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Der Artikel Entzugssyndrom gehört zur Kategorie: Abhängigkeit, Intensivmedizin, Psychiatrie
| ICD-10-Codes Entzugsyndrome ohne Delir | ||||||||||||||||||||
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Mit dem Begriff Entzugssyndrom werden all jene körperlichen und psychischen Erscheinungen zusammengefasst, die nach dem Absetzen sog. psychotroper Substanzen auftreten. Dabei hängt die Ausprägung der Symptome von der Art der zuvor (missbräuchlich) verwendeten Substanzen und der Dauer des Substanzgebrauchs ab.
Das bedeutet, dass die Symptone Jugendlicher meist weniger stark ausgeprägt sind. Da sie aber die Entzugssymptome mehr fürchten als ältere Patienten, wird besonders von jugendlichen Abhängigen Druck auf den behandelnden Arzt ausgeübt, Drogenersatzpräparate oder Benzodiazepine zu verordnen.
Nach ICD-10 erfolgt die Einteilung der Abhängigkeit in substanzspezifische Untergruppen (F10-F19), wobei an der vierten Stelle die 3 angegeben wird, wenn es zu einem Entzugssyndrom kommt. Falls mit dem Entzugssyndrom zusätzlich ein Delir auftritt, wird in der vierten Stelle die 4 eingesetzt (beispielsweise F10.4 bei einem alkoholbedingten Delirium tremens).
Substanzen
Die wichtigsten Substanzen, bei deren Absetzen Entzugserscheinungen auftreten sind:- Alkohol: bei Alkoholikern ist der Glutamat-Haushalt gestört, so dass der Glutamatspiegel nur stimmt, wenn der Abhängige regelmäßig Alkohol trinkt. Siehe auch: Alkoholabhängigkeit
- Nikotin
- Opioide z.B. Codein, Heroin, dabei hängt die Heftigkeit der Entzugserscheinugen nicht nur proportional von der Wirkstärke des Stoffes ab, sondern auch von der jeweiligen Wirkdauer: der Methadonentzug ist zwar nicht so intensiv, dauert jedoch 3-6 Wochen an, ein Heroinentzug ist hingegen meist nach 7-10 Tagen überstanden, abgesehen von dem länger andauernden Ungleichgewicht im Endorphinhaushalt des Körpers; Der Entzug von Codein, eigentlich ein relativ schwaches Opiat bzw. Opioid, zählt mit zu den langwierigsten und schlimmsten Entzügen. Er ruft die gleichen Entzugssymptome wie ein Heroinentzug hervor.
- Benzodiazepine: bei kaltem Entzug von diesen können u.a. epileptische Anfälle auftreten und dieser Entzug verläuft deshalb ohne medizinische Überwachung sogar häufiger tödlich als ein "reiner" Opioidentzug.
- Beim Entzug von Benzodiazepinähnlichen Präparaten sowie bei Medikamentenmissbrauch allgemein können Entzugserscheinungen auftreten, die, je nach Menge und Dauer des vorherigen Konsums, ähnlich deutliche Entzugssymptome haben können.
Bei welchen Gelegenheiten kann ein Entzug auftreten?
Nach Absetzen eines Medikaments kann es zu Absetzerscheinungen kommen. Zur Verhinderung dieser Effekte bedient man sich oftmals des Mittels der Ausschleichung.Freiwilliger Drogenentzug
Einen plötzlichen Entzug nennt man bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit auch Totalentzug. Sofern der Entziehungswillige standhaft genug ist, kann versucht werden, täglich eine radikale und konsequente Dosisreduzierung durchzuführen. Allerdings ist bei psychischer Abhängigkeit auch die Reduzierung meist keine Hilfe, da sie fast immer in Rückfällen endet.Ob ein kalter Entzug die höchste Langzeiterfolgsrate ist, ist inzwischen umstritten. Neuere medizinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Körper des Abhängigen bei jedem abrupten Absetzen der Substanz eine Lernerfahrung macht, die ihm zukünftige Entzüge psychisch und physisch immer schwerer durchleben lassen. Darum gehen neuere Empfehlungen dahin, den Entzugssysmptomen möglichst maximal vorzubeugen. Eine neue Entwicklung auf diesem Gebiet ist der "Entzug unter Narkose" auch bekannt als Turboentzug, FOEN, etc., bei dem der Entzug unter Vollnarkose durchgeführt wird. Diese Form des Entzugs bieten zur Zeit nur wenige qualifizierte Klinken in Deutschland an (CfS-Hannover). Der Nachteil dieser Methode ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen diese Form der Behandlung nicht bezahlen, obwohl diese Behandlung von den Langzeitergebnissen die besten Resultate liefert.
