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Reliquie

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Sandalen Jesu - Reliquie aus der Abtei Prüm (Eifel)
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Reliquie aus der Domkammer Münster (Westfalen)
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Eine Reliquie (lateinisch Überbleibsel) ist ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen. Eine Sonderform sind Berührungsreliquien, also Gegenstände wie Kleidungsstoffe, mit denen der Heilige in Berührung kam oder gekommen sein soll. Die bedeutendste Berührungsreliquie ist das Grabtuch von Turin.

Reliquien finden sich in allen Hauptreligionen, vor allem aber im Christentum, im Shinto (vgl. shintai) und im Buddhismus (vgl. honzon).

Im Christentum (Katholizismus und Orthodoxie) ist die Reliquienverehrung eine der ältesten Formen der Heiligenverehrung und schon im mittleren 2. Jahrhundert eindeutig nachweisbar, lange vor z.B. Ikonen- oder anderen Heiligenbilder-Verehrungen. Dies ist bemerkenswert, da in der heidnischen Antike die Reliquienverehrung nicht erwünscht war und Körperteile von noch so frommen Verstorbenen als unrein galten.

Im Protestantismus wird die Reliquienverehrung bereits seit der Zeit Martin Luthers größtenteils abgelehnt. Evangelikale Christen sehen sie als unbiblisch an, Religionsgemeinschaften wie die Adventisten und die Zeugen Jehovas sogar als Götzendienst.

Kategorisierung

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Heiliger Nagel in einem Ostensorium (Bamberger Dom)
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Im Katholizismus werden drei Reliquienklassen unterschieden:

  1. Reliquien erster Klasse sind alle Körperteile des Heiligen, insbesondere Partikel seiner Knochen, aber auch seine Haare, Fingernägel und, soweit erhalten, sonstigen Überreste, in selteneren Fällen auch Blut. Bei Heiligen, deren Körper verbrannt wurden, gilt gegebenenfalls die Asche als Reliquie erster Klasse.
  2. Reliquien zweiter Klasse, auch echte Berührungsreliquien genannt, sind Gegenstände, die der Heilige zu seinen Lebzeiten berührt hat, insbesondere Objekte von besonderer biographischer Bedeutung. Dazu gehören etwa bei heilig gesprochenen Priestern und Mönchen ihre sakralen Gewänder, bei Märtyrern beispielsweise die Foltergeräte und Waffen, durch die sie ums Leben kamen.
  3. Reliquien dritter Klasse oder mittelbare Berührungsreliquien sind Gegenstände, die Reliquien erster Klasse berührt haben. Solche Objekte, in der Regel kleine Papier- oder Stoffquadrate, die kurz auf die Reliquien gelegt und hinterher auf Heiligenbildchen geklebt werden, werden in vielen katholischen Wallfahrtsorten besonders in Südeuropa bis heute als Souvenirs an Pilger verkauft.

Eine Sonderstellung außerhalb dieses Schemas kommt den biblischen Reliquien zu, also denjenigen Gegenständen, die mit dem neutestamentlichen Heilsgeschehen, insbesondere mit Jesus und Maria in direkte Verbindung gebracht werden. Dazu zählen vor allem die Kreuzreliquien, kleine Holzsplitter vom Kreuz Christi, von denen viele tausend über die ganze Welt verteilt in katholischen und orthodoxen Kirchen verehrt werden. Zu den Passionsreliquien, die Bezüge zur Passion, also zur Leidensgeschichte Jesu in seinen letzten Lebenstagen aufweisen, gehören daneben auch die berühmte Heilige Lanze des Longinus, Partikel der Kreuznägel zum Beispiel in der Eisernen Krone, Partikel der Dornenkrone und der anderen Marterwerkzeuge, ferner das Turiner Grabtuch, das Schweißtuch der Veronika und der Gral. In ähnlicher Weise werden Gewänder verehrt, die Maria und Jesus zu Lebzeiten getragen haben sollen, etwa der Heilige Rock in Trier, die Sandalen Jesu in Prüm, die Gewänder und der Schleier Mariae, sowie Windel und Lendenschurz Jesu in Aachen.

