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Hambacher Fest

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Der Artikel Hambacher Fest gehört zur Kategorie: Deutsche Geschichte (19. Jh.), Geschichte Rheinland-Pfalz, Studentengeschichte, Politische Bewegung, 1832, Neustadt an der Weinstraße
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Der Zug zum Hambacher Schloss
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Das Hambacher Fest fand vom 27. bis 30. Mai 1832 in der Pfalz auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße im Bundesland Rheinland-Pfalz) statt. Die Forderungen der Teilnehmer nach Einheit, Freiheit und Demokratie hatten ihre Wurzeln in der Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung mit der Verwaltung der Region durch das Königreich Bayern. Die Veranstaltung gilt als Höhepunkt frühliberaler bürgerlicher Opposition in Restauration und Vormärz.

Vorgeschichte

Die heutige Pfalz gehörte – de facto ab 1797/98, rechtlich ab 1801 – bis 1815 zur Französischen Republik und orientierte sich daher an den Ideen der Französischen Revolution. Nach dem Ende der Napoleonischen Ära wurden die linksrheinischen Teile der vormaligen Kurpfalz 1816 gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses dem Königreich Bayern zugeteilt und als „Rheinkreis“, später – zur Unterscheidung von der nordbayerischen Oberpfalz – als „Rheinpfalz“ unter bayerische Verwaltung gestellt. Dabei wurden die aus der Französischen Revolution übernommenen Freiheitsrechte der Bevölkerung wieder massiv eingeschränkt. Außerdem wurde die Wirtschaft der Pfalz durch hohe Zölle und Steuern stark benachteiligt, so dass große Teile der Bevölkerung verarmten.

Im Zuge der französischen Julirevolution von 1830 bildete sich auch außerhalb der Pfalz eine größere Bewegung, die mit ihren ursprünglich aus der Französischen Revolution stammenden Ideen von nationaler Einheit und Demokratie in Opposition zu den tatsächlichen Machtverhältnissen stand. Das Hambacher Fest stellte einen Höhepunkt dieser Bewegung dar.

Hambacher Fest

Gründung des „Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins“

1830 wurden die Rechte der Pfälzer Bevölkerung noch weiter eingeschränkt und eine strenge Zensur eingeführt. Als Reaktion hierauf und die daraus resultierenden Druckverbote gründeten die Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth Anfang Februar 1832 den „Deutschen Preß- und Vaterlandsverein“. Vorsitzender wurde der pfälzische Abgeordnete Friedrich Schüler. Dieser Kreis organisierte am 27. Mai 1832 im damaligen Neustadt an der Haardt ein „Volksfest“ – politische Kundgebungen waren von der bayerischen Obrigkeit verboten worden - das auf dem Hambacher Schlossberg stattfand.

Zug zum Schloss

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Hambacher Schloss
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Auf dem Fest waren ca. 30.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und aus zahlreichen Nationen anwesend: vom Studenten bis zum Abgeordneten, vom Franzosen bis zum Polen, von denen zigtausende nach dem Scheitern des Novemberaufstandes 1830/31 über Deutschland nach Frankreich flohen, zogen die Teilnehmer des Festes vom Neustadter Marktplatz zur Hambacher Schlossruine. Die Hauptforderungen waren Freiheit (Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit), Bürgerrechte, nationale Einheit, eine Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter Völker, Volkssouveränität und religiöse Toleranz.

Beim Hambacher Fest wurden zum ersten Mal in größerer Anzahl schwarz-rot-goldene Trikoloren mitgeführt, die das Streben nach Freiheit, Bürgerrechten und deutscher Einheit symbolisieren sollten. Die Farben hatten sich im Zusammenhang mit der Burschenschaftsbewegung bereits weit verbreitet; deshalb waren die Fahnen auf dem Hambacher Schloss noch mehrheitlich in der burschenschaftlichen Reihenfolge „schwarz-rot-gold von unten“ zu sehen (siehe Abbildung oben).

Als Hauptfahne des Hambacher Festes fertigte Johann Philipp Abresch eine Trikolore in der heute gebräuchlichen Reihenfolge mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“. Diese „Ur-Fahne“ von 1832 (Bild) befindet sich heute im Heimatmuseum von Neustadt an der Weinstraße. Unter diesen Farben sollte ein freies und föderatives Deutschland entstehen, das dem demokratischen Grundgedanken verpflichtet sein und als Gegengewicht zur Heiligen Allianz Russlands, Österreichs und Preußens stehen sollte.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer schloss seine Eröffnungsrede mit den folgenden Worten:

„Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete! Hoch leben die Franken (Anm.: Damals „moderne“ Eindeutschung für „Franzosen“), der Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und unsere Selbständigkeit achten! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch!“

Versammlung im Neustadter Schießhaus

Am 28. Mai 1832, dem zweiten Tag des Hambacher Festes, trafen sich im Neustadter Schießhaus führende deutsche Demokraten und Liberale, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Während die Journalisten Wirth und Siebenpfeiffer den weiteren Aufbau von Oppositionsstrukturen (die Umwandlung des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins in einen politischen Verein) vorschlugen, plädierten die anwesenden Burschenschafter für die sofortige Bildung einer provisorischen Regierung und den Beginn des bewaffneten Aufstands zu einem festen Termin.

