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Der Artikel Gregor Strasser gehört zur Kategorie: Politiker im Nationalsozialismus, Freikorps-Mitglied, NSDAP-Mitglied, Mann, Deutscher, Apotheker, Geboren 1892, Gestorben 1934
Gregor Strasser, Schreibweise auch Straßer (* 31. Mai 1892 in Geisenfeld; † 30. Juni 1934 in Berlin) war ein deutscher Politiker der NSDAP.
Leben
Herkunft, Ausbildung und Militär
Gregor wurde wie sein jüngerer Bruder Otto Strasser in die Familie eines katholischen Justizbeamten hineingeboren, die in der oberbayerischen Marktgemeinde Geisenfeld lebte. Nach dem Besuch eines Gymnasiums und seinem Abitur machte er von 1910 bis 1914 in der Marien-Apotheke in Frontenhausen eine Lehre zum Drogisten. 1914 begann er an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Studium der Pharmazie, das er noch im selben Jahr aussetzte, um sich als Kriegsfreiwilliger melden zu können. Strasser nahm am Ersten Weltkrieg teil, bekleidete schließlich den Rang eines Oberleutnants und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet.
1918 setzte er sein unterbrochenes Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen fort und schloss sich 1919 zusammen mit seinem Bruder Otto dem rechtsgerichteten Freikorps des Franz Ritter von Epp an. Gleichzeitig legte er 1919 sein Staatsexamen ab. 1920 nahm Strasser seine Tätigkeit als Apotheker in Landshut auf. Außerdem wurde er Befehlshaber des von ihm aufgestellten „Sturmbataillon Niederbayern“. Der junge Heinrich Himmler fungierte als sein Adjutant. Mitte März 1920 stand Strassers Freikorps zur Teilnahme am gescheiterten Kapp-Putsch bereit. Zum selben Zeitpunkt kommandierte sein Bruder Otto auf der Gegenseite eine „Rote Hundertschaft“, um den Staatsstreich zu bekämpfen.
Karriere in der frühen NSDAP
1921 stößt Gregor Strasser mit seinem „völkischen Wehrverband“ - wie sich nationalistische paramilitärische Gruppen in den 1920er Jahren nannten - zur ein Jahr zuvor in München gegründeten NSDAP. Im November 1923 beteiligte er sich aktiv am missglückten Hitler-Ludendorff-Putsch. In einem Sonderverfahren zum Hochverratsprozess gegen Adolf Hitler wurde er daraufhin vom Volksgericht München I im April 1924 zu eineinhalb Jahren Festungshaft in Landsberg am Lech verurteilt. Bereits nach wenigen Wochen wurde Strasser wieder aus der Haft entlassen, da er am 4. Mai 1924 für den NS-nahen „Völkischen Block“ in den Bayerischen Landtag gewählt wurde. Am 7. Dezember 1924 errang er ein Mandat zum 3. Reichstag für die Listenverbindung Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP)/Nationalsozialistische Freiheitsbewegung (NSFB), die als Ersatzorganisation der verbotenen NSDAP diente. Strasser behielt diesen Abgeordnetensitz bis Dezember 1932.
Nach der Wiedergründung der NSDAP durch Hitler am 26. Februar 1925 im Münchner Bürgerbräukeller wurde Strasser erster Gauleiter von Niederbayern/Oberpfalz und nach der Teilung des Gaus vom 1. Oktober 1928 bis 1929 von Niederbayern. Vom 30. Juni 1926 bis Anfang 1928 bekleidete er die Position eines Reichspropagandaleiters der NSDAP und von Januar 1928 bis Dezember 1932 war er Reichsorganisationsleiter der NS-Partei. Gregor Strasser reorganisierte die gesamte Struktur der NSDAP, sowohl bezüglich ihrer regionale Gliederung, als auch hinsichtlich ihres vertikalen Aufbaus. Die NSDAP wurde zu einer straff zentralistischen Organisation mit parteieigenem Kontrollapparat und hohem Propagandapotential. Strassers Ideen zur Umstrukturierung der Reichsorganisationsleitung wurden mit der Dienstvorschrift der „Politischen Organisation (P.O.)“ der NSDAP vom 15. Juli 1932 verwirklicht. Zu seinen engeren Freunden bis 1933 zählte der Reichsorganisationsleiter II und spätere Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl, mit dem er seit 1925 über den Tannenbergbund (TB) Kontakt hatte.