Da Jesus nach biblischer und Maria nach katholischer Ansicht in den Himmel entrückt wurden und daher von ihnen keine Leichname existieren, war die Frage, ob es von ihnen Reliquien erster Klasse geben könne, theologisch zeitweise sehr umstritten. Die in Kirchenschätzen erhaltenen angeblichen Reliquien der abgeschnittenen Haare und Fingernägel, der Milchzähne, Nabelschnur und Heilige Vorhaut Jesu werden heute überwiegend als mittelalterliche Fälschungen angesehen und von der katholischen Kirche nicht mehr in besonderer Weise verehrt.

Die Klasseneinteilung der Reliquien hat vor allem kirchenrechtliche Bedeutung: das kanonische Recht verbietet Katholiken den Handel mit biblischen Reliquien sowie Reliquien erster und zweiter Klasse. Katholiken dürfen solche Objekte zwar von nicht katholischen Dritten oder von dazu offiziell befugten kirchlichen Einrichtungen erwerben, besitzen und privat verehren, aber nicht weiterverkaufen. Zulässig sind lediglich das Verschenken von Reliquien an andere Gläubige und die Rückgabe an die Kirche. Im Mittelalter war der Reliquienhandel (ebenso wie das 'Handwerk' der Reliquienfälschung) hingegen weit verbreitet.

Wunderwirkungen

Viele Wunder (miracula) werden den Reliquien während des Mittelalters zugesprochen. Derartige Wunder finden vor allem auch bei der Translatio (Überführung) der heiligen Gebeine von einem Ort an einen anderen Ort statt, z. B. bei der Überführung des hl. Alexanders von Rom nach Wildeshausen. Die Lebensbeschreibungen der Heiligen wurden in Hagiographien gesammelt, wie der "Goldenen Legende" (Legenda aurea) oder den Arbeiten des Cäsarius von Heisterbach. Ihre große Verehrung sowie Wundergeschichten lösten während des Mittelalters eine allgemeine Suche nach Reliquien von Heiligen, insbesondere Märtyrern, aus. Dabei schreckte man auch vor illegalen Entwendungen der heiligen Leichname (corpora sanctorum) nicht zurück, wie z. B. in dem von Einhard verfassten Translationsbericht über die Überführung der Heiligen Marcellinus und Petrus von Rom nach Michelstadt-Steinbach zu lesen ist.

So wurden beispielsweise auch hunderte kleinste Teile des Heiligen Kreuzes, welches die Kaiserinmutter Helena ca. 325 von Jerusalem nach Rom und Konstantinopel gebracht hatte, nach der Eroberung Konstantinopels während des Vierten Kreuzzuges im Jahre 1204 durch die Kreuzritter über die Länder Europas verstreut. So viele Kirchen behaupteten am Ende den Besitz eines solchen Stückes, dass Erasmus von Rotterdam irrtümlich bemerkte, sie reichten aus, um daraus ein ganzes Schiff zu bauen. Jedoch ergäben diese millimetergroßen Bruchstücke noch nicht einmal ein Drittel des Kreuzes.

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Schrein mit den Gebeinen der heiligen Hildegard von Bingen in der Pfarrkirche von Eibingen
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Das Grabtuch von Turin ist eine andere Reliquie, deren Echtheit so umstritten ist, dass sich in den letzten Jahren sogar eine neue Wissenschaft, die Sindonologie, entwickelte. Das Interesse der Wissenschaft an Reliquien lässt sich auch dadurch begründen, dass naturwissenschaftlich oftmals unerklärliche Phänomene im Zusammenhang mit Reliquien bekannt wurden. Hauptsächlich die "Unversehrtheit" (keine Verwesung) der Heilig gesprochenen oder bestimmter Organe bzw. Teile ihres Körpers sind hier zu nennen. In der Pfarrkirche St. Hildegard und St. Johannes d. T. in Eibingen im Rheingau wird der Schrein der Hildegard von Bingen mit Herz und Zunge in unverwestem Zustand aufbewahrt. Die Abteikirche von Coulomb in Frankreich behauptet den Besitz der Reliquie von Jesu Beschneidung.

Christliche Bedeutung

Unter Christen verlangt die Pietät grundsätzlich die Achtung auch vor dem toten Körper. Umso mehr wird bei Christen aus einer religiösen Gesinnung heraus den sterblichen Überresten jener Menschen Ehrfurcht erwiesen, die aus ihrer Sicht zu Gott gegangen sind. Reliquien dürfen aber nicht auf magische Weise missverstanden werden, so als ob ihr bloßer Besitz das Heil garantiere oder sich mit ihnen bestimmte Wirkungen erzielen ließen. Vielmehr ist es im katholischen und auch orthodoxen Verständnis die Fürbitte der Heiligen bei Gott, der eine bestimmte Hilfe zugeschrieben wird, nicht aber durch irgendeine tote Sache als solche, denn die Reliquie steht nur als Stellvertreter für den Heiligen selber.

