Toplinks zu diesem Thema:
Gruppen, Gruppe, Autoren, Griechisch, Rahmen, Rolle, Russisch, Schutz, Sprachen
Der Artikel Judenchristen gehört zur Kategorie: Judentum, Urchristentum, Christentum, Lesenswert|, Lesenswert
Als Judenchristen werden diejenigen Mitglieder der urchristlichen Gemeinden des 1. Jahrhunderts bezeichnet, die jüdischer Herkunft waren. Alle frühen Anhänger des Jesus von Nazaret und fast alle Autoren des Neuen Testaments (NT) waren folglich Judenchristen. Die ersten nichtjüdischen Anhänger des neuen Glaubens werden zur Unterscheidung von ihnen Heidenchristen genannt.
In der Kirchengeschichte bezeichnet der Begriff „Judenchristen" ab dem 2. Jahrhundert Gruppen, die gegen die von Paulus geprägte gesetzesfreie Heidenmission die Einhaltung verschiedener jüdischer Tora-Vorschriften von nichtjüdischen Christen verlangten. Daher galten sie den kirchlichen Theologen damals als Häretiker und wurden ausgegrenzt.
Seit dem 4. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde der Begriff dann fast nur noch für einzelne, mit der Taufe zum Christentum übergetretene Menschen jüdischer Herkunft verwendet. Gerade von ihnen wurde die innere und äußere Abkehr vom Judentum erwartet bzw. erzwungen.
Seit der Aufklärung gab es in Westeuropa vereinzelt Zusammenschlüsse von getauften Juden, die die Judenmission und die Emanzipation der Juden im Rahmen christlich dominierter Gesellschaften als ihre besondere Aufgabe ansahen. Seit dem späten 19. Jahrhundert gibt es eigene Gemeinden von Christen jüdischer Herkunft, die jüdische Traditionen im Kontakt mit dem Judentum weiterpflegen. Einige davon nennen sich Messianische Juden.
Eine kontinuierliche judenchristliche Tradition hat es weder im Juden- noch im Christentum gegeben. Der Begriff ist also nicht eindeutig: Er kann
- das jüdische Urchristentum des 1. Jahrhunderts in Israel,
- die als häretisch beurteilten Randgruppen von Christen mit judaisierenden Tendenzen im 2. Jahrhundert oder
- allgemein Christen jüdischer Herkunft und mit jüdischen Traditionen bezeichnen.
Urchristentum im 1. Jahrhundert
Das Urchristentum ging aus dem Judentum hervor und verstand sich anfangs als innerjüdische Reformbewegung. Die ersten Nachfolger Jesu aus Israel glaubten, dass er der erwartete jüdische Messias sei. Sie deuteten seine ganze Sendung daher mithilfe der heiligen jüdischen Schriften (Tanach) und fassten sie wie der Evangelist Matthäus auf (Mt 5,17):- Meint nicht, ich [= Jesus] sei gekommen, das Gesetz [die Tora] oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
Diese Urchristen bildeten jedoch von Anfang an eine besondere Gruppe im Rahmen des israelischen Judentums, die sich mit der Taufe, der gemeinsamen Mahlfeier, eigenen Hausgottesdiensten und der Gütergemeinschaft als endzeitliche Heilsgemeinde von ihrer jüdischen Umgebung unterschied. Sie verkündete die Christusbotschaft anfangs nahezu ausschließlich für andere Juden (Mt 10,5f); vereinzelte Taufen von Nichtjuden wurden als große Ausnahme besonders gewürdigt (Apg 10).
Die Apostelgeschichte zeigt aber wie die Paulusbriefe, der Jakobusbrief und andere NT-Dokumente auch, dass schon bald innerhalb und zwischen den christlichen Gemeinden Konflikte um die Heidenmission und die Weitergeltung der Tora für getaufte Heiden auftraten (Apg 6,1; 10,45; 11,3). Dabei standen sich zunächst zwei Gruppen gegenüber:
Die Leiter der Urgemeinde betonten schon durch ihre Zwölfzahl den unauflösbaren Zusammenhang der Judenchristen mit dem Judentum. Jakobus, der älteste Bruder Jesu, Simon Petrus und Johannes hatten die Führungsrolle als Missionare und verwalteten Spenden aus anderen Gemeinden, gaben allerdings schon Teilbefugnisse für deren Versorgung ab (Apg 6,1-6). In der Regel wurden Neugetaufte nicht von den jüdischen Gesetzen entbunden, sondern sollten sich beschneiden lassen (Apg 15,1), nicht zuletzt um die Stellung der Judenchristen im Zugriffsbereich der Sadduzäer in Jerusalem nicht zu gefährden.
Andere Judenchristen mit griechischen Namen dagegen, die sogenannten Hellenisten, begannen die Mission unter den sogenannten „Gottesfürchtigen" in der jüdischen Diaspora. Einer von ihnen war Stefanus, der erste christliche Märtyrer. Seine tempel- und gesetzeskritische Missionspredigt (Apg 7) und der Zulauf, den er gewann, lösten offenbar erste Konflikte mit Synagogen aus, die zu einem Religionsprozess mit tödlichem Ausgang führten. Bei dessen Steinigung soll der Pharisäer Paulus beteiligt gewesen sein (Apg 8,1).
Paulus war es dann vor allem, der nach seiner Bekehrung durch Jesus vorwiegend Nichtjuden missionierte und ihnen die Beschneidung - das Zeichen der Zugehörigkeit zum erwählten Gottesvolk Israel - erließ (Apg 13,39; Gal 5,6). Er gründete etwa 10 Jahre lang eigene Gemeinden. Doch auch er erkannte die Jerusalemer Apostel als Autoritäten an, rief zu Spenden für sie auf (Röm 15, 25f) und suchte schließlich ihre Legitimation für seine Völkermission (Gal 2,2).
Auf einem Apostelkonzil in Jerusalem (zwischen 42 und 48) versuchten beide Seiten sich zu einigen. Das Ergebnis stellt Lukas (Apg 15,29) anders dar als Paulus (Gal 2,6): Er behauptet, man habe den Nichtjuden die Speisegesetze empfohlen, während Paulus die völlige Freigabe von der Tora betont, dem sein Streit mit Petrus vorausging. Dieser hatte zwar zeitweise auch schon Heiden getauft und die jüdischen Speisegesetze für sie aufgehoben (Apg 10,15.34), widersprach Jakobus aber nicht, der alle neugewonnenen Christen darauf verpflichten wollte (Gal 2,12). Letztlich setzte sich wohl Paulus damit durch, dass den nichtjüdischen Christen nichts auferlegt werden dürfe.
Diese paulinische Position leitete die Trennung des Christentums vom Judentum ein. Dort gewann nach 70 die Richtung der Pharisäer (Rabbiner) eine Führungsrolle. Sie duldeten die Judenchristen anfangs als innerjüdische Sekte und verteidigten sie gegen die Sadduzäer. Die Akzeptanz jüdischer Gruppen, die einem Messiasanwärter folgten, ist auch sonst aus der jüdischen Geschichte bekannt. Erst als sich das Judentum um 100 rekonsolidierte und um 135 den Kanon des Tanach festlegte, wurden die Christen zugleich mit anderen Gruppen als Häretiker ausgegrenzt.
Der Abgrenzungsprozess
Abgrenzung von christlicher Seite
Nachdem die Einhaltung jüdischer Vorschriften nicht mehr Voraussetzung christlicher Lebensweise war, dominierten zunehmend Heidenchristen die christlichen Gemeinden. Das Imitieren jüdischen Verhaltens durch Heiden - also die nachträgliche Beschneidung, die zum Halten aller Toragebote verpflichtete - lehnten Paulus und seine Schüler als unvereinbar mit dem Evangelium ab. Paulus belegte konkurrierende Prediger, die genau dies von den Christen seiner Gemeinden forderten, mit dem ersten Anathema der Kirchengeschichte (Gal 1,8). Aber er empfahl den von der Tora befreiten Christen auch die souveräne Einhaltung der jüdischen Speisegesetze um der Liebe willen, um ihre jüdischen Brüder nicht zu provozieren und die Gemeinde nicht zu spalten (Röm 14, 21).Teile der Ignatiusbriefe an die Magnesier (8-10) und Philipper (3-4,6,8) weisen darauf hin, dass jüdische Traditionen innerhalb des Christentums um 110 fortbestanden. Ignatius von Antiochien lehnte diese streng ab und beurteilte sie als Abfall vom wahren Christentum.
