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Isomer

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Der Artikel Isomer gehört zur Kategorie: Chemie, Pharmazie, Pharmakologie

Der Name Isomer ist von Iso isos (griech.) = gleich und meros (griech) = Teil abgeleitet. Isomere sind chemische Verbindungen der gleichen Summenformel, aber unterschiedlicher chemischer Struktur und teilweise auch mit unterschiedlichen chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften. Isomerasen sind die Enzyme der Zelle, die Isomere ineinander umwandeln. Auch in der Kernphysik spricht man von Isomeren, siehe hierzu Kernisomere.

Isomeriearten in der Organischen Chemie

Es gibt eine Reihe sehr unterschiedlicher Formen der Isomerie - sie reichen von im Grunde völlig verschiedenen Verbindungen bis zu sehr subtilen Unterschieden. Man kann alle Formen in zwei Gruppen einteilen, die Konstitutionsisomere und die Stereoisomere.

Konstitutionsisomerie oder Strukturisomerie

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Strukturisomerie von Butan, Pentan und Hexan im Vergleich
Bildherkunft

Konstitutionsisomere besitzen die gleiche Summenformel, aber eine andere Struktur (Konstitution). Die Isomere sind daher im Allgemeinen verschiedene Substanzen mit unterschiedlichen chemischen (u.a. Reaktivität) und physikalischen Eigenschaften (u.a. Schmelz- und Siedepunkt, Löslichkeit). Man kann vier Fälle unterscheiden:

  • Funktionsisomere besitzen unterschiedliche funktionelle Gruppen, z.B. Ethanol (CH3-CH2-OH) und Dimethylether CH3-O-CH3.
  • Skelettisomere haben verschieden verzweigte Kohlenstoffgrundgerüste, so Butanol und 2-Methyl-1-propanol.
  • Bei Stellungsisomeren (auch Ortsisomere genannt) liegt die gleiche funktionelle Gruppe an verschiedenen Positionen, ein Beispiel ist 1,2-Propandiol und 1,1-Propandiol. Von Tautomerie spricht man, wenn die beiden Isomere in einer reversiblen chemischen Reaktion ineinander übergehen können, indem Teile des Moleküls ihren Platz wechseln.
  • Bindungsisomere (auch Valenzisomere): Doppelbindungen können verschiedene Stoffe bilden, auch Cycloalkene z.b C3H4

Stereoisomerie

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Die beiden Enantiomere der Milchsäure in einer Fischer-Projektion, R- bzw. S-Konfiguration am einzigen chiralen Kohlenstoffatom
Bildherkunft

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Isoleucin (S,S) und Alloisoleucin (S,R) in einer Fischer-Projektion, Epimer bzw. Diastereomerenpaar
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Stereoisomere haben grundsätzlich die gleiche Struktur (Konstitution) - und damit natürlich auch die gleiche Summenformel - unterscheiden sich aber durch die räumliche Anordnung der Atome.

  • Ein außerordentlich wichtiger Spezialfall sind Enantiomere, Stereoisomere, die sich wie Bild und Spiegelbild zueinander verhalten und keine Symmetrieebene aufweisen. Enantiomere unterscheiden sich deshalb in allen Chiralitätszentren (Atome, die aufgrund von vier unterschiedlichen Substituenten unter diesen zwei verschiedene Reihenfolgen erlauben). Wichtige Beispiele sind Zucker und Aminosäuren.

  • Als Epimere bezeichnet man Paare von Diastereoisomeren eines Moleküls mit mehreren Chiralitätszentren, die sich nur an einem dieser Zentren unterscheiden (z.B. Isoleucin und Alloisoleucin (siehe Grafik rechts) oder auch Glucose und Galactose). Epimere sind somit immer auch Diastereomere, aber nicht umgekehrt.

  • Eine meso-Form besitzt zwar mehrere Chiralitätszentren, aber bei starrer Struktur auch eine Symmetrieebene und lässt sich daher mit dem Spiegelbild zur Deckung bringen. Allgemein gültig ist die Formulierung, dass eine meso-Form äquivalente Chiralitätszentren mit entgegengesetzter Konfigurations besitzt. Zwei meso-Formen sind also entgegen dem ersten Anschein keine Enantiomere und optisch inaktiv.

  • In der Zuckerchemie benutzt man den Begriff Anomer als Spezialfall eines Epimers, dessen Unterschied am ersten Kohlenstoff liegt (relevant bei Bildung der α- oder β-Form eines Zuckers wie der Glucose).

