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Evidenz

Der Artikel Evidenz gehört zur Kategorie: Wahrheit (Philosophie)
Evidenz (lat. evidentia = Augenscheinlichkeit; evidence, engl. für: Aussage, Zeugnis, Beweis; Ergebnis, Unterlage, Beleg) bedeutet umgangssprachlich: Augenschein, Offenkundigkeit, völlige Klarheit. „Das ist doch evident“ bedeutet somit, dass etwas nicht weiter hinterfragt werden muss.

Im Kontext der Evidenzbasierten Medizin (EbM) hat der Begriff Evidenz eine völlig andere Bedeutung. Hier leitet er sich vom englischen Wort „evidence“ = Nach-, Beweis ab und bezieht sich auf die Informationen aus klinischen Studien, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen. (Glossar des DNEbM). Bei der Übersetzung des Begriffs evidence based medicine ist man in eine klassische Übersetzungsfalle getappt. Beweisbasierte Medizin wäre die richtige Übersetzung gewesen.

Philosophie und Rhetorik

Ob man sie als „anschauliche Gewißheit“ (Immanuel Kant) oder als „Selbstgegebenheit“ (Edmund Husserl) betrachtet, die Evidenz ist eine Art Wahrheitskriterium für solche Sätze, die man nicht weiter zurückführen oder hinterfragen kann. In der Rhetorik interessiert weniger die objektive Evidenz, in der sich eine Wahrheit oder ein Sachverhalt als solche(r) unzweifelbar „zeigt“, als vielmehr die subjektive oder psychologische Evidenz, die sich in einem „Gefühl des Überzeugtseins“ ausdrückt.

Obwohl wir in der Evidenz „eine Einsicht ohne methodische Vermittlungen“ vor uns haben, ist sie eine der wesentlichen Säulen unseres Argumentierens und als solche, wie Stegmüller ausführt, selbst Methode: „All unser Argumentieren, Ableiten, Widerlegen, Überprüfen ist ein ununterbrochener Appell an Evidenzen, wobei ... das ‚Appell an...‘ nicht so misszuverstehen ist, als würde die Evidenz jeweils den Gegenstand der Rechtfertigung darstellen. Sie ist das ‚Wie‘ und nicht das ‚Worüber‘ des Urteilens.“ So berufen wir uns in Wissenschaft und Alltag also beständig auf „evidente“ Sätze, auf „offensichtliche“ und „selbstverständliche“ Einsichten, ohne den eigentlichen Charakter dieser Einsichten jemals beweisen zu können, denn: „... das Evidenzproblem ist absolut unlösbar ... alle Argumente für die Evidenz stellen einen circulus vitiosus dar und alle Argumente gegen sie einen Selbstwiderspruch... Wer für die Evidenz argumentiert, begeht einen Zirkel, denn er will beweisen, daß es die Evidenz gibt; das zu Beweisende soll also das Ergebnis der Überlegungen darstellen, während er vom ersten Augenblick seiner Argumentation an Evidenz bereits voraussetzen muß. Wer gegen sie argumentiert, begeht einen Selbstwiderspruch; denn er muß ebenfalls voraussetzen, daß seine Argumentationen evident sind.“

Zur philosophischen Bedeutung der Evidenz siehe auch: Evidenz (Philosophie).

Medizin

In der Medizin ist ein neuerer Forschungszweig die evidenzbasierte Medizin, die Entscheidungen aufgrund von statistischen Fakten propagiert und sich eben nicht auf den Augenschein oder lokale Traditionen verlassen will. Sie sucht eindeutige Beweise als Arbeitsgrundlage für Arzt und Patienten. Ihre Ergebnisse belegt sie mit Unterlagen. Sie bemüht sich schon in ihren Fragestellungen um genaue Aussagen, geht Hinweisen nach und benennt Zeugen.

Als externe Evidenz wird in der Evidenzbasierten Medizin die strukturierte Präsentation der wissenschaftlichen Forschung bezeichnet.
Die interne Evidenz (auf der Grundlage klinischer Expertise) kann als Gespür für relevante Fakten aufgefasst werden und soll in der Evidenzbasierten Medizin mit der externen Evidenz verknüpft werden.