Im Barnabasbrief (1. oder frühes 2. Jhdt) wird die gesamte jüdische Heilgeschichte als überholt heruntergespielt, so dass man eigentlich entweder nur Jude oder Christ sein kann. Hier begegnet einem die Ersatztheologie, dass die Christenheit das „wahre Israel" gegenüber dem endgültig „verworfenen" Volk Israel sei. Der christologische Glaubenssatz ...und ist in keinem anderen Heil wird auf die Kirche bezogen; nur durch die Taufe kann ein Jude das ewige Heil erlangen. Dies repräsentiert die Substitutionstheologie, die die Kontinuität des christlichen Antijudaismus ausmacht.
Noch bei Justin (Dialog mit dem Juden Tryphon, 2.Jhdt) erkennt man die Haltung, dass sich Judenchristen zwar selber nach jüdischem Gesetz verhalten dürfen, aber niemanden dazu auffordern dürfen, es ihnen gleich zu tun. Er macht dabei aber auch deutlich, dass nicht alle seine christlichen Zeitgenossen so tolerant sind.
Abgrenzung von jüdischer Seite
Schon seit der Judenverfolgungen durch die Diadochen galten die jüdischen Gesetze, die Einhaltung des Schabbat, die Beschneidung und der Tempelkult als identitätstiftend für die jüdische Gemeinschaft. Dass gerade diese vom Christentum suspendiert wurden, wurde als Irrlehre aufgefasst und verfolgt. Dabei gerieten vor allem Judenchristen ins Fadenkreuz, da diese als Abtrünnige des Glaubens und Verräter des Volkes Israel betrachtet wurden.Nach der Zerstörung des jüdischen Tempels verlor die tempelorientierte Richtung der Sadduzäer zu Gunsten der rabbinischen Pharisäer ihre Führungsrolle (Synode von Jawne um 72, Sanhedrin von Jamnia um 95). Die Rabbiner sahen eine strenge, aber flexible und realitätsgerechte Befolgung der jüdischen Tora, wie sie in der mündlichen Halacha ausgelegt und später im Talmud fixiert wurde, als maßgeblich für das Judentum. Dabei wurde der Tora-Auslegung des Hillel gegenüber der des Schammai der Vorzug gegeben, so dass die Lehren des Talmud Jesu Tora-Auslegung in vielem sehr nahe standen (z.B. Gleichrangigkeit von Gottes- und Nächstenliebe, Schabbatbruch bei Lebengefahr, Armenfürsorge).
Die Christen, von denen vor allem die Hellenisten Tempelkritik geäußert hatten, wurden jedoch als messianische Gruppe indirekt für mitschuldig am Ende des Tempels gehalten, zumal sie dieses Ereignis als Gericht Gottes über Israel wegen der Hinrichtung Jesu interpretierten. So wurden sie - zusammen mit anderen jüdischen Sekten - um 100 mit einem Zusatz im Achtzehnbittengebet als „Ketzer" vom Judentum ausgeschlossen.
Eine neue Phase kam nach dem gescheiterten Bar-Kochba-Aufstand im Jahre 135. Da die Christen auch hier die Waffengemeinschaft mit den jüdischen Kämpfern ablehnten, wurden sie selbst von diesen angegriffen. Die Urgemeinde in Jerusalem musste fliehen und verlor damit ihre Vorrangstellung im Christentum an die Gemeinde in Rom.
Als Kaiser Vespasian allen Juden verbot, sich in Jerusalem anzusiedeln, verlor das Judentum vollends sein bisheriges religiöses Zentrum. Damit wurde eine gemeinsame Glaubenstradition für die verbannten Juden umso wichtiger, um ihre Identität zu bewahren und das Aufgehen in den Völkern zu verhindern.
Die christliche Lehre von der Trinität war zu dieser Zeit noch nicht ausformuliert und stand nicht im Zentrum der gegenseitigen Abgrenzung von Juden und Christen. Aber die Mischna als Vorform des Talmud reagierte bereits auf die Evangelien, indem sie die Jungfrauengeburt der Maria und damit Jesu Gottessohnschaft bestritt und seine Verkündigung als Falschprophetie, Götzendienst und Verführung des Volkes zu falschen Göttern deutete.
Judaisierende Christen im 2. Jahrhundert
Nach dem Ende der Jerusalemer Urgemeinde 135 und durch die gegenseitige Abgrenzung trat ein Judenchristentum als selbständige Größe kaum noch in Erscheinung. Aus der maßgebenden Mehrheit war eine unbedeutende und theologisch abgewertete Minderheit geworden. Verstreute Gruppen versuchten aber noch aus verschiedensten Gründen an den verschiedensten Elementen des Judentums gegen die heidenchristliche Mehrheit festzuhalten.Die Kirchenväter, die die großkirchliche Lehre maßgeblich formulierten, gaben ihnen Namen wie Ebioniten (Ebionäer), Elkesaiten, Hebräer, Nazoräer oder Nazarener. Sie schrieben ihnen eigene Schriften zu, die weithin verschollen sind. Die großen Ketzerstreiter Hegesippus, Eusebius von Caesarea und Irenäus von Lyon erwähnen:
- ein Nazoräer-Evangelium: Dieses wird heute meist als aramäische Übersetzung des Matthäusevangeliums, also nicht als häretisch angesehen.
- ein Ebionäer-Evangelium: Auch dieses war wohl eine griechische Variante des Matthäusevangeliums, die aber die Geburtsgeschichten (Mt 1-2) wegließ. Grund dafür könnte ein Bestreiten der schon zum Dogma gewordenen Jungfrauengeburt sein. Die Ebionäer waren es, die laut Eusebius der Urgemeinde 62 Exil in Pella (Jordanien) boten und sie vor dem Untergang im jüdischen Aufstand retteten. Sie weisen auf die Existenz judenchristlicher Gemeinden im Ostjordanland und in Syrien hin.
- ein Hebräer-Evangelium: Dieses war ebenfalls griechisch verfasst, nannte den Heiligen Geist „Mutter Jesu" und beschrieb seine Taufe als Entrückung (vgl. Mk 9,2). Es könnte auf ägyptische Judenchristen verweisen, die aramäisierendes Griechisch sprachen: Gottes Geist ist auf Aramäisch und Hebräisch (ruach Elohim) weiblich.
Von diesen Originalquellen existieren nur Fragmente und indirekte Zitate, vor allem in dem
- Dialog mit Tryphon von Justin und den
- Kerygmata Petrou der Pseudoklementinen.
Bedingte Rückschlüsse auf diese Gruppen erlauben neutestamentliche Schriften, deren Autoren eine betont judenchristliche Theologie gegenüber Paulus vertraten, allen voran
- der Jakobusbrief, auf andere Weise auch
- die Offenbarung des Johannes.
Seit Ferdinand Christian Baur (1792-1860) verwenden christliche Kirchen- und Dogmengeschichtler den Begriff „Judenchristentum" oft unterschiedslos für alle diese Gruppen, um sie im Anschluss an Irenäus vom Heidenchristentum abzusetzen. Ihre Herkunft, Größe und ihr Einfluss auf die gesamtkirchliche Entwicklung sind in der historischen Forschung stark umstritten.
