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Der Artikel Inquisition gehört zur Kategorie: Inquisition, Gegenreformation, Folter
Die Inquisition (z. D. "gerichtliche Untersuchung") bezeichnet eine Form mittelalterlichen Gerichts, die heute vor allem in kirchlichem Zusammenhang in Erinnerung ist.
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Inquisitionsgericht unter Vorsitz des Hl. Dominikus (Gemälde von Pedro Berruguete, 1475) Bildherkunft |
Allgemein
Im Unterschied zu unseren heutigen Gerichtsformen stand bei einem unter der Inquisition stattfindenden Prozess die inquisitio (lat.: Befragung, Untersuchung) im Vordergrund, und nicht die Anklage. Das heißt, alle Ermittlungen, die für einen Prozess nötig waren, wurden im Prozess selbst erledigt. Diese Verfahrensweise wird als Inquisitionsverfahren bezeichnet. Vor mittelalterlichen Gerichten, und vor diesem insbesondere, hatten Sachbeweise keine Gültigkeit. Das heißt, zum Beweis von Schuld oder Unschuld gab es nur die Möglichkeit der Aussage von Zeugen. Durch diese Verfahrensweise dauerten die Inquisitionsprozesse oft sehr lange und erforderten die Befragung von immer mehr Zeugen, wobei manchmal ganze Stadtbevölkerungen betroffen waren.Kirchliche Inquisition
Als Inquisition wurden im Mittelalter auch die inquisitio haereticorum beziehungsweise die inquisitio haereticae pravitatis bezeichnet, die für die Bekämpfung solcher Lehren eingesetzt wurde, die von der römisch-katholischen Kirche als ketzerische Irrlehren verurteilt worden waren.Inquisitionsprozesse von kirchlicher Seite wurden ursprünglich vom Papst an die Bischöfe delegiert; erst als sich dieser Weg als wenig effektiv herausstellte, wurde allmählich eine Institution gebildet.
Die alte römische Inquisition als Organ des Vatikans wurde 1908 umbenannt in Sacra congregatio Romanae et universalis Inquisitionis seu Sancti Officii oder kurz Sanctum Officium. Seit der Umstrukturierung der römischen Behörden im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils ist die Kongregation für die Glaubenslehre mit geänderter Aufgabenstellung an ihre Stelle getreten.
Geschichte
Überblick
In den Urgemeinden des Christentums konnten nur Bischöfe gegen Häretiker vorgehen. Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, wurden Irrlehrer aufgrund eines Edikts Kaiser Theodosius' I. aus dem Jahre 380 auch reichsgesetzlich verfolgt und mit der Todesstrafe bedroht. Der erste tatsächlich hingerichtete Ketzer war Priscillian im Jahr 385.Die eigentliche Inquisition entwickelte sich erst um 1100 mit dem Aufkommen der Bogomilen, Katharer (Albigenser) und Waldenser, die aufgrund ihrer Zahl eine Kirchenspaltung erwarten ließen und auch als gesellschaftliche Bedrohung empfunden wurden. Die Gründung der Inquisition als Behörde erfolgte im 13. Jahrhundert. Man bezog sich dabei auf Bibelstellen und Kirchenväter in mittelalterlicher Interpretation, insbesondere auf Augustinus von Hippo, einen der einflussreichsten Theologen und Philosophen der christlichen Spätantike.
Das Neue Testament
Von Auseinandersetzungen innerhalb der Urgemeinde zeugen eine Reihe biblischer Urteilssätze, die im Mittelalter auf den Umgang der Kirche mit Häretikern ausgelegt wurden. Die Exkommunikation als Übergabe an den Satan, vom Apostel Paulus gleichsam als pädagogische Maßnahme empfohlen, „damit sie in Zucht genommen werden und nicht mehr lästern“ (1. Timotheus 1:20), hatte in den Zeiten der Inquisition den geistlichen und weltlichen Ruin zur Folge. Jesus, der den Abgefallenen im Gleichnis sagt „Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen“ (Johannesevangelium 15:6), wurde von der Inquisition wörtlich genommen.Frühe Kirche
Es hat zu allen Zeiten Gruppen mit einer besonderen Lehre gegeben, die die Ansicht vertraten, dass sie die einzigen wirklichen Christen seien (Marcion, Montanismus) und ebenso gab es praktisch von Anfang an Gruppen, die das Christentum mit anderen Religionen vermischten (Gnosis, Manichäismus).Bereits im 2. und 3. Jahrhundert gab es einen gewissen Konsens im Christentum darüber, was die allgemeine christliche Lehre sei, was als Variante akzeptiert werden kann und was die Lehre einer Randgruppe ist, beispielsweise bei Irenäus von Lyon.
Ab dem vierten Jahrhundert, beginnend mit dem Konzil von Nicäa 325 konnten die Bischöfe der damaligen Welt zusammenkommen, um auf einem Konzil über Fragen der Lehre zu entscheiden. Solchen Entscheiden gingen oft lange und heftige Auseinandersetzungen voraus und in einigen Fällen trennten sich Gruppen aufgrund von solchen Lehrentscheidungen von der allgemeinen Kirche, zum Beispiel nach dem Konzil von Chalcedon. Der Kirche stand zur damaligen Zeit als Sanktionsmöglichkeit nur die Exkommunikation zur Verfügung.
Die Verbannung des Arius nach dem Konzil von Nicäa lässt sich aufgrund der innigen Verwobenheit von Weltlichem und Geistlichem in jener Epoche nicht sicher als eine rein weltliche Strafe sehen. Kaiser Konstantin I. verhängte sie, weil er in Arius eine Gefahr für die Einheit des Reichs sah. Aus ähnlichen Gründen haben er und seine Nachfolger im vierten Jahrhundert auch Athanasius und zahlreiche andere orthodoxe Bischöfe verbannt.
Augustinus als „Theologe der Inquisition“
Die Inquisition bezog sich auf Schriften von Augustinus von Hippo, die er aus der konkreten – teilweise für ihn lebensgefährlichen – Auseinandersetzung mit den Donatisten heraus geschrieben hat. Ursprünglich suchte Augustinus die Häretiker zu überzeugen. Später empfahl er „gemäßigte Strenge“ (temperata severitas), schließlich Maßnahmen der weltlichen Macht wie Geißelung, Buße und Verbannung, in Extremfällen auch die Todesstrafe.Die Inquisition griff insbesondere zwei Argumente von Augustinus heraus:
- Einem Abtrünnigen den rechten Weg zu zeigen, wenn er diesen nicht gehen wolle, auch unter Zwang, sei ein Akt christlicher Nächstenliebe. Häretiker seien verirrte Schafe, die die kirchlichen Hirten notfalls mit Stock und Knüppel wie züchtigende Eltern gegenüber dem Kinde zur Herde zurückführen würden. Folter sei legitim, da sie nur das sündige Fleisch, nicht aber die Seele schädige. In der Konsequenz sei es besser, die Häretiker zu verbrennen, als „in den Verirrungen zu erstarren“. Die Häretiker „töten die Seelen der Menschen, während die Obrigkeit nur ihre Leiber der Folter unterwirft; sie rufen ewigen Tod hervor, aber beklagen sich dann, wenn die Behörden sie dem zeitlichen Tod überantworten“.
- Die Androhung der Folter stelle den Häretiker nachdrücklich vor die Entscheidung, entweder in seiner Verirrung zu verharren sowie den „Feuerofen der Qual“ samt dem Verlust des Lebens in Kauf zu nehmen. Liebe und Vertrauen zu Gott und in die einmal erkannte Wahrheit dürfte hier die einzig glaubwürdige Motivation sein, siehe auch: "Die drei Männer im Feuerofen", Daniel 3,17f wo es heißt: "Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten; aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er's nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen." Die Alternative war „klüger zu werden“, um in den Schoß der Kirche zurückzukehren.
Die Inquisition übersah allerdings Aussagen, die ihre Sicht in Frage stellten, wie etwa die von Augustinus in Corrigi eos volumus, non necari, nec disciplinam circa eos negligi volumus, nec suppliciis quibus digni sunt exerceri. „Wir möchten sie verbessert haben, nicht getötet; wir wünschen uns den Triumph der Kirchenzucht, nicht den Tod, den sie verdienen.“ oder Johannes Chrysostomos: „Einen Ketzer zum Tod verurteilen, ist ein Vergehen ohne mögliche Wiedergutmachung“ und die energischen Proteste von Ambrosius von Mailand und Martin von Tours gegen die Hinrichtung eines Häretikers durch den Kaiser.
