Toplinks zu diesem Thema:
Russisch, Otto, Polnisch, Schriftsteller, Anlage, Autor, Homepage, Rahmen, Schutz, Webseite
Der Artikel Riga gehört zur Kategorie: Riga, Hauptstadt in Europa, Hauptstadt in der EU, Weltkulturerbe in Lettland, Lettische Geschichte, Ort mit Seehafen, Hanse
| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. . |
Hinweis: Die Formulierung „Für ... siehe ...“ sollte vermieden werden, da sie von vielen als sprachlich unschöne Entlehnung aus dem Englischen („For ... see ...“) angesehen wird.
Begriffsklärungshinweis
![]() |
|
Ortsschild "RIGA" Bildherkunft |
Geschichte
Im Jahre 1158 gründeten deutsche Kaufleute ein Handelszentrum und Siedlungsgebiet am Unterlauf der Düna (lettisch: Daugava) am Fluss Rīdzene (daher auch der Name Rīga), der zugeschüttet wurde. Nur anhand des heutigen Verlaufs bestimmter Straßen ist die Lage dieses Flusses nachvollziehbar. Die im Jahre 1201 von Bischof Albrecht von Buxthoeven gegründete Stadt Riga war die Hauptstadt von Livland (lateinisch: Livonia). Riga war vor allem Sitz der Erzbischöfe von Riga, aber auch eine immer bedeutender werdende Handelsstadt, die der Hanse angehörte.
![]() |
|
Holzstich des Schwarzhäupterhauses Bildherkunft |
Im Rahmen der Ostkolonisation versuchten die Bischöfe vor allem Deutsche im heidnischen Gebiet anzusiedeln. Militärisch wurden sie dabei vor allem von Ritterorden unterstützt, zunächst von dem Schwertbrüderorden und nach dessen Niedergang von dem Deutschen Orden, in den der Schwertbrüderorden eingegliedert wurde. Insbesondere nach der Vertreibung der Kreuzfahrer aus Palästina begann sich der Deutsche Orden verstärkt um die Osteuropäischen Gebiete zu kümmern, vor allem Preußen, aber auch Livland. Der Deutsche Orden war eine organisatorisch eigenständige, machtvolle kirchliche Organisation, die bald als neuer Machtfaktor zu den Erzbischöfen von Riga in Konkurrenz trat. Geleitet wurde der livländische Zweig des Deutschen Ordens von einem Landmeister, der direkt dem Hochmeister (= Oberster Ordensherr) unterstand.
Die zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Erzbischöfen von Riga und dem Deutschen Orden wurden sowohl mit Waffengewalt als auch mittels Prozessen vor dem Papst ausgefochten. Die Bischöfe versuchten auch, Schutz bei nahen Staaten zu finden (wie z.B. Dänemark) aber auch beim Deutschen Kaiser. Seit der Schlacht bei Neuermühlen 1492 anerkannte der Erzbischof von Riga den Deutschen Orden als die Schutzmacht Livlands (1492-1561) und beteiligte sich auch mit einem eigenen Heereskontingent an der Schlacht am Smolinasee 1502.
Im Jahre 1522 nahm Riga die Reformation an, womit die Macht der Erzbischöfe ihrem Ende entgegenging. Letzter Erzbischof von Riga war Wilhelm von Brandenburg. Nach seiner Abdankung im Jahre 1561 war Riga zwanzig Jahre lang Freie Reichsstadt. 1581 kam die Stadt unter den Einfluss von Polen-Litauen, doch Versuche zur Gegenreformation in Riga und dem südlichen Livland scheiterten: 1621 kamen Riga und die Festung Dünamünde (Daugavgriva) unter die Herrschaft des schwedischen Königs Gustav II. Adolf, der sich in den Dreißigjährigen Krieg vor allem auch deshalb einschaltete, um die Ausbreitung des lutheranischen Protestantismus zu fördern. Im russisch-schwedischen Krieg 1656-1658 hielt Riga einer russischen Belagerung stand und blieb bis Anfang des 18. Jahrhunderts die zweitgrößte Stadt im schwedischen Herrschaftsbereich. In dieser Zeit genoss die Stadt weitgehende Selbstverwaltung. Im Jahre 1710 eroberte Zar Peter der Große im Laufe des Großen Nordischen Krieges Riga. Der Aufstieg von Russland als Großmacht in der Ostseeregion wurde durch den Frieden von Nystad im Jahre 1721 besiegelt. Riga wurde an das Zarenreich angeschlossen und war ab 1796 Hauptstadt eines russischen Gouvernements (siehe Ostseegouvernements). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Riga schrittweise zu einem der wichtigsten Häfen Russlands ausgebaut, die Bevölkerungszahl der Stadt verzehnfachte sich zwischen 1850 und 1900. Trotz russischer Herrschaft blieb sowohl die Stadtkultur als auch der Großgrundbesitz bis ins 19. Jahrhundert vom Einfluss der deutschen Oberschicht im Lande geprägt. Bis 1891 war die offizielle Amtssprache deutsch, dann wurde Russisch Amtssprache.
