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Der Artikel Dornier Do 228 LM gehört zur Kategorie: Dornier
Die Dornier Do 228 LM ist eine Sonderausrüstung der Do228, einem zweimotorigen Turbopropflugzeug des deutschen Herstellers Dornier. Hinter dem Kürzel Do 228 LM verbirgt sich das Luftüberwachungssystem aus zwei Dornier Do 228 Flugzeugen zur Erkennung von Meeresverschmutzungen, das vom Bundesverkehrsministerium (BMV) ab 1990 beschafft wurde, um die umweltbelastende und verbotene Unsitte in der Schifffahrt, Altöl in das Meer abzulassen, einzudämmen.
Hintergrundinformation, Aufgabenstellung
Auf der Grundlage von internationalen Gesetzen (MARPOL-Abkommen), die z.B. das Führen von Ölbilanzen auf den Schiffen, das Bunkern von Altöl an Bord und eine Übergabe an Land zur Entsorgung vorschreiben, sollten die Flugzeuge die Einhaltung dieser Gesetze im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland über der Nord- und Ostsee aus der Luft überwachen. Weitere Aufgabenstellung war, bei unbeabsichtigten Einleiten und Unfällen den Grad der Verschmutzung zu erkennen, zu verfolgen und die Ölbeseitigungsschiffe einzuweisen.Nun lässt sich eine Ölverschmutzung auf See verhältnismässig leicht und bei guter Sicht, allein durch das Auge erkennen. Diese Schiffe ziehen je nach Verschmutzungsgrad einen mehr oder minder breiten schillernden Ölteppich hinter sich her. Ebenso zeigen sich anders entstandene Ölflecken in gleicher Weise auf dem Wasser.
Das MARPOL Abkommen lässt den Schiffen aber eine geringe Menge technisch bedingeten Ölverlustes (Schmierung der Schraubenlager) bei der Fahrt zu und das Deutsche Rechtsystem fordert zudem eine eindeutige Beweislage um bei Überschreitungen und Verstössen tätig werden zu können. Es musste daher eine Fähigkeit geschaffen werden mit Hilfe von Sensoren aus der Luft die Menge und die Art des Öls zu bestimmen. Besonders war zu unterscheiden, ob der Ölteppich durch Schmieröl oder durch das auch weit verbreitete und verbotene Spülen der Tankerladeräume verursacht wurde.
Die Flugzeuge sollten daher umfangreiche und technologisch aufwändige Sensorsysteme erhalten, um neben der Ortung und Messung der Ausdehnung des Ölteppichs eine Identifizierung, Klassifizierung und Schichtdickenmessung des Öls auf und unmittelbar unter der Wasseroberfläche durchführen zu können. Die Ergebnisse sollten an Bord beweissicher aufgezeichnet, dokumentiert und per Datenlink an die Behörden am Boden und auf Schiffen (Wasserschutzpolizei) verzugslos weitergeleitet werden um die Verursacher noch innerhalb der Gewässerhoheitszonen stellen zu können. Dieses bei allen Wetterverhältnissen, also auch bei Bewölkung und in der Nacht.
Diese umfangreiche Ausrüstung ist u.a. durch das freiheitliche Deutsche Rechtssystem bedingt. Im Angelsächsischen Rechtssystem reicht eine einfache Anklage, es bürdet dann dem Beklagten den Unschuldsbeweis auf. So fliegen weitere Do 228 Flugzeuge in Ländern mit angelsächsischen Rechtssystem mit nur einer Minimalausrüstung zur Ölüberwachung. Hier reichen die Aussagen der Piloten und Beobachter an Bord aus, um die Festsetzung des Kapitäns und des Schiffes durchzuführen.
Federführender Auftraggeber für die Soderausrüstung war das Bundesverkehrsministerium. 4 Stück Do 228 Flugzeuge wurden vom Bundesverteidigungsministerium (BMVg) für das Marine Flieger Geschwader 5 (MFG 5) in Kiel (heute verschmolzen mit MFG 3 Nordholz, Marineflieger) beschafft, 2 als Verbindungsflugzeuge und 2 für die Ausrüstung mit den Ölüberwachungssensoren. MFG 5/ MFG 3 übernahmen auch den Betrieb und die Wartung/ Inbetriebhaltung der Flugzeuge, stellen die Piloten und Operateure und führen bis heute die Flüge im Auftrag des BMV, bzw. der Wasser-/Küstenschutzbehörden durch.
Es muss vorausgeschickt werden, dass es bereits 2 Flugzeuge mit den Ölüberwachungssensoren SLAR und IR/UV beim MFG 5 innerhalb der ca. 100 Stück starken früheren Do 28 Flotte der Marine gab. Da die Do 28 Flotte ohne Ersatz bei der Marine ausgemustert wurde, wurden die 4 Do 228 beschafft. Die Aufgabestellung forderte zudem, dass die bewährten Teile der Ölüberwachungsausrüstung weitgehend in die neuen Flugzeuge übernommen werden sollten. Am Modell des Betriebes und der Aufgaben-/Kostenteilung sollte sich nichts ändern.
