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Der Artikel Peter Petersen (Pädagoge) gehört zur Kategorie: Pädagoge (20. Jh.), Reformpädagogik, Hochschullehrer (Jena), Mann, Deutscher, Geboren 1884, Gestorben 1952
Peter Petersen (* 26. Juni 1884 in Großenwiehe bei Flensburg; † 21. März 1952 in Jena) war ein deutscher Reformpädagoge.
In Abwendung von der vorherrschenden geisteswissenschaftlichen Pädagogik betrieb Petersen pädagogische Tatsachenforschung als Versuch, empirische und hermeneutische Forschungsverfahren zu verbinden. Petersen entwickelte an der Universität Jena, an welche er im Rahmen der Greilschen Schulreform berufen wurde, den so genannten Jena-Plan.
Die große Leistung von Peter Petersen bestand darin, dass er die verschiedenen reformpädagogischen Strömungen auf dem Hintergrund einer eigenständig entwickelten Erziehungswissenschaft miteinander verschmelzen ließ und den so genannten Jena-Plan entwarf. Bereits 1928 wurde er im „Handbuch der Pädagogik“ von Nohl/Pallat dafür gewürdigt. Petersens Grundfrage lautete: Wie soll die Erziehungsgemeinschaft beschaffen sein, in der und durch die ein Mensch seine Individualität zur Persönlichkeit vollenden und ein Kind die beste Bildung erwerben kann?
Petersen verstand sich als Verfechter einer menschlichen, kindgerechten Alternative zu den staatlichen, streng hierarchisch gegliederten Schulen der Zeit. Seine Reformanstrengungen zielten auf das gesamte staatliche Schulwesen ab. Er wollte eine allgemeine, freie Volksschule, in der beide Geschlechter unabhängig von Stand, Religion und Begabung miteinander so lange wie möglich gemeinsam lernen. Viel stärker betonte er aber eine Schulreform von innen, die zu seiner Lebensaufgabe wurde. Seine Leistungen liegen erstens darin, dass er eine selbständige und weitgehend autonome Erziehungswissenschaft entwickelt, die von der pädagogischen Tatsachenforschung, d.h. der systematischen Beobachtung des Kindes in seiner Erziehungsrealität zur Absicherung und Korrektur pädagogischer Entscheidungen, begleitet wird. Er führt zweitens die akademische Lehrerbildung ein und gründet die erste pädagogische Fakultät. Drittens stellt er mit der Jena-Plan Schule einen wissenschaftlichen Schulversuch dar, den er theoretisch begleitet. Theorie und Praxis, Lehre und Forschung verschmelzen bei Petersen zu einer bis dahin noch nicht da gewesenen Einheit. Die theoretische Begründung fußte seine Betonung des gemeinschaftlichen Lernens nicht zuletzt auch auf der Grundlage völkischer Sozialtheorien und NS-affinen Konzepten wie dem der Volksgemeinschaft, sodass Petersen in zeitgenössischer Berichterstattung neben Krieck als bedeutender Vordenker einer neuen Bewegung in der Erziehungswissenschaft gefeiert wurde. Seiner praktischen Empirik steht damit ein auch antirationalistisch geprägter theoretischer Überbau entgegen.
Mit der Jena-Plan Schule schafft er den Prototypen von Schulrealität, der den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfordernissen der Gegenwart genügt. Sein pädagogisches Konzept der Jena-Plan Schule hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Da er sein Konzept als „Ausgangsform“ und nicht als konzeptionelles Dogma betrachtet, können mehr als 70 Jahre später auch heutige Lehrer- und Schülergenerationen an seine Arbeit anknüpfen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden mehr und mehr kognitive Elemente in der Schule betont. Dabei wurde versäumt, das Wissen in Haltungen, Einstellungen und Leidenschaft umzusetzen („vom Kopf ins Herz“ (Pestalozzi)). Der Jena-Plan stellt bei den akuten Problemen der Schule von heute, wie mangelnder Toleranz und Empathie, geringer Motivation und Leistungsbereitschaft, vernachlässigten sozialen Tugenden, der Fixierung auf schnell reproduzierbares „Papageienwissen“ und einem hohen Aggressionspotenzial, einen Lösungsvorschlag dar, der theoretisch und praktisch erprobt ist. Petersen bietet eine humane Pädagogik an, die durch Offenheit und Freiheit gekennzeichnet ist sowie ein schulisches (Er-)Leben ermöglicht.
