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Der Artikel Erkenntnis gehört zur Kategorie: Erkenntnistheorie, Kognitionswissenschaft, Wissen, Erkenntnisprozess
Es existiert keine einheitliche Definition des Begriffs Erkenntnis. In einer ersten Annäherung kann man Erkenntnis als den Prozess und das Ergebnis einer durch Einsicht oder Erfahrung gewonnenen Kenntnis bezeichnen.
Zum Begriff der Erkenntnis
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Die verschiedenen Aspekte des Erkenntnisbegriffs Bildherkunft |
Der Begriff der Erkenntnis ist einer der Grundbegriffe der Philosophie. Er lässt sich nicht auf andere bekanntere oder übergeordnete Begriffe zurückführen und ist ohne Selbstbezug (Zirkel) nicht definierbar. Sein Verständnis muss deshalb aus einer erläuternden Begriffsanalyse (Explikation) und durch Bestimmung der gebräuchlichen Verwendung anhand von Beispielen gewonnen werden.
Der Begriff der Erkenntnis bezeichnet
- das Ergebnis (das Erkannte) und
- den Prozess des Erkennens (den Erkenntnisakt).
Erkenntnis beinhaltet immer die Beziehung zwischen einem erkennenden Subjekt und etwas Erkanntem ( Objekt). Erkenntnis kann sich ebenso auf einen Sachverhalt wie auf einen Prozess beziehen. Je nachdem, ob eine Erkenntnis unmittelbar gewonnen wird oder ob sie durch eine indirekte Information entstanden ist, spricht man von der unmittelbaren ( intuitiven) oder von der mittelbaren ( diskursiven) Erkenntnis.
Die Vorsilbe „Er-„ im Wort Er-kenntnis ist ähnlich wie bei Er-fahren oder Er-leben eine Bezeichnung für eine über das bloße Kennen hinausgehende Einsicht in einen Gegenstand, die u.a.durch Verstehen von Wesensmerkmalen und Erinnerung gekennzeichnet ist. Erkenntnis hat im Vergleich zum Kennen den Charakter des Neuen. Wenn man zum ersten Mal feststellt, dass an einem technischen Gerät eine Funktion defekt ist, hat man dieses erkannt. Bei einer späteren Nutzung des Gerätes kennt man den Defekt, es sei denn man hat ihn vergessen. Zum Wissen wird die Erkenntnis, wenn die Erkenntnis unabhänigig vom erkennenden Subjekt gültig ist.
Der Begriff der Erkenntnis ist abzugrenzen von ähnlichen Begriffen wie Erfahrung, Einsicht, Wissen, Überzeugung, Meinung, Glauben und entgegenzusetzen zu Begriffen wie Ahnung, Vermutung, Spekulation sowie Vorurteile und Irrtum. Die nachfolgende Tabelle gibt eine grobe Abgrenzung der einschlägigen Begriffe, die dem Begriff der Erkenntnis inhaltlich verwandt sind. Neben dem Begriffsinhalt wird dargestellt, inwieweit der jeweilige Begriff mit einem Anspruch auf Wahrheit verbunden ist und welcher Grad an Begründung bei ihm erwartet wird.
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border="2" cellspacing="0" cellpadding="4" rules="all" class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1" style="margin:1em 1em 1em 0; border-style:solid; border-width:1px; border-collapse:collapse; empty-cells:show; "
Dies ist die vorrangig zu verwendende Formatvorlage für generell alle Tabellen. Ein Verwendungsbeispiel findet sich auf der Diskussionsseite.
Für zusätzliche CSS-Parameter kann ein Vorlagenparameter angegeben werden, Beispiel:
...
Für links- und rechtsseitig Ausgerichtete Tabellen siehe Vorlage:Prettytable-L und Vorlage:Prettytable-R.
Siehe auch: Hilfe:Tabellen, Abschnitt Tabellen in Wie gute Artikel aussehen.
Prettytable
en:Template:Prettytable
Begriff
| Erläuterung
| Wahrheit
| Begründung
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| Innere Sicherheit in Bezug auf einen Sachverhalt
| Gefühlsmäßiges Vertrauen; Evidenz; subjektives Fürwahrhalten
| kein Interesse an Rechtfertigung; Offenbarung (Religion)
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| nicht klar umrissener Sachverhalt
| hohe Unsicherheit
| unbewusstes, intuitives Gefühl ohne klare verstandesmäßige Abgrenzung
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| Hypothese über einen Sachverhalt
| Wahrscheinlichkeit, nicht unbedingt quantifizierbar
| argumentativ, methodisch je nach Kenntnisstand
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| Akt oder Inhalt einer Mitteilung oder Nachricht
| kann wahr oder falsch sein; ggf. Wahrscheinlichkeit
| Urteil über die Qualität der Quelle
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| nicht vollständige Kenntnis zum Sachverhalt bzw.auch im Bereich Werte (Ethik/Politik)
| vom Umfang der Kenntnis abhängige Unsicherheit (Irrtumsverdacht) bzw. bei Werten nicht möglich
| argumentativ, aber nicht methodisch abgeschlossen
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| spontanes Erfassen eines Sachverhalts
| meist geringe Unsicherheit durch Evidenz
| rational und argumentativ, jedoch oft nicht methodisch abgeschlossen
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| unmittelbares Erleben von Handlungs- und Sachzusammenhängen; in der Wissenschaft experimentelle Ergebnisse
| hohe Sicherheit im Vertrauen auf korrekte Wahrnehmung bzw. Messtechnik bei der Beobachtung
| durch erlebte Beispiele entstandene Gewohnheit bzw. methodische Theorie in der Wissenschaft
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| a) intersubjektiv überprüfbare Kenntnis von Tatsachenb) Handlungswissen
| a) sehr hohe Sicherheit in Abhängigkeit vom Wahrheitsbegriffb) das Gelingen bzw. indirekt der Erfolg einer Handlung
| a) methodisch und begrifflich rationalb) Übung und Gewohnheit
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| Akt und Ergebnis der durch Einsicht und/oder Erfahrung gewonnenen Kenntnis, nicht notwendig intersubjektiv
