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Philo von Alexandria

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Der Artikel Philo von Alexandria gehört zur Kategorie: Mann, Philosoph (Antike), Jude (Altertum), Alexandria, Jüdische Theologie
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Philo(n) von Alexandria
Bildherkunft

Philo(n) von Alexandria (auch: Philo Judaeus, Philo Alexandrinus, Philonis Alexandrini oder Judaeus; * um 15/10 v. Chr.; † nach 40 n. Chr.) ist wohl der bedeutendste Autor des hellenistischen Judentums.

Leben

Über das Leben Philos von Alexandria ist wenig bekannt. Im Jahre 39/40 nahm er an der Gesandtschaft der alexandrinischen Juden an Kaiser Caligula teil (vgl. seine autobiografische Schrift Legatio ad Gaium) und war zu diesem Zeitpunkt schon ein älterer Mann. Seine Lebensdaten werden daher auf etwa 20–10 v.Chr. bis 40–50 n.Chr. geschätzt. Philo muss eine hohe Position in der jüdischen Gemeinde von Alexandria innegehabt haben, wie auch seine Teilnahme an der Gesandtschaft zeigt. Josephus schreibt über ihn, Philo werde von der jüdischen Gemeinde „in höchsten Ehren gehalten“ und sei „nicht ungebildet in der Philosophie“ gewesen (Ant 18,258).

Familie

Philo stammte aus einer der vornehmsten und reichsten jüdisch-hellenistischen Familien seiner Zeit. Sein Bruder Tiberius Iulius Alexander, ein Alabarch, zuständig für das Eintreiben von Steuern, pflegte gute Beziehungen zu Agrippa I. und zu den Römern. Aus seinem Vermögen soll er die goldenen und silbernen Türbeschläge des Jerusalemer Tempels bezahlt haben. Dessen gleichnamiger Sohn, Philos Neffe, hatte sich offenbar von der jüdischen Religion abgewandt, um eine Karriere in der römischen Administration zu machen. Als Präfekt von Ägypten sorgte er unter Nero 66 n. Chr. für die blutige Niederschlagung eines jüdischen Aufstandes und soll 70 n. Chr. auf römischer Seite an der Eroberung Jerusalems beteiligt gewesen sein.

Philo zwischen Judentum und Hellenismus

Philo kann als Beispiel für die Synthese aus Judentum und Hellenismus im Diasporajudentum des 1. Jahrhunderts gelten.

Einerseits ist er tief in der jüdischen Tradition verwurzelt. Seine Schriften sind primär Auslegung der Tora, wenn auch stark philosophisch durchdrungen. Philo weiß viel vom jüdischen Leben im Tempel, in den Synagogen und in den Häusern zu berichten. Er hatte sicherlich Verbindungen zum palästinischen Judentum, die jedoch mangels direkter Zeugnisse nicht zu rekonstruieren sind. Einmal bemerkt Philo jedenfalls beiläufig, dass er den Gottesdienst im Jerusalemer Tempel besucht hat (De Providentia II 107). Der Kirchenvater Hieronymus überliefert in Vir Ill 11, dass Philo priesterlicher Herkunft gewesen sein soll. Sollte das stimmen, wird er vielleicht Kontakte zu den Sadduzäern gehabt haben. Denn seine Auslegungen beziehen sich ausschließlich auf die Tora, andere alttestamentliche Schriften, die Nebiim und Ketubim, nimmt er kaum zur Kenntnis. Interessant ist, dass Philo wohl kaum Hebräisch konnte: Zwar führt er in seinen Erklärungen häufig „chaldäische“ Etymologien an, aber diese sind meist nicht fundiert. Für die relativ wenigen zutreffenden Etymologien ist anzunehmen, dass Philo Handbücher und Etymologiensammlungen benutzt hat, die in Ägypten seit dem 2. Jahrhundert nachweisbar sind.

