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Der Artikel Häresie gehört zur Kategorie: Häresie, Religionsgeschichte
Häresie (von griechisch αἵρεσις, haíresis „Wahl, Auswahl“) bedeutet im frühchristlichen Griechisch Wahl des Glaubens oder auch Partei (von der Orthodoxie abweichenden Gläubigen). Als Synonyme werden Irrlehre und Ketzerei (von griech. καθαρος, katharós: rein; nach dem Namen der mittelalterlichen Bewegung der Katharer) verwendet. Während der Begriff der Häresie einen Irrglauben bezeichnet, wird die Abspaltung von der (offiziellen) Kirche als Schisma bezeichnet. Beides kann, muss jedoch nicht einhergehen. So kann ein katholischer Häretiker den Papst als solchen anerkennen und ein Schismatiker alle Glaubensinhalte der Kirche teilen. Der Begriff wird ebenfalls nicht verwendet bei Angehörigen einer anderen Religion, die als Anders- oder Ungläubige bezeichnet werden. Des Weiteren hat sich der Begriff Häretiker als allgemein verwendeter Oberbegriff für bestimmte christliche Bewegungen des Mittelalters durchgesetzt.
Begriffsverwendung
Die Bezeichnung wird besonders in christlichen Kirchen, dem Katholizismus, den orthodoxen Kirchen, protestantischen bzw. evangelischen Kirchen und im Judentum verwendet, das Konzept gibt es jedoch auch im Islam und in einigen anderen Religionen (siehe unten).Häresie bedeutet „Heterodoxie“ (Andersglaube) im Gegensatz zu Orthodoxie (Rechtgläubigkeit). Als solches kann eine Lehre prinzipiell nur von ihren „orthodoxen“ Gegnern als häretisch bezeichnet werden, nicht von einem objektiven Standpunkt aus. Das Wort Katharer/Ketzer war dagegen ursprünglich eine Selbstbezeichnung bestimmter Gruppen und wurde erst später zum Synonym für Häretiker.
Häresie wird unterschieden von Apostasie (dem völligen - individuellen - Lossagen von einer Religion), von Blasphemie (der gotteslästerlichen Äußerung) und von Schisma (der Trennung von der Organisation einer Kirche, deren Rechtmäßigkeit bestritten wird - wobei die Lehre ebenfalls gemeint sein kann oder auch nicht).
Häresien im Christentum
Häresien im Ur- und Frühchristentum
Bereits im Urchristentum traten Lehrer auf mit mehr oder weniger kontroversen und/oder von der apostolischen Autorität abweichenden Meinungen bezüglich Christus, Gott, Erlösung und anderen zentralen Glaubensaussagen. Für die Kirche erwuchs die Notwendigkeit der Unterscheidung, welche dieser Lehren akzeptabel, und welche zu verwerfen waren.Zu Lebzeiten der Apostel lag die letzte Autorität über die richtige Lehre bei den Aposteln (zum Beispiel beim Apostelkonzil).
Die Alte Kirche kannte bis ins 4. Jahrhundert zunächst keine zentrale Autorität, die über solche Fragen der Lehre hätte entscheiden können (auch der Bischof von Rom war zur damaligen Zeit keine Autorität). Es entwickelten sich zuerst drei gleichberechtigte kirchliche Metropolen in Antiochia, Alexandria und Rom. Konstantinopel und in weit geringerem Maße Jerusalem kamen später hinzu. Deren Bischöfe waren in ihrem Umkreis bestimmend.
Daneben entstanden durch herausragende Personen im Laufe der Zeit auch noch andere theologische Schwerpunktzentren wie zum Beispiel in Nordafrika durch Augustinus und in Kleinasien durch die Kappadozier. Diese Theologen setzten sich mit den in ihrer Umgebung kursierenden abweichenden Lehren auseinander, wobei ihnen außer Argumenten und der Exkommunikation (dem Kirchenausschluss) nicht viele Machtmittel zur Verfügung standen. Eine solche Exkommunikation traf den Häretiker in der damaligen Zeit weit weniger als im europäischen Mittelalter, da das Christentum noch nicht Staatsreligion war. Außerdem war der Häretiker ja davon überzeugt, dass er dem rechten Glauben anhing, und sich die Kirche im Irrtum befände.