Spätantike und Mittelalter
In der Spätantike waren mit Beginn des 4. Jahrhunderts all jene Gruppen aus der Kirche ausgeschlossen und existierten allenfalls noch als Sekten in Randbezirken des Römischen Reichs. Die Erhebung des Christentums zu dessen Staatsreligion (380) vollendete die Trennung nicht nur vom Judentum, sondern auch von judenchristlicher Theologie im Christentum. Von nun an waren Juden, die sich taufen ließen - anfangs die maßgebende Mehrheit - eine seltene Ausnahme. „Judenchristen" hießen nun nur noch einzelne Juden, die mit der Taufe ihr Judentum vollständig aufgaben.Da die Kirche sich durchgehend als das siegreiche „wahre Israel" gegenüber der unterlegenen „Satanssynagoge" verstand, nahm ihre Judenmission bald den Charakter einer systematischen Judenverfolgung an: In Spanien kam es unter den Westgoten im 7. Jahrhundert massenhaft zu Zwangstaufen, dann auch zu Pogromen, besonders während der Reconquista vom 12. bis 15. Jahrhundert.
Getaufte Juden - in Spanien von den anderen Christen marranos (Schweine) genannt - hielten häufig trotzdem heimlich an ihren Traditionen fest oder wurden zu den eifrigsten Verfechter der Judenmission. Sie blieben so oder so meist Außenseiter in der Kirche und waren besonderem Misstrauen unter ihren Mitchristen ausgesetzt. Sehr selten gab es dennoch Juden, die wohl aus echter Überzeugung Christen wurden: z.B. die Erzbischöfe Julian von Toledo († 690) oder Paul von Burgos (1351-1435).
Neuzeit
Martin Luthers später Judenhass trug im Gefolge der Reformation in der Neuzeit in den protestantischen Territorien eher zu einer Rückwendung des Judentums zum Talmud oder zur mystischen Kabbala bei. Doch gab es nun Judenchristen, die sich die Bekehrung der Juden zur besonderen Aufgabe machten und dazu vor allem die Sprachbarrieren zu überwinden suchten. Dazu übersetzte z.B. Immanuel Tremellius (1510-1580) an der Universität Heidelberg Johannes Calvins Genfer Katechismus von 1536 ins Hebräische.Im Gefolge der Aufklärung übten dann gerade manche Judenchristen großen Einfluss auf das orthodoxe Luthertum ihrer Länder aus: z.B. Isaac da Costa (1798-1850) und Isaac Capadose (1795-1874) in den Niederlanden, August Neander (1789-1850) und Friedrich Philippi (1809-1882) in Deutschland sowie Carl Caspari (1814-1892) in Norwegen.
In der entstehenden deutschen Diakonie spielte Regine Jolberg (1800-1870), bei den Anglikanern der erste evangelische Bischof in Jerusalem, Michael Salomon Alexander (1799-1845), im Katholizismus z.B. Johann Emmanuel Veith (1787-1876) und Edith Stein (1891-1942) eine hervorragende Rolle.
Diese Einzelfälle änderten aber nichts an der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Juden und Judenchristen in den kirchlich geprägten Gesellschaften Europas. Darauf reagierten einige Zusammenschlüsse mit unterschiedlichen Hintergründen und Zielsetzungen:
- 1770 entstand analog zu den Freimaurern eine Art Loge von Judenchristen in Amsterdam.
- Die Herrnhuter Brüdergemeine plante einen judenchristlichen Ableger, zu dem es aber nicht kam.
- In der Russisch-Orthodoxen Kirche bildete sich eine Gruppe von „Judaisierenden“ als Sekte.
- In Polen trat seit 1755 der Judenchrist Jakob Lejbowicz Frank (1726-1791) als Messias auf und scharte die „Frankisten" um sich, um das am Talmud orientierte Ostjudentum zu bekämpfen.
- Jechiel Lichtenstein (1831-1912) gründete in Rumänien als Anhänger des Chassidismus einen Kreis von Juden, die das Neue Testament studierten und sich als Mitglieder der Urgemeinde Jesu ansahen, ohne einer Kirche beizutreten.
- Josef Rabinowitsch (1837-1899) gründete in Kischinew unter dem Eindruck der dortigen Pogrome 1884 eine „Gemeinschaft von Israeliten des Neuen Bundes". Sie war als unabhängiges Sammelbecken zum Schutz in Osteuropa verfolgter Juden gedacht, hielt Sabbat und Beschneidung ein und feierte das Abendmahl als Passahmahl. Er erreichte jedoch keine behördliche Anerkennung, so dass die Bewegung nach seinem Tod zerfiel und nur in Resten bis 1939 fortbestand.
- Theophil Lucky (1854-1916) versuchte Ähnliches in Galizien: Seine Gruppe hielt sich an die talmudischen Speisegebote, um Juden für Jesus zu gewinnen, und pflegte zugleich Kontakte zu Christen. Er gewann Freunde unter ihnen, aber nicht die gewünschte staatliche Anerkennung als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft.
Neben solchen Einzelinitiativen gab es auch Anläufe zu einer konfessionsübergreifenden Organisierung von Judenchristen:
- In London gründete sich 1813 der Verein der „Söhne Abrahams" aus getauften Juden, die Mitglieder ihrer Freikirchen blieben, aber sowohl das noch unbekehrte Israel missionieren als auch die Kirchen reformieren wollten.
- Daraus ging 1925 die Gründung der International Hebrew Christian Alliance (IHCA) hervor. Auf ihrer 5. Tagung 1937 in Budapest lehnte die Mehrheit eine eigenständige judenchristliche Kirche ab. In der Folge bildeten sich nationale Ableger in den meisten europäischen Staaten, den USA, Israel, Südafrika und Australien. Sie versuchten Judenchristen in Deutschland 1939-1945 zur Ausreise zu verhelfen. Heute bilden sie Missionare aus und bemühen sich um Verständnis für besondere Belange der Judenchristen, besonders in Israel und der Ökumene.
Zeit des Nationalsozialismus
Eine eigenständige judenchristliche Tradition war schon im Mittelalter nicht mehr gegeben; neue Anläufe seit der Neuzeit unterbrach der Zivilisationsbruch des Holocaust in der Zeit des Nationalsozialismus nachhaltig. Die Gleichschaltungspolitik des Nazi-Regimes bereitete ihn vor und betraf auch die Organisationen der Kirchen. Der vom Staat 1934 verlangte „Ariernachweis" betraf alle, auch getaufte Juden. Sie galten wegen der Nürnberger Rassegesetze 1935 weiter nach ihrer Herkunft als „Volljuden" und kamen später in die Vernichtungslager. Nichtjüdische Ehepartner und Kinder wurden als „Mischjuden" behandelt und ebenfalls entrechtet, aber von der Vergasung verschont.Der Arierparagraph stellte besonders die Deutsche Evangelische Kirche vor eine Zerreißprobe. Die Deutschen Christen wollten den „jüdischen Einfluss" auf das Christentum insgesamt beseitigen und dazu eine „judenchristliche Kirche" einrichten. Die von ihnen geführten Landeskirchen in Thüringen, Sachsen, Mecklenburg, Anhalt und Lübeck schlossen Christen jüdischer Abstammung seit 1939 aus und verboten Judentaufen.
Dagegen entstand 1934 die Bekennende Kirche, die illegal Pfarrer ausbildete und versuchte, Judenchristen seit 1938 mit ihrem Büro Grüber teilweise illegal entweder zu Nebenstellen oder zur Ausreise zu verhelfen. Auf katholischer Seite tat dies der deutsche Caritas-Verband unter Gertrud Luckner. Solche mutigen Hilfsversuche blieben auf den innerkirchlichen Bereich begrenzt. Widerstand gegen die rassistische Gesetzgebung und staatliche Verfolgung der Juden gab es seitens der Kirchen kaum. Auch „bekennende" Christen protestierten nur vereinzelt gegen die Gewaltmaßnahmen des Staates, die Konzentrationslager, die Nürnberger Rassegesetze und die „Reichskristallnacht". Auch für die Judenchristen traten nur wenige prominente Bischöfe ein: z.B. Landesbischof Theophil Wurm auf evangelischer oder Bischof Clemens August Graf von Galen (1878-1946) auf katholischer Seite.