Die norddeutschen Küstenländer forderten eine adequate Beteiligung der regionalen Industrie. Ferner hatte die Universität Oldenburg einen Laserfluorosensor zur Identifizierung, Klassifizierung und Schichtdickenmessung in Entwicklung, der ebenfalls zum Einsatz kommen sollte. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) finanzierte die Entwicklung eines Mikrowellen Radiometers (MWR) bei der DLR Oberpfaffenhofen zur Schichtdickenmessung, der als Laborsystem vorlag, und auftragsgemäß von Dornier industrialisiert zum Einbau kommen sollte.
Schliesslich bildete sich folgende Arbeitsteilung aus:
- Dornier Luftfahrt GmbH:
- Hauptauftragnehmer mit Lieferung der Flugzeuge, Entnahme der Ausrüstung aus Do 28 und Einrüstung der Systeme, Konstruktionsverantwortlicher für die Luftverkerszulasssung der Do 228 LM durch die Musterprüfstelle der BW (ML).
- Krupp MAK Kiel:
- Je ein Zentraler Operator Platz (ZOP) als Auswerte- und Dokumentationssystem an Bord, beim MFG 5 und auf dem Ölbekämpfungsschiff MELLUM.
- Optimare - eine Ausgründung der Uni Oldenburg:
- Lieferung des Laserfluorosensors zum Einbau durch Dornier Luftfahrt GmbH in einer zweiten Phase Anfang 1993 und Erprobung im Sommer 1993.
- DLR Oberpfaffenhofen:
- Lieferung des MWR und Industrialisierung durch die Dornier GmbH, Produktbereich Elektronik.
- MFG 5 Kiel:
- Unterstützungsleistungen, wie Betrieb des Flugzeuges bei der Erprobung und Funktionsnachweis der Sonderausrüstung.
- Sonderstelle des Bundes zur Bekämpfung von Meeresverschmutzung (SBÖ) in Cuxhaven:
- Unterstützungsleistungen, u.a. auch kontrolliertes Legen und Entfernen von Ölteppichen bei der Erprobung und Abnahme.
Da das ZOP System von MAK nicht die Forderungen erfüllte, musste Dornier in einer zwischengeschalteten Nachbesserungsphase ein neues System "Central Operator Console" (COC) entwickeln und einrüsten.
Zusammengefasst sollte das System folgende Fähigkeiten aufweisen:
- Meeresverschmutzungen aus der Luft weiträumig auffinden
- Ausdehnung und Identität einer Verschmutzung ermitteln
- Die Herkunft einer Verschmutzung feststellen
- Meß- und Beobachtungsergebnisse durch Aufzeichnung dokumentieren und durch Datenlink weitergeben
- Wasserfahrzeuge aus der Luft einweisen
Die Bundesrepublik Deutschland hat mit diesem Überwachungssystem erfolgreich und viel Geld in die Bekämpfung der Umweltverschmutzung investiert. Seit es diese Flugzeuge gibt, sind Verstöße innerhalb der deutschen Hoheitsgewässer bedeutend seltener geworden. Die intensive Überwachung der deutschen Gewässer hat sich international herumgesprochen. Sie ist sehr effektiv und damit ein grosser Erfolg.
Auch für die Dornier-Werke war es eine anspruchsvolle Aufgabe nach der Ausrüstung der AWACS Flugzeuge und KWS Breguet Atlantic wieder eine Sonderausrüstung - wenn auch nur in einem kleineren Flugzeug - durchzuführen. Die Komplexität stand aber den grösseren nicht nach. Das Management der grundverschiedenen beteiligten Stellen und Lieferanten aus Industrie, Behörden, teilweise terminungewohnte Universitäts- und Forschungsinstitute war nicht einfach und verschliss bei Dornier mehrere Projektleiter. Für Dornier war es zudem eine erste Bewährungsprobe nach der Übernahme durch Daimler Benz, unter dem Dach der DASA und Zerlegung in mehrere Firmen. So gesehen war es relativ einfach die Bemalung der Flugzeuge festzulegen. Die zivilen Ministerien/ Behörden wollten nicht die Tarnbemalung der Militärs mit Oberseite grau und Unterseite weiss, das Flugzeug sollte durchaus zur Abschreckung erkennbar sein, so kehrte man einfach und pragmatisch die Farbgebung um und es musste keine neue Versorgungskette für Farben beim MFG eingerichtet werden.
Sensoren und Ausrüstung an Bord
- Side Looking Airborne Radar (SLAR)
- Weiträumige Aufklärung und Ortung von Oberflächenverschmutzungen, X-Band Radar, Reichweite bis 25 km, detektieren von Ölfilmen bis unter 1/1000 mm. Hersteller: Swedish Space Corporation (SSC), aus Do 28 entnommen.