| sehr hohe Sicherheit in Abhängigkeit vom Wahrheitsbegriff
| methodisch und begrifflich rational, auch vorwissenschaftlich
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Das Ergebnis des Prozesses der Erkenntnis, wenn es zur Gewohnheit geworden und intersubjektiv nachprüfbar ist, bezeichnet man auch als Wissen. Wissen wird allerdings unabhängig von der Entstehung betrachtet. Während man von einem Erkenntnisvermögen spricht, gibt es daher den analogen Begriff des Wissensvermögens nicht. Erkenntnistheorie befasst sich mit der Entstehung von und dem Bestand an Wissen. Dabei ist der Begriff des Wissens allerdings nicht ausreichend, um den Begriff der Erkenntnis zu erklären. Erkenntnis beinhaltet auch die Einsicht in die Bedeutung eines Sachverhalts, ob z.B. eine Information wichtig ist für eine Problemlösung. Einsicht bedarf hingegen nicht zwingend einer Begründung, z.B. wenn man einsieht, dass etwas Gewünschtes sich nicht realisieren lässt, aber den Hinderungsgrund dafür nicht erkennt. Ähnlich wie Wissen ist Erkenntnis mit dem Anspruch der Richtigkeit verbunden. Erkenntnisse sind immer wahre Erkenntnisse. Dabei ist aber der Grad der Begründung nicht zwingend wie beim Wissen an logische Wahrheit und an einen intersubjektiven Nachweis gebunden. Im Erkannten hat man noch den subjektiven Entstehungsprozess des Wissens vor Augen, auch wenn dieser abgeschlossen ist. Erkenntnis muss nicht intersubjektiv nachprüfbar sein. Sie beschränkt sich nicht auf nachprüfbare Fakten, sondern beinhaltet das Verstehen von Zusammenhängen. Erkenntnisse können sich auch auf einen vorwissenschaftlichen Bereich der Alltagserfahrung beziehen. In einem weiten Verständnis des Erkenntnisbegriffs werden sogar Gefühle wie z.B. die Liebe sowie die Kunst als mögliche Erkenntnisquellen gesehen.
Wenn von gesicherter Erkenntnis gesprochen wird, steht dahinter die Vorstellung, dass die Erkenntnis durch wissenschaftlichen Nachweis belegt werden kann. Doch haben gerade die neuesten naturwissenschaftlichen Forschungen (Quantenphysik) gezeigt, dass zumindest in gewisser Hinsicht Aussagen nur mit Wahrscheinlichkeit gemacht werden können. Auch gilt in der Mathematik der Gödelsche Unvollständigkeitssatz, nach dem es in jedem System Aussagen gibt, die nicht innerhalb des Systems als wahr oder falsch bewiesen werden können. Dies führt zu Fragen, ob es überhaupt eine gesicherte Erkenntnis geben kann. Angesichts der Funktionsweise und der Täuschbarkeit der menschlichen Wahrnehmung entstehen darüber hinaus Fragen nach der Beschaffenheit der Realität, ob und inwieweit die Art der Erkenntnisgewinnung bereits die Erkenntnisinhalte beeinflusst.
In manchen Ländern (etwa Österreich) werden Urteile des Verfassungsgerichtshofes ebenfalls Erkenntnisse genannt. In diesem Fall ist das Wort nicht Femininum, sondern Neutrum.
Forschungsrichtungen
Die Erforschung der Wege zur Erkenntnis sind Sache der Kognitionswissenschaften (v. lat.: cognitio = Erkenntnis) und der Epistemologie (griechisch epistemé = Verstehen, (theoretisches) Wissen, Erkenntnis, Einsicht), auch Erkenntnistheorie genannt.
Erkenntnistheorie ist eine Teildisziplin der Philosophie, die sich mit der Frage befasst, was das Wesen, das Zustandekommen, die Bedingungen, Grenzen und Prinzipien von Erkenntnis sind. Eine Kernfrage ist dabei die Frage nach der Sicherheit von Erkenntnis bzw. ob es überhaupt sichere Erkenntnis gibt.
Die Abgrenzung der philosophischen Erkenntnistheorie zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen kann wie folgt vorgenommen werden:
- Die Logik ist die Lehre vom folgerichtigen Denken und setzt dabei Erkenntnis schon voraus. Insbesondere die Epistemische Logik befasst sich mit den logischen Beziehungen der in der Erkenntnistheorie wichtigen Begriffe wie Glauben, Für-möglich-halten, Überzeugt-sein oder Wissen.
- Die Dialektik konfrontiert eine These mit ihrer Antithese und gewinnt Erkenntnis durch die Formulierung der Synthese.
- Die Wissenschaftstheorie konzentriert sich auf einen Teilbereich der Erkenntnis und fragt nach dem methodisch richtigen Vorgehen bei der Erkenntnisgewinnung im Bereich der wissenschaftlichen Forschung.
- In der Psychologie werden die Mechanismen und Verhältnisse des Bewusstseins untersucht in ihrer Auswirkung auf die Psyche. Der Inhalt des Erkannten hat keine primäre Bedeutung.
- Zu den Kognitionswissenschaften zählt man neben Philosophie und Psychologie auch die Neurowissenschaften sowie Teilbereiche der Linguistik und der Informatik.
Zu den Methoden der Erkenntnisgewinnung und Überprüfung von Erkenntnissen sind Beobachtungen und Experimente ggf. mit Versuch und Irrtum zu rechnen. Diese beinhalten als Instrumente Aufzeichnung, Dokumentation, Messung, Vergleich, Befragung, Interview und Schlussverfahren wie Abduktion, Deduktion und Induktion.
Der Erkenntnisbegriff der Wissenschaftstheorie
In vielen systematischen Darstellungen zur Erkenntnistheorie, vor allem aber in der Wissenschaftstheorie wird Erkenntnis eingeschränkt gegenüber dem allgemeinen Begriffsinhalt verstanden als Ergebnis der empirischen Forschung. Diese Forschungsergebnisse gehen in den Wissensbestand der jeweiligen Wissenschaften ein. Als Bestimmung des Wissens in diesem vor allem durch die Naturwissenschaften geprägten Sinne wird üblicherweise die auf Platon (Theaitetos) zurückgehende Begriffsbestimmung verwendet: Wissen ist wahre, begründete Meinung.