Als Symbol für ihr Schicksal steht Edith Stein, die ehemalige Assistentin des ebenfalls konvertierten Philosophen Edmund Husserl. Sie war 1922 getauft worden und später dem Orden der Karmeliterinnen beigetreten. 1938 zog sie aus Vorsicht in die Niederlande, wurde dort aber 1942 doch von den Nationalsozialisten gefasst und in Auschwitz umgebracht.
Seit 1945
In der Nachkriegszeit leistete vor allem die First Hebrew Christian Synagogue des Rabbiners Arthur Michelson (Los Angeles, USA) den notleidenden Judenchristen Europas vielfältige Hilfe.Die ersten deutschen kirchlichen Schuldbekenntnisse schwiegen über den Judenmord und setzten die alte Enterbungslehre fort. Erst ganz allmählich setzte ein theologisches Umdenken auf breiter Front ein; maßgeblich dazu beigetragen hat die Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, besonders seit etwa 1965. Daraus hat sich eine neue Hinwendung zu jüdischen Traditionen ergeben, die auf das Selbstverständnis des Christentums in vielfältiger Weise eingewirkt hat.
Die „Verwerfung" Israels als des Volkes Gottes gilt heute in vielen Teilkirchen als Irrlehre. Damit geht auch das bessere Verständnis der judenchristlichen Traditionen im Neuen Testament einher. So sieht ein wachsender Teil der Neutestamentler und systematischen Theologen in Deutschland heute diese Traditionen nicht nur als historischen Ursprung, sondern auch als bleibende normative Orientierung für die ganze Kirche an. Da im Zentrum des christlichen Glaubens ein Jude steht, der sein Volk zuerst gerettet und so auch den Völkern Heil eröffnet hat, müssten alle Christen sich als „Judenchristen" verstehen. Von der Einsicht dieses „ungekündigten Bundes" (Martin Buber) her wird heute auch die Judenmission teils kompromisslos abgelehnt, teils modifiziert.
Von Judenchristen im traditionellen Sinn - Christen jüdischer Herkunft in der frühen Kirche bzw. zum Christentum übergetretenen einzelnen Juden - sind die „Messianischen Juden" (hebräisch Meschichijim) zu unterscheiden: Hier handelt es sich um heterogene Gemeinschaften von Juden, die Jesus Christus als den Messias Israels anerkennen und zugleich ihre jüdische Tradition beibehalten. Ihre Vorläufer sind jene Gruppen, die im 19. Jahrhundert vor allem unter russischen oder polnischen Juden entstanden sind und Talmud-Vorschriften bewahrten.
Schon 1935 gründete Abram Poljak (1900-1963) die „Judenchristliche Union" in Jerusalem, die sich 1950 erfolglos als „Union der Messianischen Juden" zu etablieren versuchte. Der Zusammenschluss weckte Befürchtungen einer Unterwanderung des Judentums wie auch einer Ausgrenzung der in Israel lebenden arabischen Christen bei den Kirchen. In Europa vertrat Poljak danach eine Art eschatologischen Zionismus, der den Staat Israel als Zeichen der nahen Endzeit und Heimstatt für alle Juden zu verkünden suchte, aber auch unter europäischen Judenchristen überwiegend auf Ablehnung stieß.
In den 1960er Jahren entstanden unter der akademischen Jugend in den USA zahlreiche judenchristliche Gruppen ohne festgelegte Formen und Normen (Jews for Jesus). Eine wirkliche Heimat haben diese Gruppen vielfach weder in den Kirchen noch im Judentum gefunden. Etwa seit Anfang der 1980er Jahre entstehen vermehrt auch in Europa "jüdisch-messianische" Gemeinden, die sich als Freikirchen vorwiegend dem evangelikalen Spektrum zuordnen, teilweise charismatisch geprägt sind und eine umstrittene Judenmission unter Immigranten betreiben.
Die Frage eines eigenständigen Judenchristentums außerhalb des evangelikalen Bereichs ist weiter offen. Ein Versuch einer gültigen Ortsbestimmung könnten die 1956 in Bossey ausgearbeiteten Thesen der IHCA sein:
- Der aus dem Judentum kommende Christ dient der Kirche als ein ständiger Hinweis auf die Treue Gottes zu den Verheißungen seines Bundes, und er dient dem jüdischen Volk als lebendiger Hinweis auf die Rettung, die Gottes allmächtige Kraft durch Jesus Christus bewirkt.
Siehe auch
Literatur
- Hans Conzelmann: Geschichte des Urchristentums. Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 1978, ISBN 3525513542.
- F. Maier-Leonhard, Artikel Judenchristentum. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Auflage, Mohr-Siebeck, Tübingen 1959, S. 967-976.
| Link=Wikipedia:Lesenswerte Artikel} | Dieser Artikel wurde in die Liste der Lesenswerten Artikel aufgenommen. |
Diskussion der Autoren über den Artikel: Judenchristen
Ältere Diskussion
So, ich habe mal intensiv an dem Artikel gearbeite, Literatur muss noch kommen. Neu ist die Differenzierung zwischen neutestamentlichem und kirchengeschichtlichem Sprachgebrauch, das darf man nicht vermischen. Paulus war auch Judenchrist, da er geborener Jude war, jüdisch aufgewachsen, geprägt und gebildet wurde. Dennoch konnte er die Abkehr vom Ritualgesetz predigen, also das gegenteil von "judenchristlichen" Positionen im dogmengeschichtlichen Kontext. Ich hoffe das ist jetzt klarer geworden.--Heidelbaer 17:27, 13. Apr 2005 (CEST)- Danke. Gefällt mir gut. -- Schewek 14:56, 14. Apr 2005 (CEST)
Die christliche Verehrung Jesu als Gott steht im Widerspruch zum monotheistischen Judentum? Ist das eine NPOV-Aussage? Besteht nicht ein guter Teil der christlichen Lehre, insbesondere die Dreifaltigkeitslehre, unter anderem darin, daß dies eben nicht so ist?
Mir ist schon klar, daß die Juden da einen Widerspruch sahen, aber die Christen sehen da keinen. Dabei ist ja das jüdische Gesetz für Christen nicht aufgehoben, sondern erfüllt; das heißt, auch die Christen haben den Monotheismus, und zwar der Juden. Da die Christen hier aber keinen Widerspruch sehen, kann die Verehrung Jesu als Gott nicht allgemeingültig dem jüdischen Monotheismus widersprechen, sondern nur nach Ansicht der nichtchristlichen Juden. Wie wäre es mit
...steht nach Ansicht der Juden im Widerspruch zum Monotheismus? --84.154.109.168 20:51, 26. Apr 2005 (CEST)
- Jepp, völlig richtig. Ich hatte es bislang stehen lassen, weil es ja als Unterpunkt zur jüdischen Abgrenzung da stand, und dachte, es wäre nur meine Pingeligkeit, dass ich regelmäßig über diese Formulierung stolpere. Ich habe es jetzt geändert, nächstes Mal darfst du das auch ruhig selber vornehmen. In Wikipedia darf man mutig sein. :-) Danke für den Hinweis --Heidelbaer 13:59, 27. Apr 2005 (CEST)
Eine neue Phase kam nach dem gescheiterten jüdischen Aufstand im Jahre 135. [...] Die Judenchristliche Gemeinde in Jerusalem [...] verlor vollends ihre Vormachtstellung im Christentum an Rom. - Hatte Rom im 2. Jahrhundert schon eine derartige Vormachtstellung? -- Schewek 18:25, 27. Apr 2005 (CEST)
- Jein. Antiochia, Alexandria und auch Ephesus, ebenso Karthago haben noch kräftig mitgeredet. Dennoch hatte Rom zwar nicht die brillantesten Theologen, aber das meiste Geld, und ein sehr solides Selbstbewusstsein. Der Übergang zum Romprimat war fließend, aber wenn es eine christliche Gemeinde gab, die diesen Anspruch erhob, Zentrum zu sein, und diesen nach und nach auch durchsetzte, dann war es Rom.--Heidelbaer 13:07, 28. Apr 2005 (CEST)
Meine Fragen hängen mit der obigen zusammen. Dazu zunächst:
- Paulus selber lässt im Römerbrief noch sehr deutlich den Vorrang Jerusalems erkennen, indem er für die Urgemeinde zum Spenden aufruft.