Strassers Organisationsreformen
Durch Strassers Organisationsgeschick gelang der NSDAP ab 1925 der Schritt von einer randständigen süddeutschen Splitterpartei zu einer „großdeutschen“ Massenpartei. Die Zahl ihrer Mitglieder wuchs von ca 27.000 (1925) auf über 800.000 im Jahr 1931. Strasser baute die NSDAP in Nord- und Westdeutschland zu einer starken politischen Vereinigung aus, die dort bald über eine größere Mitgliederbasis verfügte als Hitlers Parteisektion im Süden. Außerdem sorgte er im März 1926 für die Gründung der Sturmabteilung (SA) Berlin unter dem Oberschlesier Kurt Daluege. Auf Strassers Initiative wurde in Hamburg die Auslands-Organisation der NSDAP gebildet (siehe NSDAP/AO) und Dr. Hans Nieland am 1. Mai 1931 zu ihrem ersten Leiter bestellt. Gemeinsam mit seinem Bruder Otto gründete er im März 1926 den Berliner „Kampf-Verlag“, der u.a. von 1926 bis 1930 das programmatische Wochenblatt „Der Nationale Sozialist“ herausgab.
Die Gebrüder Strasser beherrschten die Berliner Parteiorganisation und entwickelten ein eigenständiges ideologisches Profil gegenüber dem süddeutschen Parteiflügel um Adolf Hitler. Sie verfochten - zunächst gemeinsam mit dem engen Mitarbeiter Gregor Strassers im Rheinland und in Westfalen Joseph Goebbels - einen „linken“, d.h. antikapitalistischen, sozialrevolutionären Kurs der NSDAP. Dieser unterstützte teilweise Streiks der sozialdemokratischen Gewerkschaften und trat für eine Anlehnung Deutschlands an die Sowjetunion ein. Gleichzeitig war er stark antisemitisch und antimarxistisch geprägt. Mit der im September 1925 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Nordwest“, einem Zusammenschluss der nord- und westdeutschen Gauleiter der NSDAP unter seiner Leitung (Geschäftsführer war Joseph Goebbels), hatte Gregor Strasser zunächst ein Instrument zur Durchsetzung der sozial- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen des linken NSDAP-Flügels geschaffen. Auf der „Bamberger Führertagung“ am 14. Februar 1926 setzte sich Hitler erfolgreich gegen die „nationalbolschewistische“ Fraktion durch und beanspruchte die uneingeschränkte Führerschaft innerhalb der NSDAP für sich. Die Auflösung der „Arbeitsgemeinschaft Nordwest“ wurde am 1. Juli 1926 per Richtlinie aus München angeordnet.
Konflikt mit Hitler und Ende
Die programmatische und persönliche Rivalität mit Adolf Hitler verschärfte sich dramatisch, als Reichskanzler Kurt von Schleicher Gregor Strasser im Dezember 1932 die Vizekanzlerschaft und das Amt des preußischen Ministerpräsidenten anbot. Er hoffte, mit Strasser die NSDAP spalten und ihren linken Flügel auf seine Seite ziehen zu können. Das Vorhaben misslang durch Hitlers Eingreifen und führte am 8. Dezember 1932 zum Rücktritt Strassers von allen Parteiämtern. Er betätigte sich - wie schon vor seiner Entmachtung - weiterhin publizistisch. Von Juni 1931 bis zu ihrem Verbot am 4. Februar 1933 gab er die Wochenzeitung „Die schwarze Front“ heraus, die jedoch mit ihrer geringen Auflage (10.000 Exemplare) keine Breitenwirkung mehr entfalten konnte.
Im Zuge der parteiinternen Säuberungsaktion, die Hitler unter der Propagandabezeichnung „Röhm-Putsch“ gegen seine früheren Konkurrenten durchführen ließ, wurde Gregor Strasser am 30. Juni 1934 von der Gestapo in Berlin ermordet.
Die „nationalrevolutionären“ politischen Thesen der Gebrüder Strasser üben auf das Gedankengut des zeitgenössischen Neonazismus erheblichen Einfluss aus.
Literatur
- Diebow, Hans: Gregor Strasser und der Nationalsozialismus“. - Berlin : Tell-Verl., 1932/33. - 65 S.
