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Die islamische Expansion Bildherkunft |
Dieser Artikel behandelt die Eroberungspolitik der Araber von der Mitte der 630er Jahre an und die weitere Ausdehnung des Islam bis ins 8. Jahrhundert hinein. Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt auf der militärischen Expansion. Die wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung wird im Artikel Blütezeit des Islams dargestellt. Die theologische und religiöse Entwicklung findet sich im Artikel Geschichte der Theologie des Islam.
Mit dem Beginn der islamischen Expansion wird häufig auch das Ende der Antike angesetzt.
Ausgangssituation
Der islamische Machtbereich erstreckte sich bis zum Tod Mohammeds 632 hauptsächlich auf die arabische Halbinsel, allerdings standen deren Randgebiete weitgehend unter der Kontrolle Ostroms und des Sassanidenreichs.
Diese beiden Großmächte der Spätantike hatten sich bei ihrer Grenzverteidigung lange großteils auf arabische Stämme verlassen. Doch hatte der sassanidische Großkönig Chosrau II. das Reich der Lachmiden, deren Hauptstadt Hira im heutigen Südirak lag, bereits um 602 vernichtet. Wenig später hatten die Araber in einem kleineren Gefecht mit den Persern festgestellt, dass ihre leichte Reiterei den schwer gepanzerten sassanidischen Kataphrakten gewachsen bzw. überlegen war: Das Bewusstsein, die Großmacht Persien militärisch schlagen zu können, verbreitete sich unter den Arabern und war für die folgenden Ereignisse sicher von Bedeutung. Zudem war die islamische Expansion vielleicht auch eine Reaktion auf die Zerfallserscheinungen, die die neue Religion unmittelbar nach dem Tod ihres Gründers Mohammed gezeigt hatte: Um einen erneuten innerarabischen Bürgerkrieg zu verhindern, scheinen die ersten Kalifen versucht zu haben, die Gläubigen durch den Kampf gegen äußere Feinde zu einen.
Begünstigt wurden die Araber dabei durch die ungewöhnliche Schwäche ihrer Gegner: Die Oströmer stützten sich seit dem fünften Jahrhundert vielfach auf die teilweise christlichen Ghassaniden, die südlich von Damaskus herrschten. Doch waren sowohl Ostrom als auch Persien von einem langen Krieg erschöpft, den sich beide bis 629 geliefert hatten, siehe dazu Herakleios und Römisch-Persische Kriege. Beide Reiche waren ganz aufeinander fixiert und militärisch nicht auf einen Angriff der Araber eingerichtet. Kurz vor dem Tod des Kaisers Herakleios (610 bis 641), der die Sassaniden mit Mühe besiegt und so sein Reich noch einmal gerettet hatte, sollte dann die Hauptphase der arabisch-islamischen Expansion beginnen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als die Römer die Zahlungen an ihre arabischen Verbündeten einstellten.
Islamische Expansion
Die arabische Eroberung des römischen Orients
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Solidus des Herakleios mit seinen Söhnen Konstantin III. und Heraklonas Bildherkunft |
Bereits 629 war ein arabisch-islamisches Heer in Palästina eingefallen, jedoch von oströmischen und christlich-arabischen Verbänden geschlagen worden. 630 wurde Mekka von Mohammed erobert, 632 starb er. Im Herbst 633 rückte nun wieder eine starke Armee nach Palästina und Syrien vor. Sie konnte kleinere kaiserliche Verbände schlagen, kam aber insgesamt nur langsam voran. Tatsächlich leisteten die oströmischen Grenztruppen zum Teil wohl erbitterten Widerstand. So forderte der Kalif Abu Bakr beim Kommandeur der Truppen im Südirak, Chalid ibn al-Walid, dringend Verstärkung an:
Beeilt euch! Beeilt euch! Denn bei Gott, die Eroberung eines Dorfes in Syrien kommt mich teurer zu stehen als eine ganze Provinz im Irak (zitiert nach Berthold Rubin, Propyläen Weltgeschichte, Bd. 5, Berlin 1990 (ND), S. 185).
Mit Hilfe der angeforderten Verstärkung wurde der lokale römische Widerstand nun gebrochen. Kaiser Herakleios, der nicht mit einem Angriff von solcher Wucht aus der Wüste gerechnet hatte, sandte nun stärkere Truppen nach Syrien, die jedoch Mitte 634 südwestlich von Jerusalem geschlagen wurden.
Bald darauf eroberten die Araber Damaskus. Der Kapitulationsvertrag der Stadt sollte Modellcharakter erhalten: Die nicht-muslimische Bevölkerung sollte eine Kopfsteuer (dschizya) entrichten, war dafür aber von den islamischen Steuern, der Zakat und der Sadaqa befreit. Außerdem wurde ihnen die freie Ausübung ihrer Religion gewährt und sie wurden im täglichen Leben als gleichberechtigte Bürger akzeptiert.
Am 20. August 636 fand die schicksalhafte Schlacht am Jarmuk im heutigen Jordanien statt. Die oströmischen Truppen - vielleicht 40.000 Mann - waren zwar zunächst in der Überzahl, jedoch auch erschöpft vom Marsch. Vor allem führten Streitigkeiten innerhalb ihrer militärischen Führung zu schweren Fehlern. Die Überlegenheit der arabischen schnellen leichten Reiterei über die römischen Panzerreiter, insbesondere aber die Streitigkeiten im kaiserlichen Oberkommando und topographische Nachteile vor Ort bewirkten schließlich, dass die Oströmer, deren arabische Verbündete wahrscheinlich zu Beginn des Gefechts zu den Moslems überliefen, nach einem erbitterten Kampf entscheidend geschlagen wurden, womit das bislang christlich-römisch bestimmte Schicksal Syriens und Palästinas besiegelt war. Kaiser Herakleios, der nur wenige Jahre zuvor mit Mühe die Perser abgewehrt hatte, sah sein Lebenswerk zusammenbrechen und verließ Antiochia, bevor auch diese Stadt an die Araber fiel. Die kaiserlichen Armeen zogen sich nach Kleinasien zurück, und Herakleios fiel offenbar in Lethargie.