Biographische Aspekte zum Verständnis von Petersens Werk
Peter Petersen wurde am 26. Juni 1884 in Großenwiehe in der Nähe von Flensburg geboren. Seine Familie bewirtschaftete einen eigenen Bauernhof. Petersen wuchs in einer bäuerlichen Lebensgemeinschaft mit sechs weiteren Geschwistern auf. Das großfamiliäre Zusammenleben formte seinen Charakter und prägte ihn nachhaltig. Hier spürte er als erstes die menschlichen Eigenschaften wie zum Beispiel Freude und Trauer oder Respekt und Hilfsbereitschaft. Daher zentriert sich Petersens gesamte Pädagogik um diese Lebensgemeinschaft. Auch der religiöse Charakter von Petersens Werk geht wesentlich auf den Einfluss seines evangelisch-lutherischen Elternhauses zurück. Die Einbindung des Menschen in die Gemeinschaft hat für den erzieherischen Erfolg, worunter Petersen die Vergeistigung versteht, höchste Priorität.
Petersens familiärer Hintergrund hat auf unterschiedliche Weise Niederschlag in seinem Erziehungskonzept gefunden. Familie ist für ihn die erste Zelle, aus der sich das von ihm angestrebte „Humane“ entwickeln kann. Dabei geht es ihm weniger um die „heile“ Familienwelt, sondern um das Erleben einer „lebensechten“ und mit ihren Konflikten auch „lebensharten“ Familie. Er formuliert dies in der Führungslehre so:
„Der Mensch muß zur gesunden und vollen Entfaltung seines Wesens einen Kreis von Menschen besitzen, [...] die für ihn als ganzen Menschen Verständnis besitzen, und zwar ein Verständnis, das weniger auf intellektueller Klarheit ruht, als erlebt und gefühlt wird ohne Worte, eben darum Begriffe verschmäht und an ihre Stelle den Blick des Auges, den Druck einer Hand vor allem die stets bereite Tat der Hilfe und des Beistandes setzt.“ (Führungslehre des Unterrichts)
Als förderlich für das Aufwachsen und Lernen junger Menschen erkennt Petersen auch das selbstverständliche und natürliche Miteinander von Jung und Alt, Erfahren und Unerfahren. Dies setzt er in der Jena-Plan-Schule in den Stammgruppen um.
Weiter erlebt Petersen auf dem Hof seiner Familie sinnerfüllte Arbeit, die lebensnotwendig für die Gemeinschaft ist. Ihm wird bewusst, dass Menschen durch sinnerfüllte Arbeit Selbstbewusstsein und Selbstwert entwickeln. Ähnlich wie auf einem Bauernhof sieht Petersen die kindgerechte Schule als eine Lebensstätte, die einen überschaubaren und verstehbaren Ort abbildet, der von den Kindern als Heimat empfunden werden kann.