Schon in der Philosophie der Antike wurden die in dieser Begriffsbestimmung enthaltenen Begriffe wiederum kritisch hinterfragt. Gibt es überhaupt eine absolute, eindeutige Wahrheit? Darüber gibt es ein ganzes Bündel so genannter Wahrheitstheorien. Wie muss die Begründung aussehen, damit man sie als korrekte Rechtfertigung ansehen kann? Gibt es ein Sinnkriterium, so dass man eine Meinung überhaupt als eine wissenschaftliche Theorie anerkennen kann?
Eine Meinung ist eine Ansicht, Einstellung oder Überzeugung, die ein Mensch zu einem Sachverhalt gewonnen hat. Dabei setzt man Erfahrungen oder bestehende Kenntnisse ein, um den Sachverhalt beurteilen zu können. Meinung entsteht also in einem gedanklichen Prozess. Wenn jemand ohne jede Sachkenntnis zu einem Pferderennen geht, auf das nach seinem Empfinden schönste Pferd setzt und dieses gewinnt, so hat er sich eine Meinung über den möglichen Sieger gebildet und auch recht gehabt. Diese Art von Meinung hat jedoch sicherlich nicht die gleiche Qualität wie die Diagnose eines erfahrenen Arztes, der die Röteln feststellt, oder die statische Berechnung eines Bauingenieurs. Eine Meinung unterscheidet sich vom Glauben dadurch, dass sie begründbar ist. In den genannten Beispielen zeigt sich aber, dass der Grad der Überzeugung höchst unterschiedlich sein kann.
Eine allgemeine Überzeugung ist es, dass man Menschen nicht foltern soll. Solche moralischen Urteile sind jedoch nicht Gegenstand der Erkenntnistheorie, weil nach allgemeiner Auffassung sich Werte nicht aus Erkenntnissen ableiten lassen (siehe Naturalistischer Fehlschluss).
Während vor allem im Positivismus davon ausgegangen wurde, dass man in den empirischen Wissenschaften gesichertes Wissen durch Verifikation erlangen kann, wird im Fallibilismus unterstellt, dass der Mensch grundsätzlich keine gesicherte Erkenntnis erlangen kann. Die fallibilistische Position, die zum Beispiel schon von Arkesilaos oder Karneades in der Antike vertreten wurde, hat sich im Verlaufe der Philosophiegeschichte immer stärker durchgesetzt. Einen wesentlichen Beitrag leistete Hume mit der Widerlegung der Induktion. Für Hume wurde die Annahme von Kausalität in der Welt zu einer nicht beweisbaren Gewohnheit. Theoretisch ausgearbeitet wurde diese Position im Kritischen Rationalismus von Popper, der alle Erkenntnis als vorläufig betrachtete. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind demnach Theorien, die sich durch empirische Beobachtungen bewährt haben. In der Möglichkeit, eine Theorie anhand von Beobachtungssätzen (Basissätzen) zu überprüfen, sah Popper auch das entscheidende Abgrenzungskriterium zur Metaphysik und zu Pseudowissenschaften. Nur eine Theorie, die falsifizierbar ist, erfüllt das Kriterium der Wissenschaftlichkeit. Erkenntnisfortschritt entsteht nach Popper, wenn die Wissenschaft durch Beobachtungen oder logische Prüfungen Widersprüche in bestehenden Theorien feststellt. Forscher müssen sich daher bemühen, bestehende Theorien durch Experimente zu widerlegen oder durch neue, bessere Theorien zu ersetzen. Die Qualität einer Theorie wächst dabei, je besser sie falsifizierbar ist und je höher der Grad ihrer Bewährung ist. Eine Bestätigung seiner Auffassung sah Popper in der Relativitätstheorie, die als bessere Theorie die lange als unumstößliches Naturgesetz geltende Gravitationstheorie Newtons ablöste.
- Siehe auch: Beobachtbarkeit, Widerspruchsfreiheit
Die hermeneutische Komponente der Erkenntnis
Auf Wilhelm Dilthey geht eine wichtige Abgrenzung zwischen natur- und geisteswissenschaftlicher Methodik zurück. Wilhelm Windelband machte hieraus die Unterscheidung von Erklären und Verstehen. In den Naturwissenschaften werden Gesetze (nomothetisch) erklärt. In den Kulturwissenschaften werden hingegen einmaliges, Individuelles und Besonderes (idiographisch) untersucht, für die es methodisch des Konzeptes des hermeneutischen Verstehens bedarf. Fruchtbare hermeneutische Ansätze finden sich insbesondere in den Geschichtswissenschaften, der Psychoanalyse oder der nicht-empirischen Soziologie. Hermeneutische Ausgangspunkte haben auch die Diskurstheorien von Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas.
Die aus dieser Entgegensetzung resultierende scharfe Trennung zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften im 20. Jahrhundert hat sich zur Jahrtausendwende eher verwischt. Die Geisteswissenschaften benötigen zum einen systematisch-analytische Verfahren, wie sie in der Lehre zu den Methoden der empirischen Sozialforschung behandelt werden. Zum anderen bedarf es mit steigender Komplexität auch in den Naturwissenschaften eines intuitiven, verstehenden Erkennens der Zusammenhänge, insbesondere seit zum Beispiel in der Physik Theorien über Gegenstände behandelt werden, die unterhalb der Grenze der Beobachtbarkeit liegen.
Erkenntnis und Interesse
Von Jürgen Habermas wurde die schon von Karl Mannheim in Ideologie und Utopie (1929) formulierte These aufgenommen und ausgearbeitet, dass herrschende Gruppen mit ihren Interessen so intensiv an eine Situation gebunden sind, dass sie die Fähigkeit verlieren, bestimmte Tatsachen zu reflektieren. Habermas wandte sich in seinem Werk Erkenntnis und Interesse insbesondere gegen die in den Einzelwissenschaften oftmals vorzufindende naive Auffassung einer objektiven Wissenschaft. Unbestritten ist die wissenschaftstheoretische Einsicht, dass jedes Experiment und jede Beobachtung in den empirischen Wissenschaften von der Fragestellung und von der Versuchsanordnung abhängt. Jede Beobachtung ist damit theoriebeladen. Die unterschiedlichen Auffassungen über die Begriffsbestimmung und die Möglichkeit objektiver Erkenntnis zwischen Kritischer Theorie und Kritischem Rationalismus wurden in den 1960er Jahren im Positivismusstreit ausgetragen.