638 kapitulierte das isolierte Jerusalem zu günstigen Bedingungen, während die bedeutende Hafenstadt Caesarea Maritima sich dank der kaiserlichen Flotte noch bis 640 halten konnte. Den Arabern stand nun keine Feldarmee mehr im Weg, so dass sie nach Ägypten vorstießen, wo sie im Juli 640 die schwachen römischen Truppen in der Nähe des heutigen Kairo schlugen. Alexandria, die Weltstadt des Hellenismus, fiel endgültig 642 in ihre Hände, nachdem eine letzte Gegenoffensive der Oströmer gescheitert war. Nachdem der organisierte militärische Widerstand der kaiserlichen Truppen gebrochen war, arrangierte sich der größte Teil der Zivilbevölkerung in Syrien und Ägypten mit den Arabern – dies vielleicht umso eher, als die dortigen Christen zumeist „Monophysiten“ waren und sich im Dauerstreit mit den "orthodoxen" Kaisern befunden hatten. Inwieweit Streitigkeiten innerhalb der christlichen Kirche zum Erfolg der Araber beitrugen ist aber in der Forschung inzwischen wieder sehr umstritten.
Im Norden überrannten die Araber Armenien bis in die 650er Jahre, während in Kleinasien die Gebirgskette des Taurus ein schnelles Vordringen verhinderte. Die Oströmer nutzten hier erfolgreich eine Taktik der verbrannten Erde, dezentralisierten die Verteidigung und wichen einer erneuten großen Feldschlacht aus, so dass Kleinasien letztlich gehalten werden konnte. Ein letztes Mal zeigten die Römer damit, dass sie notfalls flexibel auf militärische Herausforderungen reagieren konnten. Zwei großangelegte arabische Angriffe auf Konstantinopel wurden abgewehrt (s. u.); doch genügten die Kräfte, die nach dem langen Perserkrieg erschöpft waren, nicht mehr für eine Gegenoffensive.
In Nordafrika kämpften sich die Araber bis ins heutige Marokko vor. Das oströmische Karthago vermochte sich jedoch bis 697/698 zu halten, denn die Berber bekämpften zunächst noch die Araber, wie sie zuvor auch die Römer bekämpft hatten. Doch für Ostrom bzw. Byzanz blieb entscheidend, dass das Imperium mit den vorderorientalischen Besitzungen zwei Drittel seines Territoriums, drei Viertel seiner Steuereinnahmen und gut die Hälfte der Bevölkerung verloren hatte. Die arabischen Razzien führten zudem auch in Kleinasien zum Untergang der meisten Poleis, die nun aufgegeben oder durch kleine, befestigte Siedlungen - man nannte ein solches Wehrdorf Kastron - ersetzt wurden.
Byzanz brauchte zwei Jahrhunderte, um sich von diesem Schock zu erholen und wieder zu einer (begrenzten) Offensive überzugehen. Doch blieb der Verlust nordafrikanischer Territorien wie auch von großen Teilen Syriens und Palästinas endgültig; er besiegelte das Ende der spätantiken Phase des Reiches, das in der Folge administrativ, militärisch und strukturell einen massiven Wandel durchlief. Die alte senatorische Elite war bereits während der Herrschaft des Phokas schweren Schlägen ausgesetzt gewesen, mit dem Arabereinfall verschwand sie fast ganz, und mit ihr die antike Lebensart sowie der Großteil der klassischen Bildung.
Zahlreiche Flüchtlinge strömten jedoch in die byzantinischen Gebiete und stärkten somit langfristig gesehen das Kaiserreich, das nun gänzlich seinen lateinisch-römischen Charakter verlor und sich zum griechisch-byzantinischen Reich des Mittelalters wandelte.
Das Ende des sassanidischen Perserreiches
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Die islamische Expansion bis 750. Aus dem Historical Atlas von William R. Shepherd, 1923. Bildherkunft |
Etwa gleichzeitig mit der Invasion der römischen Besitzungen begann auch die Eroberung des Sassanidenreichs, das seit über 400 Jahren neben den Römern die wichtigste Macht in der Region gewesen war. In Mesopotamien kamen die Araber zunächst schnell voran, da der Puffer durch die persischen Vasallen nach dem Ende der Lachmiden weggefallen war. Besonders die Macht- und Bruderkämpfe der Sassaniden nach dem verlorenen Krieg gegen Herakleios schwächten das persische Widerstandsvermögen. Zwischen 628 und 633 regierten 14 verschiedene Herrscher, darunter zwei Frauen. Erst 633 war wieder innere Ruhe eingekehrt; der neue Großkönig Yazdegerd III. verweigerte den Arabern den geforderten Tribut und bereitete energisch die Verteidigung vor. Tatsächlich konnte ein erster arabischer Angriff 634 abgewehrt werden.
Bei Kadesia im Südirak kam es dann 636 zur Schlacht (nach anderen Quellen 637). Der sassanidische spahbedh ("Reichsfeldherr") Rostam, der die westlichen Grenztruppen befehligte, kam nach erbittertem Kampf ums Leben, und den Arabern fiel das reiche Mesopotamien samt der sassanidischen Hauptstadt Ktesiphon in die Hände. Der schnelle Zusammenbruch der sassanidischen Grenzverteidigung im Zweistromland war dabei vielleicht auch durch die Reformen bedingt, die Chosrau I. im 6. Jahrhundert durchgeführt hatte: Seither stand immer nur eine Grenzarmee eventuellen Angreifern gegenüber, während in der Tiefe keine weiteren Truppen gestaffelt waren.
Die weiteren Abwehrmaßnahmen der Perser verliefen zunächst unkoordiniert, später verstärkte sich der Widerstand aber wieder. Besonders im persischen Kernland, der iranischen Hochebene östlich des Tigris, kamen die Araber anfangs nur langsam voran. 642 entschied sich jedoch das Schicksal der Sassaniden. Bei Nehawend, südlich des heutigen Hamadan im Iran, kam es zur Entscheidungsschlacht. Die Perser waren wohl in der Überzahl, allerdings sind Zahlen von 150.000 Mann oder mehr dem Bestreben arabischer Chronisten zuzuschreiben, den Sieg noch glorreicher erscheinen zu lassen. Das sassanidische Heer zählte wohl höchstens 70.000 Mann. Zunächst schienen die Perser zu siegen, doch dann wurden sie von den Arabern, die selbst schwere Verluste erlitten, aus ihrer Position gelockt und nach hartem Kampf niedergemacht. Die schwergepanzerte sassanidische Kavallerie konnte gegen die leichte, schnell operierende arabische Reiterei wenig ausrichten. Die Perser unterlagen, und damit stand auch das iranische Hochplateau den Invasoren offen. Der letzte Sassanide Yazdegerd III. zog sich schließlich in den äußersten Nordosten des Reiches, nach Merw im heutigen Turkmenistan, zurück.