Aufbewahrung (Reliquiar)

Ursprünglich wurden die Reliquien von Personen, die im Rufe besonderer Heiligkeit und Gottesnähe standen, unter den Altären der ersten christlichen Kirchen beigesetzt. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die bis heute gültige katholische Tradition, bei der Weihe einer neu errichteten Kirche eine Reliquie des jeweiligen Namenspatrons in den Tisch des Hauptaltars einzumauern und in größeren Kirchen verschiedenen Heiligen eigene, mit Reliquien ausgestattete Altäre zu errichten.

Bereits in der Spätantike begann sich unter den Gläubigen eine besondere Verehrung bestimmter Heiligenreliquien zu entwickeln. Um die dadurch gewachsene Bedeutung der Reliquien für die Kirche, in der sie sich befanden, zu unterstreichen, begann man mit der Anfertigung spezieller, meist künstlerisch und materiell sehr kostbar ausgeführter Behältnisse zur Aufbewahrung der Reliquien. Diese Behälter werden zusammenfassend als Reliquiare bezeichnet.

Die folgenden Abbildungen stammen aus dem Werk Lucas Cranach des Älteren Dye zeigung des hochlobwirdigen hailigthums der stifftkirche aller hailigen zu wittenberg aus dem Jahre 1509, in dem er alle Reliquien der Stiftskirche in Wiitenberg abgebildet hat. Die kleine Auswahl gibt einen Überblick über die Bandbreite der Aufbewahrungsmöglichkeiten von Reliquien.

Image:Lucas Cranach der Ältere Bildnis Paulus.jpg|Brustbild des Heiligen Paulus mit Partikeln von Paulus und anderen Heiligen Image:Lucas Cranach der Ältere Kreuz mit Stücke vom Tischtuch.jpg|Silbernes Kreuz mit Stücken vom Tischtuch des letzten Abendmahls Jesu Image:Lucas Cranach der Ältere Kleinod mit Stück vom Kreuz.jpg|Goldenes Kleinod mit Abbildung Marias und Stücken vom Heiligen Kreuz Image:Lucas Cranach der Ältere Heiliger Sigismund.jpg|Brustbild des Heiligen Sigismunds mit einem merglich groß partickel von dem haupt

Die älteste Form des Reliquiars ist der Reliquienschrein. Dabei handelt es sich um einen meist reich geschmückten, dem Sarkophag des Heiligen entsprechenden Kasten in Originalgröße oder miniaturisierter Ausführung. Berühmte Reliquienschreine des hohen Mittelalters sind der Dreikönigsschrein im Kölner Dom, der Aachener Karlsschrein, der Marburger Elisabethschrein und der Eibinger Hildegardisschrein.

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Reliquienschrein in Form einer Basilika, Köln, 1. Hälfte 13. Jahrhundert
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Erste vom Typus des Schreins abweichende Formen des Reliquiars entwickelten sich vor allem in der Ostkirche, darunter die Staurothek, eine flache goldene Lade zur Unterbringung großer Kreuzreliquien - ein bekanntes Exemplar aus Byzanz, die Limburger Staurothek, befindet sich heute im Limburger Domschatz - und das Enkolpion, eine meist kreuzförmige Reliquienkapsel, die vom Priester an einer Kette um den Hals getragen wurde.

Im Westen übernahm man im Verlauf des Mittelalters zunächst die ostkirchlichen Reliquiartypen, von denen als diplomatische Geschenke sowie besonders infolge der Plünderung Konstantinopels durch venezianische Truppen im Jahre 1204 sehr viele Exemplare nach Mitteleuropa gelangten. Daneben traten Behältnis-Variationen wie das große Reliquienkreuz und die formal einer Pilgertasche nachempfundene Bursa. Berühmte Beispiele für diese Typen finden sich mit dem Reichskreuz und der Stephansbursa in den römisch-deutschen Reichskleinodien.