Die Kritik des Pragmatismus
Mit Schopenhauer, Nietzsche, aber auch Eucken und Dilthey entwickelte sich eine Kritik an dem rein kognitiv gefassten Begriff der Erkenntnis in der Philosophie der Neuzeit. In einer ganzheitlichen Betrachtung beinhaltet Erfahrung nicht nur kognitive, sondern stets zugleich auch affektive und voluptative Elemente. Vernunft, Gefühl und Wollen sind nicht isolierbar. Diese oft unter dem Sammelbegriff der Lebensphilosophie subsumierten Auffassungen wurden im Pragmatismus und in der Existenzphilosophie aufgegriffen sowie Ende des 20. Jahrhunderts im Neopragmatismus vor allem durch Richard Rorty neu thematisiert.
In der Aufsehen erregenden Arbeit Der Spiegel der Natur. Eine Kritik der Philosophie (1979, deutsch 1987) lehnte er Erkenntnistheorie als sinnvolle Disziplin ab:
- Wittgensteins, Heideggers und Deweys gemeinsame Diagnose lautet, dass die Vorstellung, das Erkennen sei ein akkurates Darstellen – ermöglicht durch besondere mentale Vorgänge und verstehbar durch eine allgemeine Theorie der Darstellung -, aufgegeben werden muss. Die Rede von ‚Fundamenten der Erkenntnis’ und der Gedanke, die Philosophie habe das cartesianische Unternehmen der Widerlegung des erkenntnistheoretischen Skeptikers zu ihrer zentralen Aufgabe, werden von diesen gleichermaßen für nichtig erklärt. Weiterhin abgeschafft wird die Descartes, Locke und Kant gemeinsame Idee ‚des Bewusstseins’ als eines besonderen, in einem inneren Raum angesiedelten Forschungsbereichs, in dem sich die Bestandteile und Prozesse finden, die unser Erkennen ermöglichen. Dies bedeutet nicht, dass sie über alternative ‚Theorien der Erkenntnis’ oder ‚Philosophien des Mentalen’ verfügen. Sie verabschieden Erkenntnistheorie und Metaphysik als mögliche Disziplinen. (1987, 16)
Anstelle der Erkenntnistheorie, die Rorty in der Kulturanthropologie oder Wissenschaftssoziologie ansiedeln möchte, fordert er das hermeneutische Gespräch und hält die Frage der Letztbegründung für irrelevant (Relativismus).
Die Kritiker Rortys halten ihrerseits dagegen, dass mit dessen Ansatz die Frage nach dem Wesen der Erkenntnis nicht abgeschafft wird. Erkenntnistheorie ist vor allem eine Reflexionswissenschaft, eine nicht empirische Wissenschaft über den Umgang mit Empirischem.
Literatur
- Kurt Eberhard: Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Geschichte und Praxis konkurrierender Erkenntniswege, Kohlhammer, 2. Aufl. Stuttgart 1999 (Sehr empfehlenswert als Zweitlektüre, da z.T. überraschende, aber plausible Betrachtungen aus sozialwissenschaftlicher Sicht vorgenommen werden.)
- Gottfried Gabriel: Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes bis Wittgenstein, Schöningh, Paderborn, 2. Aufl. 1998 (Zum Einstieg besonders geeignet. Historisch orientiert. Endet bei Wittgenstein. Ergänz sich daher sehr gut mit Norbert Schneider.)
- Richard Hönigswald: Grundfragen der Erkenntnistheorie. Hrsg. v. Wolfdietrich Schmied-Kowarzik. Philosophische Bibliothek Bd.510 Meiner, Hamburg 1997. ISBN 3-7873-1349-4
- Peter Janich: Was ist Erkenntnis. Eine philosophische Einführung, Beck, München 2000 (Viele kritische Fragen an die klassische Erkenntnistheorie mit einem weiten Erkenntnisbegriff aus Sicht des methodischen Konstruktivismus. Als Einführung empfehlenswert, als Zweitlektüre sehr wichtig.)
- Hans Günther Ruß: Wissenschaftstheorie, Erkenntnistheorie und die Suche nach der Wahrheit. Eine Einführung, Kohlhammer, Stuttgart 2004 (klassische Position des Kritischen Rationalismus; Relativ leicht zu verstehen.)
- Herbert Schnädelbach: Erkenntnistheorie zur Einführung, Junius, Hamburg 2002 (sprachanalytisch pragmatischer Ansatz mit einer knappen historischen Einleitung. Zum Einstieg nicht ganz einfach, aber sehr empfehlenswert)
- Norbert Schneider: Erkenntnistheorie im 20. Jahrhundert. Klassische Positionen, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1998 (Als Einführung sehr wichtig, relativ leicht zu lesen und mit einem breiten Spektrum der dargestellten Positionen. Incl. Piaget und Materialismus in Russland. Sehr gute, historisch orientierte Einführung.)
Siehe auch
Weblinks
Diskussion der Autoren über den Artikel: Erkenntnis
Im Neuen Testament wird Erkenntnis zu den Gaben des Heiligen Geistes gezählt.
Frage zur Begriffsbestimmung
"Erkenntnisse sind eine Abbildung oder ein Modell der Wirklichkeit." - also selber "unwirklich"?
Kommentar
Erkenntnis ist die Entdeckung, daß das, was wir für wirklich hielten, gar nicht wirklich ist.
Sie ist insofern unwirklich, als daß man sie nicht geben kann. Jeder muß seinen eigenen Weg zu ihr finden. Hat man sie aber einmal erlangt, so kann keiner sie einem nehmen. Insofern ist sie vielleicht das einzige, daß wirklich ist.
