, ist Mist. So sagt man dort etwa dass die französische Fremdenlegion unter Zumalacarregui kämpfte, sie kamen aber erst 1836 nach Spanien.

... und Huesca 1837 ...

Diese Schlact haben die Carlisten gewonnen.

... In diesem Jahr gelang (am 14. Oktober) dem christinischen General Baldomero Espartero der Sieg in der Entscheidungsschlacht von Huerta del Rey...

Es war weder eine Schlacht noch war sie entscheidend. Es war nur ein Gefecht. Es fand am 4.10.1837 statt.

... Der carlistische General Maroto, der erst Jahre nach Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs zu den Carlisten gestoßen war...

Er hatte schon im Sommer 1835 ein Kommando im Baskenland (siehe sein erfolgeriches Gefecht von Arrigorriaga am 11.9.1835).

... ging Don Carlos auf Druck Marotos am 15. September 1839 ins Exil...

Nicht Maroto sondern die Truppen von Espartero haben ihn am 14.9.1839 nach Frankreich abgeschoben

Vier deutsche die diesen Krieg mit den Carlisten mitmachten, haben herrliche Bücher darüber geschrieben, so:

August von Goeben. Vier Jahre in Spanien, Hannover 1841

Felix Lichnowsky. Erinnerungen aus den Jahren 1837 - 1839. Frankfurt/Main, 1841

Wilhelm von Rahden. Wanderungen eines alten Soldaten. Dritter Teil. Berlin, 1851

A.Loning. Das spanische Volk... mit Episoden aus dem Karlistischen Erbfolgekrieg. Hannover, 1844.--Cornava 14:37, 13. Nov. 2006 (CET)

Zunächst einmal vielen Dank für die Mitarbeit. Jeder Fehler, der mir nachgewiesen wird, ist einer, der vor seiner Korrektur steht.
Das Kapitel zum Ersten Carlistenkrieg war leider schon immer das Problemkapitel, weil es einfach kaum eine ausführliche Abhandlung zu dem Thema gibt. Soweit ersichtlich, behandeln die meisten Bücher den Carlismus unter kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten und bieten nur grobe Überblicke zu den geschichtlichen Abläufen. So kommt es, dass dieses Kapitel aus einer Vielzahl Quellen zusammengestellt sind, über die ich nicht mehr alle verfüge, so dass ich nicht zu allen oben aufgezählten Punkten den Wortlaut der Quellen parat habe. Und selbst wenn - die Quellen widersprechen sich leider gelegentlich eklatant, und zwar gerade in den Einzelheiten. Ein Beispiel: von Marion Höflinger (in: Geschichte, 7/92, S. 19) wird mitgeteilt, dass die "Hunderttausend Söhne des Heiligen Ludwig" sich aus 65.000 Franzosen und 35.000 königstreuen Spaniern zusammensetzten, während Salvador de Madariaga ("Spanien", S. 55) einfach von 100.000 Franzosen spricht.
In diesem Sinne möchte ich auf Deine Thesen oben - soweit ich eben kann - wie folgt eingehen:
    • 1820-1823 würde ich nicht in des Wortes voller Bedeutung als Bürgerkrieg bezeichnen. Das Land rutschte nach dem pronunciamiento von 1820 zunehmend ins Chaos, allerdings verdient nur die Zeit unmittelbar vor der französischen Intervention die Bezeichnung (nach Höflinger, aaO). Es ist jedoch eine Begriffsfrage - ich hänge nicht unbedingt an der Formulierung.
