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Oberschlesien

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Der Artikel Oberschlesien gehört zur Kategorie: Polen, Schlesien, Preußische Provinz, Historische Landschaft

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Historisches Wappen Oberschlesiens von H. Strohl aus dem 19. Jahrhundert
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Wappen der Provinz Oberschlesien
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Karte Schlesiens 1746
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Postkarte zur Volksabstimmung in Oberschlesien
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Briefmarke von Oberschlesien zur Volksabstimmung am 20. März 1921, abgestempelt am 19. März
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Oberschlesien (polnisch: Górny Śląsk; tschechisch: Horní Slezsko; oberschlesisch: Ślonsk) ist eine historische Landschaft und ehemalige preußische Provinz im südöstlichen Schlesien, heute Teil von Polen und Tschechien. Der östliche Teil ist ein großes Industriegebiet.

Die Provinz Oberschlesien wurde 1919 durch Teilung der bisherigen Provinz Schlesien gebildet.

Geschichte

Nach der Völkerwanderungszeit kamen die slawischen Opolanen (nach ihnen ist die Hauptstadt Oppeln benannt) ins Land und vermischten sich vereinzelt mit zurückgebliebenen Germanen. Im Laufe des Mittelalters kamen deutsche Siedler auch nach Oberschlesien, die Kolonisation setzte in Oberschlesien jedoch relativ spät ein, da es zum einem östlicher als andere Zielgebiete lag und zum anderen wegen der großen Wald- und Feuchtgebiete eher widrige Bedingungen herrschten. Als schließlich in den Jahren 1347/48 die Große Pest im Reich ausbrach, nahm der Strom der Zuwanderer aus dem Reich stark ab und die Ostsiedlung kam praktisch zum Erliegen. Dadurch stockte im Gegensatz zu Niederschlesien der sprachliche Assimilierungsprozess. In den Städten dominierte bald die deutsche Sprache. Auf dem Land entstand jedoch, neben den wenigen deutschen Sprachinseln, eine deutsch-slawische Mischbevölkerung, die ihre ursprüngliche slawische Sprache behalten konnte, die aber mit zahlreichen Germanismen versetzt wurde, das so genannte Wasserpolnisch. Neben diesem Dialekt sprachen die meisten seit spätestens dem 19. Jh als Zweitsprache Deutsch, in der Dialektform Oberschlesisch, das sich vom Niederschlesischen und vom Hochdeutschen durch besonders harte Rachenlaute und systematische Entrundung der vorderen gerundeten Vokale (z.B.: Bühne = Biene, lösen = lesen) unterschied, was auch sonst für Deutschsprechende mit slawischer Muttersprache charakteristisch ist. Während die Niederschlesier zu etwa 96 % (allein) deutschsprachig waren, gebrauchten etwa 58 % der Oberschlesier trotz deutscher Nationaliät und (zumeist) Loyalität zum Deutschen Reich das Wasserpolnische als Erstsprache. Diese Situation herrschte bis zur Zeit der Industrialisierung des oberschlesischen Industriegebietes vor: Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Verstädterung stark zu. Es kamen zu den Oberschlesisch sprechenden Schlesiern auch viele Deutsche aus Niederschlesien oder den benachbarten sudetendeutschen Gebieten und außerdem eine große Zahl von Polen aus der Provinz Posen oder dem angrenzenden russischenKongresspolen“ nach Oberschlesien. Außerhalb des Industriegebietes, den Gebieten um Oppeln, dem späteren Westoberschlesien konnte sich die o.g. ursprüngliche Situation erhalten, jedoch verlor das Wasserpolnisch besonders in der Zwischenkriegszeit immer mehr an Sprechern.