- Dixon, Joseph Murdock: Gregor Strasser and the organization of the Nazi Party, 1925-32. - V, 251 gez. Bl. - (Stanford, Calif., Univ., Phil. Diss., 1966)
- Geismaier, Michael: Gregor Strasser. - Leipzig : Kittler, 1933. - 95 S. - (Maenner und Maechte)
- Goderbauer-Marchner, Gabriele: Gregor Straßer und die Anfänge der NSDAP in Bayern, insbesondere in Niederbayern und Landshut. - (München, Univ., Magister-Arb., 1986)
- Kissenkoetter, Udo: Gregor Strasser und die NSDAP . - Stuttgart : Dt. Verl.-Anst., 1978. - 219 S. - (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte ; 37) . - ISBN 3-421-01881-2. - (Zugl.: Düsseldorf, Univ., Diss., 1975)
- Richardi, Hans-Günter: Hitler und seine Hintermänner : neue Fakten zur Frühgeschichte der NSDAP. - München : Süddeutscher Verl., 1991. - 446 S. - ISBN 3-7991-6508-8
- Stachura, Peter D.: Der Fall Strasser : Gregor Strasser, Hitler and national socialism ; 1930 - 1932. - S. 88 - 130 in: The shaping of the Nazi state. - London : Croom Helm, 1978. - 304 S. - ISBN 0-06-496492-2
- Stachura, Peter D.: Gregor Strasser and the rise of Nazism. - London : Allen & Unwin, 1983. - XIV, 178 S. - ISBN 0-04-943027-0
- Straßer, Bernhard: Gregor und Otto Strasser : Kurze Darst. ihrer Persönlichkeit u. ihres Wollens, hrsg. zum 20. Jahrestag d. dt. Bartholomäusnacht vom 30. Juni 1934. - Külsheim: Harald Stössel, 1954. - 16 S.
Weblinks
- Tabellarische Biographie Gregor Strasser auf einer Webseite des Deutschen Historischen Museums, Berlin
- Biographie Gregor Straßer auf der Webseite der Zeitschrift Focus, München
- Johannes Hofmeister: Aufbau und Struktur der NSDAP 1919 - 1933 (Philipps-Universität Marburg, Proseminar „Der Aufstieg der NSDAP 1919 - 1933“, Sommersemester 2002)
- Verfassungsschutzbericht 2003 des Freistaates Thüringen, II. Rechtsextremismus
{{Personendaten|
NAME=Strasser, Gregor
|ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=nationalsozialistischer Politiker |GEBURTSDATUM=31. Mai 1892 |GEBURTSORT=Geisenfeld |STERBEDATUM=30. Juni 1934 |STERBEORT=Berlin }}
Diskussion der Autoren über den Artikel: Gregor Strasser
Quelle: Tox weist am 16. Januar 2006 um 16:53 zu Recht auf eine URV des anonymen Arcor-Kunden 84.56.173.162 hin. Der 6 Minuten zuvor in Wikipedia veröffentlichte Artikel ist tatsächlich nur eine plumpe Copy & Paste-Dublette der tabellarischen Kurzbiographie, die das Deutsche Historische Museum ins Netz gestellt hat. Das ist schon deshalb unklug, weil diese Tabelle einige chronologische und inhaltliche Ungereimtheiten aufweist. Ganz einfach ist es jedoch tatsächlich nicht, biographische Fakten zum politischen und privaten Werdegang Gregor Strassers zusammenzustellen. Das mag zum einen daran liegen, dass seine Gegner in der NSDAP ihn nach seiner Ermordung mit einer "damnatio memoriae" überzogen, um seine bedeutenden Spuren in der NS-Bewegung zu verwischen, und andererseits trug auch sein überlebender Bruder Otto sowie seine bis heute existierende Anhängerschaft zur historischen Vernebelung seines Lebens und Wirkens bei. Der moderne Neonazismus hat ihn nicht nur postum rehabilitiert, sondern zum bewunderten Säulenheiligen erhoben.