Der organisierte Widerstand brach bald zusammen, viele persische Adlige verständigten sich offenbar mit den Invasoren, auch wenn es in der Bevölkerung immer wieder zu Aufständen kam und die Araber teils als "Teufel" bezeichnet wurden. In einigen Regionen sollte noch jahrzehntelanger Widerstand geleistet werden. 651 wurde Yazdegerd III. von einem Untergebenen getötet - noch Jahrhunderte später trugen dessen Nachfahren aufgrund dieser Tat den Beinamen "Königsmörder". Versuche seines ältesten Sohnes Peroz, die Macht mit chinesischer Hilfe wieder zu erringen, scheiterten; er starb im Fernen Osten am Hof der Tang-Kaiser. Das Sassanidenreich und damit die letzte Reichsbildung des Alten Orients verschwand so von der Bühne der Weltgeschichte, auch wenn die sassanidische Kultur einen starken Nachhall im Kalifat der Abbasiden fand und somit den staatlichen Untergang überdauerte. Erst um 900 bildeten die Moslems im Iran die Mehrheit, und bezeichnenderweise behielten die Perser im Gegensatz zu den meisten anderen von den Arabern eroberten Gebieten auch ihre Sprache bei.
Das arabische Ausgreifen nach Europa und Zentralasien
Die Araber versuchten sich unter dem Kalifen Umar Ibn al-Chattab als Seemacht und trafen damit den Lebensnerv von Byzanz. Sie eroberten Zypern und Rhodos und besiegten die Byzantiner 654/55 bei mehreren Seegefechten.
Zweimal, 674 bis 678 und 717/18, belagerten sie Konstantinopel, ohne dass ihnen freilich die Einnahme gelang. Damit war der arabisch-islamische Vorstoß im Nordwesten beendet, da auch die Ressourcen bei weitem überstrapaziert waren. Besonders die innerarabischen Bürgerkriege sorgten denn auch dafür, dass der Osten des Iran und Teile der palästinensischen Küste sowie Zypern zeitweilig der Kontrolle des Kalifats entglitten.
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Al-Andalus, das von Muslimen eroberte Gebiet der iberischen Halbinsel, ca. 910 Bildherkunft |
Im Westen gelang dagegen die Eroberung der nordafrikanischen Küstenlinie, und 711 landeten arabische Truppen unter dem muslimischen Berber (Mauren) Tāriq ibn Ziyād bei Gibraltar (Berg des Tariq) in Spanien. Die Westgoten wurden im Juli 711 in der Schlacht am Rio Guadalete geschlagen. 712 war Spanien gefallen, von westgotischen Enklaven im Norden wie dem Königreich Asturien abgesehen. Ein arabischer Vorstoß in das Frankenreich wurde durch Karl Martell 732 in der Schlacht bei Tours und Poitiers gestoppt, jedoch wurde ein Landstrich um Narbonne bis 759 gehalten. In der Folgezeit entstand, nach der Entmachtung der Umayyaden, in Al-Andalus sogar ein umayyadisches Exilreich, das Emirat bzw. später das Kalifat von Córdoba.
Im Osten erreichen die Araber bis 712 die Grenzen Chinas und Indiens. In Transoxanien gelang der Sprung in die türkischen Besitzungen und deren langsame und folgenschwere Islamisierung, auch wenn dort den Arabern teils hartnäckig Widerstand geleistet wurde. Bald unternahmen die Araber auch erste Vorstöße nach Sindh; ein weiteres Ausgreifen nach West-und Zentralindien wurde jedoch durch die dortigen Regionalherrscher verhindert, deren Armeen den arabischen Truppen durchaus gewachsen waren. 751 besiegten die Araber schließlich in der Schlacht am Talas ein chinesisches Heer, da angeblich weite Teile der Truppen die Araber als Befreier ansahen und zu ihnen überliefen. In Folge dessen wurde der chinesische Einfluss in Zentralasien zu Gunsten des arabisch-islamischen zurückgedrängt.
Damit kam auch die erste große und entscheidende Phase der arabisch-islamischen Expansion zum Stillstand. Im 9. Jahrhundert gelang noch die Invasion Siziliens, der weiteren Islamisierung Italiens waren jedoch kaum Erfolge beschieden. Die Araber konnten im Mittelmeer noch jahrzehntelang fast ungestört operieren, bevor Byzanz wieder in die Offensive ging und es damit zu einer faktischen Pattsituation im östlichen Mittelmeerraum kam. Im Westen wurde der islamische Einfluss ab dem Hochmittelalter Stück für Stück zurückgedrängt; auf der iberischen Halbinsel durch die Reconquista der christlichen Könige, die 1492 ihren Abschluss fand, und im 11. Jahrhundertdie durch die Eroberung Siziliens.
Administrative Maßnahmen der Araber in den eroberten Gebieten
In Syrien teilten die Araber das Land nach byzantinischem Vorbild in vier Verwaltungsregionen auf. Es wurden auch griechischsprachige Verwaltungsbeamte übernommen, was zur Folge hatte, dass Griechisch und Persisch (im ehemaligen Sassanidenreich) als Verwaltungssprache erst im 8. Jahrhundert langsam zurückgedrängt wurden. Offenbar änderten die Araber relativ wenig an dem bestehenden Verwaltungssystem, das ja auch effektiv arbeitete. Zunächst war der neue Großstaat aber relativ locker aufgebaut, wobei die Gouverneure weitgehend freie Hand hatten. Erst Muawiya I., der eigentliche Organisator des Kalifenreiches, schuf eine straffere Zentralverwaltung. Im religiösen Bereich waren die Araber relativ tolerant, jedenfalls solange es nicht „Heiden“ betraf: Anhänger der Buchreligionen – also insbesondere Christen, Juden und Zoroastrier - mussten eine spezielle Kopfsteuer (Jizya) entrichten, durften ihren Glauben behalten, jedoch nicht in der Öffentlichkeit ausüben und keine Waffen tragen bzw. wurden auch nicht zum Wehrdienst einberufen. Dieser Status wird als Dhimma bezeichnet. Erst später kam es zu größeren Ausschreitungen von Seiten der Moslems; auch die Steuerbelastung nahm später zu.
Die Araber gründeten auch neue Städte (Kufa, Basra, Fustat, Kairouan, Fès), welche die Funktion von bedeutenden Verwaltungs- und Kulturzentren übernahmen.