- "Vormachtstellung" setzt eine Art naturnotwendiges Konkurrenzverhältnis voraus, was ja anfangs gar nicht unbedingt gegeben gewesen sein muss.
- Allerdings reflektiert gerade der Römerbrief auch die offenbar schon verbreitete Geringachtung der Judenchristen durch die heidenchristliche Mehrheit, der Paulus vehement entgegentrat (Röm. 9-11).
Wie steht es dann mit dem Einleitungssatz:
- "...bezeichnet ab dem zweiten Jahrhundert eine häretische Gruppe, die gegen die von Paulus geprägte Großkirche..."
- Häretisch: nach wessen Maßstäben? Wer entschied denn im 2. JH darüber, welche christliche Richtung den mainstream vertrat und welche von der wahren Lehre abwich?
- Großkirche: War die Kirche denn schon so "groß"?
- "von Paulus geprägt": wirklich? Waren die "frühkatholischen" Tendenzen nicht eher eine Abkehr von der paulinischen Gnadentheologie? War der Pauluskreis nicht eher selber in der Minderheitsposition unter den verschiedenen Gruppen des 1. Jahrhunderts - wie kann er dann auf einmal im 2. Jahrhundert die "Großkirche" "prägen"?
- Lieber Kollege. Die Großkirche ist für das 2. Jhdt in der Tat ein anachronistischer Ausdruck, den muss ich revidieren, dennoch ist der christliche Mainstream in der Frage des jüdischen Gesetzes eindeutig paulinisch geprägt. Dass sich die "frühkatholische Kirche" (übrigens auch ein anachronistischer Ausdruck) von der Gnadenlehre Pauli entfernte, ist imho protestantische Polemik. Paulus selbst lässt auch an vielen Stellen ethischen Rigorismus erkennen, neben erstaunlichem Pragmatismus. Seine Gesetzeskritik richtete sich nicht gegen katholische oder evangelikale Gesetzlichkeit (auch wenn das vielleicht heutzutage unsere Frontlinien sind, in denen wir ihn gerne in Stellung bringen) sondern die damals zentrale Frage, ob man zum Volk, zu den Kindern Gottes gehören kann, wenn man sich was Beschneidung, Sabbat und Speisegebote angeht, außerhalb des Volkes Israel befindet. In dieser (das Judenchristentum betreffenden) Frage gab es keinen Unterschied zwischen Paulus und der frühkatholischen Kirche, eher im Gegenteil, die Verwerfung Israels wurde immer stärker betont. Häretisch würde ich eigentlich gerne stehen lassen, weil Tertullian, Irenäus, Hippolyt und andere ja schon gegen sie kämpften. Können wir aber noch diskutieren.
- Hallo, ich habe die Antwort jetzt erst gesehen, war einige Tage nicht mehr auf dieser Seite. Mal ein Versuch einer Diskussion:
- Um protestantische Polemik und heutige Fronten geht es mir gar nicht, nur um die damaligen Tatsachen. Darum "frühkatholisch" in Anführungszeichen.
- Erstmal einigen: Was heißt hier "frühkatholisch"? Welche Briefe im NT, welche außerhalb sind damit gemeint? Welche Inhalte vor allem?
- ethischer Rigorismus: Was ist gemeint? Hinter Röm. 12, 14-21 z.B. steht unverkennbar eine Vorform der Bergrede Mt. 5, 43-48. Ist das "rigoros" (also streng, protestantisch: "gesetzlich")? Für mich klingt es eher einladend, werbend, befreiend, pragmatisch ("soviel an euch liegt, haltet mit allen Menschen Frieden"); nach vernünftiger Nachfolgeethik unter den Bedingungen der sich schon anbahnenden neronischen Verfolgung in Rom ("Segnet, die euch verfolgen"...)
- Paulus öffnet das Urchristentum für die Völkermission ohne Beschneidung usw.: aber von welcher theologischen Basis aus? (Abrahamsegen z.B.)
- Wenn Du also eine Gemeinsamkeit Paulus - Tertullian - Irenäus usw. darin findest, dass sie alle immer stärker Israel verwerfen, dann muss ich Dir für Paulus entschieden widersprechen. Genau das hat er nicht getan, im Gegenteil: Er hält unbedingt an Israels Erwählung fest und sieht sich selbst, seine Berufung zum Völkerapostel, als Beweis dafür, dass diese Erwählung ungekündigt und unkündbar ist (Röm. 11, 1ff). Die ganze Rechtfertigungslehre im Römerbrief zielt ja auf Röm. 11, 32; und darum sollen die Heidenchristen stets daran denken, dass sie durch Gottes Gnade aus Israel, von den Judenchristen ihren Glauben erhalten haben. Wie können sie dann die Wurzel kappen, von der sie ihren Lebenssaft beziehen?
- Dann kann man das Judenchristentum im Sinne des Paulus unmöglich als "Häresie" sehen und bezeichnen. Paulus wollte ja auch nur die Gleichberechtigung der Völkermission neben der Israelmission. Und nicht, dass nun Judenchristen nicht mehr beschnitten und gesetzestreu sein dürfen. Und erst recht nicht, dass sie aus der Kirche ausgeschlossen werden. "Das sei ferne!"
- Sonst wäre auch völlig unverständlich, wieso die Kirchenväter im 2.JH die judenchristlichen Briefe neben Paulus in das Neue Testament aufgenommen haben, obwohl - oder weil? - sie doch seiner Gnadenlehre so deutlich widersprechen (z.B. der Jakobusbrief).
- Hallo Jesusfreund, bin gerade über Uni drin und nicht eingeloggt. Nur kurz: du missverstehst mich gründlich. Irgendwie hast du die entscheidende Differenzierung in der Terminologie auch nicht wirklich eingesehen. Das ist sachlich auch richtig, ich halte sie für idiotisch, aber sie existiert de facto, und wir sollten hier in Wiki nicht versuchen, die Fehler von 100 Jahren kirchen- und dogmengeschichtlicher Forschung zu revidieren.
- So wie ich Dialogus cum Tryphone interpretiere, haben Christen aus dem Judentum in der "Großkirche" des zweiten Jahrhunderts sehr wohl Platz gehabt, und wurden (wenigstens von Justin) auch dann nicht verketzert, wenn sie sich selbst an ihre jüdischen Bräuche hielten. Der Hammer des "Anathema" fiel aber eben immer dann, wenn sie diese Vorschriften auch für Heiden verlangten, und sich so gegen Paulus und die von ihm geprägten Großkirche stellten.
- Dummerweise verwendet seit FC Baur die Kirchen und Dogmengeschichte eben den Begriff "Judenchristen" relativ exklusiv für diese Gruppe, die man eigentlich "judaisierende Christen" nennen müsste. Es soll nicht so klingen, als würden die "normalen" Judenchristen plötzlich ab dem 2. Jhdt zu bösen Judaisierern. Aber dass es die gab, ist imho unstrittig, in den Kerygmata Petrou der Pseudoklementinen wird Paulus als Erzketzer Simon bezeichnet und von Petrus (durchaus in Anspielung auf den "antiochenischen Zwischenfall") trefflich widerlegt und vorgeführt. Die Einigung von Petrus und Paulus wird also revidiert, und das eigentlich friedliche Miteinander von Juden- und Heidenchristen, das beide erreicht haben diesmal von "jüdischer" Seite aufgekündigt.