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Reliquienbüste aus der Werkstatt des Jakob Maurus, Kempten, um 1520–1530
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Unter den Pilgern des beginnenden Spätmittelalters wuchs die Begierde danach, die Reliquien auf ihren Wallfahrten unmittelbarer in Augenschein nehmen zu können; vielfach stellte sich gegenüber den geschlossenen Reliquienkästen ein gewisses Misstrauen ein, zumal Reliquienfälschungen überhand nahmen. Daher wurde zunächst der Typus des sprechenden Reliquiars entwickelt - dabei handelt es sich um Behältnisse, die in ihrer äußeren Form dem Körperteil nachempfunden sind, dessen Überreste sich darin befinden. Reliquiare für Armknochen wurden als goldene Arme gestaltet, Fußreliquiare als goldene Beine, Schädelreliquiare als kostbar geschmückte Reliquienbüsten. Wichtige Beispiele sind die Karlsbüste im Aachener Domschatz und die Schädelreliquiare der Apostel Petrus und Paulus in der Lateranbasilika in Rom. Bedeutende Kirchen und Klöster sammelten ihre Reliquiare in speziellen Heiltumskammern und zeigten sie den Gläubigen stolz bei Prozessionen und sogenannten Heiltumsweisungen, von denen sich eine besonders bedeutende in Trier mit der periodischen Ausstellung des Heiligen Rocks bis heute erhalten hat.

Auch die sprechenden Reliquiare wurden von den Gläubigen bald als unbefriedigend empfunden, weshalb man im Spätmittelalter dazu überging, aufwendig gefasste gläserne Behälter zu schaffen, in denen die eigeschlossenen Reliquien für den Betrachter direkt sichtbar waren. Ein solches Schauglas wird je nach Ausführung als Reliquienmonstranz oder Ostensorium bezeichnet; im Volksmund nennt man kreuzförmige Ostensorien wegen ihrer Verwendung durch den Priester bei Flursegnungen auch Wetterkreuze. Kleine Reliquiensplitter werden seit dem späten Mittelalter von offiziellen kirchlichen Stellen in spezielle verglaste Kapseln von meist ovaler Form eingeschlossen und anschließend versiegelt oder verplombt, um die Echtheit der enthaltenen Reliquie zu dokumentieren und zu verhindern, dass kleine Reliquien verloren gehen können. Eine solche Kapsel wird als Theca bezeichnet; meist befindet sich in ihr neben der Reliquie ein Zettelchen mit erklärender Beschriftung, die sogenannte Cedula.

Eine Sonderform des Reliquiars ist das Osculatorium, auch Kusstafel oder Pacificale genannt. Dabei handelt es sich um eine flache Metallplatte mit eingesetzer Reliquienkapsel, die rückseitig mit einem Griff oder Henkel versehen ist. In der vorkonziliaren katholischen Liturgie wurde das Osculatorium vor der Kommunion als Friedenssymbol durch die Bankreihen gereicht und von jedem Gottesdienstbesucher symbolisch geküsst.

Sammlungen

Hauptsächlich im Mittelalter war es unter Christen verbreitet Reliquien weiter zu schenken. Wichtige Persönlichkeiten der Christenheit die mit Klöstern in Kontakt waren, bekamen oftmals Reliquien geschenkt. Somit entstanden Sammlungen von verschiedensten Reliquien, die oftmals über Jahrhunderte zusammengetragen wurden. So wird beispielsweise in der Pfarrkirche St. Hildegard und St. Johannes der Täufer in Eibingen im Rheingau, der Eibinger Reliquienschatz aufbewahrt. Diese öffentlich zugängliche Sammlung von Reliquien hatte die Heilige Hildegard bereits im 12. Jahrhundert zusammengetragen.

Reliquienverehrung

Prozession

Eine besonders herausragende Form der Reliquienverehrung in der katholischen Kirche ist die Reliquienprozession. Hierbei werden die Reliquien von Heiligen in besonders würdevoller Form über einen meist traditionell festgelegten Prozessionsweg getragen. Eine wichtige bis heute gepflegte Feier dieser Art ist die Reliquienprozession der Heiligen Hildegard von Bingen, die jährlich am 17. September in Eibingen stattfindet.

Wallfahrten

Ebenfalls bis in heutige Zeit finden traditionelle Wallfahrten statt, anlässlich derer sonst nicht sichtbare/zugängliche Reliquien den Gläubigen gezeigt werden.