Gründe für den Fall Persiens und für die byzantinischen Gebietsverluste
Die Gründe für dieses nahezu einmalige historische Phänomen werden in der Forschung immer noch diskutiert: es ist höchstens mit dem Alexanderzug und den mongolischen Eroberungen vergleichbar, wenn auch nur entfernt.Tatsache ist, dass Ostrom/Byzanz und Persien vom langen Krieg erschöpft waren. Seit 540 hatte es nur gut 20 Jahre lang Frieden zwischen den beiden Mächten gegeben, im letzten Krieg hatten die Sassaniden die Römer an den Rand des Untergangs gebracht (siehe auch Römisch-Persische Kriege). Zudem hatte man wohl nicht mit einer derartigen religiösen Energie gerechnet, geschweige denn mit einer derartigen Invasion, wenn es auch zuvor einige Anzeichen gegeben hatte. Die Religion hatte schon im letzten römisch-persischen Krieg eine wichtige Rolle gespielt.
Weiter war die orthodoxe kaiserliche Reichsregierung in Syrien und Ägypten nicht beliebt. Hier herrschte zum einen der Monophysitismus, zum anderen spielte die ethnische (semitische) Verwandtschaft zu den Arabern eine wichtigere Rolle als vergleichsweise die Beziehung zu den europäischen Griechen und Römern.
Außerdem genehmigten die Araber der unterworfenen Bevölkerung die Ausübung ihrer Religion gegen eine Kopfsteuer – dies galt sowohl für die Christen wie für die Anhänger des Zoroastrismus. Erst allmählich wurde die Bevölkerung islamisiert, sicherlich auch, weil sonst kaum Aufstiegschancen gegeben waren und ihre Rechtsposition (s. Dhimma) insgesamt prekär war. Vorerst durften die Eroberer auch kein Land als privates Eigentum übernehmen (später änderte sich dies). Allerdings gab es reiche Beute, was für viele Stämme sicherlich ein großer Anreiz bei diesen Kriegszügen war. Elemente der bisherigen Verwaltung wurden von den Arabern übernommen. So blieb etwa Griechisch bis zum Ende des Jahrhunderts die Amtssprache in den eroberten oströmischen Gebieten, und das sassanidische Steuersystem wurde in Persien beibehalten.
Schließlich war auch die oströmische Armee nach den langen Kriegen gegen die Perser demobilisiert worden und benötigte eine lange Vorlaufzeit, um wieder aktiviert zu werden. Das Sassanidenreich war durch die vorangegangene innere Krise noch zusätzlich geschwächt gewesen und wurden von den arabischen Angriffen überrascht, bevor es zu einer Konsolidierung kommen konnte.
Literatur
- Averil Cameron u.a. (Hrsg.): The Byzantine and Early Islamic Near East. Bd. 1ff. Princeton 1992ff. ISBN 087850107X
- Fred M. Donner: The Early Islamic Conquests. Princeton 1981.
- Walter Kaegi: Byzantium and the Early Islamic Conquests. Cambridge 1992. ISBN 0521484553
- Michael G. Morony: Iraq After the Muslim Conquest. Princeton University Press. Princeton 1984. ISBN 0691053952
- Albrecht Noth: Früher Islam. In: Ulrich Haarmann (Hrsg.), Geschichte der arabischen Welt. 3. erweit. Aufl. München 1994, S. 11-100. ISBN 3406314880
- Werner Schmucker: Untersuchungen zu einigen wichtigen bodenrechtlichen Konsequenzen der islamischen Eroberungsbewegung. Bonner Orientalistische Studien. Neue Serie, Bd. 24. Bonn 1972.
- The Cambridge History of Iran, Bd. 3.1, The Seleucid, Parthian and Sasanian Periods. Hrsg. von E. Yarshater. Cambridge u.a. 1983. ISBN 0-521-24699-7
Weblinks
- Artikel aus Iran Chamber (englisch)
- Quellenauszug zur Eroberung Alexandrias (englisch)
- Frei zugänglicher Ausschnitt aus Fred Donner, The Early Islamic Conquests (englisch)
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Diskussion der Autoren über den Artikel: Islamische Expansion
Relevanz
Ich bin gegen diesen Artikel.- Wir haben bereits verschiedene Artikel über das Thema: Geschichte des Islam, Kalifat sowie dien Einzelartikel Umayyaden und Abbasiden (und wahrscheinlich noch ein paar mehr, die sich auch überschneiden).
- Eine separate Erörterung der militärischen Geschichte des Islams wird:
- dem Problem nicht gerecht, dass es in Grunde keine eingenständige kulturelle, religöse, politische, militärische Entwicklung eines Volkes/Gruppe/Reiches gibt
- dem Problem nicht gerecht, das dies gerade bei der Expansion des Islam aufs engste verknüpft ist, da Religiöse, Kulturelle und Politisch/Militärische Führerschaft von Anfang an im Kalifat (vorher noch Mohammed) vereint waren.
Daher bin ich dafür, die Informationen in die entsprechenden Atrikel einzuarbeiten. Diese bedürfen allerdings immer noch einer besserern Strukturierung. --ChristophLanger 09:43, 24. Feb 2004 (CET)
Contra. - und zwar dicke.
"##dem Problem nicht gerecht, dass es in Grunde keine eingenständige kulturelle, religöse, politische, militärische Entwicklung eines Volkes/Gruppe/Reiches gibt" - jo, löschen wir Geschichte Russlands, Geschichte der Türkei, Geschichte Serbiens etc.
Die Expansion des Islam ist, auch in militärischer Hinsicht, ein einzigartiges Phänomen und verdient daher einen eigenen Artikel. -- Gruss, Woldemar 15:36, 24. Feb 2004 (CET)
- Weiß nicht, ob vielleicht ein Missverständnis vorliegt und ich wieder mal in die Falle der insuffizienten Deutschen Grammatik getappt bin.. Ich meinte, dass die kulturelle Entwicklung nicht unabhängig von der religiösen Entwicklung und nicht unabhängig von der politischen Entwicklung eines Volkes betrachtet werden darf. Ich meinte nicht, das wir alle Völker, Staaten etc. in einen Topf schmeißen sollten. Die Trennung der Teilbereiche Religion, Kultur, Politik (, Krieg) voneinander erschwert gerade beim Islam das Verständnis für die Geschehnisse, die eben zur Expansion des Islam führten.
- Beispiel: Der militärische Erfolg der Islamischen Armeen war nur deshalb möglich, weil unter Mohammed und seinen Nachfolgern einen Einheit von Kultur, Politik, Religion erreicht wurde. Siehe auch Artikel Kalifat unter Theorie des Kalifats.--ChristophLanger 16:02, 24. Feb 2004 (CET)
Okay, war ein grammatikalisch verursachtes Missverständnis.