--Zelig 13:02, 10. Jun 2006 (CEST)
Überarbeitung vonnöten
Der Eintrag ist nach den von mir zu Rate gezogenen Fachbüchern nicht 'auf der Höhe' der heutigen Diskussion in der Philosophie; näheres habe ich - 'ohne Anspruch auf Vollständigkeit'... - an einigen Stellen auf der Bearbeitungsseite des Eintrags angemerkt, um hier nicht alles wieder an- und aufführen zu müssen. IWK 195.158.179.251 19:32, 1. Nov 2005 (CET)
Kommentare von Benutzer: 195.158.179.251 versteckt im Artikel angebracht, die ich hier aus optischen Gründen fett sichtbar gemacht habe:
Unter Erkenntnis wird heute nach dem Standardwerk der Metzlerschen "Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie" Bd. 1, S. 575 – unabhängig davon, worauf im einzelnen Bezug genommen wird, und in Abgrenzung zu subjektivem Meinen und Glauben – ein begründetes Wissen um einen Sachverhalt und seine Zusammenhänge mit anderen Gegebenheiten verstanden. ??? die heutige Wissenschaftstheorie formuliert nach dem 'linguistic turn' Anfang des 20. Jh. anders als die "Bewusstseinsphilosophie" älteren Stils, der wohl die hier zunächst gewählte Formulierung zu danken ist, Erkenntnis sei: "die vom [im?] Bewusstsein der Übereinstimmung mit dem Gegenstand getragene Einsicht eines Subjektes in einen objektiven Sachverhalt." - 'Einsicht' ist in die o.g. vierbändige und für die neue Auflage als achtbändig angekündigte Fachenzyklopädie nicht einmal mehr als Stichwort aufgenommen! Vermutlich, weil es sich bei 'Einsicht' um keinen philosophischen, sondern um einen psychologischen Terminus handelt, der den psychischen und damit 'subjektiven' Prozess des 'Nachvollziehens' und 'Verstehens' bezeichent. Im "Wissenschaftstheoretischen Lexikon" von Braun und Redermacher ist 'Einsicht' ebenfalls nicht aufgeführt; hier gibt es nicht einmal einen Eintrag zum Stichwort 'Erkenntnis', sondern nur noch zu 'Erkenntnistheorie', auf die in o.g. Enzykl. im weiteren ebenfalls verwiesen wird.
Der Begriff der Erkenntnis ist einer der Urbegriffe der Sprache, ??????????!! Ganz im Gegenteil!! - 'Erkenntnis' ist ein hochphilosophischer Begriff!! Schon 'Kenntnis' ist - schon die 'Substantivform' zeigt das sprachlich an - ein Abstraktum und ein von 'kennen' abgeleiteter 'Begriff', der die Fähigkeit zur Begriffsbildung und zum Begriffsverständnis voraussetzt. Etymologisch ist jedoch selbst 'kennen' eine sprachlich entwickelte Form eines 'Urworts', nämlich der/s idg. Wurzel/worts 'gen(e)-', auf das Begriffe wie 'Diagnose' - wörtlich: Durchblick! - ebenso zurückgehen wie kund, Kunst, können und kühn, ja sogar 'nobel'; 'gen-' hat aber noch einen viel weiteren 'Umfang' und bezeichnete offenbar alles 'entstandene' - s. 'Genesis', auch 'Gene'... - und dann auch 'erzeugte' - s. 'Kind' u.v.a.! - Wer etwas von sprachlich-begrifflichen und gar von Ur-zusammenhängen behauptet, sollte mindestens das Duden-Herkunftwörterbuch zu Rate ziehen!!!!!!! der ohne Selbstbezug (Zirkel) nicht definierbar ist ??????? diese Behauptung ist logischer 'Schwachsinn', um es mal ganz krass auszudrücken! Logisch zirkulär definierte Begriffe sind schlicht n i c h t definierte Begriffe! Gemeint ist offenbar eine sprachliche Klärung - oder so gemeinte 'Erklärung' - des Gebrauchs eines schon in der Umgangssprache verwendeten Begriffs. Nur ist das keine und erst recht keine wissenschaftliche Definition! Zum Nachstehenden gleich mit: eine 'Explikation' ist keine 'Umschreibung, sondern eine Erläuterung, im wissenschaftlichen Zusammenhang mit dem Ziel einer Präzisierung bisher unklaren, mehrdeutigen oder gar unsinnigen Sprachgebrauchs, so jedenfalls nach o.g. Enzyklopädie... puh; höre hier auf, kann zeitlich nicht mehr. und dessen Verständnis deshalb aus einer Umschreibung (Explikation) gewonnen werden muss. Erkenntnis bezeichnet das Ergebnis und den Prozess des Erkennens. Erkenntnis bezeichnet immer die Beziehung zwischen einem erkennenden Subjekt und etwas Erkanntem (Objekt). Erkenntnis kann sich ebenso auf einen Sachverhalt wie auf einen Prozess beziehen. Je nachdem, ob eine Erkenntnis unmittelbar gewonnen wird oder ob sie durch eine indirekte Information entstanden ist, spricht man von der unmittelbaren (intuitiven) oder von der mittelbaren (diskursiven) Erkenntnis
- Zunächst einmal: Wenn man diskutieren will, tut man es auf der Diskussionsseite und nicht als nicht sichtbare Anmerkung im Text. Der Überarbeiten - Baustein kann nach meinem Dafürhalten nur gesetzt werden, wenn inhaltlich geklärt ist, dass der Artikel falsches oder unzutreffendes aussagt. Hier liegt offensichtlich ein Auffassungsunterschied vor, der auszudiskutieren ist. Inhaltlich werde ich antworten, wenn ich Zeit hatte, mich mit dem Wortschwall zu befassen. --Luha 20:44, 1. Nov 2005 (CET)
Hm um eine kurze Anmerkung komm ich nicht vorbei - lassen wir Stil des Einschubes mal beiseite und sehen uns nur den ersten Teil des EInwandes an: Einsicht und Erkenntnis. Einsicht ist mit Verlaub weder ein philosophischer Begriff noch ein psychologischer, sie werden vielleicht in diesen Fachwissenschaften benutzt(Allerdings nicht in diesem Artikel) - bliebe zu klären, mit welcher Konnotation. Dass bestimmte Begriff in achtbändigen oder vierbändigen Werken nicht auftauchen ist eine Entscheidung der Redaktion, die sich auf Vorkommen, Nutzung, EIndeutigekiet etc. bezieht - aber wie schon gesagt trifft nicht auf diesen Artikel zu. Viel interessanter finde ich aber deine Ausführungen über die Einsicht als psychischen und damit 'subjektiven' Prozess des 'Nachvollziehens' und 'Verstehens: dazu folgende Bemerkung: die Logik von psychisch zu subjektiv bliebe noch zu erklären. Wie ist das zu verstehen? Meine Meinung: es handelt sich hier um einen Kategorienfehler, mindestens aber um eine Begriffskonfusion. Kategorienfehler weil ich denke, dass psychisch hier im biologisch-naturlistischen Sinne benutzt wird - subjektiv aber ein logisch philosophischer Begriff ist (sub -jectum) - wenn nicht so scharf, dann ist aber eine Verbindung von einem mehrdeutigen Begriff wie psychisch nicht mit einem philosophiegeschichtlich schwergewichtigem Begriff so ohne weiteres sinnvoll. Weiter frage ich mich woher du diese Herleitung des Begriffs Kennen - ich dachte der Wortstamm ist nicht griechisch, deshalb nicht gen sondern können und damit sich auf etwas verstehen - Soviel fürs erste --Schwall 23:12, 1. Nov 2005 (CET)
- Hallo IWK. Zunächst einmal zu Deinem Einstieg zu dem Artikel. Ich freue mich über Deinen engagierten Einwurf. Ich hoffe ich habe Deine Kommentare aus dem Artikel komplett herausgeholt. Falls nicht, war das keine Absicht und Du kannst sie ja hier nachtragen. Solange wir im Ton miteinander auskommen, werde ich dazu Stellung nehmen. Nun zum Sachlichen:
- Als Einstieg zwei Fragen:
- Hast Du Dir das Literaturverzeichnis genau angesehen?