Vom 4. bis ins 10. Jahrhundert waren es die ökumenischen Konzilien, die Lehrentscheidungen für die ganze Kirche trafen. Diese Lehrentscheidungen sind bis heute bei den orthodoxen, katholischen und den meisten protestantischen Kirchen anerkannt. Sie wurden ja auch zeitlich weit vor dem Schisma (Abtrennung von der orthodoxen Kirche) und der protestantischen Bewegung beschlossen. Gewöhnlich ging einer Verurteilung einer Lehre durch ein ökumenisches Konzil eine Zeit der intensiven Auseinandersetzung, Diskussion und Argumentation voraus.
Die Lehrentscheidungen der ersten Jahrhunderte wurden in der Regel auf der Basis eines Mehrheitskonsenses getroffen. In einigen Fällen, zum Beispiel bei der Auseinandersetzung mit dem Arianismus lag die politische Macht allerdings auf der nicht-orthodoxen Seite (siehe auch Basilius von Caesarea, Gregor von Nazianz, Ambrosius von Mailand).
Synkretistische Häresien
Eines der frühen Probleme des Christentums war, sich in der synkretistischen Kultur des Hellenismus gegenüber synkretistischen Religionen wie Gnostizismus und Manichäismus abzugrenzen, die die christlichen Dogmen ganz oder teilweise mit anderen Religionen oder Eigenkonstruktionen vermischten. Solche Bewegungen warenChristologische Häresien
Die orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirchen lehren, dass Christus völlig göttlich („wahrer Gott“) und gleichzeitig völlig menschlich sei („wahrer Mensch“) und dass die drei Personen der Trinität gleichrangig und ewig seien. Die Formulierung der trinitarischen Lehre wurde im Verlauf von Jahrhunderten entwickelt, wobei die Definitionen immer wieder verfeinert wurden, um neu aufgekommene Meinungen bezüglich der Natur Jesu Christi, dem Verhältnis zwischen Christus und Gott Vater sowie der Trinität abzuwehren.Zu diesen Häresien gehörten:
- Adoptionismus oder dynamischer Monarchianismus erstmals im 2. und 3. Jahrhundert: Jesus sei bei seiner Taufe von Gott adoptiert worden. Jesus sei nicht Gott, sondern ein Mensch, durch und in dem Gott wirke. Wird heute von Christadelphians und Unitariern vertreten.
- Apollinarianismus, von Apollinaris von Laodicea dem Jüngeren um 360 in Syrien: Jesus Christus könne nicht gleichzeitig Gott und Mensch sein, sondern der göttliche Logos sei an die Stelle einer menschlichen Seele getreten. Nur sein Körper sei menschlich geblieben.
- Arianismus, als Lehre erstmals im 3. Jahrhundert: Jesus Christus stände unter Gott und sei eine geschaffene Kreatur, allerdings vor allen anderen Wesen geschaffen und somit auch nicht Mensch im üblichen Sinne.
- Modalismus, modalistischer Monarchianismus, Patripassianismus, Sabellianismus, erstmals im 2. und 3. Jahrhundert: Gott sei eine einzige Person, die sich während der Geschichte auf verschiedene Art (als Schöpfer, als Jesus Christus, als Heiliger Geist) offenbart habe. Wird heute von manchen Pfingstgemeinden (Oneness Pentecostals) und der Vereinigten Apostolischen Kirche vertreten.
- Monophysitismus, Doketismus 2. Jahrhundert, 5. Jahrhundert: Jesus habe nur eine - göttliche - Persönlichkeit, sei entweder nur scheinbar Mensch, oder seine menschliche Natur sei in der göttlichen aufgegangen wie ein Tropfen im Ozean.
- Nestorianismus: 5. Jahrhundert, lehrt Jesus habe zwei klar unterschiedene Persönlichkeiten als Gott und Mensch, die vor allem den Körper gemeinsam hatten.
Das nicäische Glaubensbekenntnis ist als Reaktion auf christologische Häresien entstanden.
Ekklesiologische Häresien
- Donatismus 4. Jahrhundert: Gültigkeit christlicher Sakramente (insbesondere Taufe, Priesterweihe) hingen vom Charakter und Glauben des Priesters ab (das heißt Taufen und Priesterweihen durch während der Verfolgung abgefallene Priester sind ungültig und müssen von einem nicht abgefallenen Priester neu gespendet werden; Abgefallene dürften nach der Verfolgung nicht wieder in die Kirche aufgenommen werden.)