Dennoch bin ich gegen eine Löschung. Die Expansion des Islams ist wirklich ein bemerkenswertes Phänomen, auch und gerade in militärischer Hinsicht. Geradezu unglaublich, und von bedeutender geschichtlicher Tragweite. Es ist etwas, was die Menschen seit Jahrhunderten fasziniert und was oft genug historisch untersucht wurde (siehe zahlreiche Bücher zu dem Thema). Sicher ist es nicht möglich das Thema "Expansion des Islam" durch die einseitige Betrachtung miltärischer Aspekte vollständig zu verstehen, sowie es eigentlich nie möglich ist ein geschichtliches Phänomen ohne die religiösen und kulturellen Rahmenbedingungen zu erklären. Dennoch brauchen wir diesen Artikel. Sieh es einfach als "Ereignisgeschichte" an; wir haben ja auch solche Artikel wie Türkenkriege. Aber natürlich sollten die einzelnen Islam-Geschichtsartikel miteinander verlinkt werden. Vielleicht sollte man diesen Artikel auch in "Militärische Expansion des Islam" oder "Islamische Expansion (militärisch)" umbenennen. -- Gruss, Woldemar 17:37, 24. Feb 2004 (CET)
Ich habe gestern mit dem Autor des Artikels gesprochen, er wird demnächst einen Absatz zur Geschichte des Islam ergänzen, dann können wir diesen Text als weiterführenden Artikel IMO gut gebrauchen. Bei der Zusammenstellung des Materials für den Islam-Reader ist mir allerdings aufgefallen, dass wir (außer in Abbasiden) noch so gut wie nichts zur inneren Struktur (Verwaltung, Rechtssystem etc.) des Islamischen Reichs haben. Das wär ebenfalls ein eigener Artikel. Dann hätten wir:
- Islamische Expansion (militiärische Eroberungen)
- Islamisches Reich (interne Gschichten)
- Blütezeit des Islam (vielleicht besser anderer Titel, zur Entwicklung in Wissenschaft und Kultur)
Hi,
da ich den Artikel "verbrochen" habe: Es ging mir nicht darum, die Expansion des Islam nur auf das Milit. zu beschränken. Aber gerade das Milit. war am Anfang das Ausschlaggebende. Die kulturelle wie religiöse Assimilierung der persischen und semitischen Bevölkerung erfolgte mit unterschiedlichen Tempo...aber erst langsam (noch im 10. Jahrhundert war der Norden Syriens vorwiegend christlich).
Ich folge dabei auch dem Beispiel bekannter Lexika, wie etwa dem "Lexikon des MIttelalters" oder dem "Dictionary of the Middle Ages" die ihn ebenfalls separat behandeln.
Ich hätte ihn natürlich bei Ereignisgeschichte parken können, aber so wie ich es mit Elian besprochen habe, finde ich es auch übersichtlicher. Und, meines Erachtens, auch logischer. Wie gesagt: ich werde demnächst eine Kurzufassung davon erstellen. Aber zu Denken, die militärische Expansion des Islam UND dessen kulturelle Entwicklung wären Hand in Hand gegangen, ist ein Fehler. Eine gute Zusammenstellung für Persien bietet z.B. der 4. Band der "Cambridge History of Iran".
Man muss meine Sicht der Dinge nicht Teilen, aber die militärische Eroberung der byzantinischen Ostgebiete und der Untergang des sassan. Persiens sind so einzigartige Phänomene. Der Alexanderzug und die mong. Expansion waren vollkommen anders motiviert und begründet.
Und ob die arabischen Eroberung NUR möglich waren, wegen der religiösen-kulturellen Entwicklung...das ist sehr zweifelhaft. Dass eine erfolgreiche Abwehr möglich war, zeigt Poitier und Tours. Byzanz und Persien waren nur militärisch geschwächt und die strata Diokletiana hielt ihnen aufgrund ihrer Zahl und Schnelligkeit nicht stand. Viele kulturelle Entwicklungen setzten erst später ein. Siehe auch Persien: der Islam passte sich dort eher der Kultur an, als umgekehrt.
--Benowar
Bin vollkommen deiner Meinung. Die gewaltige Ausbreitung der islamischen Religion und damit auch der arabischen Sprache und Kultur wäre ohne die militärischen Eroberungen nicht möglich gewesen. -- Gruss, Woldemar 19:57, 24. Feb 2004 (CET)
- OK - und überredet. Wir sollten diese Diskussion aber vielleicht noch in der Einleitung des Artikels reflektieren. und auf die anderen Artikel verweisen:
- Islamische Expansion (militiärische Eroberungen)
- Islamisches Reich (interne Gschichten)
- Blütezeit des Islam (vielleicht besser anderer Titel, zur Entwicklung in Wissenschaft und Kultur)
- yep. Mach Vorschläge ;-) Meiner wäre Wissenschaft und Kultur im Islam für die Blütezeit. --Elian 11:23, 25. Feb 2004 (CET)
- sobald das Gerüst steht, sollten wir zusehen, dass nicht allzuviele doppelte Informationen in den Artikeln enthalten sind. Aber das ist der letzte Punkt auf der Todo-Liste. --Elian 11:23, 25. Feb 2004 (CET)
Weshalb der Titel? Wegen "islamischer" ??? Im "Dictionary of the Middle Ages" ist er unter "Islamic Conquest" aufgeführt...davon habe ich bewusst Abstand genommen :) Benowar 11:00, 25. Feb 2004 (CET)
Kurfassung steht. Mfg Benowar 15:30, 25. Feb 2004 (CET)
Solche Sachen wie Mohammed "Allahs Segen sei mit ihm" muss doch nun wirklich nicht sein...ich schreibe als bekennender Christ bei Jesus ja auch nicht "der Verkünder des einzig wahren Glaubens". Danke, dass es gelöscht wurde. Man sollte da doch versuche, objektiv die Fakten und nicht irgendwelche religiösen Ansichten zu präsentieren.