- Dieses Literaturverzeichnis, sowie vertieft das zum Artikel Erkenntnistheorie drückt ziemlich stark mein Verständnis aus, wie die Artikel Erkenntnis und Erkenntnistheorie ausgestaltet werden sollten. Der heutige Inhalt des Artikels Erkenntnistheorie kann dann unter Geschichte der Erkenntnistheorie eine sinnvolle Ergänzung sein. Ich habe vorab den Artikel Erkenntnis formuliert und arbeite – mit Unterbrechungen – an einem Entwurf für eine systematische Darstellung der Erkenntnistheorie. Da ich nicht nur ein Lexikon nacherzählen will, muss ich mich einlesen und brauche dafür etwas Zeit. Wie das bei der WP so ist, wenn jemand früher ist, würde ich einfach versuchen mein Wissen dann einzubringen.
- Kannst Du Dir eine Begrenzung der Meinungsvielfalt in der Philosophie vorstellen?
- Ich behaupte, dass es mindestens doppelt so viele Erkenntnistheorien gibt wie Philosophen – und zwar lebende und verstorbene zusammengefasst. Kant hatte mindestens zwei und bei Hilary Putnam komme ich auf mindestens vier. Demzufolge ist auch der zugrunde liegende Erkenntnisbegriff höchst unterschiedlich. Die Mittelstraß-Enzyklopädie vertritt – wissenschaftlich sehr fair, da offen ausgewiesen – nur einen der möglichen Erkenntnisbegriffe, und zwar einen sehr engen, wissenschaftstheoretisch orientierten. Wenn man andere Lexika zu Rate zieht, findet man ganz andere Auffassungen. Als klassisches Gegenbeispiel nenne ich Sandkühler. Die von Dir angesprochene Position findet man z.B. bei Schnädelbach. Je tiefer man in die Literatur einsteigt, um so größer wird jedoch die Vielfalt. Dies zu erkennen ist eine der Grundvoraussetzungen, wenn man ernsthaft philosophieren will.
- Nun zu den reinen Argumenten:
- Erkenntnis ist ungleich Wissen, denn sonst würde man einen von beiden Begriffen vergessen können. Die Abgrenzung von Erkenntnis zu Wissen findest Du auch hier. Um das genauer zu verstehen, sollte man Eberhard und Janich gelesen haben.
- Wer den „subjektiven Prozess des Nachvollziehens und Verstehens“ als nicht philosophisch bezeichnet, ist entweder ideologisch gebunden oder sollte noch einiges lesen.
- Das Wort Urbegriff ist vielleicht nicht glücklich gewählt. Ich wollte die viel theoretischer klingende Bezeichnung „philosophsicher Basisbegriff“ vermeiden. Aber der Sachverhalt bleibt. Erkenntnis lässt sich ebenso wenig ohne Rekursion definieren wie Bewusstsein oder Das Gute. Vielleicht ist Dir die Einführung von Ferber bekannt.
- Das mit dem Duden nehme ich mal als etwas unbedacht. Aber ein Zirkelbegriff ist und bleibt ein nicht ohne Rekursion definier’’barer’’ Begriff. Eine nicht rekursive Definition wird Dir nicht gelingen. Andernfalls würdest Du in die Philosophiegeschichte eingehen.
- Zum Begriff Explikation bitte ich Dich bei Schnädelbach nachzulesen. Wenn ich hier das Wort Umschreibung als sicherlich nicht 100% identische Übersetzung verwendet habe, so bitte ich Dich zur Kenntnis zu nehmen, dass wir uns hier bei der WP nicht nur an ein Fachpublikum wenden.
- Ich habe bewusst so ausführlich geantwortet, weil ich in Deinem Einwurf ein sehr zu begrüßendes Engagement spüre. Vielleicht hast Du ja Lust, Dich anzumelden und im Projekt Philosophie mitzumachen. Gruß --Luha 08:43, 2. Nov 2005 (CET)
Wie es um die Selbsterkenntnis steht
Der Artikel - so wie auch das Thema Erkenntnis ist ja sehr umfangreich. Was mir hier noch fehlt ist ein Bezug zur Selbsterkenntnis, es wird "nur" auf wissenschaftliche Eröterung des Begriffs eingegangen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob nicht die Selbsterkenntnis einen eigenen Beitrag verdient hat? Dann sollte hier aber zumindest darauf verlinkt werden. Zelig 11:02, 2. Jun 2006 (CEST)
Hallo Luha! Ich halte Deine Änderungen klar für Verbesserungen des Artikels. Meine Kritik bezog sich aber v.a. auf Folgendes. Problematisch finde ich weiterhin vor allem zwei Dinge:
- Die (alten) Abschnitte, in denen es um die Abgrenzung zu Wissen geht.