Andererseits ist Philo auch sehr von der griechischen Bildung geprägt. Er hat – seinem sozialen Status entsprechend – den hellenistischen Bildungsweg durchlaufen, wie seine Diskussionen der 'egkuklia paideia' zeigen. Griechisch spricht er fehlerfrei. Auch seine Schriften enthalten zahlreiche Zitate und Anspielungen aus der griechischen Literatur. Möglicherweise hatte er Kontakt zu den griechischen Philosophenschulen in Alexandria. Offenbar nahm Philo in hohem Maß am kulturellen und sozialen Leben Alexandrias teil. Philo ging zu Gastmählern (Leg all III 155f.), er besuchte regelmäßig das Theater und hörte Konzerte (Ebr 177, Prob 141), schaute sich das Pankration (Prob 26) und Pferderennen an (Apol Jud bei Eusebius, Praep Ev VII 14.58). An anderer Stelle meint Philo jedoch, dass die städtischen, alle drei Jahre stattfindenden Sportwettkämpfe Beispiele für Konkurrenz und Ausschweifung seien. Darum solle ein Jude die Teilnahme daran möglichst vermeiden, doch wenn er dazu gedrängt werde, solle er auch nicht absagen (Agr 110-121).

Schriften

Philo war ein sehr produktiver Autor. Fast 50 Schriften von ihm sind überliefert, manche auch nur in lateinischer oder armenischer Übersetzung. Mindestens 20 bis 25 weitere sind verloren, wie man aus der Liste der philonischen Schriften bei Eus, H.E. II 18,1-8 sowie Philos eigenen Querverweisen ersehen kann.

Exegetische Schriften

  • Vit Mos: De vita Moysis (2 Bücher) (einleitendes biografisch orientiertes Werk über Mose als Gesetzgeber, Priester und Prophet)
  • Op: De opificio mundi (Auslegung von Gen 1-3: kosmologische Begründung des Gesetzes)
  • Abr: De Abrahamo (die Erzväter als "leibhaftiges ungeschriebenes Gesetz)
  • Jos: De Iosepho (Josef als Vorbild eines Politikers)
  • Dec: De decalogo (allgemeine Erläuterung des Gesetzes)
  • Spec Leg: De specialibus legibus (4 Bücher) (spezielle Erläuterung des Gesetzes: Bd. 1: Beschneidung, Priester, Opfer; Bd. 2: Sabbat, Elterngebot; Bd. 3: Ehebruch, Mord; Bd. 4: Begehren [8.-10. Gebot])
  • Virt: De virtutibus (Tugenden wie Mut, Menschenfreundlichkeit und Buße)
  • Praem: De praemiis et poenis. De benedictionibus et exsecrationibus (Tugend wird belohnt, Missetat bestraft)

Allegorischer Kommentar zur Genesis (19 Abhandlungen, die Gen 2-17 versweise kommentieren)

  • Leg All: Legum allegoriae (3 Bücher) (Buch 1: Gen 2,1-17; Buch 2: Gen 2,18-3,1a; Buch 3: Gen 3,8b-19)
  • Cher: De Cherubim (Gen 3,24; 4,1)
  • Sacr: De sacrificiis Abelis et Caini (Gen 4,2-4)
  • Det: Quod deterius potiori insidiari soleat (Gen 4,8-15)
  • Post: De posteritate Caini (Gen 4,16-25)
  • Gig: De gigantibus (Gen 6,1-4)
  • Imm: Quod Deus immutabilis sit (Gen 6,4-12)
  • Agr: De agricultura (Gen 9,20a)
  • Plant: De plantatione (Gen 9,20b)
  • Ebr: De ebrietate (Gen 9,21)
  • Sobr: De sobrietate (Gen 9,24-27)
  • Conf: De confusione linguarum (Gen 11,1-9)
  • Migr: De migratione Abrahami (Gen 12,1-6)
  • Heres: Quis divinarum rerum heres sit (Gen 15,2-18)
  • Congr: De congressu eruditionis gratia (Gen 16,1-6)
  • Fuga: De fuga et inventione (Gen 16,6-14)
  • Mut: De mutatione nominum (Gen 17,1-22)
  • De Deo (armen. erhalten) (Gen 18,2)
  • Somn: De somniis (5 Bücher, davon 2 erhalten) (Träume in Gen 28,12ff; 31,11ff.; 37; 40f.)
  • Quaest in Gen: Quaestiones et Solutiones in Genesim (Einzelprobleme der Auslegung im Frage-Antwort-Schema)
  • Quaest in Ex: Quaestiones et Solutiones in Exodum (dito)