MfG Benowar 12:44, 26. Feb 2004 (CET)
Hallo, könnt ihr mal die Übersicht ChristophLanger Portal Islam ansehen. (Bitte den Titel und die Tabellenüberschriften nicht zu wichtig nehmen, ich versuche nur einen Überblick zu bekommen.) Was haltet ihr davon? --ChristophLanger 18:30, 26. Feb 2004 (CET)
zum Thema Widerstand der Perser: O.k., das Wörtchen "wollte" ist etwas unglücklich gewählt, aber dass die Sasaniden nicht konnten schon. Übrigens ist "Cambridge History of Iran" nicht allseligmachend, speziell iranische Autoren müssen auch beachtet werden. Thomas Ihle 17:47, 27. Feb 2004 (CET)
Nur hat darauf auch die allgemeine Bevölkerung nicht so leicht Zugang :)
Das sie es nicht konnten, ist aber denke ich in meinem Beitrag schon klar zum Ausdruck gekommen,. Mich störte eben nur das wollte...das der Widerstand durch die langen römisch-persischen Kriege, die Verteidigung durch "Markgrafen" und die Unterschätzung der Gefahr, nicht wirklich griff, ist ja keine Frage. Und so habe ich sie ja auch angesprochen.
MfG Benowar 18:12, 27. Feb 2004 (CET)
Diskussion zum entfernten Satz: „Die Sasaniden wollten bzw. konnten nicht gegen die Muslime kämpfen“
Um diese erste Aussage zu verifizieren sind folgende Autoren aufgeführt:
- Cahen: „...aber zu einem organisierten, allgemeinen Abwehrkampf kam es nicht „.
- Frye: „....keine mächtigen Feudalherren oder Feudalheere existierten, die Widerstand gegen die Araber wirksam hätten organisieren können“.
- Schippmann: „ dass die arabischen Armeen unter dem Banner des Propheten viel engagierter kämpften. Weiter hat aber auch die Tatsache, dass Mesopotamien überwiegend von Nichtiranern, also auch von Nichtzoroastriern, bewohnt war, seien es nun Araber, Christen und Juden, die sicherlich nicht unglücklich über die persische Niederlage waren, zum schnellen Erfolg der muslimischen Armeen beigetragen. Schließlich gab es zahlreiche arabische Hilfstruppen in den Reihen der persischen Armee, die zum Gegner, zu ihren Landsleuten übertraten.“
- Noth: „mit einem ganz anderen Typus von Gegner (nämlich)....die lokale Bevölkerung ...: mit den regulären Truppenaufgeboten der Großreiche, die vorwiegend aus landfremden Söldnern bestanden und die keineswegs durchweg auf die Unterstützung durch regionale Bevölkerung rechnen konnten, deren Land zu verteidigen sie beauftragt waren“
CHIr ist zwar gut, aber bei weitem nicht alles.
Das war eben mein Ansatz, Gruss Thomas Ihle 22:20, 27. Feb 2004 (CET)
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Mesopotamien ist nur etwas völlig anderes als der Iran. Das in Mesopotamien die Perser sich nicht halten konnten, eben weil sie eine Minderheit waren, habe ich gar nicht betritten..steht sogar im Artikel :)
Ich glaube wir haben beide aneinander vorbei geredet. Mein Standpunkt ist und war: Ja, in Mesopotamien fand kein Widerstand aus der Bevölkerung statt. Im Iran fand er allerdings statt. Das Problem bei Noth und auch Cahen ist ja, dass sie diese Ereignisse auf knappen Raum abhandeln müssen.
Die Verteidigung brach auch deshalb zusammen, weil zuerst die "Markgrafen" die Verteidigung übernahmen. Von der Erschöpfung der Bevölkerung und der Armee ganz zu schweigen.
Doch das Interessante ist ja eigentlich die Eroberung des Iran selbst. Dort kam es allerdings zum Widerstand. Und auch nach dem Tod Yazdgards brach zwar der organisierte, aber nicht der vereinzelte Widerstand zusammen. Perozes versuchte ja mit chinesischer und türkischer Hilfe zurück auf den Thron zu gelangen. Und noch im 8. Jahrhundert gab es Mitglieder der persischen Suren Familie in China, die vereinzelt versuchten, wieder ins Land zu gelangen.
Ich habe ja nur gestrichen, dass der Widerstand nicht geleistet werden WOLLTE. Das sie es später nicht konnten, wurde m.E. schon im Artikel deutlich. Ich glaube darauf kann man sich einigen :)
MfG Benowar 13:45, 28. Feb 2004 (CET)
ps: aus der "Cambridge History of Iran" (ist nunmal neben Wiesehöfer das maßgebliche Werk für Persien in der Antike..gut, neben Frye :) ), Bd.4, S. 28: "In spite of having been defeated, the Iranians did not accept the penetration of these different kind of immigriants with enthusiasm; on their entrance to Mada`in they referred to the arabs as devils (...) In many places their entrance was contested and when the Arabs assembled in Qum for their prayers, the people came and shouted insults at them".
Nur als Beispiel. Schippmann und Cahen habe ich auch zur Hand, ebenso Noth. Frye nicht, dafür Wiesehöfer. Sie beziehen sich im Endeffekt bei dem fehlenden Widerstand aber nie auf den Willen, sondern auf die militärische Situation der Perser, die nach Nihawend fatal war.
Ich will daraus auch keinen Glaubenskrieg machen, aber das "wollte" konnte ich eben nicht akzeptieren. Du sagtst ja selbst, dass es nicht ganz sooo passend war. Darauf können wird uns denke ich einigen.
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klar, kein Problem :) - die Muslime haben ein "einzigartiges Zeitfenster" genutzt, um Persien zu erobern.
MfG Thomas Ihle 19:05, 28. Feb 2004 (CET)
dieser text entspricht nicht ganz der wahrheit:
Byzanz brauchte Jahrzehnte, um sich von diesem Schock zu erholen und wieder in die Offensive zu gehen. Doch blieb der Verlust endgültig.
denn in wahrheit waren es keine jahrzehnte sondern jahrhunderte (da haben die araber den griechen ja kräftig den allerwertesten versohlt!), erst unter der makedonischen dynastie war das oströmisch-byzantinische reich insofern konsolidiert, wie auch gefestigt, um in eine kraftvolle offensive gegen den islamischen imperialismus vorzugehen. rückeroberung von kreta, zypern, teilen von syrien (aleppo!), leider blieb damaskus, die reiche hauptstatdt syriens weiterhin in der hand der (islamischen) araber, es gibt ja auch, was viele vergessen, auch bis heute, sehr viele christliche araber!
aufgrund dieser fakten werde ich den text ändern.