Vor allem der angesehene pfälzische Abgeordnete Friedrich Schüler verhinderte den Bruch zwischen den beiden Gruppen und forderte weitere Vorbereitungen zum Aufstand an. Diese Untätigkeit kritisierte später Heinrich Heine:

„...während den Tagen des Hambacher Festes hätte mit einiger Aussicht guten Erfolges die allgemeine Umwälzung in Deutschland versucht werden können. Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die Göttin der Freyheit uns gewährte...“

Folgen

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Hambacher Schloss (2006)
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Der schlecht vorbereitete Versuch von Burschenschaftern, durch den Frankfurter Wachensturm von der Hambacher Bewegung zur bewaffneten Revolution überzugehen, scheiterte 1833 kläglich.

In der Folge des Festes und vermehrt nach dem Frankfurter Attentat reagierte der Deutsche Bund in den Jahren 1832 bis 1834 mit Repressionen. Demokraten und Liberale wurden verhaftet und die Versammlungs- und Pressefreiheit noch weiter eingeschränkt, die Universitäten noch strenger überwacht. Siebenpfeiffer und Wirth mussten in die Schweiz fliehen, auch die übrigen Oppositionellen wurden durch allgemeine Illegalisierung immer stärker ins Ausland gedrängt.

Mit den reaktionären Maßnahmen, die eine drastische Verschärfung der Karlsbader Beschlüsse von 1819 bedeuteten, wurde die republikanische Bewegung vorerst wieder zum Erliegen gebracht. Viele Künstler zogen sich vom politischen Leben zurück: Der Biedermeier enstand.

Bei der Märzrevolution 1848/49 lebte die Bewegung wieder auf und konnte ihre Ziele zunächst auch teilweise umsetzen. Nach der Niederschlagung dieser Revolution kam es nach einer neuen Restaurationsphase erst nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zu einer – allerdings von oben eingesetzten – „kleindeutschen“ Einigung der deutschen Staaten unter Ausschluss Österreichs, nämlich dem vom preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzler Otto von Bismarck initiierten 2. Deutschen Reich unter Kaiser Wilhelm I.. Die liberalen und demokratischen Forderungen des Hambacher Fests gingen bei dieser Reichsgründung jedoch unter.

Relikte

Fahnen, eine Druckerpresse und zeitgenössische Dokumente sind in einer Dauerausstellung im Hambacher Schloss zu besichtigen. Eine der schwarz-rot-goldenen Fahnen des Hambacher Festes hängt im Plenarsaal des rheinland-pfälzischen Landtags im Deutschhaus zu Mainz, eine weitere im Großen Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe.