Therapie
Nach dem Entzug sollte sich unmittelbar eine entsprechende Therapie anschliessen, meistens in einer psychosomatischen Klinik. Später sollte der Betroffene in entsprechende Selbsthilfegruppen gehen. Siehe auch Sucht.Entzugserscheinungen
Die folgenden Symptome können einzeln oder zusammen Anzeichen für einen Entzug sein.Physische Entzugserscheinungen sind
- Schwindel
- Zittern (Tremor)
- Übelkeit, Erbrechen ("trockenes Kotzen")
- Durchfall
- Störung der Temperaturregulation
- Frieren
- Schwitzen, Schweißausbrüche
- Schneller Herzschlag, (Tachykardie)
- hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Gliederschmerzen (z.B. in Rücken o. Beinen)
- Krämpfe
Psychische Erscheinungen sind z.B.
- Schlaflosigkeit (bis zu 4 Wochen)
- Nervosität
- Depressionen
- innere Unruhe, Schlafstörungen
- aggressives Verhalten
- Wahrnehmungsstörungen wie Halluzinationen oder ein Delirium
- Bewusstseinsstörungen.
Dauer der Symptome
Ein so genannter kalter Heroinentzug, der ohne Verabreichnung medikamentöser Hilfen erlebt wird, erstreckt sich meist über etwa 14 Tage. Bei einem kalten Codeinentzug, dessen heftigste Auswirkungen zwar nach sechs bis acht Wochen überwunden scheinen, treten Entzugserscheinungen selbst nach bis zu acht Monaten in verschiedenen Symptomen immer wieder auf. Da bei jedem weiteren Entzug die Wahrnehmungsintensität der Schmerzen zunimmt, tritt häufig eine zunehmend stärkere Entzugsangst auf. Es ist nicht ratsam einen "kalten Entzug" ohne ärztliche Hilfe durchzuführen, da die dabei entstehenden Symptomatiken tödlich verlaufen können.Pathophysiologie
Einer der Hauptursachen für Entzugserscheinungen bei Drogen ist die Verringerung des Niveaus des Botenstoffes Dopamin im Körper, der durch die Endorphin-ähnliche Wirkung vieler Drogen wie Nikotin oder Kokain hervorgerufen wird.Medikamentöse Entzugsbehandlung
Leichte Entzugserscheinungen
Bewährt haben sich bei leichteren Entzügen:- Bisoprolol
- Clonidin
- Haloperidol
- Oxazepam
Schwere Entzugserscheinungen
Bei schwerem Entzug ist eine stationäre Therapie notwendig:- Der Patient gehört auf eine Intensivstation
- Er muss meist fixiert werden: (Fixierung)
- Sedierung mit Diazepam oder Midazolam im Perfusor
- Catapresan im Perfusor
- Ausreichende Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr
Weitere Möglichkeiten und Probleme
- Bei Opioid-Abhängigkeit wird versucht, auf Opioide mit geringerem Abhängigkeitspotential, z. B. Methadon (Polamidon®) aus pharmazeutischer Quelle, umzustellen, siehe Drogensubstitution. Alle Opioide haben aber selbst ein bestimmtes Abhängigkeitspotential.
- Durch die Anwendung sedierender Medikamente wie Benzodiazepine (Diazepam(Valium®), Bromazepam oder Flunitrazepam) kann sich die Abhängigkeit auf diese Substanzen verschieben oder es kommt zum sog. Beikonsum.
- Der Opioid-Entzug kann so unangenehm sein, dass der Abhängige während des Entzuges anfängt, andere psychoaktive Substanzen zu konsumieren, wie z. B. Alkohol, Kokain oder Cannabis.
- Eine schnelle und relativ schmerzfreie Form des Entzugs bietet möglicherweise das umstrittene Halluzinogen Ibogain.
- NMDA-Rezeptor-Antagonisten wie Ketamin oder DXM können die Toleranz und damit auch die Schwere der Entzugserscheinungen stark kupieren, diese werden allerdings aus unbekannten Gründen nicht beim klinischen Entzug eingesetzt. Übrigens: auch Methadon wirkt leicht antagonistisch auf die NMDA-Rezeptoren.
Sonstige Entzugshilfen
- Sport: Die beste, sicherlich aber auch schwerste Form einen dieser Entzüge kalt zu überstehen, ist eine Hilfe durch körpereigene Endorphine, die bei körperlicher Betätigung, insbesondere bei Ausdauersportarten, ausgeschüttet werden. Je nach körperlicher Konstitution und Dauer der Abhängigkeit des Betroffenen kann versucht werden, den Entzugserscheinungen sofort durch körpereigene Endorphinüberflutung entgegenzutreten. Oft ist der Bewegungsdrang unter Entzug jedoch durch die körperlichen Entzugserscheinungen wie Krämpfe und Störungen der Temperaturregulation stark gedämpft bzw. gehemmt.
- Hilfreich, vielleicht sogar notwendig, können bei einem kalten Entzug die Zuführung von viel Flüssigkeit zum Beispiel in Form von nicht koffeinhaltigem Tee, die Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen sein.