- Pelagianismus: 5. Jahrhundert. Lehnt die Erbsünde ab und lehrt, der Mensch könne von sich aus alle Gebote Gottes einhalten.
Judenchristliche Häresien
Gruppierungen, die in irgendeiner Form am jüdischen (Ritual-)Gesetz festhalten wollten:Katholische Kirche und Häresie
Definition von Häresie in der Katholischen Kirche
Die katholische Kirche differenziert zwischen einzelnen abweichenden Erscheinungsformen des Glaubens und deren Nähe zur ausdrücklichen Häresie.Nur ein Glaube, der direkt einem Artikel des Glaubens zuwiderhandelt oder der ausdrücklich festhält, was durch die Kirche zurückgewiesen wird, wird tatsächlich Häresie genannt, wobei zwingende Voraussetzung ist, dass der Häretiker vorher katholischer Christ war. Häresie ist demnach die beharrliche Leugnung oder das beharrliche Zweifeln an einer zu glaubenden Wahrheit, nachdem die Taufe empfangen wurde. Während die Bezeichnung häufig von Laien verwendet wurde, um jeden möglichen falschen Glauben als Heidentum zu denunzieren, kennzeichnet diese Definition nur jenen als Häretiker, der als ursprünglicher Gläubiger der Katholischen Kirche später von dieser rechtgläubigen Kirche zugunsten eines gegensätzlichen Glaubens abwich.
Einen Glauben, den die Kirche nicht direkt abgewiesen hat, oder der im Gegensatz zu einer weniger wichtigen Kirchenlehre steht, nennt man sententia haeresi proxima, „eine Meinung nahe der Häresie“.
Ein theologisches Argument oder ein Glaubenssystem, das keine Häresie behauptet, aber zu häretischen Schlussfolgerungen führen könnte, nennt man propositio theologice erronea, eine „irrige theologische Angelegenheit“.
Wenn eine theologische Position nur Konflikte wohl denkbar macht, aber nicht notwendigerweise dazu führt, sprach man abgemildert von suspecta sententia de haeresi, „vermuteter Abweichung“.
Vorgehen gegen Häresie
Im Mittelalter war Häresie nicht nur ein Problem der Kirche, sondern ebenso der weltlichen Macht, die eine Abweichung vom rechten Glauben einer staatsfeindlichen Haltung gleichsetzte. Es kam vor, dass weltliche Fürsten von der Kirche forderten, Häretiker zur Ordnung zu rufen.Im 11. und 12. Jahrhundert befahlen Päpste, Häresie mit Gefangenschaft und Einzug des Eigentums zu bestrafen und drohten den Fürsten, die Häretiker nicht bestraften, mit Exkommunikation.
Exkommunikation galt im Mittelalter als schwerste Bestrafung, und wurde auch so empfunden, da sie die einzelne Person vom Leib Christi, seiner Kirche, trenne und somit die Erlösung verhindere. Die Exkommunikation oder die Androhung der Exkommunikation genügten oft, Häretiker zum Abgehen von ihren Überzeugungen zu bewegen.
Nach Auseinandersetzungen mit Sekten wie den Katharern (Albigensern) oder kirchlichen Gruppierungen wie den Waldensern wurde im 13. Jahrhundert die Inquisition gegründet, nachdem Kaiser Friedrich II. ein Gesetz erlassen hatte, das Ketzer zum Feuertod verurteilte. Die Inquisition war von Anfang an eine Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat gegen Häretiker.
So klagt König Philip IV. von Frankreich (Philip der Schöne) den Templerorden wegen Ketzerei und Homosexualität an. Da er hoch verschuldet war, unter anderem auch bei den Templern, wollte er sich die legendären Reichtümer des Ordens aneignen. Am 13. Oktober 1307, einem Freitag, wurden alle Templer in Frankreich verhaftet. Am 22. März 1312 hebt Papst Klemens V. auf dem Konzil von Vienne unter dem Druck von König Philip den Orden auf. Am 18. März 1314 werden der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Näheres siehe Inquisition.