Allen diesen Gruppen ist gemeinsam, dass ein Isomer nur durch Bindungsbruch in eine andere Form überführt werden kann. Das trifft auf die letzte Gruppe von Isomeren, die auch unter den Oberbegriff Stereoisomere fallen, nicht zu: Konformationsisomere sind Stereoisomere, die sich schon durch die Drehung von Einfachbindungen ineinander überführen lassen. Thermische Energie bei Raumtemperatur reicht dafür meist aus. Ein Beispiel ist das ekliptische und das gestaffelte Ethan (gut sichtbar in der Newman-Projektion). Die beiden Gruppen des Ethans können im Prinzip in jedem beliebigen Winkel zueinander stehen, wobei die Energiedifferenz geringer als die thermische Energie ist, so dass in einer Lösung die isomeren Formen kontinuierlich ineinander übergehen und sich normalerweise nicht isolieren lassen.

Weitere Begriffe

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Enantiomere (oben) und Mesoform der Weinsäure (unten, Spiegelebene gestrichelt)
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Im Zusammenhang mit Stereoisomeren tritt oft optische Aktivität auf, d.h. ein chirales Molekül dreht die Polarisationsrichtung von linear polarisiertem Licht.

Der Begriff der Mesomerie gehört trotz der sprachlichen Ähnlichkeit nicht in diesen Themenbereich.

Folgende Tabelle gibt noch eine kurze Übersicht über die wichtigsten Formen der Isomerie:

Kategorie Variante Gemeinsamkeiten Unterschiede Unterschiedliche chem./phys. Eigenschaften Überführen nur durch Lösen von Bindungen
Konstitutionsisomere Summenformel Struktur ja ja
Stereoisomere Diastereomere Summenformel + Struktur räumliche Anordnung ja ja
Enantiomere räumliche Anordnung, aber wie Bild und Spiegelbild optisch aktiv, Unterschiede bei chiralen Reaktionspartnern (Enzyme) ja
Konformationsisomere räumliche Stellung nein nein

Isomeriearten in der Komplexchemie

Auch in der Komplexchemie gibt es eine Reihe sehr unterschiedlicher Formen der Isomerie, aber alle Formen lassen sich wieder in zwei große Gruppen einteilen, die Konstitutionsisomere und die Stereoisomere.

Konfigurationsisomerie (Stereoisomerie)

Analog zur Stereoisomerie bei organischen Molekülen, unterscheidet man Komplexe die zwar eine gleiche Zusammensetzung, aber einen anderen räumlichen Aufbau haben. Je nach Geometrie des Komplexes, kann es zu unterschiedlichen Ausprägungen der Stereoisomerie kommen.
  • Völlig analog zu einem Chiralitätszentrum am Kohlenstoff in der organischen Chemie, können tetraedrische Komplexe mit vier unterschiedlichen Liganden als Bild und Spiegelbild vorliegen.
  • Bei tetraedrischen und oktaedrischen Komplexen kann eine cis/trans-Isomerie vorliegen.
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trans-Isomer eines planar-quadratischen Komplexes
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cis-Isomer eines planar-quadratischen Komplexes
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cis-Isomer eines oktaedrischen Komplexes
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trans-Isomer eines oktaedrischen Komplexes
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  • Liegen drei gleiche Liganden in einem oktaedrischen Komplex vor, kann zwischen fac(ialen)- und mer(idionalen)-Isomeren unterschieden werden.
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fac(iales) Isomer
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mer(idionales) Isomer
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Konstitutionsisomerien

  • Bindungsisomerie (Salzisomerie) tritt immer dann auf, wenn ein Ligand über mehrere verschiedene seiner Atome mit dem Zentralatom verbunden werden kann.

Beispiel: Nitrokomplex oder Nitritokomplex

                   O
                  /
            X5Co-N     oder    X5Co-O-N-O
                  \
                   O

mit einen beliebigen Liganden X (z.B. NH3, H2O...) und Co(balt) als Zentralatom

  • Koordinationsisomerie: Liegen in einem Komplex sowohl Anion als auch Kation als Komplexe vor, können die Liganden von Zentralatom 1 mit dem Zentralatom 2 vertauscht werden.

Bedeutung in der Medizin

In der Medizin ist bei vielen Medikamenten die Stereoisomerie von Bedeutung. Viele medizinisch wirksame Präparate liegen zumindest in zwei räumlich unterschiedlichen Anordnungen vor. Bei der chemischen Erzeugung solcher Präparate werden beide Isomere zu gleichen Anteilen erzeugt, aber im menschlichen Körper ist nur eine Variante wirksam. Die andere Variante ist im besten Fall unwirksam, im ungünstigen Fall aber schädlich, so dass solche Präparate entweder mit Hilfe der Gentechnik oder aus natürlichen Quellen gewonnen werden müssen.