- IR/ UV Linescanner
- Messung der Ausdehnung von Verschmutzungen, in Verbindung mit der Schichtdickenmessung kann die Menge bestimmt werden, Einsatzflughöhe 1000 bis 3000 ft (ca. 300 bis 1000 m). Hersteller: Daedalus/ SSC, aus Do 28 entnommen.
- Operatorstation COC
- Ergonomischer Bedien- und Arbeitsplatz, Steuerung aller Funktionen der Sonderausrüstung und Dokumentation/ Annotation und Weitergabe der Ergebnisse, Workstation mit Grafikdarstellung und Datenspeicher- und verarbeitungssystem, Hardcopy Unit und Videorekorder. Hersteller: Dornier mit Unterlieferanten, u.a. SUN, Sony.
- Data Down Link
- Datenübertragung (Video) 3 Mb/sec, Reichweite > 10 km. Hersteller: Seitner GmbH.
- Video Kameras und Bild Kamera
- Fest eingebaut und handheld zur Dokumentation/ Lagebeurteilung, Sicherung des Schiffsnamens im Tiefflug S/W und Color, mit Nachtbild Fähigkeit (LLLTV). Hersteller: Handelsüblich, u.a. TEAC, Sony, NIKON.
- Mikrowellen Radiometer (MWR)
- Schichtdickenmessung auf der Oberflache, in Verbindung mit der Ausdehnungsmessung kann die Menge bestimmt werden. Einsatzflughöhe 1000 bis 3000 ft. Hersteller: DLR/ Dornier.
- Laserfluorosensor (LFS)
- Identifizierung und Klassifizierung (Art) des Öls und auch anderer Verschmutzungen, sowie auch Schichtdickenmessungen bis unter der Wasserobfläche. Einsatzflughöhe 1000 bis 3000 ft. Hersteller: Uni Oldenburg/ Optimare [LINK]
- Bodenauswertestation beim MFG 5/3
- Aufgebaut auf Basis des COC an Bord des Flugzeuges, zur Beweissicherung.
- Bodenauswertestation auf dem Ölbekämpfungsschiff Mellum
- Aufgebaut auf Basis des COC an Bord des Flugzeuges, zur Koordination der Bekämpfungsschiffe im Einsatzfall.
- Erweiterungen der Standard Ausrüstung des Flugzeuges:
- - Enteisungsanlage
- - Wetterradar
- - GPS/ Omega Navigation, mit Schnittstelle zum COC
- - Operatoren Sitz
- - 2 optisch reine „Bubble Windows“ mit Observersitze davor
- - Galley und Toilette
Einsatzbetrieb der Flugzeuge
Bei den Flugzeugen handelt es sich um die Baureihe Do 228-212 mit einem erhöhtem maximalen Abfluggewicht von 6600 kg. Es war die letzte Baureihe, die noch in Oberpfaffenhofen vor der Abgabe zur Lizenzfertigung nach Indien, gefertigt wurde.
Weitere Daten zum Flugzeugtyp sind unter dem folgenden Link zu finden: [LINK]
Ausgerüstet und mit 5 Mann Besatzung (2 Piloten und 3 Operateuren/ Beobachter) ist die Flugausdauer der Do 228 LM 6,5 Stunden mit der üblichen Reserve von 10%. Hierbei ist angenommen, dass dabei ununterbrochen Messflüge in einem für Flugzeuge unwirtschaftlichen Höhenbereich von 1000 bis 2500 ft stattfinden.
In der Regel ist es jedoch so, dass das SLAR als Hauptsensor eingeschaltet in wirtschaftlicher Flughöhe bis 7000 ft betrieben und nur bei Entdecken von Verschmutzungen auf die Messflughöhe gegangen wird.
So kann das Flugzeug von Nordholz aus z.B. nach Helgoland hin und zurück fliegen und im Gebiet von Helgoland noch 5,5 Stunden Messflüge in niederer Höhe ausführen.
Auf eine weitere Beschreibung des Einsatzes wird hier verzichtet, sondern auf die Internetseite [LINK] der Homepage der Ölsuch-Komponente des MFG 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz verwiesen, die mit viel Idealismus und innerer Überzeugung die Aufgaben ausführt.
Weblinks
Foto der Maschine [LINK] Baureihenbeschreibungen [LINK] Sehr informative Website über den Einsatz der Flugzeuge
Diskussion der Autoren über den Artikel: Dornier Do 228 LM
Ich würde den Artikel nicht nur bei Dornier einordnen, sondern auch auch bei Umweltüberwachung.
Vielleicht überprüft einer der Marine-Leute den heutigen Änderungsstand der Sonderausrüstung. Denn zwischenzeitlich sind mehrere Computer- und Kameragenerationen abgelaufen und sicher schon alleine aus Gründen der Ersatzteilbeschaffung andere Systeme im Einsatz.
gez. der Verfasser des Artikels.