Die katholische Kirche und die Reformation
Die Reformation wurde von der katholischen Kirche zuerst auch als Häresie angesehen und in katholischen Gegenden entsprechend verfolgt.Die Lehre der evangelischen Kirche bzw. der moderne Protestantismus wird heute von der katholischen Kirche nicht mehr als Häresie angesehen, wohl aber wurden die einzelnen Personen, die an seiner Entstehung beteiligt waren und die der katholischen Lehre in wesentlichen Punkten widersprachen, durch die Kirche zu Häretikern erklärt. Einige der Lehren des Protestantismus, die die katholische Kirche als häretisch einstuft, sind der Glaube, dass die Bibel einzige Quelle und Richtschnur des Glaubens sei („sola scriptura“) (und nicht wie im katholischen Verständnis Schrift und Tradition), dass nur der Glaube alleine zum Heil führen könne („sola fide“) und dass das allgemeine Priestertum der Glaubenden das Weihepriestertum nicht nur ergänze, sondern überflüssig mache.
Sobald die Protestanten grundsätzlich die römisch-katholische Kirche in Frage stellten, galten sie als Schismatiker, nicht als Häretiker.
Eine Reaktion auf die Reformation war die Einrichtung der Kongregation für die Glaubenslehre (Sanctum Officium), die bis heute in der katholischen Kirche die letzte Instanz für Glaubensfragen ist.
Häretische Gruppen in der Neuzeit
In der Neuzeit wurde die Lehre von häretischen Gruppen offiziell vom Papst als Häresie verurteilt, es kam jedoch nicht mehr zu weltlichen Bestrafungen von Häresie.Neuzeitliche Bewegungen innerhalb der katholischen Kirche, die als Häresie verurteilt wurden:
- Jansenismus, 17. Jahrhundert, lehrt absolute Prädestination (ähnlich wie Johannes Calvin, aber innerhalb der katholischen Kirche).
- Gallikanismus: Der Papst unterstehe dem Konzil, sei nicht unfehlbar und habe keine Macht über weltliche Fürsten.
- Sozinianismus und Psilanthropie: Unitarische Bewegung im 17. Jahrhundert, besonders in Polen.
Evangelische Kirchen und Häresie
Auch der Protestantismus glaubte bereits in der Reformationszeit die Notwendigkeit zu sehen, sich gegen radikale Bewegungen abzugrenzen, wobei die Bezeichnung Häresie im protestantischen Kontext kaum gebräuchlich ist. Zu weltlichen Strafen wegen Häresie kam es im evangelischen Raum nur im 16. und 17. Jahrhundert.Dabei wurde in protestantischen Gegenden das Bündnis von Staat und Kirche gegen Häresien weitergeführt, wobei die abweichende Lehre manchmal auch eher das war, was der Staat als gefährlich ansah.
Lehren der katholischen Kirche, die bereits in der Reformation als Häresie gegen das biblische Christentum gesehen wurden, sind die Heiligenverehrung und die Lehre von der Transsubstantiation. Später kam auch die Marienverehrung dazu, die von den Reformatoren selbst nicht verurteilt wurde.
Verfolgt und verurteilt wurden bereits während der Reformationszeit Vertreter der radikalen Reformation, zum Beispiel Thomas Müntzer, die Wiedertäufer, oder der Antitrinitarier Michael Servetus.
Im 18. Jahrhundert kam es zu gegenseitigen Lehrverurteilungen von Calvinisten und Methodisten, insbesondere wegen der unterschiedlichen Auffassung von Prädestination. Dies blieb jedoch im Rahmen von theologischen Disputen ohne weltliche Konsequenzen – und da die Kontrahenten unterschiedlichen Kirchen angehörten auch ohne Kirchenstrafen.
Im 20. Jahrhundert hat der Gnadauer Verband und die deutsche Evangelische Allianz in der Berliner Erklärung von 1909 die Pfingstbewegung als Bewegung von unten (das heißt vom Teufel) verurteilt, was mittlerweile jedoch nur noch von manchen pietistischen Kreisen so gesehen wird. Auch da handelt es sich um eine theologische Stellungnahme ohne weltliche oder kirchliche Strafen.
1934 erklärte die Barmer Theologische Erklärung, verfasst vom evangelisch-reformierten Theologen Karl Barth, die damalige protestantische Mehrheit der Deutschen Christen, das Führerprinzip und den nationalsozialistischen Weltanschauungsstaat zur „falschen Lehre“ (= Häresie). Diese „Verwerfung“ wurde zum Bekenntnis der Bekennenden Kirche, die sich damit als die wahre evangelische Kirche verstand. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Barmer Erklärung nach 1945 in ihre Bekenntnisschriften aufgenommen. Einige ihrer Landeskirchen ordinieren ihre Pastoren ausdrücklich darauf.