![]() |
|
Blick auf den Dom Bildherkunft |
![]() |
|
Dom mit Daugava (deutsch: Düna) und Rigaer Schloss Bildherkunft |
1900 waren die Einwohner zur Hälfte Deutsch-Balten und zu je einem Viertel Russen und Letten.
Der Aufstieg Rigas wurde durch den ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Die Stadt lag direkt an der Frontlinie und zur Sicherstellung der Kriegswirtschaft wurden 200.000 Einwohner (Arbeiter mit ihren Familien) für Rüstungszwecke nach Zentralrussland evakuiert.
Nach der deutschen Besetzung 1917/18 gelang es den Letten, am 18. November 1918 eine unabhängige Republik auszurufen. Die Rote Armee konnte den Anspruch der Sowjetunion gegen das von Deutsch-Balten unterstützte unabhängige Lettland nicht durchsetzen und musste sich aus dem Baltikum zurückziehen.
Riga wurde zur Hauptstadt Lettlands, am 18. März 1921 wurde hier der polnisch-sowjetische Friedensvertrag unterschrieben. Es folgt eine erneute Blütezeit in der Geschichte der Stadt. Einer ungenügenden Minderheitsgesetzgebung war es zu verdanken, dass sich im neuen lettischen Staat Deutsche, Russen, Letten und Juden nicht zu einer Gesellschaft unter lettischer Fahne vereinigten.
Gegen Anfang der 1930er Jahre ging diese Blütezeit langsam zu Ende. 1938 hatte Riga noch 385.063 Einwohner. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland wurde Lettland nicht nur von den neu aufkeimenden nationalistischen Strömungen der Sowjetunion bedroht, die eine Angliederung des ehemals russischen Territoriums forderten. Im Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 vereinbarten die beiden Diktaturen, das Baltikum und damit auch Lettland der sowjetischen Einflusssphäre zuzuweisen. Im Herbst 1939 wurden die Deutsch-Balten vorsichtshalber in das Deutsche Reich ausgesiedelt. Am 17. Juni 1940 rollten sowjetische Panzer durch Rigas Straßen und besetzten die Stadt, die nun Hauptstadt der Lettischen Sowjetrepublik wurde.
Nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 eroberten deutsche Truppen das Gebiet um Riga. In der Zeit der deutschen Besetzung von 1941 bis 1944 war Riga der Verwaltungssitz des Reichskommissariats Ostland. Auch der Generalkommissar für den Generalbezirk Lettland hatte seinen Sitz in Riga.
Die jüdische Bevölkerung, die 1933 noch 44.019 Mitglieder hatte, wurde im Rigaer Ghetto interniert, ermordet oder in andere Konzentrationslager deportiert. Im Stadtbezirk "Kaiserwald" (lettisch: Mežaparks) befand sich das KZ Riga-Kaiserwald.
![]() |
|
Domplatz Bildherkunft |
Während der kriegerischen Auseinandersetzungen um die Rückeroberung der Stadt durch die Rote Armee 1944 wurde die Altstadt Rigas (lettisch: Vecrīga) schwer beschädigt. Lettland wurde erneut von der Sowjetunion okkupiert und Riga die Hauptstadt der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
Ermutigt durch Perestroika und Glasnost erklärte die Saeima, das Lettische Parlament, 1990 die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Daraufhin ließ der damalige Generalsekretär des ZK der KPdSU und Präsident der Sowjetunion, Michail Sergejewitsch Gorbatschow, das Parlamentsgebäude in Riga zeitweilig durch sowjetische Militäreinheiten besetzen. Am 21. August 1991 erkannten sowohl die Sowjetunion als auch im gleichen Jahr der russische Präsident Boris Jelzin die Unabhängigkeit Lettlands an. Riga wurde wieder Hauptstadt eines souveränen lettischen Staates.