- Dass Neutestamentler wie Conzelmann einen anderen Begriff von Judenchristen haben, ist leider normal, da ist ein Riss zwischen den theologischen Disziplinen (lies einfach mal TRE, Artikel Judenchristen durch, erst den vom NT'ler, dann den vom KG'ler, man glaubt kaum, dass es das selbe Lemma ist). Heidelbaer--134.245.3.65 10:54, 23. Mai 2005 (CEST)
- Hallo Heidelbär: Wir sind also einig, dass der Begriff "Häresie" im Artikel als Sicht von Irenäus u.a. relativiert werden muss. Falls die lukanische Darstellung halbwegs stimmt, konnten sich die judaisierenden Christen des 2. JH´s nicht auf Petrus berufen und entfernten sich ihrerseits vom Apostelkonzil. Laut Apg hat ja Petrus, nicht Paulus mit der Heidenmission angefangen und schon begonnen, die Tora für Neugetaufte "liberaler" zu handhaben. Er saß allerdings dann wohl etwas "zwischen den Stühlen", als Jakobus die Führungsrolle innehatte und eine Art Gegenmission zu Paulus betrieb.
- Solange das Minenfeld derart umstritten ist wie Du zu Recht feststellst, können wir wohl nur immer schön angeben, wer was wann genau sagt und keine Position beziehen.
- In diesem Sinne habe ich jetzt dreisterweise versucht, Einleitung und ersten Teil etwas zu neutralisieren. Hoffe, es ist geglückt und kein unzulässiger Eingriff für Dich!
- Gestoßen habe ich mich hier in der Disku vor allem (neben "Häresie") an "Verwerfung": Das kann man wirklich so nicht stehenlassen nach 60 Jahren jüdisch-christlichem Dialog! Man muss auch kein Protestant sein, um eher die Richtung um Irenäus und Origenes als Häretiker einzustufen; vgl. Franz Mußner.
- Überhaupt muss man deutlich die kirchengeschichtliche (bis heute von Eusebius kontaminierte) Sicht von der neutestamentlichen unterscheiden und das Thema von beiden Seiten (plus der jüdischen) aus beleuchten, sonst landet man sonstwo. In diesem Sinne fröhliches Studieren, Jesusfreund 14:01, 25. Mai 2005 (CEST)
- Woraus kann man schließen, dass die Christen den Sabbat einhielten und Opfer im Tempel darbrachten? Hängt das mit dem täglichen Versammeln im Tempel (Apg 2, 46) zusammen?
- Ja. Beachte auch, dass Paulus Timotheus beschnitten hat. Die Einhaltung der Torah durch Judenchristen scheint er also nicht abgelehnt zu haben.
- Wo genau steht in der Apg, dass die Apostel der Urgemeinde von Heidenchristen die Toraeinhaltung verlangten? (konnte ich mit dieser Deutlichkeit nicht finden; Petrus war der erste, der selber wegen der Tischgemeinschaft - also Agapefeier oder Versöhnungsmahl - von den Jerusalemern - wohl denen um Jakobus? - angegriffen wurde; demnach lehnten diese anfangs die Heidenmission insgesamt ab: Apg 11, 3)
- Geht deshalb schief, weil deine Definition "Apostel der Urgemeinde" biblisch nicht klar umrissen ist. "DIE" Apostel "DER" Urgemeinde gab es nicht. Aber es heißt eben im Galaterbrief, dass Leute "von Jerusalem" kamen, und die Konflikte auslösten. Die Parteizuordnung ist schwierig, und es geht einiges auch schon damals durcheinander. Der Jakobusbrief z.B. ist ja wohl pseudepigraph, und versucht gegen Paulus Position zu beziehen "Glaube ohne Werke ist tot" und hebt aber nicht auf die von Paulus kritisierten Ritualgesetze ab, sondern auf Moral, und da war Paulus selbst ja alles andere als gesetzesfeindlich. Genauso wird Petrus später als Gallionsfigur der judaisierenden Christen aufgebaut, obwohl er die beschneidungsfreie Heidenmission nicht abhlehnte.
- Wo steht, dass die "Hellenisten" sie deshalb kritisierten? In Apg 6, 1 geht es nicht um die Tora, sondern um die Witwenversorgung; war also das Almosensammeln und -verteilen bis dahin nur für Judenchristen vorgesehen?
- Nein, es geht um mehr: die Witwen wurden im Judentum am Tempel versorgt, weil ihr Gebet vor Gott viel galt. (Motto: Gebet für Almosen - uraltes Prinzip) Die Helenisten lehnten den Tempel ab (das kann man wohl aus der Rede des Stephanus schließen, der behauptet Gott könne nicht in einem Haus wohnen, das mit Händen gemacht wurde). Wenn aber die Hellenistischen Witwen nicht am Tempel waren, blieben sie unversorgt. Das war damals das Problem.
- Gibt es Quellbelege für die Forderung der judaisierenden Christen an Heidenchristen, jüdische Gesetze einzuhalten? Welche? Du nanntest die Pseudoclementinen; was genau steht da?
- Kann ich jetzt gerade nicht nachschauen. Es wird im Namen von Petrus gegen Paulus polemisiert, der Gesetz und Moral untergraben habe.
- Müsste nicht deutlicher gemacht werden, dass "Judenchristen" ganz verschiedene Positionen zur Geltung der Tora für Nichtjuden vertraten und sich schon in sich nicht einig waren?
- Das ist eben das Problem, nimmt man Judenchristen als ethnische Bezeichnung (wie "afrikanische Christen") dann ist das wahr, nimmt man es als Parteibezeichnung, dann nicht.
- Welche Schriften im, welche außerhalb des NT können als "judenchristlich" (nicht bloß wegen der Autoren, sondern der Theologie) gelten? "Nazoräer" und "Ebionäer" z.B. waren doch anscheinend geradezu die Retter der Urgemeinde in Pella - wie konnte daraus dann Feindschaft werden? Jesusfreund 15:13, 25. Mai 2005 (CEST)
- Der Pella-Bericht ist nicht unbedingt zuverlässig. Die Ebionäer und Nazoräer beanspruchten, die Lehre und Tradition der Urgemeinde fortzuführen, da ist so eine Rettungslegende nicht ganz unpassend. Aber du hast recht, die Quellenlage ist dürftig, und vieles ist Spekulation.
- (alle kursiven Antworten by --Heidelbaer 12:05, 31. Mai 2005 (CEST))
Der Satz
"Nach ihrem Selbstverständnis und der gültigen Definition beider Religionen handelt es sich um Christen jüdischer Herkunft."
sollte entfernt werden, da messianische Juden eben KEINE Christen welcher Herkunft auch immer, sonder JUDEN, die an Jesus glauben, sind. Der Unterschied ist gewaltig! sind. Bitte lest im Artikel messianische Juden nach.
Gruß I am what I am 03:56, 26. Mai 2005 (CEST)
Bearbeitung
So, ich habe noch ein bisschen nachgeforscht, um meine eigenen Fragen beantworten zu können. Die Ergebnisse habe ich vorläufig eingearbeitet; auch den berechtigten Einwand von dem, der ist was er ist, habe ich berücksichtigt. In einem älteren RGG-Artikel fand ich noch einiges Interessante zu Judenchristen in Mittelalter und Neuzeit, das ich demnächst beisteuern werde. Gruß an Heidelbär, Jesusfreund 13:22, 26. Mai 2005 (CEST)Hallo, Jesusfreund!
Gut gemacht! Sehr gut recherchiert, vielleicht könntest du auch was bei messianische Juden beisteuern. Jedoch bin ich immer noch der Ansicht, dass messianische Juden keine Christen, welche Abstammung auch immer sind. Das ist von durchaus großer Bedeutung! Bitte arbeite es ein, denn die messianische Juden sind keine Christen, zumal sie sich selber nicht als solche sehen.
Gruß
I am what I am 18:38, 26. Mai 2005 (CEST)
- Jeder ist was er ist! Mir ist Deine Grenzziehung nicht klar. Im Neuen Testament ist jeder, der sich zu Jesus als dem Messias Israel bekennt, Christ. Was sonst soll das Kriterium für Christ sein?