Bekannte Beispiele sind etwa die alle sieben Jahre stattfindende Aachener Heiligtumsfahrt, zu der die Aachener Heiligtümer aus dem Marienschrein des Aachener Dom geholt werden, die in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Wallfahrten zum Heiligen Rock (angeblich die Tunika Christi) nach Trier und die Wallfahrt zu den "Heiligen drei Hostien" nach Andechs.

Siehe auch

Literatur

  • Arnold Angenendt: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42867-3
  • Harrie Hamer (Hrsg.): Heilige Erinnerung. Reliquien und Reliquienbehälter aus der Sammlung Harrie Hamers. Völcker, Goch 2003
  • Horst Herrmann: Lexikon der kuriosesten Reliquien. Vom Atem Jesu bis zum Zahn Mohameds. Rütten & Loening, Berlin 2003, ISBN 3-352-00644-X
  • Michael Hesemann: Die stummen Zeugen von Golgatha. Die faszinierende Geschichte der Passionsreliquien Christi. Hugendubel, München 2000, ISBN 3-7205-2139-7
  • Jean-Luc Deuffic (éd.), Reliques et sainteté dans l'espace médiéval [LINK]
  • Markus Mayr: Geld, Macht und Reliquien. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Reliquienkultes im Mittelalter, Studienverlag, Innsbruck 2000

Weblinks

  • www.stjosef.at Lexikon der christlichen Moral
  • www.padre.at Kurzgeschichte der Reliquienverehrung anhand konkreter Beispiele (PDF-Dokument)