In seinem Heimatort beeinflussen ihn seine beiden „begnadeten Dorfschulmeister“ der einklassigen Dorfschule am intensivsten. Er schreibt selbst von ihnen, dass sie ihm die allerbeste, grundlegende Bildung für sein Leben mitgegeben hätten. Mit ihrer Hilfe bewältigte er die Lerninhalte von acht in nur fünf Schuljahren. Der dortige Unterricht war jahrgangsübergreifend (von sechs bis 14 Jahren), weshalb er an den Diskussionen der Älteren teilnehmen und in den Pausen weiterarbeiten konnte. Seine Lehrer haben der unmittelbaren, tätigen Erfahrung mit Umwelt und Kultur den Vorrang vor Belehrung gegeben. Sie gaben den Schülern genug Zeit, um sich mit den für sie bedeutsamen und fragwürdigen Inhalten zu beschäftigen. Diese Erfahrungen bewegen ihn später in der Führungslehre zu schreiben:
„Das Kind begehrt noch sehnlichst nach dem Neuen, sieht, hört, ertastet viel mehr als der Erwachsene [...] und eben auch an dem, was ihm [...] im Schulraume an Reizen gegeben ist. [...] Welcher methodische Fehltritt daher, dem Kind regelgebundene Wege beim Anschauen, beim denkenden Erarbeiten usf. zu weisen und die wachen Sinne für Arbeit und Aufnehmen in den Schulen matt und stumpf machen. [...] Verbunden mit dem angeborenen Tätigkeitsdrang ist eine Wachheit der Sinne, die wir in den Schulen spielen lassen müssen. [...] Das Kind will gerade die Welt kennenlernen, wie sie wirklich ist, nach allen Seiten, mit allen ihm angeborenen Funktionen sie aufnehmen, sie in sich hineinholen.“ (Führungslehre des Unterrichts)
Außerdem machte Petersen in der Dorfschule die Erfahrung, dass sachliches Arbeiten und ehrliche Leistung nur dann möglich sind, wenn einem Kind genügend Zeit und Ruhe gelassen werden, so dass es sich der Sache mit Muße und Hingabe widmen kann. Er schreibt später:
„Wir müssen die Liebe zur Sache entwickeln, die Fähigkeit, sich auf lange Zeit mit einer Sache zu befassen, sie von vielen Seiten anzusehen und anzupacken; Schüler und Sache müssen weitgehend miteinander eins werden.“ (Führungslehre des Unterrichts)
Petersen hebt hervor, bei den Kindern entdeckendes Lernen zu fördern, ihnen den Freiraum zu geben, um zu gestalten, zu leben und darzustellen. Gleichzeitig warnt er davor, dass in Schulen „Papageienwissen“ eintrainiert wird, das zwar den Vorteil der einfachen Überprüfbarkeit habe, aber keinen Beitrag zur Humanisierung des Kindes leiste.
Im Jahre 1896 wechselt er auf das Flensburger Gymnasium. Er erfährt hier, dass die autoritäre Schule des Kaiserreiches ausschließlich an der Erziehung des Jugendlichen zu einem gehorsamen Untertanen und so am Erhalt der gesellschaftlichen Strukturen interessiert ist. Obwohl die Gymnasialzeit für Petersen eine Zeit der Einsamkeit, materieller und finanzieller Not ist, weiß er um die finanziellen Entbehrungen seiner Familie für seine Ausbildung. Er verlässt die Schule 1904 mit dem Abitur. Er wechselt an die Universität Leipzig, später Kiel, Kopenhagen und Posen. Er studierte evangelische Theologie, Philologie, Geschichte, Psychologie und Nationalökonomie und wird in die empirische Forschung durch den Psychologen Wundt eingeführt. 1908 schließt er seine Dissertation über die Philosophie Wundts ab. 1909 legt Petersen die staatliche Prüfung für das Lehramt an Gymnasien ab und durchläuft das Referendariat.
Petersens erziehungswissenschaftliches Interesse und sein Reformgeist wird erst geweckt, nachdem er während seines Referendariats an das humanistische Johanneum-Gymnasium in Hamburg wechselt, wo er als Oberlehrer bis 1919 verweilt. Neben seiner schulischen Verpflichtung arbeitet er ab 1912 als Vorstandsmitglied im „Bund für Schulreform“, in dem er drei Jahre später aufgrund seiner Expertise zu den bestehenden Schulreformvorstellungen zum Schriftführer in der nun umbenannten Arbeitsgruppe „Deutscher Ausschuss für Erziehung und Unterricht“ ernannt wird. Er übernimmt 1919 die Leitung der Lichtwarkschule in Hamburg, in der junge Menschen selbst bestimmt und verantwortlich an der Demokratisierung des gesellschaftlichen Lebens teilhaben sollen - wohl auch, um den immer stärker werdenden faschistischen Strömungen den geistigen Boden zu entziehen. Parallel zu den beiden eben genannten Tätigkeiten wirkt Petersen zusätzlich in einer Hamburger Arbeitsgruppe an Meumanns „Institut für Jugendkunde“ mit, in dem alle Schul- und Unterrichtsfragen auf der Basis experimenteller Psychologie untersucht werden sollen, um so die neue Pädagogik begründen zu können. Die Erfahrungen, die Petersen während dieser Zeit sammelt, bilden die Ansatzpunkte für die spätere Schulkonzeption des Jena-Plans; es reift in ihm die Vision einer allen Kindern zugänglichen Einheitsschule, in der Selbständigkeit und -tätigkeit sowie die autonome Entfaltung zentral sind.