1974 erklärte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) den Rassismus für unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Dies richtete sich in erster Linie gegen rassistische Theologien, wie sie etwa unter weißen reformierten Buren Südafrikas vertreten wurden. Auch damit wurde faktisch eine „Häresie“ verurteilt und ausgegrenzt.
Ein Versuch von Christen in der Traditionslinie Karl Barths, auch die Massenvernichtungsmittel als „bekenntniswidrig“ (häretisch) zu verwerfen, wurde 1958 von der Mehrheit der evangelischen Synodalen abgelehnt.
Neue Fundamentalistische protestantische Gruppierungen wie die Evangelikalen in den USA sehen alles als Häresie an, was ihrer eigenen national dogmatischen Ausprägung (die als die absolut Wahre gilt) widerspricht, insbesondere die katholische Kirche, aber auch die großen evangelischen Kirchen, die Ökumene und die Evangelische Allianz.
Häresien im Judentum
Das orthodoxe Judentum stuft als häretisch ein, was von den traditionellen - biblisch-talmudischen - jüdischen Überlieferungen abweicht. Zwei schon in der Antike beziehungsweise Spätantike bekannte heterodox-häretische Gruppen bilden die nationale Sondergruppe der Samaritaner und die antitalmudischen Karäer. Im 17. Jahrhundert haben die messianisch inspirierten Anhänger des Sabbatai Zwi als jüdische Häretiker von sich reden gemacht.Das heutige ultraorthodoxe Judentum ist der Ansicht, dass überhaupt alle Juden, die ihr spezifisches Verständnis von Maimonides' 13 Grundregeln des jüdischen Glaubens zurückweisen, Häretiker sind. Ultraorthodoxe Juden und die meisten modernen orthodoxen Juden betrachten jüdische Reformbestrebungen (Reformjudentum, Rekonstruktionismus, teilweise sogar schon das konservative Judentum) als häretische Bewegungen.
Allerdings bedeutet eine Verurteilung als Häretiker im Judentum nicht, dass die Verurteilten aus Sicht der Verurteilenden keine Juden mehr wären. Ihr Judentum, als Zugehörigkeit zur jüdischen Schicksalsgemeinschaft, bleibt bestehen, nur ihr rechter Glaube wird in Frage gestellt. Nichtjüdische Konvertiten, die zu einer als häretisch angesehenen Richtung des Judentums übertreten, werden allerdings von den Orthodoxen auch nach ihrer Konversion als nichtjüdisch betrachtet.
Häresien im Islam
Die zwei islamischen Hauptbekenntnisse, die Sunna (offizielles Bekenntnis der meisten arabischen Länder und Hauptströmung in der – im übrigen laizistischen – Türkei) und die Schia (Staatsreligion in Iran seit 1501), sahen einander lange Zeit gegenseitig als jeweils häretisch an. In den 1930er Jahren haben sich beide zu gegenseitiger Anerkennung durchgerungen.Folgende Gruppierungen im Islam können als häretisch gelten: Ahmadiyya, Aleviten, Assassinen, Babis und Baha'i, Drusen, Hurufi, Karmaten, Chawaridsch, Mu´tazila, Kadariyya, Murdschia.
Jedoch gibt es Unterschiede in den beiden Glaubensrichtungen: So gilt der Parsismus in der Sunna als häretisch, in der Schia aber ist er anerkannt.
Andere Bewegungen oder religiöse Haltungen, vor allem mystisch inspirierte (vergleiche beispielsweise Sufismus, Derwisch, Bektaschi), sind wohl allgemein einem erhöhten Misstrauen von Seiten der Orthodoxie ausgesetzt, können aber keinesfalls an sich als häretisch bezeichnet werden. Zudem werden heute je nach Land einige dieser Gruppen zugelassen, beziehungsweise von islamischen Gerichten und religiösen Institutionen respektiert, während andere, zum Beispiel die Ahmadis seit 1974 in Pakistan, ausgeschlossen und verfolgt werden.