    • Das mit der Isabella (sie war, wie im Artikel im Zusammenhang mit ihrer Erhebung zur Königin steht, bei Ausbruch des Carlistenkriegs übrigens sogar nur drei Jahre) ist in der Tat eine stark verunglückte Formulierung, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass sie nominell Königin war.
    • Zur Aufzählung der Länder, in welchen die Carlisten stark waren, stammt weitgehend von Brenan (The Spanish Labyrinth, S. 240). Bernecker (Spanien-Lexikon, S. 61) stellt heraus, dass der Carlismus "[v]on Anfang an [...] in den ländlichen Gebieten Navarras und Kataloniens besonders stark" war. Das widerpricht sich nun mit dem, was du oben von Katalonien sagst (oder missverstehe ich etwas)?
    • Dazu, dass nicht eine wichtige Stadt in Zumalacárreguis Händen gewesen und der von der Carlisten gehaltene Teil Spaniens nördlich des Ebro unbedeutend gewesen sei, möchte ich (mangels einer anderen gerade greifbaren Quelle) auf den Eintrag im "Meyer" verweisen: Die Erhebung der Karlisten begann im Oktober 1833 mit der Einsetzung einer Junta und der allgemeinen Volksbewaffnung, welche Zumala-Carreguy leitete. Derselbe treffliche Feldherr verschaffte den Karlisten im Gebirgskrieg immer mehr Erfolge und bemächtigte sich eines Teils von Katalonien. [LINK] Am 19. März nahm er nach fünftägiger Belagerung das Fort von Etcharry-Arranaz, errang vom 21. bis 23. April im Thal von Amescoas über den Kriegsminister Valdez einen entscheidenden Sieg, schlug dann auch Iriarte bei Guernica, nahm die festen Orte Estella, Villalba, Tafella, Villasranca, Trevino, Tolosa und war nun, mit Ausnahme weniger Plätze, Herr des ganzen Landstrichs von der französischen Grenze bis Pamplona. [LINK]. Brenen (aaO) gibt an, dass es sich um eine Erhebung der ländlichen Gegenden gehandelt habe, während die "großen Städte" (Pamplona, Bilbao, Saragossa) liberal geblieben seien.
Was freilich den Rest betrifft, der sich mit den Einzelheiten der Abläufe befasst, so handelt es sich - wie erwähnt - um mühsam zusammengesuchte Einzelheiten. Allerdings glaube ich nicht, z. B. Huerta de Rey aus eigener Kraft so mißverstanden zu haben, dass aus einem Scharmützel eine Entscheidungsschlacht wurde: das und einiges anderes wird wohl durch erneute Suche in den Quellen gestützt oder verworfen werden müssen. Hier haben wohl viele, sich widersprechende oder wenig sorgfältig recherchierte Quellen den Brei in den angesprochenen Einzelheiten verdorben. Einerlei, ich nehme das zum Anlass, den Abschnitt in der nächsten Zeit einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Antaios Antaios Antaios/Bewertung 22:15, 14. Nov. 2006 (CET)