Im Jahre 1920 habilitiert sich Petersen über Aristoteles und übernimmt die Leitung der reformpädagogisch ausgerichteten Lichtwarkschule. Er entwirft eine eigenständige Wissenschaft von der Erziehung, die aller Pädagogik, Didaktik und Methodik vorausgehen soll. 1923 beruft ihn die Universität Jena auf den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit dem politisch unterstützten Auftrag eine universitäre Volksschullehrerausbildung aufzubauen und das Verhältnis von pädagogischer Theorie und Praxis auf eine neue Grundlage zu stellen. Die angeschlossene Universitätsschule, in der die Theorie praktisch überprüft wird und umgekehrt die Praxis in die Theorie einfließt, wird von Petersen in eine „Lebensstätte des Kindes“ umgewandelt. Aufgrund der sich verschlechternden politischen Lage nutzt Petersen zum Ende der 20er Jahre die weltweiten Einladungen, um über seine Pädagogik zu referieren. In Locarno auf der Tagung des „Weltbundes für Erneuerung der Erziehung“ wird der Schulversuch Petersens von den Tagungsteilnehmern als Jena-Plan tituliert und geht so in die pädagogische Geschichte ein.
Die Zeit unter den Nationalsozialisten übersteht Petersen unversehrt. Diese Phase wird bis heute kontrovers diskutiert, da er sich teilweise positiv über die nationalsozialistische Ideologie äußerte. Laut Hilbert Meyer [Schulpädagogik (1997) Bd 2 S 167] hat er sich „mehr als kompromittiert“. Nach dem Krieg arbeitet er zunächst in der DDR weiter, allerdings nur bis ins Jahr 1950, als seine Universitätsschule durch die SED aufgrund des „reaktionären Potenzials und [als] Überbleibsel der Weimarer Republik“ geschlossen wird. 1952 stirbt er in Jena und wird in seinem Heimatort Großenwiehe begraben. Auf seinem Grabstein ist der Satz gemeißelt, der wie kein zweiter das Wesen seiner Pädagogik - den Dienst am Menschen - wiedergibt:
„Der Älteste unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener.“
Petersens erziehungswissenschaftliches Denken
Eine der historischen Leistungen von Peter Petersen liegt darin, dass er sich darum bemühte, die Pädagogik als (weitgehend) eigenständige und autonome Wissenschaft zu etablieren und sie theoretisch zu begründen. Nach seiner Auffassung besteht eine selbständige Wissenschaft, wenn sie von anderen Fachrichtungen wie der Philosophie, Psychologie, Soziologie oder Biologie unabhängig ist. Die Erziehungswissenschaft von Petersen ist trotz seines Bemühens nach Autonomie aus vielen Richtungen beeinflusst. Petersen knüpft dabei an Fröbel an „Das Leben des Menschen ist ein Leben der Erziehung“, wie auch an Kant „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung“. Die Begründung der Erziehungswissenschaft für ihre Autonomie sieht Petersen darin, dass sie einen eigenen Gegenstandsbereich, und zwar den der Erziehung, betrachtet. Da sie aber eine Wirklichkeitswissenschaft ist, die Erkenntnisse der Nachbarwissenschaften heranziehen muss, um eigene Fragestellungen zu beantworten, bezeichnet er sie nur als „relativ“ eigenständig. Erziehungswissenschaft ist für ihn der Pädagogik vorgeordnet. Die Aufgabe der Erziehungswissenschaft ist es die Erziehungsrealität als Ganzes innerhalb der Gesellschaft wissenschaftlich zu beschreiben, zu ordnen und ihren Sinnbezug aufzuzeigen. Petersen geht auf dem Hintergrund der Wissenschaft allerdings nicht nur empirisch auf die Erziehung zu, sondern fragt stets auch nach dem Wesen derselben.