Diskussion der Autoren über den Artikel: Reliquie


Das Schicksal der Kreuzreliquien

Die Echtheit der unzähligen in der Christenheit verbreiteten Kreuzpartikel wird oft angezweifelt. Zitat: " Daß schon 23 Jahre nach seiner Auffindung fast der ganze Erdkreis mit Kreuzfragmenten erfüllt war, bestätigte Bischof Cyrillus von Jerusalem in einer seiner Katechesen aus dem Jahre 348 (Kat.IV,10). Dabei blieben in der frühen Phase die Kreuzteile im kaiserlichen Besitz in Rom und Konstantinopel unangetastet, erst als die Reliquien von S. Croce an den Papst gingen, wurden auch von ihm aus Partikel an bedeutende Kirchen und Klöster geschickt. Für diese Praxis mag es zweierlei Gründe gegeben haben. Zum ersten hatte Helena mit Sicherheit kein intaktes Kreuz gefunden, denn das hätte man schwerlich aufgeteilt (Anmerkung des Verfassers: ein kleinerer Teil blieb in Jerusalem, ein Teil wurde nach Rom und ein anderer nach Konstantinopel gebracht). Wahrscheinlich ist die Entdeckung zweier Balken groben Holzes, des Kreuzstammes und des Querbalkens, die möglicherweise unter der Aufbewahrung in der Zisterne gelitten hatten: heiliges Holz zwar, aber kein ansehnlicher Fund ... wenig bearbeitet und unsauber geschnitten ... Möglicherweise auch deswegen wurde das lignum crucis nur noch in Fragmenten gezeigt. Schon deshalb scheute man sich in Jerusalem nicht, Kreuzpartikel an pilgernde Kleriker auszugeben, als Zeichen der Verbundenheit mit der Weltkirche. ... Dabei waren die meisten Kreuzpartikel winzig klein. Als Paulinus von Nola im Jahre 403 seinem Freund Sulpicius Severus einen Splitter des heiligen Holzes in einem goldenen Kästchen übersandte, entschuldigte er sich gewissermaßen für dessen Winzigkeit. Er solle nicht enttäuscht sein, schrieb er seinem Freund, denn trotz seiner geringen Größe repräsentiert es doch die Kraft unseres Glaubens (Paulinus, Ep.31,3). Im 5. Jahrhundert wurden Kreuzsplitter zu einem begehrenswerten Besitz gläubiger Christen und, wie bereits erwähnt, meist in kostbaren, goldenen Reliquiaren um den Hals getragen (Ziehr,Wilhelm, Das Kreuz, 1997, S. 62). Dabei übernahmen sie die Rolle heidnischer Amulette und galten als "Phylakterien", schadenabwehrende schutzmittel. Die meisten Kreuzpartikel sind 3-4 mm lang, 1 mm breit und wiegen etwa etwa 0,3 g. Gehen wir davon aus, daß das Kreuz Jesu aus einem etwa 1,75 m langen und ca. 35 kg schweren Querbalken und einem etwa vielleicht 2,50 m hohen und 50-70 kg schweren Kreuzesstamm bestand, könnte eine ganze Menge von Splittern daraus gewonnen werden. Selbst wenn man 50% des 85-105 kg schweren Kreuzes für größere Fragmente - wie jenes im Vatikan, das ursprünglich aus S. Croce stammte - aufsparte, bleiben immer noch 42,5 - 52,5 kg, genug für 127.500 - 157.500 unserer 0,3 g Partikel. Das entspricht der Berechnung Rohault de Fleurys, der das Volumen aller bekannten Kreuzreliquien berechnete und zu dem überraschenden Ergebnis kam, daß trotz der enormen Zahl von Partikeln ihre Gesamtmenge kaum 10 Kubikdezimeter ausmacht; zählt man die kleinsten Teile hinzu, ergäbe sich weniger als ein Drittel vom ursprünglichen Gewicht des Kreuzes. (Ch. Rohault de Fleury, Memoire sur les Instruments de la Passion N.-S.J.-C.,Paris 1870, zit. n. Legner,Anton, Reliquien in Kunst und Kult, Darmstadt 1995,S.63; So stellte Carsten Peter Thiede (The Search for the True Cross, in: The Church of England Newspaper (19. März 1999), S.18) zutreffend fest: Some people have claimed that the pieces of the cross worldwide would form whole forests - although it has in fact been calculated, with mathematical precision, that all pieces shown anywhere in the world as true fragments would not even be enough for the stem of a Roman cross.)
Das steht im krassen Widerspruch von Kritikern der Kreuzverehrung. So spottete der große Humanist Erasmus von Rotterdam, daß ein ganzes Lastschiff nicht ausreichen würde, brächte man alle Partikel, die an zahllosen Plätzen vom Kreuz unseres Herrn gezeigt werden, auf einen Haufen zusammen.(Erasmus von Rotterdam, Vertraute Gespräche, Köln 1947, S.101)
...Und gewiß gab es viele Fälschungen, ...und auch noch den Brauch der "Berührungsreliquien": Rührte ein profanes Objekt eine echte Reliquie an, wurde es ebenfalls zur Reliquie, weil die Kraft des Originals auf das Objekt überging. " (Zitat Ende)
obige Fakten verkürzt zitiert aus und in: Hesemann, Michael, Die Jesus-Tafel, Die Entdeckung der Kreuz-Inschrift, Herder Verlag 1999, Seiten 255 und 256
Um so mehr wurden jene Kreuzpartikel verehrt, deren Ursprung zurückverfolgt werden konnte (siehe Diskussion:Kreuzerhöhung ).
Die Reliquien nach dem Überfall auf Konstantinopel am 13. April 1204 ergossen sich jedenfalls speziell über Frankreich und Italien. Zitat: "Buchstäblich tausende Kirchen erhielten einen Partikel vom "Heiligen Kreuz", das sich bald gänzlich im Westen befand. So heißt es in der Kölner Königschronik: Nach der Eroberung der Stadt wurden unschätzbare Reichtümer gefunden, unvergleichlich kostbare Edelsteine und auch ein Teil des Kreuzes des Herrn, das, von Helena aus Jerusalem überführt und mit Gold und kostbaren Edelsteinen geschmückt, dort höchste Verehrung erfuhr. Es wurde von den anwesenden Bischöfen zerstückelt und mit anderen sehr kostbaren Reliquien unter die Ritter aufgeteilt; später, nach deren Rückkehr in die Heimat, wurde es Kirchen und Klöstern gestiftet. (Kölner Königschronik und Chronika S. Pantaleonis)", in Hesemann, Michael, Die Jesus-Tafel, 1999, S. 238

Dietmar 12:30, 31. Mai 2004

Hallo Dietmar, danke für den spannenden Beitrag, den revert halte ich aber für nicht ganz gerechtfertigt. Denn Du schreibst ja selber, daß man auch Berührungsreliquien bedenken muß. Auf das Drittel sollte man sich nicht festlegen, weil es auf Annahmen beruht, die nicht bewiesen werden können, niemand kann sicher sagen, ob zu den aufgefundenen Reliquien auch ein Längsbalken gehörte und wieviel der gewogen hat... --Robert Huber 10:12, 1. Jun 2004 (CEST)