Mittelalter
Im Mittelalter bildete sich im Westen parallel zum aufkommenden Frankenreich eine zentrale, von Rom aus hierarchisch organisierte Kirche. Auch nach der Teilung des Frankenreichs blieb die Identifikation der Könige und Kaiser mit dem Christentum bestehen und wegen der engen Verbindung von Kirche und weltlicher Herrschaft wurden abweichende Gruppen nicht nur als Risiko für die Einheit der Kirche, sondern auch als Gefahr für die öffentliche Ordnung gesehen.Heinrich der Löwe bot sich 1147 zu einem Kreuzzug gegen die teilweise christianisierten Wenden an. 1150 wird die Zwangstaufe letztmalig im Decretum Gratiani verboten.
Ketzerverfolgungen mit Hinrichtungen gab es in Frankreich, Deutschland und Italien schon seit der Jahrtausendwende, sowohl durch weltliche Herrscher wie auch durch lokale kirchliche Autoritäten. Gegen Ketzer ging man zunächst per ad hoc-Anzeige vor. 1184 wurde eine Kommission in Reaktion auf die Katharerbewegung in Südfrankreich gegründet. Nachdem Papst Alexander III. auf dem Konzil von Tours die Notwendigkeit zeitlicher Strafen gegen Abweichler betont hatte, verfügte Papst Lucius III. (1181 - 1185) in Zusammenarbeit mit Friedrich Barbarossa auf dem Konzil von Verona 1183 mit der Bulle Ad abolendam, dass Ketzer mit dem ewigen Kirchenbann zu bestrafen seien. 1199 sandte er zwei Mönche der Zisterzienser nach Südfrankreich, die weitreichende Vollmachten zur Niederwerfung der Katharer hatten. Das 4. Laterankonzil forderte 1215 gegen verurteilte Ketzer Einzug des Eigentums, Verbannung und Ausschluss vom Begräbnis in geweihter Erde.
1224 erließ Kaiser Friedrich II. ein Edikt zur Ketzerverbrennung. Ketzerei war zugleich Beleidigung der kaiserlichen Majestät, worauf die Todesstrafe stand. Das Edikt Friedrichs wurde von Gregor IX. akzeptiert, aber er verlangte, dass nur die Kirche entscheiden kann, wer ein unverbesserlicher und rückfälliger Ketzer ist. Im Albigenserkreuzzug 1209 - 1229 wurden die Katharer verfolgt und verbrannt. Zwischen den beiden Autoritäten Friedrich II. als römischem Kaiser und Gregor IX. als Papst bestand allerdings kein totaler Konsens über die Beurteilung von Ketzerei: Im Konflikt mit den lombardischen Städten warf der Kaiser diesen Ketzerei vor - ein zumindest z.T. berechtigter Vorwurf - und forderte den Papst zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Städte Mailand u.a. auf; Gregor verweigerte dieses, da ihm diese Städte als Gegengewicht zur kaiserlichen Macht dienten.
Das Konzil von Toulouse 1229 verschärfte die Bestimmungen. Die geheimen Zufluchtsorte der Ketzer sollten aufgespürt und entdeckte Ketzer gefangen gesetzt werden, wozu auch das Mittel der heimlichen Denunziation angewandt werden sollte. Wer einen Ketzer verbarg wurde mit dem Verlust des Vermögens oder gar mit dem Tod bedroht. Jedes Haus, in dem man einen Ketzer fände, sollte niedergerissen werden. Wer mit einem Ketzer verkehrte - sei es auch nur in einem Wirtshaus - oder ihm Almosen gab oder mit ihm verheiratet war, war ebenso verdächtig. Der auf eine Vorladung nicht Erschienene oder Flüchtige galt ohne weiteres als schuldig. Wer erschien, wurde allerdings eingekerkert.
Die Entstehung der Inquisition
Der bedeutende Theologe Thomas von Aquin legte mit dem Satz „Accipere fidem est voluntatis, sed tenere fidem iam acceptam est necessitatis“ (»Die Annahme des Glaubens ist freiwillig, den angenommenen Glauben beizubehalten notwendig«) den theoretischen Grundstein der mittelalterlichen Inquisition. Für Häretiker forderte er die Exkommunikation und die Todesstrafe.1231 setzte Papst Gregor IX. eine ständige Kommission zur Bekämpfung der Häresie ein und erließ eine Verordnung, die lebenslängliche Haft mit dem Verlust des Heils für Ketzer androhte und die Höchststrafe für Rückfällige. Gregor entband die Bischöfe und Erzbischöfe von der Untersuchungspflicht und beauftragte damit allein die Dominikaner, wenn auch viele Inquisitoren Mitglieder anderer Orden oder des weltlichen Klerus waren. Der Grund für den Einsatz der Dominikaner war der Umstand, dass die Ketzerei in den ärmeren Schichten am stärksten war und die Dominikaner mit armen Lebensumständen am besten vertraut waren. Dies war für die Ausforschung von wesentlicher Bedeutung. 1235 setzte der Papst offiziell die Inquisition ein. Diese übergab nach Beweisaufnahme durch Befragung den überführten Ketzer der weltlichen Macht, die die Bestrafungen ausführte.
Kaiser Friedrich II. ordnete 1238 die Todesstrafe durch Verbrennen für alle überführten Ketzer an. 1252 genehmigt Papst Innozenz IV. zur Wahrheitsfindung die Folter, die in der weltlichen Justiz der damaligen Zeit üblich war. Ende des 13. Jahrhunderts war die Inquisition eine allgemeine Einrichtung, die in vielen Regionen über ein Amt zu ihrer Unterstützung verfügte.
Die Inquisitionsprozesse waren im zeitgenössischen Rechtswesen fair, insbesondere auch verglichen mit der späteren Hexenverfolgung. Ein Angeklagter hatte z.B. das Recht, seine Feinde aufzuzählen und wenn diese mit den Anklägern identisch waren, wurde die Anklage niedergeschlagen. Falsche Ankläger wurden hart bestraft. Die Mehrheit der Fälle wurde nicht mit dem Tod bestraft, sondern es wurden gute Werke wie Gottesdienstbesuch, Stiftungen oder Wallfahrten verordnet. Teilnahme an Kreuzzügen, Geldbußen oder Pranger waren auch häufige Strafen.
Die mittelalterliche Inquisition beschränkte sich geographisch auf Zentral- und Südeuropa - in den skandinavischen Ländern gab es sie nicht und in England nur vereinzelte Fälle.
Verfolgungen ausgesetzt sahen sich hauptsächlich als häretisch eingestufte christliche Gruppen, wie die Waldenser, Katharer (Albigenser), Wiedertäufer, Beginen, Begharden und Hussiten, aber auch kleinere Gruppen oder einzelne Leute mit abweichenden Ansichten, beispielsweise Pierre Abaelard oder Girolamo Savonarola. Besonders rücksichtslos war die Inquisition in den Fällen, wo parallel eine weltliche Macht eine politische Agenda hatte, zum Beispiel bei Savonarola oder Jeanne d'Arc.
Die deutsche Inquisition
In Deutschland wurde die Inquisition bereits kurz nach ihrer Begründung eingeführt. Doch bereits der erste Ketzerrichter, Konrad von Marburg, wurde 1233 ermordet. Gegen großen Widerstand der Bevölkerung und mancher Fürsten musste Friedrich II. Verordnungen zur Ausführung des Blutgerichts erlassen, die Karl IV. durch weitere Mandate schützen musste.Papst Urban V. sandte 1367 zwei Dominikanermönche als Inquisitoren für Deutschland, von denen Walter Kerlinger sich als besonders grausam hervortat. Papst Innozenz VIII. dehnte die Inquisition 1484 durch die Bulle Summis desiderantes affectibus weiter aus. In dieser sogenannten Hexenbulle, welche der eifrige Inquisitor Heinrich Kramer entworfen hatte, bezeichnete Innozenz VIII. feierlich das Hexenwesen als etwas Reales. Heinrich Kramer veröffentlichte 1487 eine Darstellung des Inquisitionsprozesses im Hexenhammer (malleus maleficarum). Er nannte den Inquisitor Jakob Sprenger als Mitautor des Werkes, obgleich dieser nicht mit den darin erwähnten Praktiken konform ging.