Im Grunde stimmt das....dann auch wieder nicht, denn unter Kaiser Konstans II. ging Byzanz durchaus im Westen in die Offensive (Africa), wenn auch recht erfolglos. Übrigens war es ja vorläufig eine Leistung, die Tauros-Front zu stabilisieren. Die isaurischen kaiser waren übrigens keineswegs unfähig, sondern stabilisierten die Grenze...so dass man nicht unbedingt davon sprechen kann, dass Byzanz nichts unternahm. Aber mach mal Benowar 17:32, 15. Aug 2004 (CEST)
du spielst auf kartago, gell? laut meine unterlagen konnte sich das byzantinische kartago bis 698 halten, dann wurde es von der arabern erobert und später ganz aufgegeben. bin mir in einem punkt nicht ganz sicher kann es sein, als die arbaber im züge ihrer nordafrikanischer expanison kartagon kurzfristig erobert, gehalten haben, dann wurde es von den griechen zurückerobert und bis 698 gehalten. weißt du da mehr? soviel zu dem punkt. der andere, ich will ja nicht unterstellen, sie hätten gar nix gemacht, doch das was gemacht wurde, war eher defensiver natur, neuordnung der provinzen (themenverfassung) und sicherung der grenzen des überlebenswichtigen "asia minor". ein kraftvolle, ERFOLGREICHE, Antwort auf den arabischen Imperialismus kam aber erst unter der makedonischen Dynastie zustande, aber dann mit Tacheles!
Bist ja ganz schön martialisch...nun gut. Ja, ich spiele tatsächlich auf Karthago an. Es geht aber nicht um die Stadt, sondern um die umliegende Provinz. Die war nämlich von den Arabern bereits vor 697/98 erobert worden, allerdings nicht vollständig (Widerstand der Berber und der Byzantiner). Konstans II. verlegte die Hauptsadt gar zeitweilig nach Syrakus, wurde aber bald darauf ermordet. Generell stimmt es schon: Byzanz ging erst im 9. bzw. 10. Jahrhundert in die Offensive, aber das hing, denke ich, auch stark mit den inneren Problemen in Byzanz zusammen (Stichwort Bilderstreit). Aber lassen wird das...denke, dies führt uns zu weit vom Thema ab.
Eine Frage hätte ich da aber schOn: wieso meinst du "arabischer Imperialismus"? Persönlich hätte ich mir eine andere Entwicklung der Geschichte gewünscht, aber die Araber waren doch im Vergleich zum europäischen Imperialismus relativ tolerant...wenigstens zu Beginn. Und wenn man es vom religiösen Standpunkt sieht: Byzanz war nicht weniger religiös als es die Araber waren. Benowar 01:46, 16. Aug 2004 (CEST)
schon klar das umland wurde ja erobert, es geht mir in erster linie nur um die stadt, deiner meinung nach war als kartago durchgängig (ost-)römisch? Ja? ich dachte, irgendwann mal gelesen zu haben, die araber hätten die stadt schon vor 698 erobert und dann wieder an die griechen verloren. ich denke, kartago konnte sich nur deswegen solange halten, weil aus dieser gegend das kaiserhaus entstammte. der verlust kam schon einen prestigverlust gleich. Du magst diesen Konstans II. ;) was liegt die soviel an diesem herakliden? Und das die hauptstadt von konstantinopel nach syrakus/sizilien verlegt worden ist, das ist mir auch neu, wann war das? Und was war der Grund für die verlegung? Der bilderstreit hat unter der amorischen dynastie sein ende gefunden > 843 synode zu konstantinopel, und Ja, auch diese Zwistigkeit hat denn Staat im Innern sehr stark geschwächt, aber auch die Bedrohung von allen Seiten, in erster Linie durch die Araber im Osten, wie auch Awaren/Bulgaren im Westen ( 1. Bulgarisches Reich !). Ab ca. 850 können wir von einem "politischem erwachen" des reichs sprechen! Ich habe nicht geschrieben die Byzantiner wären kein tiefgläubiges volk gewesen, ganz im gegenteil, nur der glaube an sich wie auch die byzantinisch-griechische kirche sicherte das Überleben dieses volkes. auch und gerade während der fast 400jährigen osmanischen okupation. 1453/1460 (fall von konstantinopel/mistra... kreta, zypern, rhodos standen ja unter der kontrolle der "franken") - 1829 (Unabhängigkeits Erklärung). stichwort arabisch-islamischer imperialismus: wie anders kann man denn diesen militärisch durchaus sehr erfolgreichen "raubzug" anders nennen können? und das die moslems sehr tolerant gewesen seinen... nun da kann man sicherlich geteilter meinung sein. es war vorwiegend ein ökonomischer faktor, siehe kopfsteuer für die christen/juden. das heißt die toleranz beruhte nur auf einen "freikauf" und welche wahl hat denn nicht-moslems, die gar kein vermögen hatten?
Ich sehe schon: da gehen unsere Meinungen auseinander :)
Aber ich spielte mit den inneren Problemen neben den Bilderstreit auch auf die innenpolitischen Spannungen nach Herakleios und unter Justinian II. an. Ich mag nicht Konstans II., sondern Herakleios. Es flösst - finde ich wenigstens - doch schon etwas Respekt ein, wie er ein niederliegendes Reich gegen die Sassaniden mobilisierte und sich behaupten konnte. Aber gut...
Konstans II. verlegte die Hauptstadt 660/62 nach Syrakus. Gründe war offiziell die Wiedererlangung des Westens, aber aufgrund der Quellen kann man auch davon ausgehen, dass es interne Probleme gab, denen er aus dem Weg gehen wollte. Literatur: Lilie, Byzanz - Das zweite Rom, S. 104 f. und Finley, Mack Smith und Duggan: Geschichte Siziliens und der Sizilianer, S. 85 (als Beispiele).