Sehenswürdigkeiten
![]() |
|
Marktplatz mit Roland, im Hintergrund die Petrikirche Bildherkunft |
Die Hauptsehenswürdigkeiten konzentrieren sich auf die Altstadt, die auch UNESCO-Weltkulturerbe ist. Die Altstadt ist das historische und geographische Zentrum Rigas am rechten Ufer der Düna gelegen und hat sich ihren Festungscharakter trotz der Schleifung der Befestigungsanlagen und Wälle 1857-1863 bewahren können. Die nach dem Abriss der Stadtmauer entstandenen Freiflächen wurden zu einem Stadtpark mit Stadtkanal umgestaltet, der heute die Altstadt von der Neustadt trennt.
Sehenswürdigkeiten in der Altstadt sind:
- Petrikirche
- Dom
- Schwarzhäupterhaus
- Drei Brüder
- Große und Kleine Gilde
- Okkupationsmuseum
- Rathaus
- Freiheitsdenkmal
- Rigaer Schloss
- Universität Lettlands
Sehenswert sind weiterhin auch die zahlreichen Jugenstilfassaden in der Neustadt (insbesondere in der Alberta iela und der Elizabetes iela), der Kultur- und Wissenschaftspalast sowie der 368,5 Meter hohe Fernsehturm (Televīzijas tornis) auf der Insel Zaķusala (dt. "Haseninsel").
Dünamünde (lettisch: Daugavgriva, polnisch: Dynemunt, russisch: Ust-Dwinsk) ist eine Festung. Sie liegt im gleichnamigen Stadtteil an der Mündung des Flusses Düna im Rigaischer Meerbusen.
Museen
- Museum für ausländische Kunst (Riga)
- Motormuseum
Berühmte Persönlichkeiten
- Alexander Faltin, (1819-1899), deutscher Rigaer Ratsherr, Gründer der Baltischen Monatsschrift, Initiator der Riga-Dünaburgischen Eisenbahn
- Carl Gustav Jochmann (1789–1830), deutscher Publizist
Söhne und Töchter der Stadt
- Jutta Balk, Malerin, Puppengestalterin und Mitbegründerin des städtischen Puppentheaters in Magdeburg
- Mikhail Baryshnikov, US-amerikanischer Ballett-Tänzer, Choreograph und Schauspieler
- Raivis Belohvosciks, Radrennfahrer
- Werner Bergengruen, deutscher Schriftsteller
- Ernst von Bergmann, Chirurg und Professor der Medizin
- Isaiah Berlin, politischer Philosoph und Ideengeschichtler
- Wilhelm Bockslaff, Architekt
- Vija Celmins, Malerin
- Theo Eggink, Bildhauer und Kasperschnitzer der Hohnsteiner Puppenspiele
- Sergei Michailowitsch Eisenstein, sowjetischer Regisseur
- Heinz Erhardt, Komiker, Musiker, Entertainer, Schauspieler, Dichter
- Laila Freivalds, schwedische Politikerin
- Inessa Galante, Sopranistin
- Manfred Gentz, deutscher Jurist
- Aivars Gipslis, lettischer Schach-Großmeister
- Carl Friedrich Glasenapp, russischer Staatsrat und Richard-Wagner-Biograph
- Philippe Halsman, Fotograf und berühmt für seine Portraits
- Nicolai Hartmann, deutscher Philosoph
- Erich von Holst, deutscher Biologe und Verhaltensforscher
- Artūrs Irbe, lettischer Torhüter der Eishockey-Nationalmannschaft
- Mariss Jansons, lettischer, international bedeutender Dirigent
- Gil Kane, Comiczeichner
- Ida Kerkovius, deutsche Malerin und Bildteppichweberin
- Helge Klassohn, deutscher Theologe und Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts
- John Konrads, australischer Schwimmer
- Gidon Kremer (* 1947), lettischer Violinist
- Manfred Kyber, Autor von anthroposophischen Tiergeschichten
- Edward Leedskalnin, lettischer Bildhauer und Ingenieur
- Yeshayahu Leibowitz, israelischer Religionsphilosoph und Biochemiker
- Wolfgang Lüth, U-Boot-Kommandant im 2. Weltkrieg
- Mischa Maisky (* 1948), lettischer Cellist
- Hermanis Matisons, lettischer Schachspieler
- Wera Ignatjewna Muchina, russische Bildhauerin
- Walter Neumann, deutscher Schriftsteller
- Aaron Nimzowitsch, Schachspieler und -theoretiker
- Wilhelm Ostwald, balten-deutscher Chemiker und Nobelpreisträger
- Raimond Pauls, lettischer Komponist
- Rosa von Praunheim, deutscher Filmregisseur, Mitbegründer der politischen Schwulenbewegung in Deutschland
- Friedrich Karl von Prittwitz, kaiserlich russischer Generalmajor