- Das Verhältnis dieses Artikels zu Wissen.
Im Artikel heißt es “Erkenntnis bezeichnet das Ergebnis und den Prozess des Erkennens.“ Ist das nicht der entscheidende Unterschied zu Wissen? Erkenntnis kann einen Vorgang bezeichnen, Wissen nicht. (Deswegen gibt es ja auch ein „Erkenntnisvermögen“, aber kein „Wissensvermögen“ etc.) Einen Zustand oder ein Ergebnis können beide bezeichnen. In letzterer Bedeutung werden beide synonym verwandt (wobei m. E. heutzutage in dieser Bedeutung überwiegend von „Wissen“ die Rede ist. Da kann ich mich aber natürlich auch täuschen.) Zudem wird (im Deutschen) bei direktem Objekt „(er)kennen“ verwendet, beim Objektsatz (mit „dass“) „wissen“. Dies Verhältnis sollte noch etwas klarer sein.
Dass „Erkenntnis“ und „Wissen“ großteils synonym verwandt werden, schlägt sich auch im Artikel nieder. Bspweise ist folgender Übergang irgendwie unklar:
- „In vielen systematischen Darstellungen zur Erkenntnistheorie, vor allem aber in der Wissenschaftstheorie wird Erkenntnis verstanden als Ergebnis der empirischen Forschung. Diese Forschungsergebnisse gehen in den Wissensbestand der jeweiligen Wissenschaften ein. Als Bestimmung des Wissens in diesem Sinne wird üblicherweise die auf Platon zurückgehende Begriffsbestimmung verwendet: Wissen ist wahre, begründete Meinung.“
Plötzlich ist hier nur noch von Wissen die Rede. Insgesamt ist im Artikel ist fast genauso oft von „Wissen“ die Rede wie von „Erkenntnis“. Ich weiß nicht wie andere das hier sehen, aber ich würde gegenüber dem jetzigem Zustand eine von zwei Lösungen bevorzugen:
(a) Hier ausschließlich eine Erläuterung vom Unterschied zwischen „Wissen“ und „Erkenntnis“, vielleicht verbunden mit einer Begriffsgeschichte von „Erkenntnis“;
(b) einen Redirect von Erkenntnis nach Wissen und dort die Erläuterung des begrifflichen Unterschieds und einer kurzen, ggf. seperaten Begriffsgeschichte.
(b) wäre vielleicht ein bisschen hart, zumal auch einige Philosophiewörterbucher Erkenntnis separat führen (wobei teilweise in einem Lemma unter Erkenntnistheorie). Wir sollten uns aber überlegen, ob wir hier nicht eine unnötige Doppelung einführen, die beiden Artikeln letztlich wenig bringt. Da Wissen der neutralere und allgemeinere sowie heute – m.E. - überwiegend verwendete Begriff ist, würde ich für eine 'Bevorzugung' von Wissen gegenüber Erkenntnis plädieren. Grüße, --Victor Eremita 12:06, 17. Jun 2006 (CEST)
Kleines Vorab-Review
Anbei, wie im letzten Philosophen-Chat vereinbart, vorab ein kleines Review, das noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:
- „Häufig wird die bewusste Einsicht in einen Sachverhalt, die über das bloße Wissen hinausgeht und die Akzeptanz dieses Wissens enthält, als Erkenntnis bezeichnet“
- Diese Anfangs-Bestimmung von Erkenntnis finde ich irreführend.
- Zum einen wird hier Erkenntnis auf das Ergebnis des Erkenntisprozesses eingeschränkt (wenn man von der Definition von „Einsicht“ als „Resultat eines analytisch-synthetischen Erkenntnisprozesses“ ausgeht wie es im dortigen Artikel geschieht); der Aspekt, dass Erkenntnis auch – und ganz wesentlich- den Akt des Erkennens bezeichnet, bleibt ausgeblendet.
- Zum anderen wird hier nahegelegt, dass es sich bei der Erkenntnis um eine besondere, sozusagen gehobene Form des Wissens handelt (Wissen + Akzeptanz des Gewussten = Erkenntnis). Dies ist so m.E. jedoch nicht richtig. Denn erstens fehlt beim Wissensbegriff – wie Victor schon geschrieben hat – der Vorgangs-Aspekt des Erkennens; Wissen ist ein Zustandsbegriff. Seine Analyse gehört daher nicht primär in die Erkenntnistheorie, sondern in die Epistemische Logik. Zum anderen sind aber die beiden Begriffe auch als Zustandsbegriff nicht vollkommen synonym. So gibt es z.B. ein praktisches Wissen („ich weiß, wie ein Computer, ein Auto etc. funktioniert; ich weiß,wie man Rad/Auto/Ski fährt“ etc.); hier würde man aber nicht von Erkenntnis sprechen.
- Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen
- Ich fände es generell einmal nützlich, den Versuch zu unternehmen, den Begriff der „Erkenntnis“ sauber – z.B. mittels einer Entscheidungstabelle – von ähnlichen Begriffen (wie „Erfahrung“, „Einsicht“, „Wissen“ usw. ) abzugrenzen. Das würde sehr viel zur Klarheit beitragen, um welche inhaltlichen Unterschiede es hier geht. Ausgehen muss man dabei natürlich von der deutschen Sprache; ich bin mir nicht sicher, ob sich die Unterschiede so auch in anderen Sprachen zeigen lassen.
- „Der Begriff der Erkenntnis ist einer der Grundbegriffe der Philosophie, der ohne Selbstbezug (Zirkel) nicht definierbar ist und dessen Verständnis deshalb aus einer erläuternden Begriffsanalyse (Explikation) gewonnen werden muss.“
- Den Satz verstehe ich nicht. Was bedeutet „Explikation“ in diesem Zusammenhang (Nebenbei bemerkt: Der Artikel „Explikation“ ist leider – wie ich gerade festgestellt habe - zum größten Teil eine DDR-URV (aus: Buhr, Philosophisches Wörterbuch))? Wenn der Begriff nicht definierbar ist, wie kann er dann expliziert werden (wahrscheinlich habe ich den Unterschied zwischen Definition und Explikation nicht richtig verstanden)? M.E. gehört „Erkenntnis“ – wie auch z.B. der Begriff „Sein“ – zu den Grundbegriffen der Philosophie. Deren Bedeutung lässt sich nicht dadurch bestimmen, dass man auf einen noch bekannteren oder übergeordneten Begriff zurückgreift. Hier ist es vielmehr notwendig, die Bedeutung des Begriffs durch Beschreibung seiner Verwendung aufzuzeigen (Gebrauchsdefinition durch Anführung von Beispielen im Sinne von Wittgenstein).