Historische und apologetische Werke

  • Flacc: In Flaccum (Judenverfolgung in Alexandria unter Flaccus)
  • Leg Gai: Legatio ad Gaium (Judenverfolgung in Alexandria und Gesandtschaft nach Rom 39/40 n.Chr.)
  • Vit Cont: De vita contemplativa (Beschreibung der jüdischen Gemeinschaft der Therapeuten in der Nähe von Alexandria)
  • Apol Jud: Apologia pro Iudaeis/Hypothetica (Beschreibung von Herkunft, Sitten und Gesetzen der Juden)

Philosophischen Schriften

  • Prob: Quod omnis probus liber sit (stoische Diskussion über die Freiheit des Menschen)
  • Aet: De aeternitate mundi (Verteidigung der Unzerstörbarkeit des Kosmos)
  • Prov: De providentia (2 Bücher) (stoischer Dialog über die Vorhersehung)
  • De animalibus (armen. überliefert; Dialog mit Alexander, ob Tiere Vernunft haben)

Hauptgedanken

Die allegorische Exegese

Die allegorische Methode Philos stammt aus der griechischen Homer-Interpretation. Philo kennt zwei Schriftsinne: zum einen eine Art von Literalsinn und daneben den allegorischen Sinn. Häufig verwendet er beide Auslegungen nebeneinander, bevorzugt aber die philosophische, allegorische Methode.

Den von Mose verfassten Pentateuch (in seiner griechischen Septuaginta-Fassung) stellt Philo seinen Zeitgenossen als die höchste Philosophie vor. Von Mose hätten später alle führenden griechischen Philosophen gelernt. Um die Philosophie des Mose zu erklären, bedient sich Philo der allegorischen Interpretation, die damit nicht nur eine innerjüdisch-erbauliche, sondern auch eine apologetische Funktion erfüllt. Mit der allegorischen Interpretation kann Philo „beweisen“, dass Mose nicht nur banale Handlungen der Erzväter erzählen wollte (Somn I 39), sondern sie in Wirklichkeit als Vorbilder für Tugenden dienen sollen. Adam steht für das Denken (nous), Eva für die Wahrnehmung (aisthesis). Der Garten Eden steht für den Überfluss, die Schlange für die Begierde. Kain symbolisiert die Selbstsucht, Abel die Frömmigkeit. Jakob verkörpert die Übung, Esau die Dummheit. Die Gestalt des Abraham symbolisiert die Tugend des Lernens, die Lernfähigkeit usw.

Das wesentliche Merkmal von Philos allegorischer Exegese besteht also darin, in den Gestalten und Ereignissen der Schrift ein tertium comparationis zu finden (z.B. die einzelnen Tugenden), das allgemeiner ist als die einzelnen Geschichten und mit dem Ziel der Anwendung auf die Gegenwart bezogen werden kann. „Das ‚Allgemeine‘ zu erkennen, das sich im ‚Besonderen‘ der heiligen Schrift offenbart, ist das systematische Ziel Philons von Alexandrien bei seinen Erklärungen des Alten Testaments“ (I. Christiansen, Die Technik der allegorischen Auslegungswissenschaft bei Philon von Alexandrien, 1969, 42 u. 44).