Nach dem Ersten Weltkrieg sollten nach dem Versailler Vertrag Teile des Grenzverlaufs zwischen Polen und Deutschland per Volksabstimmungen geregelt werden. Zwischen Kriegsende und Abstimmung kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen polnischen Einwohnern, die den Anschluss an Polen forderten, und deutschen Polizeieinheiten sowie Freikorps. Am Abstimmungstag 20. März 1921 stimmte bei einer Wahlbeteiligung von 97,8 Prozent 707.554 (59,6 Prozent) Oberschlesier, also auch viele, die in Volkszählungen Oberschlesisch bzw. Polnisch als Muttersprache angegeben hatten, für Deutschland und 478.820 (40,4 Prozent) für Polen. Im Mai kam es zu einem weiteren Aufstand mit dem Ziel der kompletten Angliederung an Polen, der aber erfolglos blieb. Danach wurde der kleinere (29%) Teil Oberschlesiens („Ostoberschlesien“), bzw. der Großteil des Oberschlesischen Industriegebiets mit der Hälfte aller Hüttenwerke, einem Großteil der Kohle- und Eisenerzvorkommen und den wirtschaftlich bedeutenden Bergbauregionen, auf Beschluss des Völkerbundes am 10. Oktober 1921 Polen zugeschlagen. Der Rest blieb bei Deutschland („Westoberschlesien“); ein Teil des Kreises Ratibor, das so genannte Hultschiner Ländchen, war bereits mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 an die Tschechoslowakei abgetreten worden. Am 3. September 1922 wurde im deutsch gebliebenen Teil Oberschlesiens eine Volksabstimmung durchgeführt, bei der über die Bildung eines eigenen Landes Oberschlesien im Deutschen Reich entschieden werden sollte. Jedoch sprachen sich über 90% für den bisherigen status quo, also den Verbleib Oberschlesiens im Freistaat Preußen der Weimarer Republik aus.Vgl. http://www.gonschior.de/wei...

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Oberschlesien von der Roten Armee erobert. Nach 1945 kam schließlich auch der Teil, der nach der Volksabstimmung 1921 bei Deutschland verblieben war, zu Polen. Anders als in Niederschlesien gab es im oberschlesischen Industriegebiet aus ethnischen und ökonomischen Gründen keine flächendeckende Zwangsaussiedlung: Viele waren ja schon zweisprachig, weil sie entweder den Dialekt gebrauchten oder in der Zeit zwischen den Weltkriegen in der Woiwodschaft Schlesien (zwangsweise) Polnisch erlernen mussten. Darüber hinaus verfügten viele Oberschlesier über berufliche Qualifikationen, die in der Kohle- und Stahlindustrie nicht kurzfristig ersetzt werden konnten. Wer einen, mehr oder weniger streng gehandhabten, polnischen Sprachtest bestand und als „autochthon“ eingestuft wurde, erhielt ein Bleiberecht. Auch Oberschlesier, die als (allein) deutschsprachig eingestuft wurden, erhielten ein Bleiberecht, wenn sie in wichtigen Industrien arbeiteten. Schließlich wurden von der oberschlesischen Bevölkerung "nur" etwa 40 % und nicht, wie in Niederschlesien, mehr als 90 %, zwangsausgesiedelt. Insbesondere um Oppeln und Kattowitz blieb daher bis heute eine deutsche und oberschlesische Minderheit zurück, die nicht vertrieben wurde oder spätaussiedelte.

Heute gehört der größte Teil Oberschlesiens zu Polen, das Hultschiner Ländchen zu Tschechien. Die Region ist auch die Heimat der nach den ethnischen Oberschlesiern (Volkszählung 2002) größten ethnischen Minderheit Polens, der Polendeutschen. Etwa 250.000 Bewohner Oberschlesiens sind Doppelstaatler und verfügen neben der polnischen zugleich über die deutsche Staatsbürgerschaft.

Zur allgemeinen Geschichte Schlesiens siehe Schlesien (Geschichte)

Gebiet und Bevölkerung

Provinz Schlesien: 37.013 km²; 4.846.333 Einwohner (Mai 1939), von denen der Großteil römisch-katholischen Glaubens war, was eine (weitere) Besonderheit darstellte, da die Mehrheit im östlichen Deutschland protestantisch war.