Ein prominentes und tragisches Beispiel ist der Wirkstoff Thalidomid (Contergan), der in zwei möglichen Enantiomeren vorliegt. Dabei liegen beide im Gleichgewicht vor, d.h. auch bei Gabe nur eines Enantiomers wandelt es sich im Körper teilweise in das andere um. Das eine wirkt als Schlafmittel, das andere jedoch teratogen.

  • Ernest L. Eliel: Stereochemie der Kohlenstoffverbindungen. Wiley/VCH Weinheim 1966
  • Ernest L. Eliel: Organische Stereochemie. Wiley/VCH Weinheim 1998 ISBN 3527293493

Weblinks

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Benutzung dieses Bausteins

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Diskussion der Autoren über den Artikel: Isomer


Könnte es sein dass die Stereoismoerie doch bei der chiralität besser aufgehoben wäre? Xvlun 22:43, 16. Sep 2004 (CEST)

Ich finde eher, dass große Teile des Artikels zu Chiralität besser hier aufgehoben wären, z.B. in einem Abschnitt zu Auswirkung oder Bedeutung von Stereoisomerie. Unter Chiralität erwarte ich keine Diskussion von Begriffen wie Racemat, optische Aktivität oder Beiträge zu Enzymreaktionen. Die erwarte ich hier, oder unter Unterbegriffen (u.a. Enantiomere, optische Aktivität, Thalidomid). Bei Chiralität fände ich z.B. schön, wenn plausibel gemacht würde, warum im dreidimensionalen vier verschiedene Merkmale zur Chiralität notwendig ist (kann ich gerne schreiben). --Marcel Wiesweg 12:09, 17. Sep 2004 (CEST)

Sorum macht es wahrscheinlich mehr Sinn, also Chiralität kürzen und und das gekürzte hier integrieren, grundsätzlich bestehen bleiben sollte der Artikel meiner Ansicht nach schon. Die Merkmale für die chiralität sollten wirklich rein... am besten gleich mit der veranschaulichung durch RS-Nomenklatur/CIP-Konvention. darüber hinaus denke ich könnte mann den artikel zu den enantiomeren gleich mit killen und hier integrieren. dann stehen auch nciht mehr die gleichen Infos 10x in der WP. Xvlun 13:05, 17. Sep 2004 (CEST)

zu Isomer (Chemie) verschieben?

Es gibt immerhin auch noch Isomerie zwischen Nukliden, auf die in Gammastrahlung verwiesen wird. Der Link landet aber fälschlicherweise hier. Tilmann, 16:35, 22. Apr 2005 (CEST)

Konformationsisomere bei Thermoplatischen Kunststoffen

Zu Konformatinsisomeren könnte noch hinzugefügt werden, dass es auch Verbindungen gibt, die ihre Konformation erst mit hohen Aktivierungsenergien verändern können. Bei Polyvinylchlorid z.B. müssen temperaturn von mindestens 80°C vorrherrschen, damit sich eine C-C-Bindung drehen kann, da dies durch die sperrigen Clohrsubstituenten und die jeweils Nachfolgenden, die Kette fortsetztenden C-Atome verhindert wird. (Die sind ja so betrachtet auch Substituenten.)Bei niedrigeren Temperaturen kommen die Substituenten nicht aneinander Vorbei, weshalb PVC bei niedrigen Temperaturen hart ist. Bei höheren Temperaturen finden Platzwechsel statt, so können sich z.B. bei Streckung des Materials die Moleküle teilweise Ausrichten und quasi "entknoten", um so das gesamte Material zu verlängern. Hört die Belastung auf, so erfolgt aufgrund der durch die Ausrichtung gesunkenen Entropie (auf die könnte hier übrigens auch ruhig verwiesen werden)eine Rückstellung, womit auch die Elastizität von Weich-Thermoplasten erklärt wäre. Oberhalb der Fließtemperatur erfolgt bei Polymeren keine Rückstellung mehr, da sich dann duch die makro-brownsche Bewegung die Polymermoleküle frei bewegen können und so auch Entropieeffekte nicht mehr ziehen.

Paule

Du hast das nötige Wissen: Schreib es nicht in die Diskussion, schreib es in den Artikel! Marcel Wiesweg 18:11, 20. Okt 2005 (CEST)

txt-formel->graphic

kann mal jemand die formel unter Isomerie#Konstitutionsisomerien in eine grafik konvertieren/umgestalten?--Borisbaran - borisbaran 12:56, 1. Jun 2006 (CEST)



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Isomer und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).