- Außerdem: Wieso soll ich das ergänzen, kannst Du doch auch? Bis vor kurzem war der Artikel "Messianische Juden" eigentlich eher so gestaltet, dass sie als Juden eben eine besondere Art von Christen sind. Und das dürfen sie meinetwegen auch sein, auch außerhalb des organisierten Christentums. Für manche Juden sind sie genauso eindeutig keine Juden... Dieses Gezerre mache ich nicht mit. Jesusfreund 19:33, 26. Mai 2005 (CEST)
Hallo, Jesusfreund!
Der Begriff "Christ" ist kein biblischer Begriff, erst Recht ist es kein Begriff der von Jesus selber in die Welt gesetzt wurde. Das Problem ist, dass sich die messianischen Juden nicht als Christen sehen. Versuche doch mal den feinen Unterschied zwischen "Christen jüdischen Abstammung" und "Juden christlichen Glaubens" heraus zu filtern. Na, merkst du, wo der kleine, aber feine Unterschied ist? Ich würde das gerne ausdiskutieren, jedoch vertrete ich den Standpunkt, dass man messianische Juden als Juden, und eben nicht als Christen charactaresiert. Was hällst du davon?
I am what I am 20:43, 26. Mai 2005 (CEST)
- Dass Jesus das Wort "Christ" erfunden hat, hatte niemand behauptet.
- Als was sich die messianischen Juden sehen, ist nicht eindeutig. Und ein Problem... für wen?
- Dass es einen Unterschied gibt zu getauften Juden, ist klar und wird in diesem Artikel ja auch - relativ klar, hoffe ich - definiert.
- Von "Standpunkten" halte ich hier bei Wikipedia nicht allzu viel; zwar hat jeder unvermeidbar irgendeinen, ich natürlich auch; aber das kann auch an der Klarsicht andern gegenüber hindern.
- Ich bleibe dabei: Assume good faith. Den haben messianische Juden auch, und wenn Jesus ihr Heiland ist, dürfen sie m.E. als Christen, die weiterhin Juden sind und sein wollen, durchgehen.
- Viel problematischer finde ich das fortgesetzte aggressive Missionieren der übrigen Juden. Man muss respektieren, dass das nach der ganzen elenden Christentumsgeschichte als Bedrohung erlebt wird. Jesusfreund 21:33, 26. Mai 2005 (CEST)
Gegner des Paulus
Hallo Heidelbär, gerade sah ich deine Antwort und freue mich darüber. Allmählich dämmert mir etwas. Kernproblem scheint zu sein, die "Jerusalemer" zu identifizieren, die gegen Paulusmission auftraten, und von da aus eine Linie zu den "Judaisierern" in den Pseudoclementinen u.a. zu ziehen. - Ich habe ja ziemlich rumgefuhrwerkt in diesem Artikel, ich werde mich jetzt aber eher zurückhalten; mir scheint Du bist da näher am Thema dran und dann solltest Du korrigieren, was zu korrigieren ist. Ich frage dann hinterher wieder nach, was ich nicht kapiere oder einsehe...Gruß! Jesusfreund 12:28, 31. Mai 2005 (CEST)Irgendwie stimmt es immer noch nicht...
Ich bin froh, dass der Artikel so differenziert ist, und auch so gewachsen ist. Gute Arbeit. Aber auch die "Hellenisten" waren ursprünglich Teil der "Jerusalemer Urgemeinde" wir arbeiten immer noch mit Schemata. Sie wurden ja nicht von ihren Brüdern vertrieben, sondern von denen, die z.B. Stephanus gesteinigt haben, damals also auch Leuten wie Paulus/Saulus. Die Engführung des "Urchristentums" auf matthäische Positionen, die gewiss nicht die einzigen und ältesten sind, ist m.E. auch hochproblematisch. Einem sachlichen Fehler von Iamwhatiam muss ich noch widersprechen, natürlich ist der Begriff "Christen" biblisch, auch wenn er in der Apostelgeschichte als "Fremdbezeichnung" der antiochenischen Gemeinde aufkommt, wird er doch offenbar akzeptiert. Siehe meinen Hellenisten Artikel. --Heidelbaer 11:49, 1. Aug 2005 (CEST)
Lesenswert-Diskussion
Ein vollständiger, gründlicher, gut lesbarer Artikel zu einer wenig bekannten Minderheit, die historisch oft zwischen allen Stühlen saß. Dank gebührt hier Heidelbaer, von dem leider seit einiger Zeit nicht mehr viel zu sehen ist. Jesusfreund 04:05, 6. Okt 2005 (CEST)
Symbol support vote.svg
Bildherkunft
Pro Es fehlt: In der NS Zeit wurden konvertierte Juden rassistisch als Juden behandelt und kamen ins KZ. Vielleicht sollte man das am Beispiel von Edith Stein darstellen. --Luha 10:47, 6. Okt 2005 (CEST)
Symbol support vote.svg
Bildherkunft
Pro - ja, ich finde das sehr lesenswert. Der Zusatz, den Luba vorschlägt, wäre sicher gut und wichtig. --Berglyra 01:09, 7. Okt 2005 (CEST)
- Zusatz wurde eingefügt, Dank an Luha! Jesusfreund 15:36, 7. Okt 2005 (CEST)
- Pro
Symbol support vote.svg
Bildherkunft --Kapitän Nemo 10:50, 8. Okt 2005 (CEST)Pro
Esdras Edzardus
Bestehen Bedenken den Inhalt über Edzardus in diesem Artikel an die Beiographie anzupassen ? Die Information, die hier steht, ist aus RGG. Die Quellen zum Ezardus-Artikel sind dort angegeben und ist mit der NDB abgeglichen, sollte also stimmen, zumal Edzardus Vater als Pastor in Hamburg nachgewiesen ist, was eine sephardische Herkunft sehr unwahrscheinlich macht. Catrin 00:52, 11. Okt 2005 (CEST)
- RGG welche Auflage? Wenn er nicht jüdischer Abstammung war, hätte er eigentlich wenig in diesem Artikel verloren, außer als Judenmissionar. Ich versuche das zu überprüfen. Jesusfreund 22:31, 11. Okt 2005 (CEST)
Ich nehme an 3. Auflage. Die Aussage kam von dir selbst, du hattest als Quelle RGG oder TRE genannt, in der TRE ist es aber m.W. nicht enthalten, ich hatte es damals nachgesehen aber erinnere es nicht genau. Die Information schein schon älter zus ein, ADB ADB
Ein ähnlicher Passus ist auch im Artikel Judenmission, wo er wahrscheinlich besser aufgehoben ist.