Häresien im Buddhismus
Im tibetischen Buddhismus hat der Dalai Lama vor der Dorje Shugden-Verehrung gewarnt. Buddhisten, die diese praktizieren, sollen nicht zu seinen Einweihungen kommen, da die Basis für eine vertrauensvolle Lehrer-Schüler-Beziehung fehle. Zudem gab er Gelug-Klöstern den Rat, von der Shugden-Verehrung abzulassen. Im japanischen Nichiren-Buddhismus betrachten die verschiedenen Schulen sowohl den Amida-Buddhismus, als auch sich gegenseitig als häretisch.Weitere Religionen und Weltanschauungsgruppen
Die Häresie ist ein grundlegendes Problem fast aller Weltreligionen, aus strukturellen Gründen aber besonders der monotheistischen – von fundamentalistischen Sondergruppierungen („Sekten“), die Häretiker (wenn nicht gar „Dämonen“) am laufenden Band produzieren und bekämpfen, ganz zu schweigen.Die Scientology Organisation verwendet die Bezeichnung squirreling für nicht autorisierte Änderungen ihrer Lehre oder Methoden, bezeichnet Häretiker als Verbrecher und verfolgt sie, insbesondere unter der Anklage wegen angeblicher Copyright-Verletzungen. Die Freie Zone wird von der Scientology Kirche als Häretiker angesehen und mit allen Mitteln bekämpft.
Auch rein säkulare Ideologien der Moderne sind hier oft als Erben des alten monotheistischen Einzigkeits- und Einheitsanspruches zu erkennen. Besonders oft hervorgehoben oder vermutet wird diese Parallele für den Marxismus-Leninismus: in der Form des Stalinismus hat die Verfolgung und Verurteilung von Abweichlern (von der offiziellen Parteidoktrin), die man als Opportunisten, Revisionisten oder Renegaten brandmarkte, in ihrer mörderischen Intoleranz deutliche Parallelen zur den christlichen und islamischen Ketzerverfolgung und übertraf diese oft noch an Opferzahlen. Das gleiche gilt, oft mit starken Einschränkungen, auch für viele nationale, oft antikoloniale Erweckungsbewegungen weltweit. Schließlich ist zu erwähnen, dass in vielen schulbildenden Beiträgen zum Ideenreservoir der Moderne (zum Beispiel Psychoanalyse, Surrealismus, Ökologiebewegung und so weiter) das häretische Problem zumindest latent anwesend ist.
Siehe auch
- Inquisition, Hexenverfolgung, Ketzer, Minderheit, Sekte, Apostat, Lollarden
- Liste der Konfessionen,
- Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen
- Messianische Bewegungen
- Gnostizismus
Literatur
- *Christoph Auffarth: Die Ketzer. C.H. Beck Verlag, München 2005, ISBN 3-406-50883-9
Weblinks
- http://www.katharer.de/ Die bedeutendste mittelalterliche Häresie
- Aktuelle Literatur zur Häresie und zur Wahrheit des christlichen Glaubens
- Ketzer im Mittelalterlichen Recht (Universität Konstanz, Sommersemester 2003; mit umfangreichen Literaturhinweisen)
- Les hérésies du XIe au XIIe siècle
simple:Heresy
Diskussion der Autoren über den Artikel: Häresie
Die Idee muss weiter unten eingearbeitet werden Sein Gebrauch ist heute auch innerhalb der Katholischen Kirche weniger verbreitet als im Mittelalter, als die Macht der Kirche in ihrer Blüte stand und Häresie als strafbare Handlung galt. --Irmgard 15:12, 26. Jul 2003 (CEST) :-)
- Die Idee ist jetzt, glaube ich, drin. --Irmgard 22:20, 26. Jul 2003 (CEST) :-)
Ein paar Änderungen:
- Scientology hat zwar eine unkonventionelle Lehre, ist aber keine Häresie sondern eine unabhängige Bewegung, sie haben sich von keiner Kirche abgespalten.
- Im Artikel wurde die katholische Kirche mit der frühen Kirche gleichgesetzt, was kirchengeschichtlich nicht korrekt ist - ich habe deshalb einiges umgestellt.
- Caesaropapismus ist etwas zweifelhaft als Häresie - bei der orthodoxen Kirche akzeptierte Lehre.
- Modernismus ist eine andere Bezeichnung der liberalen Theologie - lieber nicht unter Häresie aufführen;-)
- Exkommunikation im Altertum und im europäischen Mittelalter hatte einen ganz unterschiedlichen Stellenwert (Donatus z.B. war davon überzeugt, dass seine Gruppe die einzigen wirklichen Christen sind und distanzierte sich selbst von der Kirche, ebenso z.B. die monophysitischen Kirchen). Das extra ecclesia nulla salus von Augustinus wurde erst nach und nach kirchliches Druckmittel.