- Ich würde noch einmal klarer auf die „Komponenten“ von „Erkenntnis“ hinweisen:
- den Akt der Erkenntnis (wird oft mit „Erkenntnis“ gleichgesetzt)
- den Gegenstand der Erkenntnis (das Erkannte)
- das Ergebnis des Erkenntnisaktes (wird ebenfalls oft mit „Erkenntnis“ gleichgesetzt)
- der Erkennende (das Subjekt der Erkenntnis)
So viel für’s erste. Mehr dann in einem späteren, „offiziellen“ Review. --HerbertErwin 12:49, 2. Jul 2006 (CEST)
Weiteres Vorgehen
Hallo Victor, hallo Herbert!
Vielen Dank für Eure Anmerkungen. Sie geben mir eine ganze Reihe von Anregungen, die ich auch verwerten will. Allerdings bin ich in manchem nicht ganz Eurer Meinung.
Erkenntnis ist für mich ungleich Wissen, auch als Zustand. Erkenntnis ist immer mit einer Bewertung von Wissen verbunden; ich habe geschrieben mit der Einsicht in die Bedeutung eines Sachverhalts. In der Erkenntnis habe ich den Entstehungsprozess des Wissens vor Augen, auch wenn dieser agbeschlossen ist. Erkenntnis sind keine angelernten Fakten. Erkenntnis muss auch nicht intersubjektiv nachprüfbar sein.
Die Mittelstrass-Enzyklopädie und auch das Metzler-Philosophielexikon haben jeweils zwei sich durchaus überschneidende Artikel zu Erkenntnis und Wissen, wobei bei Metzler der Erkenntisartikel erheblich umfangreicher ist. Entgegen dem Vorschlag von Victor neige ich dazu, das hier in der WP ähnlich zu machen, weil die Aspekte doch unterschiedlich sind.
Allerdings sollten die Artikel Wissen und Erkenntnis eng aufeinander abgestimmt sein. Dies ist bisher leider nicht der Fall, weil bisher offensichtlich stark sozialwissenschaftlich orientiert User vorwiegend daran gearbeitet haben. Ob man da Annäherungen findet, weiß ich nicht.
Entsprechend dem Vorschlag von Herbert habe ich einmal eine Tabelle zur Begriffsabgrenzung gemacht. Ich stelle sie zunächst einmal hier ein, weil ich mir über ihren Wert unsicher bin und bitte um Eure Kommentare dazu:
- Begriffsabgrenzung Erkenntnis
{Tausendfach verwendet}>
border="2" cellspacing="0" cellpadding="4" rules="all" class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1" style="margin:1em 1em 1em 0; border-style:solid; border-width:1px; border-collapse:collapse; empty-cells:show; "
Dies ist die vorrangig zu verwendende Formatvorlage für generell alle Tabellen. Ein Verwendungsbeispiel findet sich auf der Diskussionsseite.
Für zusätzliche CSS-Parameter kann ein Vorlagenparameter angegeben werden, Beispiel:
...
Für links- und rechtsseitig Ausgerichtete Tabellen siehe Vorlage:Prettytable-L und Vorlage:Prettytable-R.
Siehe auch: Hilfe:Tabellen, Abschnitt Tabellen in Wie gute Artikel aussehen.
Prettytable
en:Template:Prettytable
Begriff
| Erläuterung
| Wahrheit
| Begründung
|
|
| Innere Sicherheit in Bezug auf einen Sachverhalt
| Gefühlsmäßiges Vertrauen; Evidenz; subjektives Fürwahrhalten
| kein Interesse an Rechtfertigung; Offenbarung (Religion)
|
|
| nicht klar umrissener Sachverhalt
| hohe Unsicherheit
| unbewusstes, intuitives Gefühl ohne klare verstandesmäßige Abgrenzung
|
|
| Hypothese über einen Sachverhalt
| Wahrscheinlichkeit, nicht unbedingt quantifizierbar
| argumentativ, methodisch je nach Kenntnisstand
|
|
| Akt oder Inhalt einer Mitteilung oder Nachricht
| kann wahr oder falsch sein; ggf. Wahrscheinlichkeit
| Urteil über die Qualität der Quelle
|
|
| nicht vollständige Kenntnis zum Sachverhalt bzw.auch im Bereich Werte (Ethik/Politik)
| vom Umfang der Kenntnis abhängige Unsicherheit (Irrtumsverdacht) bzw. bei Werten nicht möglich
| argumentativ, aber nicht methodisch abgeschlossen
|
|
| spontanes Erfassen eines Sachverhalts
| meist geringe Unsicherheit durch Evidenz
| rational und argumentativ, jedoch oft nicht methodisch abgeschlossen
|
|
| unmittelbares Erleben von Handlungs- und Sachzusammenhängen; in der Wissenschaft experimentelle Ergebnisse
| hohe Sicherheit im Vertrauen auf korrekte Wahrnehmung bzw. Messtechnik bei der Beobachtung
| durch erlebte Beispiele entstandene Gewohnheit bzw. methodische Theorie in der Wissenschaft
|
|
| a) intersubjektiv überprüfbare Kenntnis von Tatsachenb) Handlungswissen
| a) sehr hohe Sicherheit in Abhängigkeit vom Wahrheitsbegriffb) kein Kriterium
| a) methodisch und begrifflich rationalb) Übung und Gewohnheit
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| Akt und Ergebnis der durch Einsicht und/oder Erfahrung gewonnenen Kenntnis
| sehr hohe Sicherheit in Abhängigkeit vom Wahrheitsbegriff
| methodisch und begrifflich rational
|
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