Toplinks zu diesem Thema:
Bund, Fotografie, Geschenk
Der Artikel Klemens Wenzel Lothar von Metternich gehört zur Kategorie: Mann, Deutscher, Politiker (Österreich), Geboren 1773, Gestorben 1859
Klemens Wenzel Nepomuk Lothar Graf von Metternich (eigtl. Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar) (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien), seit 1813 Fürst von Metternich-Winneburg, seit 1818 Herzog von Portella war ein Staatsmann im österreichischen Kaiserreich.
![]() |
|
Metternich etwa zur Zeit des Wiener Kongresses Bildherkunft |
Leben
Jugend
Klemens Metternich begann 1788 im Alter von 15 Jahren ein Studium in Straßburg. 1790 beteiligte er sich gemeinsam mit seinem Vater als Zeremonienmeister des katholischen Teils des Grafenkollegiums Westfalens an den Feiern zur Krönung Leopolds II. in Frankfurt am Main. Danach setzte er sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften bis 1794 in Mainz fort. Durch seine Heirat mit Marie-Eleonore von Kaunitz-Rietberg, der Enkelin des Staatskanzlers Wenzel Anton Graf von Kaunitz-Rietberg, entstand eine enge Beziehung zum Hof.
Karriere
Seine diplomatische Laufbahn begann 1797 als Vertreter des westfälischen Grafenkollegiums. 1801 wurde er Gesandter in Dresden, 1803 in Berlin und nach dem Pressburger Frieden 1805 in Paris. Nach der Niederlegung der Reichskrone durch Kaiser Franz II. und damit Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 12. Juli 1806 bemühte Metternich sich um eine engere Verbindung zwischen Österreich und Frankreich.
Nach der Niederlage Österreichs übernahm Metternich am 8. Oktober 1809 das Außenministerium und versuchte bis 1813 einen Ausgleich mit Frankreich herbeizuführen. Er fädelte die Heirat der Erzherzogin Marie-Louise mit Napoleon ein und es gelang ihm, die Bedeutung der Monarchie wieder zu erhöhen. Als Napoleons Stern im Frühjahr 1813 anfing zu sinken, löste er sich von Frankreich und versuchte erfolgreich die Befreiungskriege gegen Napoleon in einen dynastischen Krieg zu verwandeln.
Wiener Kongress
Durch seinen Vorsitz auf dem Wiener Kongress war er maßgeblich an der Umwandlung des Befreiungsgedankens in die Restauration beteiligt. Mit der Initiierung einer engen Zusammenarbeit der Großmächte in der Heiligen Allianz und der Zersplitterung Deutschlands, Italiens und Polens sicherte er die Vormachtstellung Österreichs im Deutschen Bund und in Italien. Metternich bezog auch Portugal in sein Bündnissystem ein und arrangierte die Hochzeit des portugiesischen Thronerben Dom Pedro, dem späteren Kaiser von Brasilien, mit Maria Leopoldine von Österreich. In diesem Zusammenhang finanzierte Metternich auch die Österreichische Brasilien-Expedition.
Als Gegner von Demokratie und Liberalismus errichtete er einen Polizeistaat, zu dem Zensur und Spitzelwesen gehörten, und versuchte seine Ideen auch im Reich durchzusetzen. Dieses Gefüge politischer Leitlinien wurde als Metternich'sches System bekannt.
Vormärz und Abdankung
Fürst von Metternich erhielt auf eigenes Betreiben die Domäne Schloss Johannisberg nach dem Wiener Kongress 1816 aus den Händen Kaiser Franz' I. zum Geschenk. Dort verbrachte er im Sommer häufig mehrere Wochen. Am 25. März 1821 wurde ihm die Würde des Haus-, Hof- und Staatskanzlers zuerkannt.Der Name Metternichs ist in dieser Zeit vor allem mit den Karlsbader Beschlüssen verbunden, die innenpolitisch die Unterdrückung liberaler Strömungen zur Folge hatten und die Verfolgung von Intellektuellen und Künstlern bewirkten. Die Zensurmaßnahmen und Polizeimethoden führten zur Ausprägung von Biedermeier und Vormärz in den Jahren zwischen 1815 und 1848.
![]() |
|
Fotografie Metternichs im Alter Bildherkunft |
1820 bis 1821 sorgte Metternich für die Unterdrückung des Risorgimento in Italien.
Ab 1836 gehörte er der Geheimen Staatskonferenz an, welche die Regierungsgeschäfte für Kaiser Ferdinand I. führte.
Im Zuge der liberalen Märzrevolution in Österreich und den meisten anderen Staaten des Deutschen Bundes sowie anderer europäischer Fürstentümer gelang es der revolutionären Bewegung in Wien, Metternich am 13. März 1848 zur Abdankung und Flucht zu zwingen. Er floh nach London, von wo er 1851 nach Wien zurückkehrte. Bis zu seinem Tode beriet er die österreichische Regierung unter Kaiser Franz Joseph I..
Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Böhmen auf seinem Gut, dem ehemaligen Kloster Plass.
Bewertung
Metternichs Bewertung ist in der Historiographie umstritten. Aus liberaler, den Ideen der amerikanischen und der Französischen Revolution verpflichteten Sicht verbindet sich mit Metternichs Name der Inbegriff von vormodern-polizeistaatlicher Willkür, Konterrevolution und Reformunfähigkeit. Dabei wird vielfach auf die von Metternich angeordneten Hinrichtungen Liberaler ohne jedes Gerichtsurteil verwiesen. Eine Bewertung im Licht seiner Zeit fällt jedoch anders aus: Für Metternich mussten nach der jahrhundertelangen europäischen Tradition "legitimer Herrschaft" im Sinne monarchischer Autorität liberal-demokratische und insbesondere nationale Vorstellungen von Souveränität ein gesellschaftspolitisches Modell darstellen, durch das die europäische Staatenwelt in ihrem inneren Kern getroffen und in ihrer Stabilität gefährdet wurde. Anders als autokratischen Herrschern des 20. Jahrhunderts kann ihm bei Würdigung seiner Schriften zumindest nicht unterstellt werden, er habe einen Polizeistaat um der schieren Macht willen aufrichten wollen. Vielmehr lässt sich der Eindruck gewinnen, dass er – was aus heutiger Sicht freilich schwer nachvollziehbar ist – in Erwartung massiven Blutvergießens durch nationale Bewegungen das in seinen Augen bewährte gesellschaftliche System des Ancien Régime vorzog. Stabilität und Ordnung führten zu einer Zeit der Ruhe und einem wirtschaftlichen Aufschwung, mit dem aber die gesellschaftspolitische Entwicklung nicht Schritt halten konnte.
Literatur
- Peter Berglar: Metternich. Kutscher Europas — Arzt der Revolutionen, Musterschmidt, Göttingen, 1973, ISBN 3-7881-0079-6
- Guillaume de Bertier de Sauvigny: Metternich — Staatsmann und Diplomat im Zeitalter der Restauration, Diederichs, München, 1996, ISBN 3-424-01341-2
- Friedrich Hartau: Clemens, Fürst von Metternich, Rowohlt, Reinbek, 1984, ISBN 3-499-50250-X
- Karl Kraus: Politisches Gleichgewicht und Europagedanke bei Metternich, Haag + Herchen, Frankfurt/M, 1993, ISBN 3-86137-017-4
- Alan W. Palmer: Metternich, der Staatsmann Europas, Claassen, Düsseldorf, 1977, ISBN 3-546-47346-9
- Heinrich von Srbik: Metternich — Der Staatsmann und der Mensch, Bruckmann, München, 1957 (Standardwerk in 3 Bd.)
Weblinks
{{Personendaten |NAME=Metternich, Klemens Wenzel Lothar von |ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=österreichischer Staatsmann, stand mit der von ihm initiierten Politik gleichbedeutend für die Restauration |GEBURTSDATUM=15. Mai 1773 |GEBURTSORT=Koblenz |STERBEDATUM=11. Juni 1859 |STERBEORT=Wien }}
Diskussion der Autoren über den Artikel: Klemens Wenzel Lothar von Metternich
Name
nach meinen Unterlagen hieß Metternich nicht Nepomuk, dafür aber mit vollen Namen (zum Zeitpunkt seiner Geburt):Klemens Wenzel Lothar von Metternich-Winneburg-Beilstein.
Wo kommt der Nepomuk noch her?
Nepomuk raus, wenn jemand glaubt, dass der Metternich auch ein Nepomuk war, soll er mir Bescheid geben, ich lese gerade sein Biografie, von Nepomuk keine Spur....
- schöneres Bild in nl: - Ilja Lorek Ilja_Lorek 08:18, 4. Sep 2004 (CEST)
Foto
Ich würde gern eine alte, aus einem Buch gescannte Photographie, Talbotographie bzw. Daguerrotypie des Grafen Metternich in diesen Artikel einfügen. Ich kann das Lichtbild nirgends im Internet finden, allenfalls diese offensichtlich nach dessen Vorlage entstandene Zeichnung: http://members.aol.com/varn... (verwendet auf: http://members.aol.com/varn...Nun ist das Urheber- und Lizenzrecht an sich wohl bereits kompliziert genug. Erschwert wird das ganze aber noch durch die Angaben im Buch bzw. dessen Eigenschaften.