Verehrung der Reliquien heute

Mir fehlt ein Abschnitt zur Verehrung von Reliuien heute. Im Buddhismus finden jährlich feste z.B. für die Zähne Buddhas statt. Und im Christentum werden wohl inzwischen von den meisten die Primärreliquien Jesu als Fälschungen anerkannt (z.B. gab es im MIttelalter allein in Frankreich Dutzende von Nabelschnüren Christi), die angeblichen Sekundärreliquien Jesu erhalten aber weiterhin Verehrung (Scala Santa in Rom, Turiner Grabtuch). Viel häufiger ist die Verehrung von Primärreliquien der jeweiligen Lokalheiligen, wie sie beispielsweise in Süditalien (aber nicht nur!) weit verbreitet ist. In Süddeutschland gibt es kaum einen Altar, der nicht Knochenpartikel eines Heiligen enthält.--Drifty 08:39, 25. Jul 2005 (CEST)

Da kann ich nur zustimmen - hier ist noch einiges am Artikel zu verbessern. Bis heute enthält übrigens der Hauptaltar jeder katholischen Kirche Reliquien; die Beisetzung von Reliquien im Altartisch wird sogar bei der Weihe neu erbauter Kirchen immer noch vollzogen. Die öffentliche Verehrung von Reliquien gerät allerdings, ohne dass sich diesbezüglich die theologische Auffassung wesentlich geändert hätte, innerhalb der katholischen Kirche mehr und mehr zum bloßen lokalen Brauchtum. Natürlich hat die Kirche von besonders kuriosen Reliquien, die offensichtlich Fälschungen sind und deren Existenz nur mit der Naivität mittelalterlicher Pilger erklärt werden kann, Abstand genommen - auch die Haltung Roms zum Turiner Grabtuch (das wegen der Blutspuren eine Primärreliquie Jesu darstellt) ist durchaus ambivalent; man nimmt hier wohl eher auf touristisch-folkloristische Aspekte Rücksicht. --84.178.125.55 11:55, 6. Okt 2005 (CEST)

Bild

Sagt mal, was ist das für eine Reliquie auf dem Bild? Sieht für mich nach einem Tuch aus. Ist darin irgendwas (ekliges) eingewickelt? -Cljk 22:25, 2. Aug 2005 (CEST)

Nichts Ekliges. Die abgebildete Theca ist ein modernes Stück (20. Jahrhundert), in dem Reliquien verschiedener nicht mehr konkret ermittelbarer Heiliger zusammengefasst sind - daher die Aufschrift "De diversis Sanctis". In kirchlichen Beständen sind häufig Reliquien vorhanden, die nicht mehr namentlich zugeordnet werden können - etwa deshalb, weil sich innerhalb einer mit mehreren Reliquien bestückten Theca im Laufe der Jahrhunderte der Klebstoff gelöst hat und die Knochenpartikel deshalb durcheinander gefallen sind. Natürlich werden solche Reliquien nicht einfach entsorgt; man befestigt sie neu und versieht sie, wie auch hier geschehen, mit einer neutralen Beschriftung. Die Theca auf dem Foto enthält in der Mitte ein größeres, mit feiner Gaze und Golddrähten umwickeltes Knochenstück, seitlich davon auf den schwarzen Sternen vier kleinere Knochenpartikel. --84.178.106.40 12:06, 6. Okt 2005 (CEST)

Fehlendes: Reliquienhandel, Reliquienfälschung & Wirtschaft

Es fehlt im Artikel noch etwas über die wirtschaftliche Bedeutung von Reliquien. Den Reliquienhandel kann man im Mittelalter durchaus als eigenen Wirtschaftszweig sehen. Auch "Reliquienfälschung" kann man als eigenes Handwerk, mit dem man mit etwas Geschick durchaus sein Brot verdienen konnte, sehen. Reliquienkult zog schon immer Reliquienfälschungen nach sich, so gab es plötzlich viele Nabelschnüre Christi, mehrere Häupter Johannes des Täufers etc.