- Das extra ecclesia nulla salus stammt nicht von Augustin sondern von Cyprian. Es war ein Einwandt des karthagoer Bischofs gegen Stefan von Rom, der die Taufe von Ketzern anerkennen wollte. --Sasse 10:34, 8. Aug 2005 (CEST)
Wäre es nicht sinnvoll, die Beschreibung des Begriffs Ketzerei dem entsprechenden Artikel zu überlassen?
Gibts eigentlich eine Richtlinie zu Synonymen? Ich finde es richtig und gut, daß das Synonym gleich zu Beginn des Artikels steht, aber es wirkt irgendwie dazugeflickt. --Insomnia 14:38, 8. Jul 2004 (CEST)
Quelle des Glaubens
Zu folgender Aussage hätte ich eine Frage: Einige der Lehren des Protestantismus, die die katholische Kirche als häretisch einstuft, sind der Glaube, dass die Bibel (und nicht die Kirche) einzige Quelle und Richtschnur des Glaubens sei ("sola scriptura"),. Die r.-k. Kirche sagt doch, dass Schrift und Tradition Quellen des Glaubens sind, oder? Die Aussage insinuiert aber, dass Katholiken die Kirche als einzige Quelle des Glaubens ansehen. Mir scheint das so nicht richtig zu sein. 143.50.212.103 02:02, 28. Sep 2004 (CEST)
- Ich ändere das mal. Gugganij 14:44, 1. Jan 2005 (CET)
Liste christlicher "Häresien"
Ist die Liste christlicher "Häresien" in irgendeinerweise sinnvoll? Ohne die Aussage, wann und durch wem diese Einschätzung aufgestellt wurde, ist es eine rein willkürliche Liste. --Pjacobi 01:32, 23. Okt 2004 (CEST)
Da niemand antwortet, habe ich jetzt gehandelt und die Liste entfernt. Zur Dokumentation:
Liste christlicher "Häresien"Pjacobi 00:16, 27. Nov 2004 (CET)
- Adoptianer, Albigenser, Apollinarianer, Arianer (Arius), Bogomilen, Doketen, Donatisten (Donatus), Gallikanismus, Gnostiker, Hussiten (Jan Hus), Jakobiten (Jakob Baradäus), Jansenisten (Cornelius Jansen), Joachimiten (Joachim von Fiore), Katharer, Lollarden (John Wyclif), Markioniten (Markion), Modalisten, Monarchianer, Monophysiten, Montanisten (Montanus), Nestorianismus), Patripassianer, Paulikianer, Pelagianismus, Philipponen, Psilanthropen, Sabellianer (Sabellius), Sozinianismus (Fausto Sozini), Taboriten, Täufer, Utraquisten
Liste buddhistischer "Häresien"
Hier heisst es: "Im tibetischen Buddhismus hat der Dalai Lama die Dorje-Shugden-Verehrung verboten, da sie eine einseitige Tradition sei. Auch die Neue Kadampa Tradition wurde aus der Deutschen Buddhistische Union ausgeschlossen." Wer sagt denn, dass er sie verboten hat? Der Dalai Lama hat zwar die Shugden-Verehrung als Geisterverehrung und sektiererisch benannt aber verboten hat er sie nicht, er warnte vor ihr. Zudem hat er lediglich für diejenigen, die eine Lehrer Schüler Beziehung zu ihm wollen, gesagt, dass sie dann diese Praxis nicht praktizieren sollten. Wer sie praktizieren möchte, kann das natürlich tun, sollte aber nicht Vajrayana Einweihungen von ihm nehmen. Zitate: "Der Dalai Lama sagte in diesem Zusammenhang, dass diejenigen Tibeter, welche trotz seiner Erklärungen und Ermahnungen fortfahren, diese Praxis auszuüben, fortan nicht mehr zu seinen Belehrungen kommen sollen, weil dies dem buddhistischen Lehrer-Schüler-Prinzip widersprechen würde, das auf gegenseitigem Treu und Glauben aufbaut." "Er hat die Shugden-Anhänger aufgefordert, nicht mehr zu seinen Segnungen und Belehrungen zu kommen." usw. so hörte ich das auch mündlich. Darüberhinaus gab er den Gelug Klöstern den Rat, von der Praxis abzulassen. Wie freiheitlich das gehandhabt wird zeigt das Kloster Sera, wo es sowohl eine Abteilung und Lamas gibt, die davon abliessen, als auch welche die es nicht taten. Der Dalai Lama betonte trotz der klaren Stellungnahme zur Sache, dass die Praxis letzlich eine individuelle Enstcheidung ist. Die DBU schloss zudem die NKT nicht wegen Shugden aus, sondern deren respektlosen Verhalten gegenüber dem Dalai Lama. Meine Frage: ist denn der Abschnitt dann so richtig? Ist der Umgang damit nun Häresie??? --84.190.136.60 22:21, 19. Aug 2005 (CEST)Ich habe den Satz, dass die NKT aus der DBU ausgeschlossen wurde, gestrichen, da die NKT nie Mitglied der DBU war. Dies wurde durch Anfrage bei der Geschäftstelle der DBU bestätigt. --88.73.91.246 18:18, 15. Apr 2006 (CEST)
Ungläubige?