Was ist nun in den Augen von Petersen Erziehung? Diese grundsätzliche und überaus komplexe Frage lässt sich nicht in wenigen Zeilen beantworten. Sie fordert insgesamt zu einer philosophischen Antwort heraus. Petersen beantwortet diese Frage in seiner Erziehungswissenschaft stets auf dem Hintergrund einer Erziehungsmetaphysik, die in einem individuellen und auf Gemeinschaft angelegten Menschenbild basiert und christlich-religiöse Züge trägt. Erziehung ist für Petersen sehr umfassend betrachtet eine genuine Funktion des Menschseins, die ihn durch das gesamte Leben begleitet. Alles erzieht. Erziehung dient aber im speziellen Sinne des absichtsvollen, geplanten und zielgerichteten Eingriffs der Charakterformung von Jüngeren durch Erwachsene, aber ohne zu indoktrinieren, was er aufs Schärfste verurteilt. Dabei erziehen die Erwachsenen in Verantwortung vor Gott. Den bewussten Anteil von Erziehung nennt Petersen Pädagogie und meint damit die Wissenschaft von der Führung.
Erziehung ist das Besondere und Eigentümliche des Menschseins, was ihn von anderen Lebewesen unterscheidet und die Sphäre des Menschseins offenbart. Sie spiegelt sich als geistige Funktion wieder und äußert sich im potenziell möglichen menschlichen Erleben. Zu diesem dem Menschen Eigentümliche, das aus dem geistigen Leben hervor geht, zählt Petersen Güte, Liebe, Treue, Demut, Sich-Sorgen, Dienst, Kameradschaft, echtes Mitleid, Leid, Andacht, Ehrfurcht etc. Petersen nennt dies die Vergeistigung, die sich im selbsttätigen Handeln des Kindes, aber auch des Erwachsenen, von innen heraus vollzieht, und meint damit im Kontext der Gemeinschaft bzw. der sittlichen Tugenden eine Humanisierung des Menschen. Dies ist für ihn das Wesen und das Ziel von Erziehung. Petersen bemüht sich also um die emotionale Seite des Lebens in der Gemeinschaft, das Zwischenmenschliche, Tugenden und Werte, das Sittliche, wie er es nennt. Vergeistigung wird im christlichen Sinne durch den selbstlosen Dienst am Menschen im Besonderen am Kind und Jugendlichen erreicht - schlicht und ohne Worte. Dies ist der Ausdruck für echte Gemeinschaft. Dabei ist die Bereitschaft zum Dienst am Menschen das wesentliche Merkmal einer (humanisierten) Persönlichkeit.
Bildung setzt Petersen nicht mit Erziehung gleich. Ersteres bezieht er auf die Vermittlung von Wissen, das darüber hinaus ein natürlicher Lebensvorgang ist und sich im Rahmen des Unterrichts vollziehen kann. Es ist die Entwicklung und Entfaltung des Einzelnen nach seinen individuellen Möglichkeiten, eine Formwerdung, die sich der Vergeistigung unterzuordnen habe. Bildung kann sich auch in einer „kaputten“ Gemeinschaft vollziehen. Den Bereich der Bildung versucht Petersen in seiner Führungslehre zu bearbeiten. Erziehung hingegen zielt vielmehr auf den ganzen Menschen, auf die Persönlichkeit ab. Es ist, wie gesagt, ein Gemeinschaftsprozess geknüpft an Sittlichkeit und verläuft eher unbeabsichtigt und abgesehen in pädagogischen Situationen unbewusst. Sie wirkt in der Gegenwart in erlebten und gelebten Situationen.
Freiheit steht bei Petersen in enger Beziehung zur Vergeistigung bzw. Erziehung. So zitiert er Platon: „Der Mensch ist ein Sklave, wenn seine Handlungen nicht seine, sondern die Gedanken eines anderen ausdrücken.“ Petersen sieht in seiner Gemeinschaftspädagogik auch eine Freiheitspädagogik, in der zwar Autorität und Gehorsamkeit herrschen, diese aber dadurch gerechtfertigt seien, dass sie im Dienst des Menschen zu seiner Vergeistigung stehen. Freiheit entfaltet sich im Handeln, schafft Werte und letztendlich Sittlichkeit.