Philo konnte allerdings auch darauf bestehen, dass die Vorschriften des Pentateuch nicht nur allegorisch zu deuten seien, sondern tatsächlich gehalten werden müssten. Aufgrund seiner Verantwortung in der alexandrinischen jüdischen Gemeinde war dieser Aspekt ebenfalls wichtig.

Theologie und Philosophie

Eine systematische Darstellung der philosophischen Gedanken Philos ist mit Vorsicht zu genießen. Er streut sie vor allem im Laufe seiner Exegesen ein, seine Philosophie ist nicht aus einem Guss und enthält manche Inkonsistenzen. Philo wurde durch die mittlere Stoa sowie den mittleren Platonismus beeinflusst, wobei er vereinzelt auch Einflüsse des Neupythagoräismus zeigt. Anleihen an Aristoteles kommen nur vereinzelt vor, meist wird er kritisiert. Immer wieder wird deutlich, dass Philo die jüdische Theologie mit der griechischen Philosophie in Einklang zu bringen versucht.

Gott und die Welt

Grundlegend für Philo ist die völlige Trennung – nicht nur die Unterscheidung – von rein geistiger Welt (kosmos noêtos) und sinnlich wahrnehmbarer Welt (kosmos aisthetos). Die Trennlinie wird von Philo so streng gezogen, dass ihm Gotteserscheinungen im biblischen Sinn unmöglich erscheinen. Da Gleiches nur durch Gleiches erkannt werden könne, sei eine wirkliche Erkenntnis Gottes für den Menschen unmöglich. Das jüdische und christliche Konzept der Selbstoffenbarung Gottes rückt bei Philo in den Hintergrund. Ausgehend von dieser Trennung sucht Philo nach einer Antwort auf die Frage, wie dennoch die Vermittlung zwischen Gott und Welt geschehen kann. Philos Lösung: Wir können zwar nie das Sein selbst, also Gott, wahrnehmen, aber doch seine Kräfte (dynameis). Diese Kräfte sind biblisch auch durch die Gottesnamen theos und kyrios ausgedrückt. Obwohl die Kräfte eigentlich ohne Zahl seien, nennt Philo meistens drei oder auch sechs. Seine Dreizahl der Kräfte Gottes wurde bei der Ausformulierung der christlichen Trinitätslehre aufgegriffen. Die Trias besteht bei Philo meistens aus Gottes Güte und Autorität, die beide durch Gottes Logos zusammengehalten werden. Der Logos ist der Aspekt Gottes, der in Beziehung zur geschaffenen Welt steht; manchmal wird er jedoch auch als eigene Hypostase behandelt und bisweilen sogar deuteros theos (zweiter Gott) genannt. Die Kräfte Gottes, mit denen er in der Welt wirkt, identifiziert Philo dann auch mit den Engeln der Bibel sowie mit den daimones der griechischen Philosophie.

In Philos Versuch, jüdische Theologie mit griechischer Philosophie zu verbinden, bleiben jedoch einige Unklarheiten.