Mit der Reformation verschwand die Inquisition größtenteils aus Deutschland.
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Darstellung einer Inquisition durch Goya Bildherkunft |
Die spanische Inquisition
Viele ältere Schilderungen der spanischen Inquisition waren Propaganda religiöser und politischer Gegner Spaniens, die von Zehntausenden oder gar Hunderttausenden auf dem Scheiterhaufen verbrannter Opfer sprachen. Moderne Forschungen ergeben etwa 1.200 bis 2.000 Todesurteile, etwa zwei Prozent der Fälle, welche die spanische Inquisition bearbeitete.Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgten gegen Juden und Muslime rassistisch motivierte Pogrome seitens der Bevölkerung, deren Ausschreitungen Papst Nikolaus V. zunächst als Diskriminierungen verurteilte.
Die spanische Inquisition lag beinahe vollständig in der Hand der Monarchen. Die römische Kurie hatte auf ihren Verlauf nur einen sehr begrenzten Einfluss. Sie wurde 1478 durch Ferdinand II. und Isabella I. eingerichtet, um solche Juden (so genannte Conversos) und Mauren (Moriscos) aufzuspüren und zu bestrafen, die öffentlich zum Christentum konvertiert waren, aber privat ihre vorherige Religion weiter ausübten und so per Definition Ketzer blieben. Vor ihrer Vertreibung aus dem Land 1492 waren nichtkonvertierte Juden oder Moslems auch noch nicht von der Inquisition betroffen. Papst Sixtus IV., der die Einrichtung genehmigen musste, zögerte zuerst, da die Italiener der Renaissance die Spanier für bigott, gierig und rassistisch hielten. Als Spanien jedoch Neapel eingenommen hatte, gab er 1478 nach.
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Inquisition auf dem Plaza Mayor in Madrid (Gemälde von 1683) Bildherkunft |
Das Verfahren der spanischen Inquisition war standardisiert: Angeklagte Häretiker wurden erst einmal verwarnt und nur verhört, wenn sie solche Warnungen nicht beachteten. Die ersten Verhöre fanden durch Theologieprofessoren und Rechtsgelehrte statt. Als Beweise gab es Zeugenaussagen bezüglich Beobachtungen und Charakter, öffentliche Aussagen und den Grad der Frömmigkeit des Beschuldigten - großzügige Spenden an die Kirche waren dabei ein bewährter Weg, um Frömmigkeit zu beweisen. Die spanische Inquisition wandte Folter an, aber normalerweise erst, wenn deutliche Hinweise auf die „Schuld“ eines nicht geständigen Beschuldigten vorlagen.
Nach älteren Berichten waren von 1478 bis 1530 über 90 % der Angeklagten zum Christentum konvertierte Juden, die angeblich an ihrem früheren Glauben festhielten. In der Hälfte aller Fälle (ca. 900 allein in Toledo) wurden sie beim so genannten Autodafé zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. In Guadalupe waren 82 % der Beschuldigten zum Tode verurteilt worden. Die Verurteilten hatten eine Caroja, eine Ketzermütze, zu tragen. Der Anteil der konvertierten Juden nahm mit der Zeit ab, denn die meisten waren längst vertrieben worden.
Neuere Forschungen haben ergeben, dass die Todesstrafe für geständige Ketzer nicht die Regel war. Unter den verschiedenen möglichen Strafen war Einzug von Vermögen ein häufiges Urteil, da sich die Inquisition durch das Eigentum der Ketzer finanzierte. Wenn ein Ketzer sich weigerte umzukehren, wurde er zur Exekution den königlichen Gerichten übergeben, was bei etwa zwei Prozent der Fälle geschah. Viele überführte Häretiker entkamen jedoch während der ersten Stadien der Untersuchung und wurden nur „in effigie“ verbrannt.
Gemäß 2004 publizierter Daten aus den Vatikan-Archiven wurden im 16. und 17. Jahrhundert von der spanischen Inquisition 44.647 Prozesse durchgeführt. Davon führten 1,8 Prozent zu Todesurteilen und weitere 1,7 Prozent zu „Verbrennung in effigie“ (Verbrennung einer Strohpuppe), da der Angeklagte unbekannten Aufenthalts war.
Anfang des 17. Jahrhunderts ließ König Philipp III. alle Moriscos aus Spanien vertreiben. Zwischen 1721 und 1725 wurden noch 160 Juden hingerichtet. Die meisten Ketzer waren aber inzwischen ganz „normale“ Gotteslästerer, Humanisten, „Lutheranos“ und so genannte Bigamisten. Unter napoleonischer Herrschaft (1808-1812) wurde die Inquisition ausgesetzt, um dann mit der Wiedereinsetzung König Ferdinands VII. von Spanien wieder eingeführt zu werden. Am 31. Juli 1826 gab es in Valencia ein letztes Todesurteil der spanischen Inquisition. 1834 wurde sie abgeschafft.
Die peruanische Inquisition
- en:Peruvian_Inquisition
Die mexikanische Inquisition
- en:Mexican_Inquisition
Die französische Inquisition
Die französische Inquisition begann zunächst im Süden des Landes. Schon 1234 gab es einen allgemeinen Aufstand gegen sie in Narbonne und 1242 in Avignon. Unter dem weltlichen Schutz von Ludwig IX. und dessen Nachfolgern erhielt sie sich noch bis ins 14. Jahrhundert, dann verlor sie mehr und mehr an Macht. Trotz der Wiederbelebungsversuche durch Franz I. und Heinrich II. mit der Schaffung eines außerordentlichen Gerichtshofes, der Chambre ardente, war sie in der Folge wenig erfolgreich.Die Inquisition bestand in Frankreich bis 1772.
Bekanntester Inquisitor war wohl der Dominikanermönch Bernard Gui, der nach Mutmaßungen einer südfranzösischen Adelsfamilie entstammte. Er lebte in der Zeit 1261-1331 und sein Leben stand ganz im Zeichen des Dominikanerordens und der Kirche. Bernard Gui verfasste zahlreiche Schriften, die Ketzer mit einfachen Fragen im Verhör der Ketzerei überführen sollen. Anhand solcher Schriften wurden schließlich die Ketzer ohne Verhandlung verurteilt.
Die römische Inquisition
Die römische Inquisition (Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis), die 1542 von Papst Paul III. als ständige Kardinalskongregation gegründet wurde, ist von den drei Varianten als mildeste und vergleichsweise humane anzusehen. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Ketzerinquisition verfolgte sie nicht mehr als häretisch erachtete Bewegungen, sondern sie sah ihre Aufgabe darin, den Glauben unverletzt zu halten und zu verteidigen, sowie Irrlehren und "häretische" theologische und wissenschaftliche Positionen zu überprüfen und zu verwerfen.Der Inquisitor befragte den Angeklagten in Anwesenheit von mindestens zwei Zeugen. Dem Beschuldigten wurde eine Zusammenfassung der Anklagen vorgelegt, dieser musste beeiden, dass er die Wahrheit sagte. Verschiedene Mittel wurden angewandt, um ein Geständnis des Beschuldigten zu erhalten. Zwar hatte die Folter keine Tradition im christlichen kanonischen Gesetz, kam aber Mitte des 13. Jahrhunderts auf. Die Ergebnisse der Inquisition wurden vor einem Publikum vorgetragen; die Büßer schworen auf Knien mit auf die Bibel gelegter Hand ab.
Das Strafmaß erstreckte sich vom Kirchenbesuch über Pilgerfahrten, Kreuztragen, Gefängnis (üblich war lebenslänglich) und, wenn der Beschuldigte nicht abschwören wollte, bis zur Hinrichtung.
Die Hinrichtung erfolgte durch das Verbrennen am Pfahl durch die weltlichen Behörden. In einigen Fällen, wenn der Beschuldigte gestorben war, bevor das Verfahren eingeleitet werden konnte, geschah es, dass der Tote oder seine Überreste exhumiert und verbrannt wurden. Die Hinrichtung oder lebenslängliche Gefangenschaft war stets mit der Beschlagnahme des Eigentums des Verurteilten verbunden.