Petersens Werk ist durchzogen von einem pädagogischen Realismus, der für die Reformpädagogik untypisch war. Er erkennt darin die Basis für eine „illusionsfreie Erziehungswissenschaft“. Petersens Erziehungswissenschaft bildet ein offenes System des Lernens und Lehrens. Er verweigert sich normative Vorgaben an das Kind zu stellen, sondern er akzeptiert es in seinem Sein. Dieser realistische Ansatz betont im Besonderen die „Tathandlung“ (Pestalozzi) als eine der Lebensbewältigung dienenden praktischen Lebenseinstellung des handelnden Menschen. Gleichzeitig mahnt es (die Erzieher) die „Allmacht der bewussten Erziehung“ aufzugeben und sich der Begrenztheit, Fragwürdigkeit und Vergeblichkeit aller erzieherischen Anstrengungen klar zu sein. Petersens Werk spricht sich ausgehend vom Menschen, der selbst nicht auf Vollendung angelegt ist, für ein offenes System ohne Voraussagen aus, was auch bedeutet, dass sein Jena-Plan, wie schon genannt, als Ausgangsform pädagogischen Handelns zu betrachten ist. Stets sollte das Ziel aber eine humane Schule, eine „Menschenschule“ sein.
Werke
- Der Kleine Jena-Plan
- Führungslehre des Unterrichts
- Der Jena-Plan und die Landschule
- Die Neueuropäische Erziehungsbewegung
- Allgemeine Erziehungswissenschaft in drei Bänden: Allg. Erziehungswissenschaft, Der Ursprung der Pädagogik, Der Mensch in der Erziehungswirklichkeit
- Eine Grundschule nach den Grundsätzen der Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule
- Wilhelm Wundt und seine Zeit
- Die Praxis der Schulen nach dem Jena-Plan
Literaturhinweise
- Birgit Ofenbach: Erziehung in Schule und Unterricht, Peter Petersens Modell einer erziehenden Schule, 240 Seiten, 2000
- Birgit Ofenbach: Peter Petersen Allgemeine Erziehungswissenschaft, 163 Seiten, 2002
- Theo Dietrich: Die Pädagogik Peter Petersens, Der Jena-Plan: Modell einer humanen Schule, 176 Seiten, 1986
- Michael Koch und Matthias Schwarzkopf: Pädagogische Konzepte der Jenaer Erziehungswissenschaft in der NS-Zeit. In: Uwe Hoßfeld/ Jürgen John/ Oliver Lemuth/ Rüdiger Stutz (Hrsg.): „Kämpferische Wissenschaft“. Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus. Köln, Weimar, Wien 2003. S. 772-793. ISBN 3-412-04102-5.
- Robert Döpp: „...doch irgendwie mittendrin...“: „Jena-Plan“ im Nationalsozialismus. Ein Beitrag zur „Alltagsgeschichte“ der NS-Zeit. In: ebd. S. 794-821.
- Torsten Schwan: Ein politisch naiver, opportunistischer Theoretiker? Peter Petersen und der Nationalsozialismus: Stand und Probleme der Forschung. In: ebd. S. 822-849.
- W. Potthoff: Einführung in die Reformpädagogik. Von der klassischen zur aktuellen Reformpädagogik. Freiburg 1992. S. 140-155.
Weblinks
- Jenaplan Schule Nürnberg
- Peter Petersen Schule Großenwiehe
- Peter-Petersen-Gesamtschule in Hamburg Wellingsbüttel
- Der Jenaplan nach Peter Petersen
- Jenaplan Initiative
- Bibliographie zu Peter Petersen und zum Jenaplan
Peter-Petersen-Gesamtschule in Frankfurt Eschersheim
{{Personendaten |NAME=Petersen, Peter |ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=deutscher Reformpädagoge |GEBURTSDATUM=26. Juni 1884 |GEBURTSORT=Großenwiehe bei Flensburg |STERBEDATUM=21. März 1952 |STERBEORT=Jena }}
Diskussion der Autoren über den Artikel: Peter Petersen (Pädagoge)
Ich habe jetz mal Peter Petersen als Pädagoge und Mitglied des Bundestages (MdB) getrennt. Es gibt auch noch einen Peter Petersen der Evangelisch reformierten Kirche, den ich mals als (MdB) eingetragen habe. Falls das falsch ist, hier und bei den Evangelen korrigieren JostJahn 22:44, 22. Jun 2004 (CEST)
Neuer Text
Ich habe eben neuen Text hinzugefügt. Der Text stammt aus meiner eigenen Feder. Ich habe ihn verfasst für meine Prüfungsvorbereitung in Erziehungswissenschaft. Ich werde später noch weiteren Text hierhin posten.