  • In der Charakterisierung des Seienden (Gott selbst) schwankt Philo zwischen dem philosophischen Gottesbegriff to on (das Seiende) und dem – von ihm bevorzugten – biblischen ho ôn (der Seiende; aus Exodus 3,14 LXX). „Zwischen dem persönlichen Gott der Bibel und dem wirkenden Prinzip des sog. philosophischen Monotheismus klafft eine Lücke, die so nie wirklich in Philos Blick kommt“ (M. Mach, in: Theologische Realenzyklopädie 26 [1996],526). Obwohl sich über den Seienden nach Philo eigentlich keine Aussagen machen ließen, bezeichnet Philo ihn doch – biblisch – mehrmals als gut und den Ursprung alles Guten.
  • Auch die Lehre von den Vermittlungsinstanzen bleibt letztlich unklar. Einerseits werden die logoi oder dynameis als Gottes Ideen (platonisch) oder Gottes Wirkkräfte (stoisch) vorgestellt, an anderen Stellen wiederum erscheinen sie aber dann als eigenständige Hypostasen, insbesondere wenn Philo sie mit Engeln identifiziert (jüdisch). Auch der eine Logos hat an dieser Ambivalenz Anteil: Er ist die Idee, die alle anderen Ideen einschließt, die Kraft, die alle anderen Kräfte umfasst; und andererseits wird er von Philo auch sehr personal gezeichnet als der Erzengel, der die Offenbarungen Gottes weitergibt (Leg all III 62; Conf 28; Somn I 41; Her 42 u.a.) oder der Hohepriester, der für die Menschen bei Gott einsteht (Gig 11, Migr 18, Fug 20, Her 42, Vit Mos II 26). Ob der Logos eine Eigenschaft Gottes oder eine Person ist, bleibt ungelöst. „The Logos as mediator must be both distinct from both parties, and yet also be in some way like both parties, and this contradiction is unresolved“ (J. Morris, in: E. Schürer, History of the Jewish People, Bd. 3, 1987, 884).
Erlösung

In ähnlicher Weise wie Plato wertet Philo die irdische Stofflichkeit ab. Der menschliche Körper ist auch für ihn das Gefängnis der Seele (desmôtêrion: Ebr 26; Leg all III 14, Migr 2), der Leichnam, mit dem sich die Seele herumschleppt (Leg all III 22, Gig 3, Agr 5), das Grab, aus dem sie zu neuem Leben erwachen wird (Leg all I 33). Diese Vorstellung wird mit der biblischen Sündenlehre verbunden. Die Sünde ist dem Menschen angeboren, und auch der beste Mensch ist nicht frei von Sünde (Vit Mos II 29, Mut 6). Das Ziel ist darum – ganz griechisch gedacht – die Befreiung der Seele. Die Befreiung der Seele geschieht jedoch nicht als Wiedervereinigung des partiellen menschlichen Logos mit dem allgemeinen, wie sie die Stoa lehrt, sondern Philo versucht auch in diesem Punkt eine Synthese mit der jüdischen Tradition: Die Befreiung der Seele führt bei ihm nicht zur reunificatio, sondern zur Gottesschau. Diese Befreiung vollzieht sich als Entkörperlichung, wodurch die Seele in einen rein geistigen Bereich gelangen kann, in der ihr die Gottesschau möglich wird. Auch der Name Israel wird erklärt als „der, der Gott sieht“ (jisra-el). Die Aussage, dass Philo ein Mystiker gewesen sei, ist jedoch kaum haltbar. Zwar geht es Philo darum, Gott zu schauen, doch Philo kennt keine unio mystica, weil Gott für ihn sozusagen „der ganz Andere“ ist, mit dem die menschliche Seele nicht vereinigt werden kann. Eine reunificatio des menschlichen Logos mit dem allgemeinen Logos ist für Philo nicht möglich.

Ethik

Wie also gelangt man nach Philo zur Gottesschau? Der rechte Weg zu Gott führt über das tugendhafte Leben, über die Ethik. Jüdischerseits kann man hier an die Erfüllung des mosaischen Gesetzes denken, doch Philo betont auch – gemäß dem stoischen Apathie-Ideal – die Auslöschung von Begierde und Leidenschaft als das höchste Ziel (Leg all III 11, 45). Wie die Stoiker fordert er die Freiheit von Gefühlen und ein einfaches Leben. Allerdings kann es der Mensch nicht aus eigener Kraft schaffen, tugendhaft zu leben. Gott legt die Tugenden in die Seele eines Menschen, und wer sich Gott ganz hingibt, könne die Vollkommenheit erreichen. Diese Gottesschau ist nach Philo tatsächlich auch im irdischen Leben möglich.

Wirkung

Jüdischerseits verschwand Philo sehr bald aus dem kulturellen Gedächtnis. Das mag damit zusammenhängen, dass die rabbinischen Autoritäten, die später prägend geworden sind, kaum Interesse am hellenistischen Judentum hatten.