Von einer vorherigen Eroberung Karthagos ist mir jetzt auf Anhieb nix bekannt. Auf jeden Fall ging die Stadt aber 697/98 (kommt auf die Quellen an) verloren. Benowar 13:13, 16. Aug 2004 (CEST)
wo siehst du da überall einen disenz zwischen uns beiden? ich sehe da überhaupt keinen disenz. Ein niederliegendes reich (?), nun ich denke man muß zumindest den persern respekt zollen, immerhin haben sie es geschafft fast alle ehemaligen altpersischen provinzen aus der vorchristlichen zeitrechnung (die zeit unter kyros, darius etc) unter ihre kontrolle zu bringen, kurzfristig zumindest. das war übrigens (fast) immer das ziel der persischen außenpolitik, das alte achämeniden-reich auferstehen zu lassen. diese poltik fand immer in den kriegen der verschiedenen völker der altpersis (parther, sassaniden) mit den römern ihren ausdruck, da jene dynastien/völker sich stets als die rechtsnachfolger des längst untergangen reiches des darius III. sahen. für die byzantiner war das natürlich glatt eine katastrope, der verlust der extrem wichtigen provinzen syrien/ägypten sowie jerusalems. aber da kommt der aus kartago stammende armenier herakleios, der in einer zweifelsfrei kühnen mission ins kernland des feindes maschiert ist (während die hauptstadt sowohl von den awaren im westen und den persern im osten belagert wird), um die sieges entscheidung im zentrum des feindes zu erzwingen. man muß diesem mann respekt zollen. im grunde war auch herakleios, historisch-politisch gesehen, eine person von trauriger gestalt. Er konnte mit einem beispielosen sieg, die persergefahr endgültig bannen, aber im kampf mit dem fanatischen, arabisch-islamischen imperialismus mußte er leider passen. alles was er unter starker anstrengung gewann, verlor er im gleichen zug an die "neue macht", leider. hätten sich die griechen und die perser um einen konsens bemüht, als sich die schädel gegenseitig einzuschlagen, wäre die geschichte eventuell ganz anders verlaufen. aber nix geschieht, weil es geschieht. so ist der lauf der zeit, auch wenn wir den sinn des "warum" und des "wieso",nicht verstehen, ja ihn in seiner großen vielfalt und dimension gar nicht ansatzweise erahnen können, hatte es doch im grunde einen sinn. es ist geschehen und es mußte geschehen.
Diskussion aus dem Review
Ebenfalls ein sehr guter Artikel, der mal durchgesehen werden sollte, um Schwachstellen zu finden. -- Bender235 19:23, 19. Feb 2005 (CET)
- Hab mal ein paar Kleinigkeiten geändert (Karte vergrößert, Review eingefügt, Literatur als Hauptpunkt). Textlich schon ziemlich gut, Bebilderung? Bildchen vom Mohammed, von einem Araber dieser Zeit, vom Koran... da ließe sich noch einiges machen. -- Carbidfischer 19:32, 19. Feb 2005 (CET)
Was noch getan werden sollte: Eine saubere Gliederung zB in Ausgangslage, Verlauf, Gründe, Folgen oder so ähnlich. -- Carbidfischer 19:41, 19. Feb 2005 (CET)
Das Faktengerüst wollte ich nicht großartig erweitern - ich werde es aber noch neugliedern und teils ergänzen. Für Bilder bin ich gerne empfänglich :-) --Gruß Benowar 20:20, 20. Feb 2005 (CET)
lesenswerte-Diskussion
- pro. --Bender235 15:05, 15. Mai 2005 (CEST)
- Enthaltung, da Hauptautor. Nur eines: ich hätte gerne ein paar Bilder - weiß jemand Rat? --Benowar 15:32, 15. Mai 2005 (CEST)
- Captain Blood noch ein paar Karten malen lassen. ;-) Ansonsten sind meine Bilder afaik alle urheberrechtlich gesehen zu neu, ich seh mich aber nochmal um. -- Carbidfischer Carbidfischer/Wikiteria 18:40, 15. Mai 2005 (CEST)
- Pro. Gute Übersichtsdarstellung. --Micgot 14:05, 17. Mai 2005 (CEST)
- pro --Zahnstein 08:28, 19. Mai 2005 (CEST)
Expansion nach Süden?
Gab es eine Islamische Expansion nach Süden (von Arabien aus)? Wohin (geschichtlich gesehen) gehören die Gründungen von Dar es Salaam, Mombasa, Malindi und nicht zuletzt Sansibar? Gab es dort Islamische Herrschaftsgebiete, wenn ja, wann, und gehört dieses Thema in diesen Artikel? --Bender235 00:36, 31. Mai 2005 (CEST)
"Hirzudem stellte die Invasion des Sassanidenreichs keine isalmische "Reaktion" dar, sondern zielte auch die Invasion des Sassanidenreichs ab" Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Es wäre auch Wahnsinn gewesen, wenn die paar Araberstämme in der Unterzahl zu einem Zeitpunkt der inneren Instabilität die beiden damaligen Weltmächte Rom und Persien angegriffen hätten - dazu noch gleichzeitig. Wenn überhaupt, dann höchstens eine nach dem anderen. Die Kriegsgründe sind wichtig und können nicht einfach weggelassen werden und auch wer was gegen den Islam hat sollte die Fakten nicht verleugnen! Hab es daher wieder reingenommen. PS: Belege z.B. Thomas Arnold, The Preaching of Islam, 4. Auflage oder auch jedes andere gute Geschichtsbuch.
- Die arabische Expansion gegen das Sasanidenreich setzte zu einem Zeitpunkt ein, als es bereits durch die Niederlage gegen Herakleios und von inneren Bruderkämpfen geschwächt war. 628 trat der Gouverneur des Yemen zum Islam über, 630 der von Bahrein. Nach Tabari lehnte Yazdegerd 634 die Forderungen einer arabischen Delegation ab. Die Ergänzung erweckt jedoch den irrigen Eindruck, als ob die Perser die Aggressoren waren, was so nicht der historischen Wirklichkeit entspricht (vgl. beispielsweise Spuler, Iran in früh-islamischer Zeit, 1952, S. 5ff.; K. Schippmann, Grundzüge der Geschichte des sasanidischen Reiches, 1990, S. 74ff.). Das Sasanidenreich war zu dieser Zeit sicher keine völlig intakte Großmacht mehr (Weltmacht ist da Fehl am Platze). Die Hintergründe werden im Artikel ja angesprochen (Schwäche der Armee, Erschöpfungszustand etc.). Zudem erfolgte der entscheidende Angriff gegen die Sasaniden erst 636/637, als die oströmischen Truppen in Syrien also schon weitgehend ausgeschaltet waren (wie es auch im Artikel dargelegt wird). --Benowar 22:13, 13. Apr 2006 (CEST)
An alle Kulturclasher: es gibt einen Unterschied zwischen Araber und Mauren!
Kennt hier keiner den "Feinen Unterschied" zwischen Araber und Mauren? Wir sollten das Weltbild der „Kulturkämpfe“ (The Clash of Civilizations) aus der neokulturalistischen Bibel westlicher Selbstbehauptung und damit die extreme Selbstbezogenheit und der us-zentrierte Autismus des Zivilisations-Paradigmas von Huntington nicht übernehmen...