Weiterhin gab es die Praxis der "Produktion" von Berührungsreliquien. So goß man Wasser über Reliquien und verkaufte oder verschenkte dieses. Oder man berührte Reliquien mit Tüchern, die dann selbst Sekundärreliquien waren. Auch über die zunehmende Zerstückelung von Heiligen in immer kleinere Teile zum Zwecke der Reliquienvermehrung sollte etwas geschrieben werden.--Drifty 12:28, 6. Okt 2005 (CEST)

Frage

Mich würde der "eindeutige" Nachweis von Reliquien in der Mitte des 2. Jh. interessieren. Worum handelt es sich dabei? Und vielleicht eine kleine Ergänzung: sowohl im griech. als auch röm. Totenkult hat man die Toten als Laren und Manen verehrt. Die Verehrung fand jährlich statt und zwar am Grabe der Verstorbenen. Die körperliche Präsenz und Nähe zu einem Toten wurde nicht verabscheut, sondern man erwartete sich davon ganz besondere Heil- und Wirkkräfte. Genau wie bei den Reliquien auch. Würde ich sagen?!

Parallelen sind sicherlich vorhanden, vor allem hinsichtlich der äußeren Formen der Verehrung. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings darin, dass man sich in der antik-römischen Religion die Geister der Verstorbenen als aktiv handelnde Individuen vorstellte, die entweder dem Wesen nach gut und durch Opferrituale als Beschützer anrufbar oder dem Wesen nach schlecht und durch vergleichbare Rituale zu besänftigen waren. Man widmete sich im Totenkult also den als lebendig und präsent empfundenen Geistern, nicht dem jeweiligen Leichnam als einer verselbständigt verehrungswürdigen Sache.Im Christentum gilt die Seele des Heiligen dagegen als mit dem irdischen Tode auferstanden und durch die Heiligkeit in besondere Gottesnähe gelangt, woraus sich (nach katholischer Auffassung) der Sinn des Fürbittgebets an den Heiligen ergibt. Der Heilige ist also kein ruheloser Geist, der sich in räumlicher Nähe zu seinen sterblichen Überresten aufhält, sondern längst in eine andere Daseinssphäre entrückt. Warum man den streng genommen seelenlosen Knochen und sonstigen Hinterlassenschaften des Heiligen über den bloßen Sinnbildcharakter hinaus eine Funktion als Mittlerobjekte beimisst, in denen sich die wundertätige Kraft des Heiligen bei entsprechender Verehrung ganz besonders manifestiert, ist theoretisch kaum begründbar und in erster Linie damit zu erklären, dass Gläubige immer wieder entsprechende praktische Erfahrungen gemacht haben. Den "eindeutigen Nachweis" einer Reliquienverehrung schon im 2. Jahrhundert fände ich auch interessant - vielleicht könnte der Verfasser des fraglichen Artikelabschnitts, falls er die Diskussion verfolgt, hier dazu Stellung nehmen. Unproblematisch zu bejahen ist eine intensive Reliquienverehrung natürlich seit der Reliquienexpedition der hl. Kaiserin Helena in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. --Heiko Hahn 16:25, 14. Apr 2006 (CEST)

Tatsächlich stellten sich die spätantiken und v.a. die mittelalterlichen Christen die Seelen der Verstorbenen gerade (ausschließlich?) an ihren sterblichen Überresten präsent vor. Dort waren sie in herausragender Weise wirksam. D.h. die räumliche Nähe ist geradezu notwendig, um sich ein Wunder von den Reliquien erhoffen zu dürfen. Es gibt hierfür unzählige schriftliche Belege - beginnend beim Hl. Babylas (= J.Chrys. de Bab.). Ich verweise lediglich auf die Forschungsergebnisse von Martin Heinzelmann (Translationsberichte und andere Quellen des Reliquienkultes, Turnhout, 1979). Für eingehendere Diskussion bitte an: pietrokritzinger@yahoo.it

Das finde ich sehr interessant - danke für die Richtigstellung! Diese theologische Auffassung, die ich als Laie bisher nicht kannte, müsste unbedingt auch Aufnahme in den Artikel finden. --Heiko Hahn 20:34, 17. Apr 2006 (CEST)

Älteste Reliquiargruppe

Die älteste Reliquiargruppe sind nicht die Schreine, sondern die Bursenrelquiare, von denen es rund stück gibt, wobei die stephansburse das älteste Exemplar ist, das Jüngste rund um 600 entstanden ist. Noch älter sind die Bleiampullen von Monza, die wohl die ältesten reliquiare darstellen. --Schwedenmann 21:36, 19. Jul 2006 (CEST)

Kauf

Kann man heute Reliqiuen kaufen? Wo?



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Reliquie und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).