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Provinz Posen

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Der Artikel Provinz Posen gehört zur Kategorie: Preußische Provinz

Die Provinz Posen (bis 1848 Provinz Großherzogtum Posen) war eine 1815–1920 bestehende Provinz im Osten des Staates Preußen. Sie wies eine Fläche von knapp 29.000 km² auf und war landwirtschaftlich geprägt. Im Jahre 1910 hatte sie 2,1 Mio. Einwohner, davon schätzungsweise über 63% mit polnischer, ansonsten mit deutscher Muttersprache. Größere Städte neben der namensgebenden Hauptstadt Posen waren Bromberg, Schneidemühl, Gnesen und Inowrazlaw.

Das Gebiet, zuvor über Jahrhunderte zum Königreich Polen gehörig, war gegen Ende des 18. Jahrhunderts vorübergehend und 1815 erneut an Preußen gefallen, welches hier die Provinz einrichtete. Sie entwickelte sich bald zu einem Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen der polnischen Nationalbewegung und den preußischen Behörden, besonders nachdem sie 1871 mit Preußen Teil des Deutschen Kaiserreiches geworden war. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg kam das Gebiet der Provinz bis auf die klar mehrheitlich deutschsprachigen Randgebiete 1919/20 an den neugegründeten polnischen Staat. Der Überfall auf Polen 1939 brachte es nochmals an Deutschland, bevor es 1945 schließlich in Gänze polnisch wurde.

Landschaft

Die Landschaft ist meist flach, entwässert von zwei großen Flüssen, der Netze im Norden und der Warthe im Zentrum. Die Gletscher der Eiszeit ließen Moränenablagerungen zurück; über das Land sind zahlreiche kleine Seen verstreut, die von Nebenflüssen der beiden großen Flüsse durchflossen werden. Der wichtigste Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft.

Bevölkerungsstatistik

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Bevölkerungsentwicklung Für 1816: ?; für 1831, 1861, 1890: Leszek Belzyt, Sprachliche Minderheiten im preußischen Staat 1815–1914, Marburg 1998, S.17; für 1871, 1880, 1900, 1910: http://www.geschichte-on-de...
Jahr 1816 1831 1861 1871 1880 1890 1900 1910
Einwohner   820.176 1.040.712 1.467.604 1.583.843 1.703.397 1.751.642 1.887.275 2.099.831
Anteil an Preußen ? ? ? 6,4% 6,2% 5,8% 5,5% 5,2%
Ew./km² 28 36 51 55 59 60 65 72
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Anteile der Konfessionen http://www.geschichte-on-de...
Jahr 1871 1890 1910
Katholiken 63,7% 66,5% 67,7%
Evangelische 32,3% 30,9% 30,8%
Juden  3,9% 2,5% 1,3%

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Anteil der Polnischsprachigen Leszek Belzyt: Sprachliche Minderheiten im preußischen Staat 1815–1914. Marburg 1998. S.17f.
Jahr 1831 1861 1890 1910
offizielle Statistik ¹ 58,3% 54,6% 60,1% 61,5%
korrigiert (Schätzung) 71,5% 66,7% 62,4% 63,5%
1) unter Hinzurechnung der Gruppe der Zweisprachigen

Geschichte

Vorgeschichte

Vom Frühmittelalter bis ins 18. Jahrhundert war das Gebiet unbestrittener Bestandteil des Königreichs Polen und stellte mit dem Erzbischofssitz Gnesen einen seiner Kernräume dar. Der größte Teil lag in der Landschaft Großpolen und gehörte zu den Woiwodschaften Posen und Kalisch. Der Nordosten lag in Kujawien bzw. der Woiwodschaft Inowrazlaw. Im 13. Jahrhundert kam es zur Besiedlung der Randgebiete um Fraustadt, Lissa, Meseritz und Schwerin durch deutsche Bauern, auch viele Städte erlebten deutsche Zuwanderung.

Bei der ersten Teilung Polens 1772 erhielt Preußen den Norden entlang der Netze, bildete hier den Netzedistrikt und förderte die Besiedlung. Im Zuge der zweiten Teilung 1793 kam der Rest nebst weiteren östlichen Gebieten Polens hinzu, woraus die Provinz Südpreußen entstand. Nach der Niederlage Preußens gegen Frankreich unter Napoleon gingen diese Erwerbungen infolge des Friedens von Tilsit 1807 fast gänzlich an das neugegründete Großherzogtum Warschau verloren. Nach Zusammenbruch der napoleonischen Vorherrschaft erhielt Preußen auf dem Wiener Kongress 1815 einen Teil wieder zurück und formte daraus die Provinz Posen. Der Nordwesten des vormaligen Netzedistrikts um Deutsch Krone und Flatow ging an die Provinz Westpreußen.

Frühe preußische Zeit

Das Gebiet nahm zunächst eine Sonderstellung im preußischen Staat ein, es lag (wie auch die Provinzen Ost- und Westpreußen) außerhalb der Grenzen des Deutschen Bundes. Verwaltungsmäßig bestanden bis 1920 die beiden Regierungsbezirke Posen und Bromberg, welche sich weiter in Stadtkreise und Landkreise aufgliederten.