- Georg Schweinfurth, deutscher Afrikaforscher
- Maria Seebach, Schauspielerin
- Otto Seeck, deutscher Althistoriker
- Alexei Schirow, lettischer Schachspieler
- Henry Stolow, Briefmarkengroßhändler
- Michail Tal, lettischer-sowjetischer Schachspieler
- Magdalene von Tiling, Religionspädagogin, Politikerin (Abgeordnete der DNVP)
- Otto Hermann von Vietinghoff, Generaldirektor des allrussischen Medizinalkollegiums
- Walter Zapp, Erfinder der Kleinstbildkamera und der Marke Minox
Verkehr
Riga besitzt eine wichtige Funktion als internationaler Verkehrsknotenpunkt im Ostseeraum (Verkehrsströme zwischen Skandinavien und Osteuropa, von Mitteleuropa nach Finnland (Via Baltica) sowie innerhalb des Baltikums). So befindet sich hier der mit Abstand wichtigste Bahnhof des Landes mit Verbindungen nach Russland, Weißrussland und Litauen. Daneben befindet sich ein Busbahnhof mit Fernbusverbindungen in alle Nachbarländer und viele Länder der EU. Die Straßen Lettlands sind sternförmig auf Riga ausgerichtet. Bei Riga befindet sich der größte baltische Flughafen Riga sowie ein Fährterminal mit Verbindungen v.a. nach Skandinavien, aber auch nach Norddeutschland. Die Vororte werden durch ein S-Bahn-ähnliches System von Vorortzügen erschlossen.Literatur
- Andrej Angrick, Peter Klein Die "Endlösung" in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941-1943 Gesamtdarstellung. Darmstadt: WBG, 2006 (Reihe "Forschung". Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg) ISBN 3534191498
Weblinks
- Homepage der Stadt Riga
- Fremdenverkehrsportal
- Stadtplan von Riga
- Fotos aus Riga
- Museen, Akademien, Kunstvereine und freie Kunst in Riga - ein Überblick / artnet Magazin
bat-smg:Rīga nds:Riga roa-rup:Riga simple:Riga
Diskussion der Autoren über den Artikel: Riga
Riga war mitnichten der Sitz des "Generalkommissars für Litauen" (der saß in Kauen/Kaunas in Litauen), sondern Sitz des Generalkommissars für den Generalbezirk Lettland (Otto-Heinrich Drechsler). Ausserdem gab es noch mind. 40 weitere deutsche Dienststellen in Riga. U.a. als wichtigere von ihnen der deutsche kommissarische Oberbürgermeister und Gebietskommissar Riga-Stadt, Hugo Wittrock, ein Ex-Balte. Sjk
Beim Durchforsten der verwaisten Bilder habe ich
und gefunden. Falls diese nicht mehr gebraucht werden, bitte auf Wikipedia:Löschkandidaten/Bilder eintragen. --Raymond 16:51, 13. Jul 2004 (CEST)Wer hat die Altstadt zerstört?
- "Bei der Rückeroberung der Stadt durch die Rote Armee wird die Altstadt schwer zerstört."
- Aln nachträgliche Nebenbemerkung: Riga wurde mehr oder minder kampflos von deutschen Truppen geräumt, allerdings wurden Hafenanlage, Brücken, Elektrowerke usf. vom Kampfkommandanten der Stadt, General Ruff, vermint und beim Abzug der Wehrmacht gesprengt. Die Aufgabe Rigas geschah im Zusammenhang mit dem Rückzug der Heeresgruppe Nord Richtung der Halbinsel Kurland (Kurzeme). Sjk
Rigaer Bürger, die befreit wurden, bitte hier melden. ... Matthias, 30.07.05
- Was soll die Rhetorik? Der von A.Heidemann angesprochene Satz ist doch längst verändert. Und wenn Du, Matthias, keinen Rigaer kennst, der befreit wurde, heisst das ja noch lange nicht, dass es nicht doch welche gibt. Und selbst wenn es sie geben sollte, werden sie wahrscheinlich nicht hier diese Diskussion lesen, und falls doch, müssen sie sich erst noch überwinden und hier rein schreiben. Also - wie wäre es, einfach anderer Leute Gedanken als solche zu akzeptieren ohne gleich ironisch zu werden? --Exxu (Exxu) 00:55, 1. Aug 2005 (CEST)
Andere Punkt noch die Formulierung an sich: "schwer zerstört". Entweder zerstört oder nicht, besser "schwer beschädigt", oder? --212.248.123.125 12:51, 2. Feb 2006 (CEST). Signatur nachgetragen --Exxu 13:17, 2. Feb 2006 (CET)