Marek Breuning
Der momentane Text kommt mehr einer Huldigungsrede als einem wissenschaftlich ausgewogenen, enzyklopädischen Artikel gleich. Ich hätte nun die POV-Formulierungen herausnehmen oder abschwächen können, doch würde das lediglich den POV-Charakter des Textes verhüllen; der Artikel bedarf jedoch vielmehr einer grundlegenden Überarbeitung. Aus Zeitmangel werde ich mich hier nicht hervortun, möchte jedoch an dieser Stelle auf die Mängel hingewiesen haben. Eine Recherche auf breiter Basis wäre unbedingt vonnöten, insbesondere da alleine aufgrund der Länge des Eintrags bei unbedarften Lesern ein Eindruck von Vollständigkeit gegeben ist, die so keinesfalls vorliegt.
Auch aus Gründen der Ausgewogenheit wäre es unter Umständen angebracht, die von Petersen begründeten Theorien in ihrer heutigen Ausprägung unter eigenem Eintrag unterzubringen, anstatt sie vollständig in einen eigentlich vorwiegend biografischen Artikel zur _Person_ Petersen auszulagern. So könnte man seine Pionierleistung für die Jena-Schulen dort ebenfalls unterbringen und zugleich die Theorie ausführlich Darstellen; hier wäre dann ein kurzer Abriss ausreichend, nebst Verlinkung auf den eigentlichen Eintrag.
Aspekte wie der unten angesprochene NS-Bezug kommen hier dagegen eindeutig zu kurz.
87.123.189.200 14:25, 30. Nov 2005 (CET)
Peter Petersen und der Nationalsozialismus
Hallo Marek, könntest Du Dich in dem neuen Text bitte noch kurz oder auch länger mit der Problematik Petersen und der NS auseinandersetzen. Drei neue Studien, die zum Teil zu anderen Ergebnissen und Wertungen kommen, habe ich gerade unter Literaturhinweisen genannt. Danke! Krtek76 13:23, 8. Mär 2005 (CET)Gerne gebe ich Hinweise zu der Person Peter Petersen, da sich sein umfangreiches privates Archiv in Familienbesitz befindet.
Peter Remmert, Peter Petersen Archiv, pr@dr-remmert.de
Neues Kapitel
Ich habe soeben das Kapitel "Biographische Aspekte..." eingefügt. Einige Zitate, die seiner "Führungslehre des Unterrichts" entstammen, habe ich ohne Seitenangabe u.ä. eingefügt. Da meine schriftlichen Ausarbeitungen für die EWI-Prüfung keinen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen mussten, sondern lediglich vorbereitenden Charakter hatten, hatte ich damals auf die exakte Quellenangabe verzichtet. Sollte aber Interesse bestehen, könnte ich in den Osterferien 2005 mal schauen, wo ich die Zitate in der Führungslehre wiederfinde und sie hier einarbeiten.
Über Petersens Einstellung zur NS-Zeit kann ich leider nicht so viel beitragen, da ich mich auf seine Pädagogik fokussiert hatte. Ich werde zwar ein paar Sätze dazu schreiben - das habe ich auch in meinen Ausarbeitungen -, allerdings wird der Umfang und die Tiefe im Vergleich eher gering sein. Dazu müssten sich dann Personen äußern, die Petersens Werke fundiert kennen. Hm, ich sollte mal meinen Prof, der mich damals geprüft hatte und der ein ausgesprochener Kenner der Reformpädagogik ist, fragen, was er dazu beitragen könnte!
Ergänzungen
Ich habe in den vergangenen Tagen einige Ergänzungen zu Peter Petersen gemacht, Literatur, Links etc. In der kommenden Zeit wird noch einiges aus seinem privaten Archiv hinzu kommen. Auch der Hinweis zur Pädadogischen Tatsachenforschung sollte ich überarbeiten, da hier seine Frau Dr. Else Müller-Petersen wesentlichen Anteil hatte.
--Peter Remmert 09:53, 30. Jun 2005 (CEST)