Die Provinz hatte insgesamt eine – ursprünglich über 70%ige – polnische und zugleich in Teilgebieten (Bromberg, Schneidemühl, Meseritz, Lissa) eine deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit. Je kleiner eine Gemeinde war, um so eher war sie entweder rein polnisch oder rein deutsch besiedelt.

Zunächst zeigte sich die preußische Politik tolerant gegenüber der polnischen Oberschicht sowie der polnischsprachigen Mehrheit in der Provinz. Am Beispiel des zum Statthalter der Provinz ernannten Anton Radziwiłł wird deutlich, dass Teile der polnischen Nationalbewegung bereit waren, sich mit dem preußischen Staat zu arrangieren.

Nach dem Novemberaufstand in Kongresspolen 1830 wurde die Sonderstellung des Großherzogtums innerhalb des preußischen Staatswesens jedoch weitgehend beseitigt, da die politisch führenden konservativen Kreise befürchteten, Polen könne zum Ausgangspunkt einer liberalen revolutionären Befreiungsbewegung in Europa werden. Außerdem suchte man durch ein härteres Vorgehen die Freundschaft mit Russland zu festigen. Nach der Märzrevolution von 1848 wurde das Gebiet "Provinz Posen" genannt.

Im Deutschen Reich

1871 wurde die Provinz wie ganz Preußen ein Teil des Deutschen Kaiserreiches. Die Polnischsprachigen waren nun nicht mehr nur Bürger des in nationaler Hinsicht zumindest nominell neutralen Preußen, sondern sprachliche Minderheit innerhalb eines sich als deutsch verstehenden Staates und sahen sich bald in mehrerlei Hinsicht gezielter staatlicher Ausgrenzung ausgesetzt.

Zum einen versuchte die Preußische Regierung, die polnische Sprache allmählich aus Schule und Verwaltung zu verdrängen. Schwerer wog womöglich noch die Diskriminierung des Katholizismus, dem die meisten Polen angehörten (während die Deutschen überwiegend evangelisch waren), im Zuge des Kulturkampfes. Dies trieb die lange Zeit politisch passive polnische Landbevölkerung den polnischen Nationalisten zu, die nun die Errichtung eines unabhängigen Polen unter Einschluss Posens anstrebten.

Einen Umschwung gab es auch hinsichtlich des Kräfteverhältnisses zwischen den Sprachgruppen. War der deutschsprachige Anteil bis 1890 durch Assimilation v.a. der meisten der ursprünglich nicht wenigen polnischen Protestanten von unter 30 auf fast 38% angewachsen, wurde diese Entwicklung nun rückläufig. Dies hatte seinen Grund zum einen in der höheren Geburtenrate der Polen, zum anderen unterlagen die Deutschen stärker der sogenannten Ostflucht, der Abwanderung in die Industriegebiete des Reiches. Maßnahmen zur Hebung ihres Anteils, besonders die Gründung einer Ansiedlungskommission, die Land von Polen kaufte und nur auswärtigen Deutschen zum Kauf zwecks Ansiedlung anbot, konnten diese Entwicklungen kaum ausgleichen, verschärften jedoch umso mehr den nationalpolitischen Konflikt. Dabei muss jedoch gesagt werden, dass das alltägliche Zusammenleben der Sprachgruppen durchweg friedlich verlief und sich die Unzufriedenheit der Polen gegen die deutschen Behörden, nicht jedoch gegen die deutschen Mitbewohner richtete.

Anfall an Polen

Nach dem Ersten Weltkrieg musste der überwiegende Teil der Provinz gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages an Polen abgetreten werden, das hier die Woiwodschaft Posen einrichtete. Die klar mehrheitlich deutschsprachigen Randgebiete verblieben innerhalb der neugebildeten preußischen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen beim Deutschen Reich.

Zwischen 1919 und 1929 enteignete die polnische Regierung gemäß Artikel 297b des Vertrages viele ortsansässige Deutsche, denen die polnische Staatsbürgerschaft nicht zuerkannt wurde. Ab 1925 führte ein Agrarreformgesetz dazu, dass viele deutschsprachige Bauern – darunter auch solche, denen der preußische Staat Grundfläche verkauft hatte – ihr Land zwangsveräußern mussten.

1939 annektierte das nationalsozialistische Deutschland nach dem Überfall auf Polen die Woiwodschaft Posen und bildete in gewisser Anlehnung an die vormalige Provinz, jedoch unter Einbeziehung weiterer polnischer Gebiete, den Reichsgau Wartheland mit Posen als Hauptstadt. Das Gebiet um Bromberg wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeschlagen. 1945 fiel das gesamte Gebiet der ehemaligen Provinz Posen endgültig an Polen. Hier verteilt es sich heute auf die Woiwodschaft Großpolen, in Teilen auch Kujawien-Pommern und Lebus.