Zur abermaligen Löschung (der Artikel gehörte ja leider zum großen DDR-URV-Problem) wär's vermutlich nicht gekommen, wenn ich schon gestern mit meinem Artikel fertig geworden wäre. Meine Quellen führe ich weiter unten an, wobei ich mich bemüht habe, eine wörtliche Übernahme zu vermeiden. Ganz zufrieden bin ich noch nicht, denn bestimmte Details konnte ich bisher nicht klären. Das werde ich nachholen. Falls andere Wikipedianer genauere Infos besitzen, bitte ich um entsprechende Umeditierung. --Bogart99 09:24, 17. Jan 2006 (CET)
- die ganz oben genannte URV wurde aus der versionsgeschichte gelöscht.---Poupou l'quourouce 20:16, 17. Jan 2006 (CET)
- Vielen Dank! --Bogart99 08:30, 18. Jan 2006 (CET)
"Sozialismus der dummen Jungs"
Der anonyme Telekom-Kunde 84.185.224.205 ergänzt am 11. Mai 2006 um 12:46 Uhr: "Wilhelm Reich spricht in seinem Buch 'Die Massenpsychologie des Faschismus' in diesem Zusammenhang vom 'Sozialismus der dummen Jungs'". Zwar verwendet Reich in seinem 1933 im Kopenhagener Exil-Verlag für Sexualpolitik erschienen Werk dieses Zitat... aber es stammt nicht von ihm. Reich zitiert August Bebel. Dieser bezog sich in der Tat auf den rassistisch geprägten Antisemitismus des späten 19. Jahrhunderts. Das Zitat gehört zum Themenkreis Antisemitismus, vielleicht auch Nationalsozialismus. Ein Spezifikum von Gregor Strasser bringt es nicht zum Ausdruck. Sonst müsste man es bei jedem Antsemiten und/oder Nazi anfügen. --Bogart99 11:59, 17. Mai 2006 (CEST)
Begriffe
der Begriff großdeutsche Massenpartei scheint mir historisch völlig verfehlt. Davor war großdeutsch, der Deutsche Bundinklusive der nichtdeutschen Teile des Habsburgerreiches. Danach kam dann Großdeutschland, also die kleindeutsche Lösung nach der früheren Terminologie. Vorschläge: Massenpartei im gesamten Reich (wäre die zeitgenössische Version) Gesamtdeutsche Massenpartei (Diktion nach 1990 und deshalb auch irreführend). Witwe Bolte 21:39, 24. Okt. 2006 (CEST)
"linke" NSDAP
Ich habe im Artikel die folgende Ergänzung vorgenommen:
Alt: Sie verfochten - zunächst gemeinsam mit dem engen Mitarbeiter Gregor Strassers im Rheinland und in Westfalen Joseph Goebbels - einen antikapitalistischen, sozialrevolutionären Kurs der NSDAP, der gleichzeitig stark antisemitisch und antimarxistisch geprägt war.
Neu: Sie verfochten - zunächst gemeinsam mit dem engen Mitarbeiter Gregor Strassers im Rheinland und in Westfalen Joseph Goebbels - einen „linken“, d.h. antikapitalistischen, sozialrevolutionären Kurs der NSDAP. Dieser unterstützte teilweise Streiks der sozialdemokratischen Gewerkschaften und trat für eine Anlehnung Deutschlands an die Sowjetunion ein. Gleichzeitig war er stark antisemitisch und antimarxistisch geprägt.
Dies wurde mir als NPOV revertiert. Ich hätte dazu gerne eine Begründung. Die Formulierung wurde durch folgenden Eintrag aus der Biografie Otto Strassers beim DHM inspiriert: Zusammen mit seinem Bruder Gregor Strasser und Joseph Goebbels baut er einen radikalen linken Flügel der NSDAP in Norddeutschland auf. Dieser unterstützt zum Teil Streiks der sozialdemokratischen Gewerkschaften und fordert die Verstaatlichung von Industrie und Banken. Außerdem tritt er für eine enge Anlehnung Deutschlands an die Sowjetunion ein. Diese Konzepte stehen im Gegensatz zu der von Adolf Hitler verfolgten Politik.
Ist das Deutsche Historische Museum eine unseriöse NPOV Quelle? Oder liegt mein NPOV darin, dass ich im Gegensatz zum DHM "linken" Flügel in Anführungsstriche gesetzt habe? --217.231.9.176 20:24, 16. Nov. 2006 (CET)
- Ist o.k., 217.231.9.176. Ich lasse das mal so. Die "Anlehnung an die Sowjetunion" gilt m.W. in der Fachliteratur allerdings als umstritten. Der "Sozialismus" der linken NS-Fraktion bezog sich auf die Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung nur "eklektizistisch", d.h. rein operative Formen wurden übernommen und mit einer aufgeblasenen Herrenmenschen-Theorie sowie einem aggressiven Antimarxismus, Antidemokratismus, Antiliberalismus und Antisemismus übergossen. Du setzt das „links“ zu recht in Anführungszeichen. Die Bemerkung "NPOV" nehme ich, was Deinen Edit betrifft zurück. Wie Du u.U. weißt, versuchen - insbesondere im EN-WP - Rechte aus den Strasser-Brüdern Säulenheilige der wahren (national-)sozialistischen Sache zu machen. Eine "Entschuldung" des Nationalsozialismus, die theoretisch und praktisch unhaltbar ist. --Bogart99 17:37, 19. Nov. 2006 (CET)