Christen opferten nicht im Tempel
Im Text ist meiner Meinung nach ein gravierender Fehler. Natürlich besuchten auch die Christen der Jerusalemer Urgemeinde weiter den Tempel. Warum auch nicht? Jesus bezeichnete ihn ja auch als das Haus seines Vaters. Allerdings kann ich nirgends im Neuen Testament einen Hinweis darauf finden, dass Christen im Tempel opferten (so wie früher z.B. Maria und Josef nach der Geburt Jesu). Denn durch den Opfertod Jesu hatte er alle Sünden der Menschheit auf sich genommen, daher waren weitere Sündopfer völlig überflüssig, ja sogar schädlich, denn eine solche Handlung würde das Loskaufopfer Jesu diskreditieren. Also Anbetung im Tempel ja, Opfer nein. Die irreführende Textstelle sollte entfernt werden. Es sei denn wir sehen die Sache so, wie die Römisch-Katholische Kirche, die das Opfer Jesu täglich in der Messe von neuem vollzieht, eine Praxis, die alle Reformatoren verurteilt haben. (vgl. Hebr. 7, 27 Er hat es nicht nötig wie jene Hohenpriester, täglich zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst opferte. Hebr 9,7 In den andern Teil aber ging nur "einmal" im Jahr allein der Hohepriester, und das nicht ohne Blut, das er opferte für die unwissentlich begangenen Sünden, die eigenen und die des Volkes. Hebr 9,26 sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. Hebr 10,2 Hätte nicht sonst das Opfern aufgehört, wenn die, die den Gottesdienst ausrichten, ein für alle Mal rein geworden wären und sich kein Gewissen mehr gemacht hätten über ihre Sünden? Hebr 10,10 Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi.) --Wolfgang1018 23:58, 5. Nov 2005 (CET)
- Theologisch gebe ich dir in vollem Umfang recht; die Frage ist bloß, wie es historisch anfangs war. Nach Meinung eines früheren Hauptautors dieses Artikels, Heidelbaer (s.o.), schloss das tägliche "einmütige Beieinander" der Urchristen im Tempel (oder nur im Tempelbezirk?) die Teilnahme an den dortigen Opfern ein, da auch Petrus bis Apg 11 offenbar die Reinheits- und Kultgesetze der Tora einhielt. Andererseits stimme ich dir zu: Die eindeutige Meinung des NT ist, dass der Tod Jesu alle weiteren Kultopfer erübrigt hat. Aber es kann ja immerhin sein, dass erst Paulus diese Auffassung im Urchristentum vertreten und teilweise durchgesetzt hat. Mal weiter nachforschen, was heutige historisch-kritische Exegeten quer durch die Konfessionen dazu sagen. Jesusfreund 00:33, 6. Nov 2005 (CET)
- Theologisch ist das gut und schön, aber es ist weder historisch korrekt noch biblisch fundiert. denn wenn man Apg 21,14-26 aufmerksam liest, stellt man fest, dass von der Jerusalemer Gemeinde sehr wohl im Tempel geopfert wurde, oder wie würden die Herren Vers 26 sonst interpretieren? ;-)--Heidelbaer 10:24, 19. Nov 2005 (CET)
Lemmafrage
Hallo zusammen; spricht etwas dagegen, den Artikel so, wie er ist, auf das Abstraktum Judenchristentum zu verschieben? Falls nein, mache ich das demnäx (u.a., aber nicht allein wegen Plurallemma). Gruß --Rax Rax 00:16, 20. Nov 2005 (CET)- Finde ich nicht optimal, denn das Abstractum suggeriert, es handele sich um eine einheitliche Richtung im Christentum. Genau das ist eben nicht der Fall. Es geht wirklich um Gruppen oder einzelne sogenannte "Judenchristen", wobei der Begriff im Lauf der Christentumsgeschichte verschiedene Bedeutungen angenommen hat. Das ist momentan recht klar definiert und würde durch die Verschiebung eher wieder vernebelt, fürchte ich. Lass es lieber so wies ist oder, wenn es sein muss, mach den Singular "Judenchrist" draus. Der Gegenbegriff "Heidenchristen" ist ja auch als solcher definiert. Gruß, Jesusfreund 01:32, 20. Nov 2005 (CET)
- ok - das leuchtet ein (und eigentlich hätte ich auch selbst drauf kommen können ...), bleibt's erstmal so. Gruß --Rax Rax 10:34, 20. Nov 2005 (CET)
Eine Gruppe von Menschen benennt sich selbst nich mit dem Schimpfwort seiner Feinde ?
1. Christen wurden Christen genannt. Sie haben sich selbst nie so genannt. Sie wurden zuerst von ihren Verfolgern und Mördern so betitelt. Aus keiner Bibelstelle geht hervor, dass sie sich selbst so nannten. Wenn doch dann nenne sie mir. Wenn nein, dann ändere diese Bezeichnung, indem du sie in der Erklärung richtig stellst.
2. Juden, die ihren "Schilo" oder "Maschiach" erkannt haben als, "Judenchristen" zu bezeichnen, ist, sofern du den gleichen Erlöser hast, ihnen gegenüber lieblos und ignorant der Vergangenheit gegenüber, die dieses Volk mit den sogenannten Christen hatte.
Ein Jude ist im biblischen Sinn auch ganz anders definiert. Siehe Römer 2:28. Alles andere dürfte dann wohl klar sein.
Für nichterlöste Menschen bedeutet dies: Die sogenannten Juden sind also besser Ausgedrückt das auserwählte "Volk Israel" Die sogenannten Heiden sind dann "Heidenvölker"
Für erlöste Menschen bedeutet dies: aus dem Volk Israel = israelische Juden und aus den Heidenvölkern = heidnische Juden.
Denn aus biblischer Sicht war immer schon - selbst zur Zeit Mose - Der ein Jude, der es in der Beschneidung des Herzens war - wie es Scha-ul (Paulus) formuliert. Egal, ob er aus Israel kam oder von den Heiden.
Owila
- Liebe(r) Owila, ich verweise auf den Artikel Messianische Juden. Der Begriff Judenchristen ist sogar sehr jung, ich glaube er kommt aus dem 19ten Jahrhundert. Die Bezeichnung "Christen" ist übrigens keine feindliche Fremdbezeichnung, ist sie doch nur die Abkürzung für "Juden, die Jeschua für den Mashiach halten". Nur eben graecisiert/latinisiert. Dass das Griechisch/Lateinische aus dem Judentum herausdefiniert wurde ist übrigens erst eine Reaktion auf die Christen. Das Judentum zur Zeit Jesu war sogar mehrheitlich griechisch-sprechend. --Heidelbaer 16:58, 19. Jan 2006 (CET)
Abschnitt Pietismus
Ich habe folgenden Abschnitt entfernt:Mit dem Pietismus gewannen diese Bemühungen neuen Auftrieb: 1650 wurde der sephardische Jude Esdras Edzard (1629-1708) aus dem Elsass unter Philipp Jacob Speners (1635-1705) Einfluss Christ. Nach dem ersten Institutum Judaicum Europas in Straßburg (1650) gründete er nach Speners Vorbild judenchristliche Hausgemeinden in Hamburg und eine „Proselytenanstalt" für Judenchristen, die eine Unterkunft brauchten. Sein Schüler war August Hermann Francke (1663-1727), der spätere Gründer der pietistischen Universität und des Waisenhauses in Halle/Saale.
Ich bitte das mit den Artikel Esdras Edzardus abzugleichen. Siehe auch Diskussion weiter oben. Falsch ist vor allem das Edzardus bekehrter Jude war, er selbst stammte aus Hamburg, sein Vater war lutherischer Pastor. Eine Gründung Edzards in Straßburg scheint mir zumindest sehr fraglich. Quellen siehe Esdras Edzardus. Ich habe den ganzen Abschnitt entfernt, da nicht viel überbleibt wenn Edzard nicht selbst Judenchrist ist. Siehe auch Judenmission --Catrin 22:34, 4. Mai 2006 (CEST)
Spätantike
In der Spätantike ist der Begriff Judenchristen zu problematisieren, da er z.T. auch zur Verketzerung von Gruppierungen verwendet wurde, die keinerlei jüdischen Background hatten, aber die aramäisch sprachen ODER orientalische (also den jüdischen entsprechende) Monatsnamen bzw. den entsprechenden Kalender verwendeten ODER Azymata beim Abendmahl verwendeten (wie dies auch die westliche Kirche tat), natürlich vor allem solche, auf die mehrere dieser Kriterien zutrafen, also insbsondere die Syrer. Roald 20:17, 17. Jun 2006 (CEST)
Diagramm der Abstammung der Konfessionen
Hi!
Ich habe ein Diagramm erstellt, wo die Verflechtung der chr. Konfessionen gezeigt werden soll (weil ich selber kaum durchgeblickt habe), welches ich hier zur Diskusion stellen will.Mr.bloom 17:52, 19. Jun 2006 (CEST)
Christen jüdischer Abstammung in Deutschland
Weiß jemand, wie viele der Menschen, die seit 1933 als "Juden" galten, einer christlichen Kirche angehörten?
Bukarest
Hallo, hat jemand Details zu einem judenchristlichen Hintergrund der rumänischsprachigen Bukarester Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien?
Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Judenchristen und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).