    • Und selbst wenn - die Quellen widersprechen sich leider gelegentlich eklatant, und zwar gerade in den Einzelheiten.
  • Ich helfe gerne.

    • 1820-1823 würde ich nicht in des Wortes voller Bedeutung als Bürgerkrieg bezeichnen. Das Land rutschte nach dem pronunciamiento von 1820 zunehmend ins Chaos, allerdings verdient nur die Zeit unmittelbar vor der französischen Intervention die Bezeichnung (nach Höflinger, aaO). Es ist jedoch eine Begriffsfrage - ich hänge nicht unbedingt an der Formulierung.

  • Rafael Gambra betitelt sein Werk über dieses Thema: La Primera Guerra Civil de España (1821-23). Historia y meditación de una lucha olvidada. Madrid 1950. (Der erste Bürgerkrieg von Spanien. Geschichte und Gedanken eines vergessenen Kampfes). Die spanische Heerführer in diesem Kriege waren alle ehemalige Kämpfer gegen Napoleon. Sie haben damals Spanier gegen Franzosen gezogen. Das war ein Freiheitskrieg. Sie haben 1820 -1823 bewaffnete Spanier gegen bewaffnete Spanier geführt. Das ist ein Bürgerkrieg.
    • Das mit der Isabella (sie war, wie im Artikel im Zusammenhang mit ihrer Erhebung zur Königin steht, bei Ausbruch des Carlistenkriegs übrigens sogar nur drei Jahre) ist in der Tat eine stark verunglückte Formulierung, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass sie nominell Königin war.
  • Sie wurde zur Königin am 24.10.1833 erhoben.
    • Zur Aufzählung der Länder, in welchen die Carlisten stark waren, stammt weitgehend von Brenan (The Spanish Labyrinth, S. 240). Bernecker (Spanien-Lexikon, S. 61) stellt heraus, dass der Carlismus "[v]on Anfang an [...] in den ländlichen Gebieten Navarras und Kataloniens besonders stark" war. Das widerpricht sich nun mit dem, was du oben von Katalonien sagst (oder missverstehe ich etwas)?
  • Von carlistischen Seite gesehen ist der Krieg in zwei Zeiten zu teilen: Zumalacarregui und was nach ihm kam.
Zur Zeit von Zuma: Nach Pamplona waren und sind noch heute die wichtigsten Städte: Tudela, Tafalla, Estella. Die andere Ortschaften mit bedeutender Bevölkerung liegen fast alle am Ebro oder ganz in seiner Nähe. Es ist die genannte La Rivera (Das Ufer). Dort gibt es flaches , bewässertes Land und viel Sonne. Es ist eine sehr reiche landwirschaftliche Gegend. Der Rest von Navarra, abgesehen von der Gegend von Pamplona, ist bergig, bewaldet, kein gutes Land für Wein, Getreide, Gemüse, jedoch gut für Viehhaltung. In Navarra fliessen Richtung Süden zum Ebro, von West nach Osten genannt: Ega, Arga und Aragon. Über den Aragon ist Zuma niemals gekommen. Über den Arga, also in die reichste Gegend der Ribera, nur ein paar Tage im Herbst 1834. Es war ein Raubzug. Unter anderem hat er die Kirche von Villafranca (Navarra) niedergebrannt in der sich die liberale Civile, keine Militärs, eingeschlossen hatten. Die liberalen Frauen hat er nackt auf Esels sitzend durch die Strassen führen lassen. Dann ist Zuma wieder in seine nördliche Täler marschiert und wurde nur wieder am 9.3.1835 ein paar Stunden in der Rivera gesehen, wo er eine von seinen wenigen Dummheiten machte als er die befestigte Brücke über den Arga in Larraga ergebnislos angriff und dort sein Sturmbataillon Guias de Navarra verheizte. Am Ega war Zuma dagegen fortwaerend tätig. Das ist ein ganz verrücktes Tal nach geografischer Sicht. Läuft zackig von Westen nach Osten, eng eingeschlossen, dann plötzlich nach Süden, hat viele kleine mit Felsen gekrönte Seitentäler, mit Steineichen bewaldet, das gibt ein fast undurchdringliches Dickich. Cordoba, der das cristinische Kommando 1835-1836 hatte, hat sehr gut darüber geschrieben: die Cristinos wurden dort immer einfach vom Dickich aus angeschossen, und ohne Gefecht zerfetz. Ab April 1835 sind nie wieder in dieses Tal eingedrungen. Dort hatte Zuma seine Quartiere. Von dort ist er zur sehr wichtigen Strasse die Pamplona mit Logroño verbindet herunter gekommen und hat sie unsicher gemacht. Nach Logroño, am rechten Ufer des Ebro gelegen, kamen Waffen, Kleidung, Essen und Sold aus Madrid. Von hier wurde das alles nach den cristinischen Festungen von Pamplona, Puentelarreina, usw. gebracht. September 1835 haben die Cristinos diesen Weg aufgegeben und haben ihn südich über Lodosa, Lerin, Puentelarreina, Pamplona geschlagen. Tafalla und Tudela waren befestigt und hatten eine Garnison. Dort wurde Zuma niemals gesehen. Estella, die an der sehr wichtigen Strasse Pamplona - Logrono liegt , war nicht befestigt. Dort ist die Brücke über den Ega und der Ort lieg unten in einem schmalen Tal. Es war unmöglich zu befestigen und zu verteidigen. Zuma hatte dort Quartier wenn die Cristinos nicht vorbeikamen. Kamen sie, ist er abgerückt und seine warme Betten dem Feind für eine Nacht überlassen. Als am nächsten Tag die Cristinos abmarschierten, war Zuma wieder in Estella zu sehen. Etwa 20 kilometer östlich von Estella, auch auf dieser Strasse, liegt Puentelarreina und sie war von den Cristinos befestigt. Zuma hat disen Ort nie in die Hand bekommen. Und westlich von Estella, auch etwa 20 Km, liegt Los Arcos, auch auf dieser Strasse, war auch von den den Cristinos befestigt. Nur einnmal hat sich nachtst Zuma dort eingeschlichen, konnte aber die befestigten Gebäude nicht einnehmen, nur das Soldatrenkrankenhaus.