Siehe auch

Literatur

  • Foerster, Cornelia: Der Preß- und Vaterlandsverein von 1832/33. Sozialstruktur und Organisationsformen der bürgerlichen Bewegung in der Zeit des Hambacher Festes, Trier 1982 (= Trierer Historische Forschungen, Bd. 3)
  • Foerster, Cornelia: Das Hambacher Fest 1832. Volksfest und Nationalfest einer oppositionellen Massenbewegung, in: Dieter Düding, Peter Friedemann, Paul Münch (Hrsg.): Öffentliche Festkultur. Politische Feste in Deutschland von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 113–131
  • Heer, Georg: Geschichte der Deutschen Burschenschaft, Bd. 2: Die Demagogenzeit 1820–1833, Heidelberg 1927, 2. Aufl. 1965 (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, Bd. 10), S. 291–302
  • Jakob, Josef: Die Studentenverbindungen und ihr Verhältnis zu Staat und Gesellschaft an der Ludwigs-Maximilian-Universität Landshut/München von 1800 bis 1833, Diss. phil. Fernuniversität Hagen 2002, S. 179–181, 206–209, 211–217
  • Kaupp, Peter: „Bezüglich revolutionärer Umtriebe“. Burschenschafter im „Schwarzen Buch“ (1838). Ein Beitrag zur Sozialstruktur und zur Personengeschichte des deutschen Frühliberalismus, in: Horst Bernhardi, Ernst Wilhelm Wreden (Hrsg.): Jahresgabe der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung 1980/81/82, o. O. 1982, S. 73–99
  • Kaupp, Peter: Das Hambacher Fest 1832 – Ringen um Freiheit und Einheit, in: Burschenschaftliche Blätter 97/3 (1982), S. 58–64
  • Kermann, Joachim: Harro Harring, die Burschenschaften und das Hambacher Fest. Das Burschenschaftsmotiv in seinem Drama „Der deutsche Mai“, in: Helmut Asmus (Hrsg.): Studentische Burschenschaften und bürgerliche Umwälzung. Zum 175. Jahrestag des Wartburgfestes, Berlin 1992, S. 197–217
  • Kopf, Sabine: Studenten im deutschen Press- und Vaterlandsverein – Zum Verhältnis von Burschenschaften und nichtstudentischer bürgerlicher Opposition 1832/33, in: Helmut Asmus (Hrsg.): Studentische Burschenschaften und bürgerliche Umwälzung. Zum 175. Jahrestag des Wartburgfestes, Berlin 1992, S. 185–196
  • Kultusministerium Rheinland-Pfalz (Hrsg.): 1832-1982. Hambacher Fest. Freiheit und Einheit, Deutschland und Europa (Ausstellungskatalog zur Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz zum 150jährigen Jubiläum des Hambacher Festes. Hambacher Schloss, 18. Mai – 19. September 1982), Neustadt an der Weinstraße 1982
  • Lönnecker, Harald: „Unzufriedenheit mit den bestehenden Regierungen unter dem Volke zu verbreiten“. Politische Lieder der Burschenschaften aus der Zeit zwischen 1820 und 1850, in: Max Matter, Nils Grosch (Hrsg.): Lied und populäre Kultur. Song and Popular Culture, Münster, New York, München, Berlin 2004 (= Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs Freiburg i. Br., Bd. 48/2003), S. 85–131
  • Polster, Georg: Politische Studentenbewegung und bürgerliche Gesellschaft. Die Würzburger Burschenschaft im Kräftefeld von Staat, Universität und Stadt 1814–1850, Heidelberg 1989 (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, Bd. 13), S. 192 f., 198–203, 207–214, 229 f., 247–259
  • Roeseling, Severin: Burschenehre und Bürgerrecht. Die Geschichte der Heidelberger Burschenschaft von 1824 bis 1834, Heidelberg 1999 (= Heidelberger Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, Bd. 12), S. 150–235, 244–289, 296–312, 315–321, 324–329
  • Schröter, Hans: „Fürsten zum Land hinaus“ – Die Deutsche Burschenschaft und das Hambacher Fest von 1832, in: Burschenschaftliche Blätter 97/3 (1982), S. 66–70
  • Wolgast, Eike: Das Hambacher Fest als Ausdruck nationaler und demokratischer Opposition, in: Burschenschaftliche Blätter 97/5 (1982), S. 125–131
  • Wolgast, Eike: Feste als Ausdruck nationaler und demokratischer Opposition – Wartburgfest 1817 und Hambacher Fest 1832, in: Horst Bernhardi, Ernst Wilhelm Wreden (Hrsg.): Jahresgabe der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung 1980/81/82, o. O. 1982, S. 41–71

Weblinks


Diskussion der Autoren über den Artikel: Hambacher Fest


Wievieltes Deutsches Reich?

Einigung der deutschen Staaten unter Ausschluss Österreichs, dem vom preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzler Otto von Bismarck initiierten 2. Deutschen Reich unter Kaiser Wilhelm I..

Dies ist doch insoweit inkorrekt, dass dieses Deutsche Reich das erste Deutsche Reich war! Es gab vor diesem nur das Heilige römische Reich! dt.N. Das Deutscher Nation ist nur ein Verweis der Lage! Der Sinn der dahinter steckte war ganz einfach: Man wollte sein Reich legetematisieren in dem man es vom römischen Imperium her ableitet, inklusive dem Kaisertitel!

legetematisieren -> legitimieren ;)

Ich weiß nicht, was du hast. Wenn du dich zumindest einmal etwas Fachlektüre widmen würdest, anstatt dich nur auf dürftig fundierte Internetquellen zu beziehen, würdest du wissen, dass es vollkommen korrekt ist, das Deutsche Reich von 1871 bis 1933 als "2. Reich" zu bezeichnen.

Anzahl der Teilnehmer

10.000 oder 30.000 ?? Wir lernen in Klasse 12 Leistungskurs Geschichte immer 10.000 als Wert der Teilnehmer. Buch, Quellen, Materialien alles 10000. Abändern? -- F-ReAk 19:19, 2. Apr 2006 (CEST) (Signatur nachgetragen durch Mundartpoet Mundartpoet)

Ich würde nichts ändern; Google-Vergleiche bringen nämlich steigende Trefferanzahlen: 10.000/10000 < 20.000/20000 < 30.000/30000
Nun kann sich auch die Mehrheit irren, aber die Tendenz spricht dafür, dass die Quellen Deines Leistungskurses wohl nicht korrekt sind. Allerdings halte ich das Problem für sekundär, zumal auch bei heutigen Demos die Veranstalter immer höhere Teilnehmerzahlen feststellen als z. B. die Polizei ;-)
Und noch ein Tip: Eine Signatur unter Diskussionsbeiträge erzeugst Du durch automatisch.
-- Gruß vom Mundartpoet Mundartpoet 22:44, 2. Apr 2006 (CEST)

Relikte

Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Fahne im Landtag Rheinland-Pfalz eine Reproduktion des einen Originals. Die Hambacher Fahne von Abresch wurde von seinen Nachkommen der Landesregierung geschenkt, nach einigen Jahren aber dem Neustädter Museum übergeben.--Knud Klotz 07:45, 20. Sep 2006 (CEST)

Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Hambacher Fest und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).