Christlicherseits hat Philo dagegen eine große Wirkung entfaltet – seine Schriften sind von der christlichen Kirche überliefert. Clemens von Alexandria nimmt in den Stromateis sehr ausführlich auf ihn Bezug. Eusebius erörtert die Frage nach den Therapeuten in Philos Vita Contemplativa und zitiert aus verlorenen Schriften Philos in der Praeparatio Evangelica. Auch Origenes, Gregor von Nyssa, Ambrosius, Hieronymus und Augustinus haben ihm vieles zu verdanken, besonders die allegorische Bibelauslegung. Philos Logosbegriff konnte für die Christologie ausgewertet werden, seine triadische Struktur der Kräfte Gottes für die Trinitätslehre. Durch seine Beliebtheit bei den frühen christlichen Literaten wurde Philo quasi zum Kirchenvater honoris causa (D.T. Runia). Von manchen griechischen Katenenhandschriften wurde Philo tatsächlich als Bischof angesehen.

In der jüdischen Forschung wird Philo erst seit dem 19. Jahrhundert in größerem Umfang rezipiert. Dem emanzipierten Judentum diente Philo als Beleg dafür, dass weltliche, klassische Bildung und die Treue zum Glauben der Väter durchaus vereinbar sein können.

Literatur

Quellenausgaben

  • Cohn, Leopold / Wendland, Paul / Reiter, Siegfried (Hrsg.): Philonis operae quae supersunt, 7 Bde., Berlin 1896-1930 (=1962/63) (bis heute die Standardausgabe des griechischen Textes)
  • Cohn, Leopold / Heinemann, Isaak / Adler, Maximilian / Theiler, Willy (Hrsg.): Philo von Alexandrien. Die Werke in deutscher Übersetzung, 7 Bde., Berlin 1909-1938 und (Bd. 7) 1964. (einzige deutsche, nahezu vollständige Ausgabe der Schriften Philos)
  • Colson, Francis Henry / Whitaker, G.H. (Hrsg.): Philo in Ten Volumes. Loeb Classical Library, Cambridge, Mass. 1929-1962 (=1967-1985). Suppl. hrsg. v. R. Marcus, 2 Bde., Cambridge, Mass. 1953. (Griechisch/Englisch)
  • Arnaldez, Roger / Mondésert, Claude / Pouilloux, Jean (Hgg.): Les œuvres de Philon d'Alexandrie, bisher ca. 37 Bde., Paris 1961ff. (Griechisch/Französisch)

Lateinische und armenische Versionen

  • Petit, F.: L'ancienne version latine des 'Questions sur la Genèse, 2 Bde., 1973.
  • Royse, James Ronald: The Spurious Texts of Philo of Alexandria. A Study of Textual Transmission and Corruption with Indexes to the Major Collections of the Greek Fragments (= Arbeiten zur Literatur und Geschichte des hellenistischen Judentums 22), Leiden u.a. 1991.
  • Siegert, Folker: Der armenische Philon – Textbestand, Editionen, Forschungsgeschichte, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 100 (1989), 353-369.
  • Siegert, Folker: Philon von Alexandrien. Über die Gottesbezeichnung "wohltätig verzehrendes Feuer" (De Deo). Rückübersetzung des Fragments aus dem Armenischen, deutsche Übersetzung und Kommentar, WUNT 46, Tübingen 1988.
  • Terian, Abraham: Philonis Alexandrini de Animalibus. The Armenian Text. With an Introduction, Translation, and Commentary, SHJ 1, Chico, Ca. 1981.