Der bewaffnete Aufstand begann so: Der general Ladron de Cegama, aus der Ribera von Navarra stammend, carlistisch gesinnt, war in Valladolid (Alt-Kastilien) ohnen Kommando. Am 30.9.1833 hat er als erster in der Stadt vom Tod des Königs erfahren, ist geflüchtet, Richtung Navarra. Am 6.10.1833 kam er nach Tricio (La Rioja), 25 Km südlich vom Ebro, nicht Navarra, und hat bewaffnete Anhänger getroffen und sodann Carlos als König ausgerufen, im Hof seines Freundes Marron. Am nächsten Tag war er in Logroño, hat die Stadtkasse ausgeraubt und ist mit seinen Anhänger über den Ebro nach Navarra gekommen.Dort hat er eine weitere Menge Anhänger gefunden. Am 11.10. hatte er ein Treffen in Los Arcos mit cristinischen Truppen die von Pamplona aus ihn suchten, wurde gefangen und am 14.10. in Pamplona erschossen. Die Häuptlingen sind in die Berge geflüchtet und hatten am 5.11.33 ein Treffen in Aguilar de Codes. Dort haben sie ausgemacht, unter anderem, das Gründen einer civilen Junta die Geld und Waffen besorgen sollte, und sie selber wollten einen neuen Chef aussuchen. Zuma war in Pamplona, wurde gerufen und bekam die Macht am 14.11.33 in Estella, auserhalb der Stadt, im Gelände Los Llanos (Die Ebenen), (genau dort wo ich heute Nachmittag, 16 Uhr, meinen Wagen abgestellt habe, da man mich eingeladen hat folgendes zu besuchen: http://www.sasua.net/estell... wo ich den Künstler kennengelernt habe).

    • Dazu, dass nicht eine wichtige Stadt in Zumalacárreguis Händen gewesen und der von der Carlisten gehaltene Teil Spaniens nördlich des Ebro unbedeutend gewesen sei, möchte ich (mangels einer anderen gerade greifbaren Quelle) auf den Eintrag im "Meyer" verweisen: Die Erhebung der Karlisten begann im Oktober 1833 mit der Einsetzung einer Junta und der allgemeinen Volksbewaffnung, welche Zumala-Carreguy leitete. Derselbe treffliche Feldherr verschaffte den Karlisten im Gebirgskrieg immer mehr Erfolge und bemächtigte sich eines Teils von Katalonien.
  • Um von Navarra nach Katalonien per Fuss zu kommen muss mann unbedingt den Fluss Aragon oder die Pirineen überqueren und das hat Zuma nie getan.
In Katalonien waren die Carlisten nichts wie Räuberbanden, nur in den Bergen tätig. Maroto wurden 1836 vom Baskenland aus über Frankreich (zwischen Baskenland-Navarra und Katalonien liegt Aragon, also gab es keine Carlisten hier, der Weg war nicht sicher und Maroto musste den Umweg über Frankreich machen, er sass sogar einige Tage in einem französichen Polizeigefängniss da seine Papiere nicht in Ordnung waren. Hätte es Carlisten in Aragon damals gegeben, wie oben behauptet wird, hätte er sich die französische Mühsal ersparen können). Sein Auftrag war, er sollte aus den Banden in Katalonien ein Heer herstellen, es ist ihm aber nicht gelungen und wurde von den Bandenführer buschstäblich unter Mordandrohung weggejagt.
    • Am 19. März nahm er nach fünftägiger Belagerung das Fort von Etcharry-Arranaz, errang vom 21. bis 23. April im Thal von Amescoas über den Kriegsminister Valdez einen entscheidenden Sieg,
Etcharry-Arranaz hat er eingenommen. Er hat die erbeutete Waffen und Provisionen mitgenommen und ist wieder abgezogen. Es war ein ser taktischer Ort auf der Strasse Pamplona-Vitoria und Pamplona-San Sebastian.. Er hätte den Ort behalten sollen, hatte aber nicht die nötige Kräfte. Diese Ortseinahme war, taktisch gesehen, ganz und gar nicht bedeutend da er sie wieder aufgegeben hat. Er wollte den Ort gar nicht haben, wollte nur die Waffen der Besatzung. Sehr bedeutend jedoch war sein Sieg am 22.4.1835 in Artaza und Urra, zwei Orte im Amescoatal, über Valdes. Danach haben sich die die Cristinos auf das südliche Ufer des Ebro zurückgezogen, haben alle befestigte Ortschaften zwischen Ebro und Vitoria geräumt und so den Weg Zuma ins Baskenland und schlieslich nach Bilbao freigegeben.
    • nahm die festen Orte Estella, Villalba, Tafella, Villasranca, Trevino, Tolosa und war nun, mit Ausnahme weniger Plätze, Herr des ganzen Landstrichs von der französischen Grenze bis Pamplona.
Nicht Tafalla, dort war er ganz bestimmt nie. Es gibt kein wichtiger Ort im Baskenland und Navarra der sich Villalba nennt. Nur ein Vorort von Pamplona nennt sich so. Mit Villasranca nehme ich an dass Villafranca (Guipuzcoa) gemeint ist.