Inquisition gegen Protestanten
Mit der päpstlichen Bulle Licet ab initio 21. Juli 1542 von Papst Paul III. richtete sich die Inquisition nun auch direkt gegen Protestanten, wobei auch vorher bereits erste Maßnahmen gegen Protestanten verhängt worden waren (siehe Jakob van Hoogstraten in Köln). Sie endete erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Spanien, wo sie seit Tomás de Torquemada als staatliches Terrorinstrument am Leben erhalten worden war.Gegenwart
1908 wurde die römische Inquisition von Pius X. umbenannt in Sacra Congregatio Sancti Officii oder kurz Sanctum Officium. Diese Kongregation wurde zum Aufsichtsorgan der lokalen Inquisitionen. Der Papst selbst trug den Titel Präfekt, nahm aber keine Tätigkeit wahr. Statt dessen ernannte er einen Kardinal zum Sekretär. Letzter Sekretär des Sanctum Officium war der zu Lebzeiten gefürchtete, heute fast unbekannte, Kardinal Alfredo Ottaviani.Papst Paul VI. restruktuierte 1965 im Rahmen einer Kurienreform auch dieses Dikasterium. Es verlor seine Sonderstellung als oberste Kongregation (lat. suprema congregatio) und wurde in „Kongregation für die Glaubenslehre“ umbenannt. Präfekt ist seitdem nicht mehr der Papst selbst, sondern - wie bei allen anderen Kongregationen auch - ein Kurienkardinal. Der letzte Präfekt war Josef Kardinal Ratzinger, seit 2005 Papst Benedikt XVI., welcher nach seiner Wahl den kalifornischen Erzbischof William Levada zum Leiter der Glaubenskongregation ernannt hat. Die Kongregation besteht heute aus 25 Mitgliedern (Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe aus 14 verschiedenen Nationen). Hinzu kommen 38 Mitarbeiter und 28 Konsultoren (Berater, in der Regel Theologieprofessoren unterschiedlicher Fachrichtungen).
Dominikaner und Inquisition heute
Im Jahr 2000 veröffentliche das Provinzkapitel der Dominikanerprovinz Teutonia, der auch Inquisitoren wie Heinrich Institoris angehörten, folgende Erklärung:Dominikaner und Inquisition
"Deutsche Dominikaner waren nicht nur in die Inquisition verstrickt, sondern haben sich aktiv und umfangreich an ihr beteiligt. Historisch gesichert ist die Mitwirkung an bischöflichen Inquisitionen und an der römischen Inquisition. Unabhängig von den vielleicht manchmal nachvollziehbaren historischen Gründen für die Mitwirkung erkennen wir heute die verheerenden Folgen dieses Tuns unserer Brüder. Wir empfinden dies als ein dunkles und bedrückendes Kapitel unserer Geschichte. Dies gilt in gleicher Weise für die nachgewiesene Beteiligung des deutschen Dominikaners Heinrich Institoris an der Hexenverfolgung. Durch das Verfassen des „Hexenhammers“ unterstützte und förderte er die menschenverachtende Praxis der Hexenverfolgung. Folter, Verstümmelung und Tötung haben unendliches Leid über zahllose Menschen gebracht; deutsche Dominikaner haben dazu, neben anderen, die Voraussetzung geschaffen. Die Geschichte dieser Opfer – namenlos und vergessen – können wir nicht ungeschehen machen. Wiedergutmachung ist unmöglich. Uns bleibt die Verpflichtung zur Erinnerung. Wir wissen, dass der Geist von Inquisition und Hexenverfolgung – Diskriminierung, Ausgrenzung und Vernichtung Andersdenkender – auch heute latent oder offen in Kirche und Gesellschaft, unter Christen und Nicht-Christen lebendig ist. Dem entgegenzutreten und sich für eine umfassende Respektierung der Rechte aller Menschen einzusetzen, ist unsere Verpflichtung, die wir Dominikaner den Opfern von Inquisition und Hexenverfolgung schulden. Das Provinzkapitel fordert alle Brüder unserer Provinz auf, unsere dominikanische Beteiligung an Inquisition und Hexenverfolgung zum Thema in Predigt und Verkündigung zu machen."
Siehe auch
Literatur
- Laurent Albaret : L’Inquisition, rempart de la foi ?, Découvertes Gallimard, Paris, 2006
- Carlo Ginzburg: Der Käse und die Würmer. Die Welt eines Müllers um 1600. 5. Auflage. Berlin 2002, ISBN 3-8031-2444-1
- Peter Godman: Die geheime Inquisition. 2001, ISBN 3548602010
- Emmanuel Le Roy Ladurie: Montaillou. Ein Dorf vor dem Inquisitor. Berlin 2000, ISBN 3-548-26571-5
- Henri Maisonneuve : L'Inquisition, Desclée-Novalis, 1989.
- Gerd Schwerhoff: Die Inquisition. 2004, ISBN 3-406-50840-5
- Eric W. Steinhauer, Von der Inquisition zur Lehrbeanstandung: ein historischer Rückblick, in: Reimund Haas; Eric W. Steinhauer (Hrsg.): „Die Hand des Herrn hat diesen Weinberg angelegt und ihn gepflegt.“ : Festgabe für Karl Josef Rivinius SVD, Münster 2006, S. [289]-305. Volltext.
- Emile van der Vekene: Bibliotheca bibliographica historiae sanctae inquisitionis. Bibliographisches Verzeichnis des gedruckten Schrifttums zur Geschichte und Literatur der Inquisition. Band 1 - 3. Topos-Verlag, Vaduz 1982-1992, ISBN 3-289-00272-1, ISBN 3-289-00578-X (7110 Titel zum Thema Inquisition)
- Hans Wollschläger: Die Gegenwart einer Illusion. Reden gegen ein Monstrum. Diogenes, Zürich 1978, ISBN 3257205767
- Fritz Heymann: Tod oder Taufe Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal. Jüdischer Verlag 1992, ISBN 3633540709
Weblinks
- Anmerkungen und Auswahlbibliographie zu dem Buch von Gerd Schwerhoff
- Die Inquisition im Mittelalter (Entstehung, Verfahren, Quellen)
- Originaldokumente der Spanischen Inquisition (spanisch, teilweise mit englischer Übersetzung und Kommentar)
- Philosophie et spiritualité : Histoire de la censure
- Lettres à un gentilhomme russe sur l'Inquisition espagnole (1815), par le comte Joseph de Maistre (1753-1821).
- Bulle "ad abolendam" : bibliotheca augustana
- décrétales
Diskussion der Autoren über den Artikel: Inquisition
altes Zeug, das nur die Gliederung durcheinanderbringt
Da ich als "Kalvinist" laut diesem Artikel hier "ja immer schon ein Problem" für "die" Kirche war, machts ja auch nichts mehr aus sich nochmals in die Nesseln zu setzen: Ein unmöglicher Artikel, die Einzelheiten muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen (so sie einem noch nicht auf Grund von "humanen" Überlegungen herausgezogen wurde. Da ganze sollte mal bei Gelegenheit neu geschrieben werde.
- Dieser Satz ist mir auch aufgefallen, aber ansonsten finde ich den Artikel eher nüchtern und sachlich. Was genau stört dich denn? (Ich bin übrigens auch ein "Ketzer")-- Kris Kaiser 01:44, 20. Jul 2003 (CEST)
Hierher verschoben weil sachlich nicht korrekt
- Im ganzen seriöser Artikel, der nicht den Fehler macht, die sich über die Inquisition neuzeitlich-besserwisserisch zu empören. Man kann sie nur aus ihrer Zeit heraus verstehen. --Irmgard 23:38, 20. Aug 2003 (CEST) :-)
- Nachdem aber Kaiser Konstantin I. das Christentum zur Staatsreligion des römischen Reiches gemacht - hat er nicht, siehe Toleranzedikt von Mailand --Irmgard 23:38, 20. Aug 2003 (CEST) :-)
- und die lokalen Strukturen hierarchisch auf Rom zentriert hatte - hat er nicht, erstens war bei ihm Konstantinopel das Zentrum und zweitens gab es damals fünf gleichberechtigte Patriarchate von denen Rom nur eines war (und im vierten Jahrhundert kirchengeschichtlich weniger bedeutend als z.B. Alexandria oder Konstantinopel). --Irmgard 23:38, 20. Aug 2003 (CEST) :-)
- Widerstand führte häufig zu Verfolgung. Stimmt so nicht von Anfang an. In den ersten Jahrhunderten wurden die Christen verfolgt - die Sekten manchmal auch, aber nicht von den Christen, sondern von den Römern, die die Feinheiten nicht so genau nahmen. --Irmgard 23:38, 20. Aug 2003 (CEST) :-)
- Da der Glaube oder Lebensführung dieser Sekten oftmals von der Orthodoxie der Konzilien abwichen, wurden sie zum Gegenstand von Rückholbemühungen in den Schoß der Kirche. - sagt nichts aus. Wenn der Glaube und die Lebensführung gleich gewesen wären, wäre es ja keine Sekte gewesen. --Irmgard 23:38, 20. Aug 2003 (CEST) :-)
Es war die weltliche Gewalt, die zuerst die Häretiker als Bedrohung ansah und gewaltsam gegen sie vorging. Die Fürsten beklagten sich, dass die Kirche zu wenig energisch gegen die Ketzerei vorgehe, und die verlangten von der Kirche über die Exkommunikation hinaus Massnahmen, um das Ketzerproblem zu lösen.