Verwaltungsgliederung 1914

Regierungsbezirk Posen: Regierungsbezirk Bromberg:

1) ein mehr oder weniger großer Teil des Kreisgebiets verblieb 1920 innerhalb der neugebildeten Grenzmark Posen-Westpreußen beim Deutschen Reich

Oberpräsidenten

  • 1815–1824: Joseph von Zerboni di Sposetti
  • 1825–1830: Johann Friedrich Theodor von Baumann
  • 1830–1840: Eduard Heinrich Flottwell
  • 1840–1842: Adolf Heinrich Graf von Arnim-Boitzenburg
  • 1843–1850: Carl Moritz von Beurmann
  • 1850–1851: Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin (1. Amtszeit)
  • 1851–1860: Eugen von Puttkamer
  • 1860–1862: Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin (2. Amtszeit)
  • 1862–1869: Carl Wilhelm Heinrich Georg von Horn
  • 1869–1873: Otto Graf von Königsmarck
  • 1873–1886: William Barstow von Guenther
  • 1886–1890: Robert Graf von Zedlitz-Trützschler
  • 1890–1899: Hugo Freiherr von Wilamowitz-Moellendorff
  • 1899–1903: Rudolf von Bitter
  • 1903–1911: Wilhelm Hans August von Waldow-Reitzenstein
  • 1911–1914: Philipp Schwartzkopf
  • 1914–1918: Johannes von Eisenhart-Rothe

Quellen

Weblinks


Diskussion der Autoren über den Artikel: Provinz Posen


Hey, vielleicht regelt Ihr das mal hier??? Ulrich.fuchs 23:03, 1. Feb 2004 (CET)

Unglaublich wie hier bei Wikipedia Seiten, bzw. Teile kopiert werden! u.a. wird hier einfach die Liste der Oberpräsidenten der Provinz Posen 1816-1918 einfach von http://www.deutsche-schutzg... abgesaugt! Gleiches gilt für die Statistiken!

Die Deutsche-Schutzgebiete-Seite ist zumindest nicht die direkte Quelle für die Liste der Oberpräsidenten. Falls diese von dort kommt, hat sie zuerst noch den Weg über die englische Wikipedia genommen, siehe Versionsgeschichte. Fraglich ist auch, ob so eine Tabelle urheberrechtlich geschützt ist. Das ist ja "nur" eine Zusammenstellung von Daten, die, zumindest zu ihrer Zeit, frei verfügbar und öffentlich zugänglich waren. --Langec 22:54, 19. Sep 2004 (CEST)

Verwaltungsgliederung: Liste statt Tabelle

Ich habe (leider versehentlich uneingeloggt) die Tabelle “Verwaltungsgliederung vor 1920” entfernt und durch eine Liste “Verwaltungsgliederung 1914” ersetzt. Die Tabelle war in vielerlei Hinsicht unsinnig:

  • “Landkreise” gab es damals nur dort wo auch entsprechende Stadtkreise vorhanden waren. Sonst überall “Kreis”
  • die polnischen Namen: bezogen die sich doch wohl nur auf die Städte? Gehören dann nicht in die Übersicht zur Verwaltungsgliederung, zumal die dt. Kreisnamen wohl die offiziellen waren.
  • Bevölkerung 1905 fehlte
  • Kategorie Polen/Deutsche irreführend; polnisch-/deutschsprachig träfe die Sache
  • kein Hinweis, dass die Sprachangaben aus offiziellen (fehleranfälligen, evtl. tendenziösen) Statistiken stammen
  • Zweisprachige werden willkürlich den Deutschsprachigen zugerechnet, damals ein beliebtes Mittel um das dt. Element größer erscheinen zu lassen, wurde hier einfach übernommen
  • Juden in der Sprachübersicht völlig fehl am Platze
  • ursprünglicher Kreis: in dieser Form und Kürze kein Mehrwert an Information, verwirrt eher.
--Ratziputz 13:24, 26. Okt. 2006 (CEST)

Bromberg in der Einleitung

Ich habe die Einschränkung "außer Bromberg" aus der Einleitung entfernt:

  • eine solche Einzelheit/Differenzierung macht sich nicht gut in einer Einleitung die ja nur einen ersten Überblick bieten soll.
  • die Aussage "klar mehrheitlich deutschsprachig" trifft auf Bromberg so nicht zu, die preuß. Statistiken setzten damals die deutschen Muttersprachler zu hoch an, siehe auch Literatur (Belzyt). In und um Schneidemühl, Fraustadt usw. war die Sache viel klarer (über 80%). Selbst wenn Stadt und Landkreis Bromberg eine deutsche Mehrheit hatten, waren sie isoliert vom geschlossenen dt. Sprachraum, was sie ebenfalls von den 1919 bei Deutschland verbliebenen Gebieten unterscheidet.
--Ratziputz 17:33, 7. Nov. 2006 (CET)

Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Provinz Posen und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).