Zuerst einmal ist davon auszugehen, daß der Photograph wohl nicht erst seit 70 Jahren, sondern schon seit über einem Jahrhundert verstorben ist. Beim Buch, aus dem der Scan stammt, handelt es sich um Otto Zierers: "Bild der Jahrhunderte", Band 19, vermutlich in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen (im Impressum findet sich keine Jahreszahl), wobei es sich allerdings auch nur um eine Lizenzausgabe des Bertelsmann Leseringes handelt; die Erstauflage der Reihe ist im Sebastian Lux Verlag Murnau (ebenfalls ohne Jahresangabe) erschienen.
Trotz des Alters dieses und anderer im Buch veröffentlicher Lichtbilder und zeitgenössischer Zeichnungen finden sich am Ende des Bandes aber Lizenzangaben verschiedener Archive, wobei noch erschwerend hinzukommt, daß für jedes Archiv allein die Anzahl der im Band verwendeten Abbildungen angegeben wird, nicht aber, welche Abbildung nun konkret welchem Archiv zuzuordnen ist.
Wie muß ich hier vorgehen? Muß ich das Alter der Erstauflage des Sebastian Lux Verlages Murnau ermitteln? Oder muß ich den Rechteeinhaber des Lichtbildes ermitteln, das den Grafen Metternich darstellt, indem ich mich mit den genannten Archiven in Verbindung setze? --tlatosmd, 6:35, 13. Februar 2005 (CEST)
Einfluss in der Regierung
Ich bin mir nicht ganz sicher inwiefern meine Geschichtsbildung an dieser Stelle korrekt ist, aber wird mit Metternich nicht der Österreichische Polizei- und Spitzelstaat schlechthin verbunden (eine simple Google-Suche nach "Metternich Polizeistaat" zeigt Seiten, die auch so denken)? Selbst wenn das historisch nicht korrekt wäre, sollte dies als weit verbreitet Meinung erwähnt und erläutert werden.
@: Ja, zumindest sollte seine Art des Regierens und seine Auffassung von Staat und Obrigkeit erwähnt werden. „Klemens Metternich begann 1788 im Alter von 15 Jahren mit dem Studium in Straßburg.” Was für ein Studium, vielleicht der Rechtswissenschaften? 9.6.06
"was aus heutiger Sicht freilich schwer nachvollziehbar ist" - hm... politisch - vielleicht; psychologisch ist es eher einfach (die entscheidenden Daten sind bereits im Artikel genannt): Seine Herkunft in der geografischen Nähe zu Frankreich, die dortige traditionelle Affinität zu französischem Lebensstil (der Aristokratie von Grand Siecle und Ancien Regime), dann die zeitliche Nähe zur Revolution, bei deren Ausbruch er - gerade 16 Jahre alt - im französischen(!) Strassbourg studiert. Er beobachtet ihren Fortgang vom sicheren Mainz und Koblenz aus, zunehmend angewidert von der Entwicklung zu Terror und Bestialität (schlicht auch der mangelnden Bildung und Eleganz der meisten ihrer Protagonisten), ist sich bewusst als Aristokrat quasi vor allem deshalb zu überleben, weil er auf der "richtigen" Seite der Grenze geboren wurde. Hier lernt er seine Lektion fürs Leben: Dass alles, was nach "Revolution", "Liberalismus", "Volkssouveränität", etc., etc. riecht, nur eine Vorstufe ist, die unweigerlich in Chaos und Anarchie enden muss, und die es darum unerbittlich zu bekämpfen gilt. (A. Palmer, Vorwort und erstes Kapitel. Die Biografie hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.)
Änderungen vom 9. Juni
Nur zu Info: Ich hab deine Änderungen wieder revertiert, weil Auschweifungen statt der knappen Bezeichnung "Österreich" u.ä. Umformulierungen den Artikel nicht gerade lesbarer machen. Ein einmaliger Hinweis am Beginn der Seite hätts auch getan, dass es sich um das "neu entstandene Kaisertum Österreich" handelt ;-) --Braveheart Braveheart 10:03, 9. Jun 2006 (CEST)@Braveheart: Du hast recht, Ausschweifungen sollten nicht sein und von daher habe ich Überflüssiges aus meinen Änderungen wieder verbannt, aber gleichzeitig auch einige umständlich formulierte Sätze umformuliert bzw. lesbarer gemacht. 9.6.6
- Jo, gegen den Rest hab ich auch nix einzuwenden :-) --Braveheart Braveheart 10:27, 9. Jun 2006 (CEST)
Stabilität und Ordnung führten zu einer Zeit der Ruhe und einem wirtschaftlichen Aufschwung, mit dem aber...
Wenn man Ausbeutung und gnadenlose Abzocke, sowie Kinderarbeit derart euphemisieren mochte. (Wirtschaftlicher Aufschwung für Wen?(Volker Pispers "Wenn die da oben von Deutschland reden dann meinen die nicht Sie.")