Hilfsmittel

Konkordanzen

  • Borgen, Peder/Fuglseth, Kare/Skarsten, Roald (Hgg.): The Philo Index. A Complete Greek Word Index to the Writings of Philo of Alexandria. Lemmatised and Computer-Generated, Grand Rapids 2000.
  • Leisegang, Hans: Philonis Alexandrini operae quae supersunt, Bd. 7: Indices ad Philonis Alexandrini opera, Berlin 1926.
  • Mayer, Günter: Index Philoneus, Berlin u.a. 1974.

Kommentare

  • Runia,David T.: Philo of Alexandria, On the Creation of the Cosmos according to Moses, Philo of Alexandria Commentary Series 1, Leiden u.a. 2001.
  • Horst, Pieter Willem van der: Philo's Flaccus. The First Pogrom (= Philo of Alexandria Commentary Series 2), Leiden/Boston/Köln 2003.
  • Smallwood, E. Mary: Philonis Alexandrini Legatio ad Gaium, Leiden 1970.
  • Winston, D. / Dillon, J.: Two Treatises of Philo of Alexandria. A Commentary on De Gigantibus and Quod Deus Sit Immutabilis, 1983.

Bibliografien und Forschungsberichte

  • Borgen, Peder: Philo of Alexandria. A Critical and Synthetical Survey of Research since World War II, in: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Bd. II.21.2 (1984), 98-154.
  • Radice, Roberto / Runia, David T.: Philo of Alexandria – An Annotated Bibliography 1937-1986, Supplements to Vigiliae Christianae 8, 2. Aufl. Leiden u.a. 1992.
  • Runia, David T.: Philo of Alexandria – An Annotated Bibliography 1987-1996. With Addenda for 1937-1986, Supplements to Vigiliae Christianae 57, Leiden 2000.

Sekundärliteratur

  • Zeitschrift: Studia Philonica Annual 1(1989)ff.
  • Frenschkowski, Marco: Philon von Alexandrien. In: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon 7 (1996), 523-537.
  • Mach, Michael: Philo von Alexandrien. In: Theologische Realenzyklopädie 26 (1996), 523-531.
  • Runia, David T.: Philon von Alexandreia. In: Der Neue Pauly 9 (2000), 850-856.
  • Morris, Jenny: The Jewish Philosopher Philo. In: Emil Schürer, The History of the Jewish People in the Age of Jesus Christ (175 B.C.–A.D. 135), hrsg. v. Geza Vermes/Fergus Millar/Martin Goodman, Bd. 3, Edinburgh 1987, 809-870.
  • Borgen, Peder: Philo of Alexandria – An Exegete for His Time, Supplements to Novum Testamentum 86, Leiden u.a. 1997.
  • Deines, Roland u.a. (Hrsg.): Philo und das Neue Testament. Wechselseitige Wahrnehmungen. I. Internationales Symposium zum Corpus Judaeo-Hellenisticum 1.-4. Mai 2003, Eisenach/Jena, Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 172, Tübingen 2004.
  • Niehoff, Maren R.: Philo on Jewish Identity and Culture. Texts and Studies in Ancient Judaism 86, Tübingen 2001.

Weblinks

{{Personendaten|

 NAME=Philo von Alexandria

|ALTERNATIVNAMEN=Philo Judaeus |KURZBESCHREIBUNG=jüdisch-hellenistischer Verfasser theologisch-philosophischer und historischer Schriften |GEBURTSDATUM=um 15/10 v. Chr. |GEBURTSORT= |STERBEDATUM=nach 40 n. Chr. |STERBEORT= }}


Diskussion der Autoren über den Artikel: Philo von Alexandria


Im Vergleich zu dem, was auf vergleichbaren Wikiseiten zu lesen ist, ist das ein ungewöhnlich guter Artikel. Chapeau. Nur würde ich vorschlagen, im Lemma Philon statt Philo zu schreiben, da hier auch sonst die griechischen Namensformen statt der lateinisschen (also Platon statt Plato, Sophokles statt Sophocles usf.) gebraucht werden. --Peter Hammer 15:01, 23. Jun 2006 (CEST)

Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Philo von Alexandria und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).