So? Diese Behauptung bedürfte dringend eines Belegs. Und zwar vor dem Laterankonzil 1215. In der mir zugänglichen Literatur findet sich keiner. Wenn der nicht beizubringen ist, bist du sicher mit mir der Meinung, dass die Gewaltforderung des Konzils Auslöser der Vefolgungen war, oder? --Wst 23:27, 27. Aug 2003 (CEST)
- Hier ein paar Beispiele - alle vor 1215. Es gibt sicher noch mehr, aber damit dürfte der Beleg erbracht sein. --Irmgard 12:01, 29. Aug 2003 (CEST)
- 1022 läßt König Robert II in Orleans 14 Ketzer verbrennen
- 1052 läßt Kaiser Heinrich III. in Goslar "manichäische Häretiker" hinrichten, deren Verbrechen darin bestand, vor Mönchen gepredigt zu haben, alles, was zur Welt des babylonischen Tieres gehöre, müsse gemieden werden
- In 1197, Peter II the Catholic (1196-1213), King of Aragon and Count of Barcelona, issued an edict in obedience to which the Waldensians and all other schismatics were expelled from the land, any of them found in his kingdom or his county after Palm Sunday of the next year was to suffer death by fire, and confiscation of goods.
- Raymond V of Toulouse (1148-94) passed a law which punished Cathari and their favourers with death.
- King Philip Augustus of France had eight Cathari burnt at Troyes in 1200 one at Nevers in 1201, several at Braisne-sur-Vesle in 1204, and many at Paris?priests, clerics, laymen, and women Catharists.
- Diese Zitate belegen recht wenig. Es ließen sich mindesten ebensoviele kirchliche Übergriffe zitieren. Sie belegen in unserem Zusammenhang lediglich, dass ihr Ausmaß im Vergleich zu ~1250ff. vergleichsweise (!) undramatisch blieb. Es geht um die programmatisch-legitimierende Weichenstellung für ein systematisches Vorgehen unter Gewalteinbeziehung gegen Häretiker. Meine Literatur landet stets 1215.--Wst 14:10, 29. Aug 2003 (CEST)
- Diese Zitate belegen eindeutig, dass die Aussage "Die Verfolgung von Christen im Abendland begann erst im Hohen Mittelalter mit dem Aufkommen der Inquisition." nicht richtig ist. Verfolgung von Häretikern gab es schon mindestens zweihundert Jahre vor Beginn der Inquisition. Und die Ketzerverfolgung und die Scheiterhaufen begannen nicht durch eine zentrale Organisation oder einen zentralen Entscheid von Seiten der Kirche.
- Dito für "Es war die Kirche, die zuerst die Häretiker als Bedrohung ansah, und über die Exkommunikation hinaus neue Mittel suchte, die sich in Gewaltmaßnahmen anboten." Von Gewaltmaßnahmen als neuen Mitteln im Hochmittelalter kann man unter den Umständen wirklich nicht reden, die weltlichen Herrscher praktizierten das schon eine Weile.
- Angesichts dieser Vorgeschichte ist es auch unlogisch, die Ketzergesetze von Friedrich II ausschliesslich auf das Laterankonzil 1215 zurückzuführen - das mag ein Faktor gewesen sein, aber sicher nicht der Grund (auch Barbarossa hatte schon in Italien Ketzer verfolgt, in Deutschland waren mindestens seit den Saliern Ketzer verbrannt worden).
...Augustinus, die jedoch aus einer völlig anderen Situation und Weltsicht geschrieben worden waren.
- ?völlig anders? lässt den Leser völlig im Dunkeln. Schätze, die augustinische Hermeneutik kann an dieser Stelle nicht gut abgehandelt werden. Schlage ausführlicheres im Artikel Augustinus vor. Bin schon sehr gespannt ;-)
- Es geht um eine hermeneutische Frage. Augustinus lebte in einer völlig andern Welt (Beispiel: er erlebte, dass Rom von Barbaren geplündert wurde - vergleiche mit der Machtstellung mittelalterlicher Päpste) und hatte mit Sicherheit auch eine andere Weltsicht als ein mittelalterlicher Papst - und der Papst dürfte das nicht so differenziert haben, wie wir das heute tun (oder zumindest tun sollten). Von daher ist es nicht richtig, Augustinus die Verantwortung für die Inquisition zu geben. Augustinus hat die Inquisition nicht geplant, sondern die Inquisition hat Augustinus benützt. So etwas sollte bei Zitaten klar dargestellt werden. --Irmgard 12:01, 29. Aug 2003 (CEST)
- jetzt klingts so: Die Inquistion bezog sich auf Schriften von Augustinus von Hippo, der in der konkreten Auseinandersetzung mit den Donatisten stand - in einer ungleich schwächeren Position als die mittelalterliche Kirche.
- Auwei. Demnach hätte er also in einer "stärkeren" Position "deutlicher" mit seinen Gegnern Tacheles reden und handeln können? Dann müsste die Apostrophierung konsequent wieder fallen. Empfehle Umformulierung. Schon deshalb, weil ihr Stil momentan der Vermutung, auch die Vfn. wünsche einen stärkeren, handlungsfähigeren Augustin, breiten Raum lässt.--Wst 14:10, 29. Aug 2003 (CEST)
nachdem er ebenso wie andere von den Circumcellionen, dem gewalttätigen Flügel der Donatisten, mit dem Tod bedroht wurde, sah er es als Pflicht der weltlichen Gewalt, die Kirche von den Ketzern zu befreien,
- klingt an dieser Stelle nach vordergründiger Apologetik, ändert nichts an der Dreistufigkeit. Ist biografisch interessant. Vorschlag Artikel: Augustinus
, da er sonst in die Hölle komme.
- Jaja. Passt immer, und taugt daher wenig. Beleg für diesen Zusammenhang? fand was vom ?ewigen Tod?, das steht auch da. Gruß --Wst 23:33, 28. Aug 2003 (CEST)
Habe den Augustinus nochmal neu formuliert - insbesondere das mit den zwei Argumenten (Augustinus selbst hat Bände geschrieben, da ist es daneben, ihn selbst so zu reduzieren).
- Da das Referieren dieser Bände an dieser Stelle problematisch, wenigstens ein Satz aus der Standardbiografie des wohl nach jeder Seite unverdächtigen Peter Brown: Augustinus von Hippo:
- Kap. 21) Disciplina "Augustinus ist wohl der der erste Theoretiker der Inquisition, aber er befand sich keineswegs in der Lage, den Großinquisitor abzugeben".
- Das Recht (und die Notwendigkeit) von WP-Artikeln besteht darin, zuzuspitzen, was selbstverständlich den Nachteil bestimmter Reduzierungen einschließt. Wenn aber gesagt wird, Augustin propagierte das Prinzip des Glaubenszwangs, dann ist das ein schlichtes Auf-einen-Nenner-Bringen. Von daher lesen sich Sätze wie ::"Wir möchten sie verbessert haben, nicht getötet; wir wünschen uns den Triumph der Kirchenzucht, nicht den Tod, den sie verdienen." leider als eine Bestätigung dessen, dass alles, selbst das Todesurteil über den Häretiker, aus "Liebe" verhängt wird. Das haben die Inquisitoren auch verstanden
- So eine Verkürzung kann aber sehr Schlagseite haben und dadurch gegen NPOV verstossen. Korrekter ist auf jeden Fall "Die Inquisition hat sich auf Texte von Augustinus berufen" als "Augustinus ist ... oder Augustinus hat..." als Verkürzung und dann noch mit Zitaten untermauert, die die Schlagseite verstärken.
oder Johannes Chrysostomos: Einen Ketzer zum Tod verurteilen, ist ein Vergehen ohne mögliche Wiedergutmachung
- der wurde nun selber verbannt. hochinteressant und hochproblematisch. Selber Betroffene sehen die Dinge halt von einer anderen Seite. Hatte der einen Augustin vergleichbaren Stellenwert?