"Der Begriff wird ebenfalls nicht verwendet bei Angehörigen einer anderen Religion, die als Ungläubige bezeichnet werden. "
Die Abgrenzung wird mir nicht klar. Ist das aus der Sicht der katholischen Lehre geschrieben?
Inkonsequenter Redirect
Ähm... das verstehe ich jetzt nicht: Ketzerei ist ein Redirect auf Häresie, aber das im Text verlinkte Wort "Ketzerei" führt zum Artikel Ketzer. Das ist etwas inkonsequent, oder? Bevor ich jetzt anfange, die Links die auf Ketzerei gehen, aufzuräumen, frage ich lieber nach, ob sich ein höherer Sinn hinter diesem Vorgehn verbirgt ;) --Henriette Fiebig 16:34, 9. Apr 2006 (CEST)
Lesenswert-Kandidatur (zurückgezogen)
Häresie
Häresie (von griechisch αἵρεσις, haíresis „Wahl, Auswahl“) bedeutet im frühchristlichen Griechisch Wahl des Glaubens oder auch Partei (von der Orthodoxie abweichenden Gläubigen). Als Synonyme werden Irrlehre und Ketzerei (von griech. καθαρος, katharós: rein; nach dem Namen der mittelalterlichen Bewegung der Katharer) verwendet.- Und noch einer. Wurde am 17 Jannuar von Bot47 ohne Diskussion eingefügt. Auch hier bleibe ich vorertst neutral. --Bodenseemann 01:23, 14. Mai 2006 (CEST)
- Nein, bitte nicht. Der Artikel ist eine Baustelle, aber weit davon entfernt, schon bezugsfertig oder auch nur besichtigungsfaehig zu sein. Er hat in weiten Teilen stichwortartigen Charakter (z.B. zu "judenchristlichen Haeresien", was man schon als Ueberschrift nur mit Kopfschuetteln lesen kann), oder bietet Kurzerklaerungen, die offenbar aus Konservationslexika zusammengesucht wurden. Es ist so vieles inhaltlich schief oder verpatzt, und noch mehr stilistisch missglueckt formuliert, dass man diesen Artikel wirklich noch nicht als lesenswert empfehlen kann.--Otfried Lieberknecht 02:12, 14. Mai 2006 (CEST)
- Contra
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Bildherkunft : Wie von Otfried Lieberknecht treffend dargelegt, weisst der Artikel starken Listencharakter, unglückliche Formulierungen und mangelhaften Stil auf. Gruß Boris Fernbacher 10:55, 14. Mai 2006 (CEST)Contra
- Contra
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Bildherkunft Eine Listensammlung ohne Literaturangaben. Wenn mans so überfliegt, ist eigentlich alles eine Häresie. Dieser Vorschlag ist Unfug. -- Andreas Werle 12:41, 14. Mai 2006 (CEST)Contra
- Aufgrund der sich abzeichnenden Ablehung, der ich mich anschließen kann, ziehe ich den Artikel von der Kandidatur zu den lesenswerten Artikeln zurück. --Bodenseemann 00:45, 15. Mai 2006 (CEST)
Quellen
Bitte die Aussagen im Abschnitt Häresie im Judentum durch Quelenangaben belegen. So ist das Ganze nicht nachvollziehbar. Danke - ColumbanLeathan 22:13, 24. Sep 2006 (CEST)
Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Häresie und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).