Auch folgendes wollte ich noch sagen:

    • ... woraufhin eine Anzahl der carlistischen Regimenter die Kampfhandlungen einstellte.

  • Die carlisten hatte keine Regimenter, das Heer war auf der Basis von Batallones, höchstens 600 Mann stark, aufgebaut.

    • ... Aus dem Ersten Carlistenkrieg ging letzten Endes der General Espartero als lachender Dritter
  • Das “lachender Dritter” ist unschön gesagt. Der Mann wird damit herabgesetz.
Zumalacarregui und Espartero waren die zwei einzige Führer die sich wircklich um ihre Leute gekümmert haben: für Waffen, Kleidung, Essen, Herberge, Spitäler, Sold. Zwei Unterschiede waren aber bei ihnen bemerkenswert: Zuma war ein Kriegsgenie, Espartero nicht. Espartero hat unnötiges Blutvergiesen seiner Leute vermieden. Zuma nicht. --Cornava 21:01, 15. Nov. 2006 (CET)

    • Zu "nahm die festen Orte..."
  • möchte ich sagen dass es viel wichtiger ist wenn dort gennant wird: Eibar, mit den grössten Waffenfabriken Nordspaniens, und Durango, die grosse und reiche Stadt in Vizcaya, wo Carlos nach seiner Einnahme seine Hauptresidenz aufgeschlagen hat. So, als der französiche Künstler Isidoro Magues 1836 kam um alle carlistischen Grössen zu portraitieren, (Das Buch, Paris und Florenz 1837, mit 22 Litographien ist zu den schönsten Werken über diesen Krieg zu zählen), hat er sie alle in Durango angetroffen, (Nein, stimmt nicht ganz, Zuma war schon Tod,er hat für ihn die Zeichnung von Henningsen als Vorbild genommen). Er hat auch den Residenzpalast von Carlos gezeichnet. Aber nicht Maroto da er auswärst war, in Katalonien und sich mit den Bandenführer herumplagerte. Und den ganz kleinen Ort Treviño hat er nur ausgeraubt und ging wieder weg, es lag ganz Abseits von seinem Tätigsbereich, war kein strategisch wichtiger Ort für ihn. --Cornava 11:42, 16. Nov. 2006 (CET)

    • Zu mit Ausnahme weniger Plätze, Herr des ganzen Landstrichs von der französischen Grenze bis Pamplona.
  • möchte ich sagen: um genau das Gebiet in den Händen Zuma Juni 1835 zu sehen, nehme man eine Landkarte vom Baskenland und Navarra, ein Lineal und ein Bleistift und ziehe im Uhrzeigersinn folgenden Umriss: Bilbao - Küste der Biscaya bis zur Bidasoamündung - Elizondo - Alsasua - Estella - Peñacerrada - Maeztu - Salvatierra - Ochandiano - Bilbao. Ausnahme: Bilbao, Lequeitio, San Sebastian, Vitoria, die alle stark befestigt waren. Dieses Gebiet haben die Carlisten bis August 1839 behalten, sind keinen Schritt zurückgegangen, auch nicht vorwärts ging es mit ihnen. (Stimmt wieder nicht ganz: Lequeitio und Peñacerrada haben sie erobert, dagegen Fuenterrabia verloren). Deshalb sagte ich oben: Von carlistischen Seite gesehen ist der Krieg in zwei Zeiten zu teilen: Zumalacarregui und was nach ihm kam.--Cornava 12:18, 16. Nov. 2006 (CET)

Weiteres habe ich heute zu bemerken:

    • Zu: 1837 erschienen die Carlisten unter der Führung Carlos’ (V.) schließlich noch vor Madrid. Allerdings blieb der erhoffte Aufstand in der Stadt aus und die Hauptstadt konnte nicht genommen werden.
  • Wer sollte aufstehen? Die Waschfrauen? Die Bettler? Die Mönche? Gab es denn Carlisten in Madrid? Warum haben die Carlisten die Stadt die fast keine Garnison hatte (sie war ja fast vollständig mit den Truppen Esparteros ostwärts gezogen um die Carlisten in Teruel aufzufangen, haben sie aber verpasst, sie gingen ja parallel in entgengesetzter Richtung, haben nichts voneinander geahnt, erst in Teruel angelangt hat Espartero erfahren dass die Carlisten nach Madrid abgegangen waren, machte kehrt, rannte ihnen nach, hat sie erst am 19.9.1837 in Aranzueque getroffen als sie längst schon den Sturm auf Madrid aufgegeben hatten und auf den Rückzug ins Baskenland waren) nicht gestürmt?. Noch heute hat niemand herausgefunden warum wie Rahden sagt: "... ein Ruf ging aus jeder Brust, wie der des Pilgers, der nach langer Irrfahrt das gelobte Land erreicht. Madrid schien so verlassen, so gedemüthigt, so unverteidigt, dass wir es nur zu nehmen, nur die Thore zu öffnen und einzuziehen brauchten, um Herren zu sein und, wenn wir wollten, gewiss auch zu bleiben .... So viel ist feststehend: del 12. Septbr. 1837 war der enstscheidende Wendepunkt im ganzen Kriege..." all dies nicht geschah. Äenhlich drücken sich auch Felix Lichnowsky und Adolf Loning aus, die auch dort waren. Was aber Rahden unter "...den Hauptgrund zu der verunglückten Operation... " erzählt, is eine Fabel. (siehe seine Seiten 343 - 346).
    • Zu:Beendet wurde der Erste Carlistenkrieg, als sich Ermüdungserscheinungen auf beiden Seiten zeigten.
  • Nicht auf beiden Seiten. Espartero hatte -endlich!- im Frühling 1838 ein selbständiges, gut bewaffnetes, beköstigtes, bezalhtes Heer bekommen, konnte in Peñacerrada 20-22.4.1838 die Carlisten unter Führung Guergue (der war ein sehr guter Bataillonkommander unter Zuma gewesen, taugte aber nicht um eine Schlacht selbtständig zu meistern) entscheidend (das war die einzige wirklich entscheidende Schlacht in diesem Kriege) zu schlagen. Nach dieser für die Carlisten verheererenden Schlacht haben sich die Bataillone geweigert ausserhalb ihrer Provinzen zu fechten. Sie sind in ihren heimatlichen Provinzen (Alava, Vizcaya, Guipuzcoa und Navarra) abgezogen und haben sich dort verschanzt, sind nie wieder dort herausgekommen. Espartero konnte jetzt ohne viel Mühe im Süden in Navarra und Alava und im Westen in Vizcaya eindringen. Die Bataillonen von Vizcaya und Alava waren bald ihres Bodens beraubt, konnte sich nur noch in den Bergen aufhalten, sind so am 29.8.1839 in Oñate (nicht Vergara, in Oñate wurde das Abkommen unterzeichnet, in Vergara gab es am 31.8.1839 die Parodie mit der Umarmung Espartero-Maroto vor den Truppen) zusasammengebrochen.--Cornava 14:21, 19. Nov. 2006 (CET)
  • Es gibt ja den Artikel Adolf Loning. ¿Warum wird er rot angezeigt?

Hallo Cornava, it's a Wiki. Ich glaube, es ist am besten, wenn Du den Abschnitt - er ist für sich genommen ja verhältnismäßig übersichtlich - selbst überarbeitest. Du hast meinen Segen und Beistand. Wenn Du durch bist, machen wir Manöverkritik, dann nehme ich meine Quellen dazu und sehe nach, was ich (anhand dieser Quellen) unstimmig finde. Bist Du einverstanden? Grüße, Antaios Antaios Antaios/Bewertung 19:19, 19. Nov. 2006 (CET)


Nein, ich kann in den Artikel nicht hineinschreiben, nur hier bemerken.