- Einer der vier Kirchenlehrer des Ostens wie Augustinus einer der vier Kirchenlehrer des Westens ist.
und die energischen Proteste von Ambrosius von Mailand
- den ersten Antisemiten der Staatskirche als Anwalt der Humanität?...
- Anwalt der Humanität sicher: wirft den Kaiser wegen des Massakers von Thessaloniki aus dem Gottesdienst und lässt ihn acht Monate lang nicht mehr herein, bis der Kaiser öffentlich Busse getan hat - nebenbei auch eine Illustration zur absoluten Macht des Kaisers in der Staatskirche ;-)::Was ist bezüglich Antisemitismus? Ist Ambrosius da wirklich ein spezieller Fall? Probleme zwischen Juden und Christen dürften damals eher die Regel gewesen sein - Basilius von Caesarea (eine Generation vorher) ist jedenfalls als Ausnahme hervorgehoben worden, weil er in der Hungersnot Juden gleich wie Christen geholfen hat.
und Martin von Tours gegen die Hinrichtung eines Häretikers durch den Kaiser.
- der sich um so eifriger um die Zerstörung fremder Heiligtümer und die Heidenverfolgung verdient machte. Über Chrysostomus werde nachdenken, die anderen beiden vervollständigen eher das erbarmungswürdige Mosaik.--Wst 23:28, 29. Aug 2003 (CEST)
Allgemein: Ich habe etwas den Eindruck, dass du an von diesen Leuten einen heutigen Standard von Toleranz und Menschenrechten erwartest, der in ihrer Zeit absolut unvorstellbar war (überspitzt ausgedrückt: warum haben Jesus und Paulus nicht die Sklaverei abgeschafft und das Frauenstimmrecht eingeführt?). Die "Brille der modernen Weltsicht" kann niemandem in der Geschichte wirklich gerecht werden. Das ist ein Problem, das auch die Schreiber von Geschichtsbüchern oft übersehen - deshalb auch dort Vorsicht. Mir ist jedenfalls jeder Historiker verdächtig, der sagt, er sei völlig neutral und objektiv - dann lieber die Catholic Encyclopedia, da weiss ich wenigstens genau, wo (und wann) sie stehen (und sie liefern immerhin zuverlässig und reichlich Namen und Jahreszahlen anhand von denen ich auch die, je nach Thema, orthodoxe oder evangelische oder atheistische Sicht finden kann, um das Thema abzurunden). Ebenfalls hilfreich ist es, hin und wieder die eigene Bibliothek zu hinterfragen - die ist nämlich auch oft etwas zu einseitig für eine Enzyklopädie. ;-) --Irmgard 00:38, 30. Aug 2003 (CEST) :-)
Anmerkung
Ja, warum haben Jesus und Paulus wohl die Sklaverei nicht abgeschafft? Wo doch Jesus der Sohn Gottes war? Kann doch nur daran liegen, daß Gott die Sklaverei gewollt hat? Oder geschehen denn unter dem Auge des allmächtigen Gottes jemals Dinge, die Gott nicht will? Ist dies überhaupt logisch möglich? Nun ja, fahren wir ein wenig sachlicher fort: Es stimmt, daß man von historischen Persönlichkeiten nicht ohne weiteres verlangen kann, heutige Maßstäbe zu erfüllen. Dennoch sind die Tatsachen hinzunehmen (es mag manchem schwer fallen), wie sie sind. Und eine Tatsache ist es nun einmal, daß auch die frühe Staatskirche sich nicht scheute, zum Schwert zu greifen (wiewohl gerade hiervon das Neue Testament abrät). Sollte man dies loben? Die meisten Kirchenväter waren in theologische Kontroversen verwickelt und kaum, daß der Staat hinreichend christlich beeinflußt war, wurde er für diese Auseinandersetzungen instrumentalisert, was nicht selten zu Mord und Totschlag führte. Man erinnere sich nur einmal der sogenannten "christologischen Auseinandersetzungen". Es ist hier nicht der Ort all dies in extenso auszuführen, doch scheint mir, daß die hieran beteiligten Kirchenleuchten (auch Chrysostomos und Augustinus haben übrigens heftig gegen die Juden gewettert)bereits an den Maßstäben der christlichen Glaubenslehre, am "Du sollst nicht töten" (wiewohl im AT steht "Du sollst nicht morden", aber dieser feine Unterschied wurde in der Alten Kirche regelmäßig ignoriert zugunsten des moralisch richtigeren "Du sollst nicht töten"), vom Gebot der Feindesliebe ganz zu schweigen, gescheitert sind. D.h. sie halten einer moralischen Bewertung ihrer eigenen Zeit oft nicht stand. Es ist sicher zu primitiv, die Inquisition einfach und geradlinig auf Augustinus zurückzuführen, aber objektive Wurzeln des späteren Blutbades gibt es nunmal auch in den alten Theologien. Dies sollte man einer umfassenden und subtilen Analyse unterziehen, dabei aber nicht vergessen, daß die Inquisition im Mittelalter nicht nur theologische Gründe hatte, sondern daß es ganz handfeste politische und ökonomische Ursachen gab. Eine inquisitierende Kirche nimmt ein ganz dominantes Recht im Staate für sich in Anspruch (auch wenn die Dreckarbeit der Hinrichtung regulär dem "weltlichen Arm" und übrigens unter gleichzeitiger Annmahnung der Milde überlassen wurde)und regiert faktisch mit! Zum anderen hat sich die Kirche auch Besitz von Inquisitionsopfern angeeignet. Es genügt eigentlich, diese Dinge hinreichend begründet darzustellen. Die Wertung ist nicht Sache von Wikipedia, sondern die des Lesers. Die Wikipedia sollte aber auch keine "Christipedia" sein und im vorauseilenden Gehorsam alles abschleifen, was evtl im Kopf des Lesers christentumskritisch wirken könnte. Michael E. SpinkaEs fehlt das historische Element.
Die theologische Begründung für die Schaffung der Inquisition nimmt überhand, während die historische Beschreibung fehlt oder fehlerhaft ist. Zufällig habe ich über das Aufkommen der Inquisition während eines Neuzeitseminars gearbeitet, und bin mir daher sicher, dass die neuere historische Forschung die Inquisition als ein frühneuzeitliches Phänomen sieht, dass die mittelalterliche Rechtsordnung mit Ordal und Gottesbeweis auf eine rationale rechtswissenschaftliche Basis stellt. Dieser Aspekt kommt in dem Artikel leider überhaupt nicht zur Sprache. Als Newbie würde ich mein Referat dem Autor des Artikels gerne zur Verfügung stellen. Eisenkopf 20:34, 4. Okt 2003 (CEST)
- Es gibt ehrlicherweise keinen "Autor" im herkömmlichen Sinn, wie es die Versionsgeschichte auch belegt. Es gibt auch nur sehr bedingt "Newbies"; alle sind ja mehr oder weniger Spezialisten resp. Amateure. Da sind Experten willkommen, die sollten ihre Kenntnisse mutig reinstellen, wir machen schon was draus ;-). Aber als Erstautor hätte ich generell an der Lektüre deiner Abhandlung - sagen wir - sehr großes Interesse. Adresse findest du auf meiner Seite. Gruß--Wst 21:02, 4. Okt 2003 (CEST)
Aus Text verschobener Abschnitt
Er lautete Mit der wörtlichen Interpretierung wird derer Disqulifikation deutlich:- Christus lehrte generell in vielen verschiedenen Gleichnissen.