Anschließende Therapie
Der Entzug ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Diese erfolgt meist in speziellen Sucht-Kliniken (Synanon, Psychosomatische Klinik) und dauert Monate bis Jahre. Um dauerhaft suchtfrei zu bleiben ist meist eine regelmässige und intensive Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe (Anonyme Alkoholiker, Narcotics Anonymous, etc.) erforderlich.Siehe auch
Liste der 12-Schritte-GruppenWeblinks
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Benutzung dieses Bausteins
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Diskussion der Autoren über den Artikel: Entzugssyndrom
quellen fuer die "sonstigen entzugshilfen", insb. pkt. 2, waeren durchaus interessant
Warm/Kalt und Entgiften
Ich fände es gut, wenn hier gezeigt würde, wo die Unterschiede beim "Kalten" und "warmen" Entzug sind, wie es in diesem Zusammenhang mit "Entgiften" ausschaut, was die Kasse überhaupt bezahlt etc. Meines (bescheidenen) Wissens nach, bezahlen deutsche Krankenkassen "Entzugstherapien" nur in Ausnahmefällen, Entgiftungen werden zwar bezahlt, aber auch nicht beliebig oft. Ich kenne Psychiater, die wiederholt eingelieferte Alkoholkranke nach Psych-KG festsetzen um die Entgiftung bezahlt zu bekommen -die hier ja eindeutig angezeigt wäre und vom "schuldbewussten" Patienten auch gewünscht wird.
--Slashatdot 07:28, 25. Aug 2006 (CEST)
- der regelmäßige träger der kosten einer drogen-, medikamenten- oder alkoholtherapie ist der rentenversicherungsträger. nur wenn dieser nicht für die behandlung aufkommt, zahlt die krankenkasse die therapie. dies ist der fall, wenn die notwendigen versichertenzeiten vom betroffenen nicht erreicht werden. Intruder35 14:52, 23. Sep 2006 (CEST)
heroin
der artikel ist sehr drogenlastig. bei der medikamentösen behandlung scheint es sich lediglich um die behandlung bei drogenabhängigen zu handeln. alkohol- und medikamentenentzug fehlt mir. ich trau mich aber nicht den artikel zu erweitern, weil ich kaum quellen und nur eigenfahrung habe. vielleicht gibt es ja jemand weiseren als mich, der das einarbeiten kann ?entzugssymptome bei medikamentenabhängigkeit können bis zu zwei jahre nach dem entzug auftreten. der entzug bei alkohol dauert in der regel zwischen drei und acht tagen. es gibt sogenannte "qualifizierte entgiftungen", die in der regel 14 tage dauern, aber gelegentlich auch auf mehrere monate ausgeweitet werden. die standardbehandlung bei alkoholentzug ist die gabe von distraneurin. auch bei schwerer alkoholabhängigkeit ist die fixierung eher unüblich.
Überarbeiten, verschieben
was heißt schon an ein Medikament "gewöhnt" - Entzgssyndrom und "körperlicher" Entzug sind nicht gleichzusetzen. Der "freiwillige Entzug" auch nicht - ist wohl oft ein juristisches Begriff im Sinne von freiwilliger Entzug oder Strafe. Ich werde mal auf Entzugssyndrom verschieben, einen Begriff, der auch der Pschyrembel kennt. "Entzug (körperlich)" ist einer dieser sinnlosen Wikipedia-Kunstbegriffe (von "künstlich", nicht von "Kunst" abzuleiten), Dass dann einiges ausgelagert werden kann, wird dem Beitrag nur gut tun. -- Robodoc 18:12, 14. Okt. 2006 (CEST)- Hallo Robodoc, Entzug (körperlich) ist kein neues "Kunstwort", sonder einfach ein Unterscheidungszusatz für den Begriff "Entzug", der hier das Thema "körperlich abhängig machende Stoffe" betrifft, zur Unterscheidung von anderen Bedeutungen innerhalb der BKL. Gruss, --Markus Bärlocher 13:35, 15. Okt. 2006 (CEST)
Entzug
Entzug bedeutet hier:- Entzug von körperlich abhängig machenden Stoffen, also eine Tätigkeit.
Davon zu unterscheiden ist
- Entzugserscheinung: alle mit dem Entzug verbundenen Symptome
- Entzugsbehandlung: alle den Entzug unterstützende Massnahmen, dazu gehören auch
- Massnahmen zur Verhinderung oder Linderung von Entzugserscheinungen
Vorschlag für eine passende Artikelordnung:
- Entzug (körperlich) wie gehabt ("körperlich" zur Unterscheidung von der BKL), als Hauptartikel mit Statistik (Notwendigkeit, Erfolg, Substanzen), Recht, Finanzierung, Unterscheidungen, anschliessende Sucht-Theraopie, etc.
- Entzugserscheinung plus Redirect von Entzugssymptom / Entzugssydrom (Fremdwort)
- Entzugsbehandlung, Kalter Entzug, Stationärer Entzug, Entzugsstation, Entzugsklinik
- Suchtbehandlung plus Redirect von Abhängigkeitsbehandlung (medizinischer Fachbegriff) und Suchttherapie (Fremdwort)
--Markus Bärlocher 13:35, 15. Okt. 2006 (CEST)