Politik

Verwaltungsgliederung Oberschlesiens

Ursprünglich bestand die Provinz Oberschlesien nur aus dem Regierungsbezirk Oppeln, aus dem dann 1921 Ostoberschlesien als Woiwodschaft Schlesien ausschied und zu Polen kam. Diese Gebiete wurden schließlich im Zweiten Weltkrieg mit einigen anderen Kreisen und Teilkreisen, die bis 1918 österreichisch oder russisch waren zum zusätzlichen Regierungsbezirk Kattowitz zusammengefasst.

Verwaltungsgliederung Stand 1. Januar 1945

Regierungsbezirk Kattowitz
Stadtkreise

  1. Beuthen O.S.
  2. Gleiwitz
  3. Hindenburg O.S.
  4. Königshütte
  5. Kattowitz

Landkreise

  1. Bendsburg
  2. Beuthen-Tarnowitz Sitz: Tarnowitz
  3. Bielitz
  4. Kattowitz
  5. Krenau
  6. Ilkenau
  7. Pleß
  8. Rybnik
  9. Saybusch
  10. Teschen
  11. Tost-Gleiwitz (Sitz: Gleiwitz)
Regierungsbezirk Oppeln
Stadtkreise

  1. Neisse
  2. Oppeln
  3. Ratibor

Landkreise

  1. Blachstädt
  2. Cosel
  3. Falkenberg O.S.
  4. Groß Strehlitz
  5. Grottkau
  6. Guttentag
  7. Landkreis Kreuzburg O.S.
  8. Leobschütz
  9. Loben (vor 1941: Lublinitz)
  10. Neisse
  11. Neustadt O.S.
  12. Oppeln
  13. Ratibor
  14. Rosenberg O.S.
  15. Warthenau
Verwaltungsgliederung heute
Die Provinz wurde 1945 aufgelöst und in die Woiwodschaft Oppeln und in die wiederhergestellte Woiwodschaft Kattowitz (Schlesien) unterteilt.

Oberpräsidenten

Provinziallandtag

1925: Zentrum 48,2% - 26 Sitze | DNVP 20,9% - 12 Sitze | SPD 8,5% - 5 Sitze | KPD 8,4% - 5 Sitze | Polen 7,2% - 4 Sitze | DDP 2,2% - 2 Sitze
1929: Zentrum 42,2% - 24 Sitze | DNVP 17,3% - 10 Sitze | SPD 12,2% - 7 Sitze | KPD 8,9% - 5 Sitze | Polen 5,7% - 3 Sitze | Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 4,7% - 3 Sitze | OBB 4,4% - 3 Sitze
1933: NSDAP 43,1% - 24 Sitze | Zentrum 33,3% - 18 Sitze | DNVP 8,3% - 5 Sitze | SPD 6,6% - 4 Sitze | KPD 6,4% - 4 Sitze
An 100% fehlende Stimmen = Nicht im Provinziallandtag vertretene Wahlvorschläge.

Siehe auch: Landsmannschaft der Oberschlesier, Bund der Oberschlesier und Unser Oberschlesien sowie Kirchlicher Suchdienst

Weblinks

Anmerkungen


Diskussion der Autoren über den Artikel: Oberschlesien


Wie sieht das denn jetzt mit den Abstimmungsergebnissen aus? Stimmte das Industrierevier für Polen?

Überarbeiten

Angaben zur geografischen Lage und zu Städten etc. fehlen. -- WHell 08:49, 28. Nov 2005 (CET)

Deutsch-Krawarn

Ich wüsste gern, wo Deutsch-Krawarn in Oberschlesien liegt und wie es heute heißt!? Simon Mayer

Deutsch-Krawarn heißt heute Kravaře. Der Ort liegt im Hultschiner Ländchen in Tschechien südwestlich von Bolatice (Bolatitz) an der Straße zwischen Ostrava (Ostrau) und Opava (Troppau). --PetrusSilesius 11:47, 6. Jan 2006 (CET)

Danke!



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Oberschlesien und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).