- Christus lehrte: "Auch richtet der Vater [Gott] niemanden, sondern hat alles Gericht ganz dem Sohn übertragen." (Buch Johannes-Ev.) "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." (Buch Johannes-Ev.) Mit diesem Lebens-Beispiel von Christus bis zu seiner Kreuzigung ist jede gewalttätige Unterdrückung von Menschen - wo derer sich auf biblische Weisheit berufen - ein Verbrechen, das im Namen von Christus (bzw. der chr. Religion) begangen wurde! Die Täter werden vor Gott dafür verantwortlichkeit zeigen müssen; und deren Nachfolger vielleicht auch.
- Christus lehrte, dass man gerecht richten solle.
- Weiterhin gilt, dass man nicht töten, nicht morden solle.
- Christus lehrte, die zwei wichtigsten Gebote seien, Gott zu lieben und seinen Nächsten zu lieben.
- ...
- Ich habe den Abschnitt hierher verschoben, da er mir sehr schwer verständlich formuliert scheint, ich gegenüber dem NT-Abschnitt keine neue Info gefunden haben und ich ihn eher emotional eingefärbt finde. Wer dennoch wichtige zusätzliche Infos für Inquisition hierin findet, sollte sie m.E. in den Gesamtzusammenhang des bestehenden Artikels einbauen. --Robert Huber 23:10, 14. Sep 2004 (CEST)
Verbrechen der Kirche
Der Artikel wird von den fachlichen Aspekten her sicher richtig sein. Ich finde es allerdings schon als sehr störend, dass eines der schwärzesten Kapitel der Kirche in dieser loyalen Form wiedergegeben wird. Etwas mehr Kritik an der Kirche täte dem Artikel meiner Ansicht gut. Ausserdem wäre es meines Erachtens nicht mehr als recht, wenn auf die Praktiken der Inquisition klarer eingeganen würde. Schliesslich wurden mit der Inquisition Verbrechen der schlimmsten Sorte begangen welche oft ihres gleichen suchen.
-
Geht mir genauso, der Artikel wirkt sehr beschoenigend...
- Nun, m.E. stellt sich nur die Frage, ob der Artikel dem neuesten Stand der Forschung entspricht oder nicht. Nur weil das vorherrschende Bild der Inquisition vielleicht nicht mit diesem Forschungsstand übereinstimmt, sollte das nicht als Anlass genommen werden, das halt ein bisserl "zurechtzurücken". Gugganij 21:57, 29. Aug 2005 (CEST)
- Man könnte vielleicht etwas genauer darauf eingehen, wie dieses allbekannte Zerrbild der Inquisition entstanden ist (wahrscheinlich im Zeitalter der Aufklärung) und warum es sich bis heute so hartnäckig in den Köpfen gehalten hat. --Wofl 23:38, 29. Aug 2005 (CEST)
- Wäre in der Tat interessant. Nur müsste das ganze skrupulös mit der Hilfe von seriösen Sekundärquellen geschrieben werden, ansonsten können wir uns jetzt schon auf einen edit-war freuen "der sich gewaschen hat". ;-) lg Gugganij 15:29, 31. Aug 2005 (CEST)
- In dem ansonsten ganz brauchbaren Artikel hab ich diesen religiös-emotionalem Schmu hierher verbannt. -Stenzel
Jesus wurde gekreuzigt - ein wahrer Nachfolger Christi tötet niemals, auch wenn er selbst Verfolgung oder Tod erleiden müsste.
Ein weiteres Beispiel, dass die Toleranz mit "Abweichlern" zu betont: So solle das "Unkraut" nicht vorzeitig ausgerissen werden, sondern das Einbringen der Ernte abgewartet werden, Gottvater selbst werde die Spreu vom Weizen trennen. Richtig verstandene Kirchenzucht hat immer die Umkehr des "Sündenbockes" im Blick.
Frage
Hallo, ich habe eine Frage zu diesem Artikel. In welchen Schriften des Augustinus lassen sich die zwei angegebenen Argumente belegen, die die Inquisition angeblich insbesondere herausgriff? (Abschnitt Augustinus als "Theologe der Inquisition") Vielen Dank im Voraus.
Frage 2
1. Theorem: (Steht unter "Gründung der Inquisition") "Die mittelalterliche Inquisition beschränkte sich geographisch auf Zentral- und Südeuropa - in den skandinavischen Ländern gab es sie nicht und in England nur vereinzelte Fälle."
2. Theorem: (steht unter "Die römische Inquisition") "Im nördlichen Europa hatte die Inquisition geringe Bedeutung: In England wurde sie nie eingeführt und in Skandinavien hatte sie kaum eine spürbare Auswirkung, obgleich sie über die Voraussetzungen zur Hexenverfolgung verfügt haben soll."
Theorem 1 = Inquisition(+) England (-) Skandinavien (+)
Theorem 2 = Inquisition(+) England (+) Skandinavien (-)
Fazit = (+ & + = -) + (- & + = +) + (- & + = +)
Fazit:
- In England und Skandinavien gab keine Inquisition, aber es gab England und Skandinavien.
- Wer prüft eigentlich die Artikel auf Plausibilität?
Frage Verfahrensregeln im Inquisitionsprozeß
Im Artikel steht, dass Beschuldigte die Möglichkeit hatten ihre Feinde zu nennen und wenn diese sie angeklagt hatten, wurde das Verfahren niedergeschlagen.
Laut meinem Informationsstand ist diese Behauptung falsch. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
Heilige Inquisition, Status
- Der offizielle Titel ist "Heilige Inquisition". Das sollte gefixt werden.
- Die Inquisition ist ein Gericht, in der der Richter gleichzeitig Sonderermittler ist. Das ist bedeutsam, da dieses ein Gericht eine spezielle Verfahrensform durchführt, in der primär Zeugenaussagen Gültigkeit haben, die durch Befragung erlangt werden (nicht etwa primär durch Anklagen); Sachbeweise haben vor diesem Gericht keine Bedeutung. Das führte auch dazu, dass sich inquisitorische Prozesse oft sehr ausdehnten, manchmal ganze Stadtbevölkerungen umfassten.
- Ursprünglich war es Aufgabe der Bischöfe, inquisitorische Ermittlungen vorzunehmen. Erst nachdem sich dieser Weg als zu hindernisbehaftet herausstellte, wurden externe Sonderermittler benannt. (Das erklärt übrigens den Widerspruch oben bei "Frage 2": Es gab in England inquisitorische Ermittlungen, aber es gab keine Inquisition als Institution. Da sind die Begriffe durcheinander gekommen.)
- Das Verfahren führte insbesondere bei kleineren Häresien zu der Aufforderung, seine Irrtümer zu widerrufen. Nach dem Widerruf und einer angemessenen Buße wurde der Betreffende freigelassen. Wer jedoch nach einem Widerruf immer noch seine Häresien vertrat, war er reif für den Scheiterhaufen. Dies kann man z.B. anhand des Falls Giordano Bruno bestätigt finden.
Ich habe Schwierigkeiten, die passenden Änderungen in den Text, der sich hauptsächlich mit der historischen Abfolge beschäftigt, sinnvoll einzuflechten und möchte daher vielleicht die ursprünglichen Autoren bitten, den Text umzustrukturieren, damit man sinnvolle Inhalte, die über besagte historische Abfolge hinausgehen, passend einbauen kann.
Dies als Anmerkung zu den Reversionen von Robert Huber 14:55 2005-02-04. -- 04:15 2005-02-05 84.58.2.135=y.e.
Widerspruch im Abschnitt "Spanische Inquisition"
Im Abschnitt Spanische Inquisition steht zuerst folgendes:
Nach älteren Berichten waren von 1478 bis 1530 über 90 % der Angeklagten zum Christentum konvertierte Juden, die angeblich an ihrem früheren Glauben festhielten. In der Hälfte aller Fälle (ca. 900 allein in Toledo) wurden sie beim so genannten Autodafé zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. In Guadalupe waren 82 % der Beschuldigten zum Tode verurteilt worden.
Danach folgendes: Neuere Forschungen haben ergeben, dass die Todesstrafe für geständige Ketzer nicht die Regel war. Unter den verschiedenen möglichen Strafen war Einzug von Vermögen ein häufiges Urteil, da sich die Inquisition durch das Eigentum der Ketzer finanzierte. Wenn ein Ketzer sich weigerte umzukehren, wurde er zur Exekution den königlichen Gerichten übergeben, was bei etwa zwei Prozent der Fälle geschah. Viele überführte Häretiker entkamen jedoch während der ersten Stadien der Untersuchung und wurden nur „in effigie“ verbrannt.