Heute folgendes: Das Carlistische war wie in Lagern aufgeteilt: A) Baskenland + Navarra, B) Katalonien, Führer: Conde de España) und C) das Aragon südlich vom Ebro, Führer: Cabrera. Wirklich bedeutend war A), dort waren beiderseits die grossen Heere, auch Carlos war dort.

Im Artikel werden schon die Fueros genannt. Die gab es nur in A), waren aber nicht einheitlich. Ein ganz kleines, fast dummes Beispiel: in Vizcaya war Carlos nach ihren Fueros nicht König sondern nur "Señor" (Herr).

Nach A) kamen Carlisten aus ganz Spanien: D) Offiziere, Adlige, Grossgrundbesitzer, Beamten, Kleriker. E) Auch Soldaten die entweder überliefen oder gefangengenommen, die Gefangenschaft nicht ertragen konnten und sich freiwillig in die carlistischen Bataillone (aber gesondert!) aufgenommen wurden.

Jede der vier Provinzen hatte seine Diputacion oder Junta die für das Ökonomische seiner Provinz (so auch seiner Bataillone) zuständig war.

Die in D) genannten brachten einige wenige Geld mit, aber der grösste Teil war mittellos. So kam das grosse Problem: wer für die in D) und E) genannten Geld (Verpflegung, Sold, Wohnung) aufbrachte. Carlos selbst hatte kein Einkommen, seine Güter waren beschlagnahmt.

Und dann kam noch dazu das Problem der Sprache: viele der Soldaten aus A) sprachen nur baskisch. Wieder ein Beispiel: wenn Carlos zu einem versammelten Bataillon von A) sprach, (was er allerdings sehr selten tat und deshalb hinterrücks gescholten wurde), musste ein Offizier von A) seine Rede übersetzen. Konnte, also, ein nicht baskisch sprechender Offizier aus D) Soldaten von A) leiten? Unmöglich!

Also ist leicht festzustellen dass die von D) und E) bald nicht gerne in A) gesehen wurden.

Als am 16.5.1837 die Expedición losging, waren alle froh. Die von A) da sie die von D) und E) vom Halse weghatten. Die von D) und E) weil sie wieder nach Hause kamen, ihre Familien, Güter, bezahlte Stellungen wieder haben würden. So auch Rahden war besonders froh, er sollte in Madrid angelangt "als Chef (das) sämtliche Geniewesens" übernehmen und "...geschickte Ingenieure oder Generalstabsoffiziere aus Ihrem Vaterlande engagieren". (Seite 342). Nach dem Fiasko der Expedición und alle wieder in A) waren, ging es ganz arg mit den D) und E) Leuten zu. Aber die von D) haben sich ganz gut gewehrt, sie vollbrachten dass die Verantwortung vom Fiasko auf die Leute von A) abgewälzt kam, welche dann abgestellt, verurteilt, einige sogar eingesperrt wurden. Die Tür zum Weg-Untergang nach Oñate-Vergara wurde geöffnet.--Cornava 14:11, 20. Nov. 2006 (CET)

Die E) Leute wurden aus A) schon Ende 1837 entfernt indem man sie am 29.12.1837 wieder über den Ebro sandte, Führer war Basilio Garcia, altbekannt, schon damals am 7.10.1833 mit Ladron de Cegama hat er die Stadtkasse von Logroño ausgeraubt. Sie sollten jetzt bei Cabrera untergebracht werden. Siehe Goeben, er war als Leutnant bei ihnen. Sie sind aber am Ziel nie angelangt, sind von den cristinos wie Füchse durch Kastilien gejagt worden. Goeben wurde verwundet und gefangen dann mit einem Cabreragefangenen ausgetauscht und kam so doch noch zu Cabreras Lager, wo er, unter viel anderem, erfahren hat das Cabrera keine Sonnenbrillen vertragen konnte. (Wenn man Henningsen, Rahden, Goeben, Lichnowsky, Sabatier und Loning liesst, kann man über merkwürdige Zustände im carlistischen erfahren, ich würde mir das Lesen von diesen Bücher nicht entgehen lassen, sie waren alle dort und haben berichtet, allerdings auch manchmal ganz gross aufgezogen aber das kann man wieder schnell herausfinden).--Cornava 13:39, 22. Nov. 2006 (CET)



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Carlismus und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).