Siehe auch

Quellen

  • G. Schischkoff: Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 1974(19)
  • J. F. Fries: Neue Kritik der Vernunft, 1807
  • J. Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Mannheim 1980
  • W. Stegmüller: Metaphysik, Skepsis, Wissenschaft, Berlin 1969(2)
  • D. Zittlau: Kommunikation und Rhetorik, Düsseldorf 1996
  • D. Zittlau: Schlagfertig kontern, München 2002
  • R. Kunz für die AG Glossar des DNEbM: Glossar des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin, Köln 2004. http://www.dnebm.de


Diskussion der Autoren über den Artikel: Evidenz


Der Artikel ist bis jetzt recht gut gelungen. Ich verstehe aber nicht, wieso ein Abschnitt, der hauptsächlich Husserl und Kant zitiert, die Überschrift Rhetorik hat - zumal interessante rhetoriktheoretische Themen, wie etwa die virtus der claritas (und ihre Kritik), gar nicht vorkommen. Bei langen Zitaten ist es vielleicht sinnvoll, sie kursiv zu setzen, um sie lesbarer zu machen. Es wäre auch interessant zu erfahren, welche Werke im einzelnen zitiert werden. --Leogfischer 12:26, 17. Jul 2005 (CEST)

or diesem Hintergrund ist möglicherweise die Kritik zu verstehen-> Es geht IMHO darum, dass man "weiß" das zb "Essigsaure Tonerde" hilft auch, obwohl diese keinem Doppeltblindversuch unterworfen wurde. So isses nicht arg verständlich. --Nerd

Verstehe die Kritik nicht ganz... (ich gebe zu, das Ganze klingt noch arg holperig!) Konkreter Verbesserungsvorschlag? -- Robodoc 16:02, 24. Aug 2003 (CEST)Robodoc
ev so: bestimmte Behandlungen wirken, obwohl ihre Wirksamkeit nicht wissenschaftlich bewiesen ist. --Nerd 10:46, 26. Aug 2003 (CEST)
Hab das im Beitrag Evidenzbasierte Medizin unter Kritik jetzt auch drinnen.
fein ich auch .-), aber das müßte auch noch eine wenig umgestaltet werden. --Nerd
Tja! Tatsächlich...
Und dann hab ich hier noch was zusammengeschustert. Ich bitte um Kritik! -- Robodoc 13:42, 27. Aug 2003 (CEST)Robodoc


Hierhergekommen bin ich der (normalsprachlichen) Evidenz wegen. Ich muß sagen, daß ich den Abschnitt über die Evidenzbasierte Medizin nicht verstehe. Was heißt hier "Augenschein"? Warum gilt Augenschein nicht als Beweis? Ist das nicht normalerweise der klarste Beweis, der möglich ist (im Sinne von Wer heilt, hat recht?)? Was heißt "lokale Traditionen"? "Hinweise" und "Zeugen", wer ist in medizinischen Sachverhalten ein Zeuge? Auf Deutsch: Mir ist nicht klar, wogegen sich die Polemik, die ich als völlig Außenstehende in diesem Artikel unterschwellig wahrnehme, eigentlich richtet. --Sigune 21:57, 2. Jan 2004 (CET)


Hab meine Kritik unter http://de.wikipedia.org/wik... deponiert.--Nerd 22:12, 2. Jan 2004 (CET)~

Rhetorik

Hi, da es auch eine rhetorische Figut mit dem Namen Evidenz gibt, habe ich zumindest bei "Siehe auch" einen Eintrag hinzugefügt. Es sollte aber besser eine Hauptseite "Evidenz" erstellt werden, die dann auf die anderen verzweigt. --Sto79 19:58, 3. Nov 2005 (CET)

Das Stegmüller-Zitat ist der Hammer. Könnte man vielleicht näher angeben, WO das steht?



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Evidenz und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).