Die beiden Abschnitte scheinen sich irgendwie zu widersprechen bzw. sind zumindest unklar. Sind jetzt die meisten zum Tode verurteilt worden oder nicht? Werden die älteren Berichte nach neuestem Stand der Forschung als Übertreibungen angesehen? Bezieht sich der zweite Abschnitt vielleicht auf den gesamten Zeitraum in den die Spanische Inquisition stattfand, so dass der hohe Anteil der Todesurteile zwischen 1478 und 1530 quasi im äußerst geringen Anteil der Todesurteile im restlichen Zeitraum statistisch "untergeht"? 85.124.176.91 21:51, 29. Aug 2005 (CEST)
"inquisitio haereticae pravitatis" eine Behörde?
Im Abschnitt Kirchliche Inquisition steht: Als Inquisition wurde im Mittelalter auch die inquisitio haereticae pravitatis genannte Behörde bezeichnet, die... Kann man die "inquisitio haereticae pravitatis" wirklich als Behörde bezeichnen? Waren nicht eher einzelne "inquisitores" mit der Durchführung der Prozesse beauftragt und keine Behörde? lg Gugganij 22:01, 31. Aug 2005 (CEST)
- Das sind zu vernachlässigende begriffliche Probleme. Die Inquisition war definitiv eine Institution, allerdings nicht nach modernem Verständnis (heute muss alles immer in feste Hierarchien und Strukturen gepresst werden). Gleiches trifft u.a. auf das sog. Ottonisch-Salische Reichskirchensystem zu, bei dem (immer noch) diskutiert wird, ob es sich um ein System an und für sich handelt, oder nicht.--Sanoj 21:40, 25. Apr 2006 (CEST)
Foltergeräte
Sehe ich da eine eiserne Jungfrau auf dem Bild? Dann kommen mir Zweifel, ob auch noch andere "nicht authentische" Geräte dort abgedilbdet sind, denn die eiserne Jungfrau ist eine späte Erfindung des 19. Jahrhunderts. Auch andere Geräte (ist da ein Holzpranger?) scheinen mir, zumindest in erster Linie, keine Folterinstrumente zu sein. Ganz abgesehen davon weiß ich gar nicht, ob das Bild in dem Zusammenhang überhaupt so sinnvoll ist, aber da würde ich gerne noch die Meinung anderer zu hören. --Flosch 15:14, 3. Sep 2005 (CEST)
- Ich würde das Bild rausnehmen - est trägt nicht wirklich zum Verständnis der Inquisition bei, eher zur desinformation --Gunter.krebs Gunter.krebs 17:18, 3. Sep 2005 (CEST)
- Meines Wissens nach, wurden, jedenfalls anfangs, Geräte benutzt welche kein, oder minmales, Blutvergiessen verursachten, da dies Priestern nicht erlaubt war. Das Blutvergiessen mein ich. Benutzt wurden also eher Daumenschrauben und Streckbänke. Verdächtige unter Wasser "atmen" lassen war auch beliebt. Darf man heute leider alles nichts mehr. Schade. Hat Spass gemacht. Spanish Inquisition 23:11, 5. Okt 2005 (CEST)
Bin auch gerade über dieses Bild gestolpert. Die Eiserne Jungfrau ist eine Fiktion des 19.Jh. und hat bei der Inquisition überhaupt nichts verloren. Auch die abgebildeten Prangerwerkzeuge (eigentlich keine Folter, sondern Strafwerkzeuge) haben mit den Inquisitionsprozessen und auch deren Urteilen nichts zu tun. Da Bild passt inhaltlich nicht hierher. Zum Blutvergiessen: die Kirche durfte kein Blut vergiessen, daher wurde die Blutgerichtsbarkeit von weltlichen Gerichten ausgeübt. Im Artikel Folter findet man auch den Grundsatz, zu foltern „ohne ihnen die Glieder zu zerschlagen und ohne sie in Lebensgefahr zu bringen“. Grüße --Mmg 01:23, 19. Jan 2006 (CET)
Historische Daten
Im Abschnitt zur spanischen Inquisition heisst es "Sie wurde 1481 durch Ferdinand II. und Isabella I. eingerichtet", soweit mir bekannt ist, wurde sie 1478 durch eine Bulle von Papst Sixtus IV. ins Leben gerufen, zwei Jahre später 1480 wurden die ersten beiden Inquisitoren benannt und 1481 gab es zum ersten Mal ein sogenanntes "auto de fe" in Sevilla. Die Daten sollten überprüft oder der Text präzisiert werden. 01:30, 25. März 2006
- Bereits im ausgehenden 12. Jahrhundert finden sich für Bereiche der iberischen Halbinsel weltliche Bestimmungen zur Ketzerverfolgung. So erklärte König Alfons II. von Aragón († 1196) im Jahre 1194 Häretiker zu Feinden des Volkes und des Staates. Sie seien als Hochverräter Majestätsverbrecher (crimen laesae majestatis) und daher unter Konfiskation ihrer Güter des Landes zu verweisen. Drei Jahre später verschärfte Alfons' Sohn, Peter II. († 1213), diesen Erlass. Um die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Verfolgung zu animieren, versprach er Denunzianten ein Drittel des Ketzerbesitzes. Vor allem aber führte er die Strafe des Feuertods (Corpora eorum ignibus crementur) für verurteilte Häretiker ein. Damit erfüllte erstmals ein Herrscher die Forderung der Kirche, die selbst kein Blut vergießen durfte, nach der Bestrafung der Ketzer durch den weltlichen Arm. Fingalo 23:53, 28. Jul 2006 (CEST)
1199 Papstverwirrung: Papstirrung
Im Artikel heißt es ... .1199 sandte Kursiver TexterKursiver Text zwei... Er würde sich in diesem Fall auf Papst Lucius beziehen, was meiner Meinung nach nicht ganz stimmen kann, da dieser zu diesem Zeitpunkt schon im Schoß Gottes Platz genommen hatte. Stattdessen dürften die Gesandten vielmehr von Papst Gregor VII gesandt worden sein.
Dominikus und die Inquisition
Die eingebundene Darstellung eines Inquisitionsgerichtes unter dem Vorsitz des heiligen Dominikus ist äusserst unpassend. Dominikus' Beweggrund für die Gründung eines Bettelordens war, der Ketzerbewegung intellektuell und gewaltfrei zu begegnen.
Inquisition in Südamerika
Die spanische Inkuisition war auch in Südamerika sehr aktiv. Dies ist im Artikel noch nicht erwähnt, wäre glaub aber eine wichtige Ergänzung, vorallem auch da sie dort andere Gruppen verfolgt hat (Inkas, Indios) und wahrscheinlich auch anders funktioniert hat als in Spanien. Ich weiss leider zuwenig darüber, um den Artikel zu vervollständigen, war bloss eben im Inquisitionsmuseum in Lima... (hab aber nicht viel verstanden, da spanisch)
Deutschland gibt es erst seit 1815?
Wenn diese Behauptung (Deutschland gibt es erst seit 1815/1870, Fossa) stimmen würde, dann wären Artikel wie dieser: Deutschland im Frühmittelalter ja reiner Unsinn. Man mag ja darüber streiten, ab wann von Deutschland die Rede ist. Meist wird die Teilung des Reichs Karls des Großen als Zeitpunkt der Entstehung Deutschlands betrachtet. Aber die Behauptung, Deutschland gäbe es erst seit dem 19. Jahrhundert ist wirklich nicht tragfähig! --Raubfisch 17:03, 4. Jun 2006 (CEST)
- Es gehr hier ja um staatliches Handeln und Deutschland war vor 1871 eben kein Staat, sondern allenfalls ein geographischer Raum. Das HRRDN kann man mE nicht als "Deutschland" bezeichnen, nicht nur weil es ihm weitgehend an Handlungsfaehigkeit fehlte, sondern auch, weil es Teile umfasste, die aus heutiger Sicht nimmer zu Deutschland gehoerten. "Deutschland im FMA" behandelt dagegen den geographischen Raum Dtl. Hoffe ich jetzt mal, ohne nachgeschaut zu haben. FossaFossa/Bewertung 19:30, 4. Jun 2006 (CEST)

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