Der Artikel Sestine gehört zur Kategorie: Lyrische Form
Sestine ist eine aus sechs Strophen bestehende Gedichtform zu je sechs im Deutschen jambischen Verszeilen. Besonderheiten: Die Reimwörter der ersten Strophe werden durch sämtliche Strophen in festgelegter Folge beibehalten - wenn man die Reimwörter einer Strophe mit 1-6 nummeriert, dann kommen sie in der darauffolgenden Strophe in dieser Reihenfolge vor: 6,1,5,2,4,3; die übernächste Strophe enthält diese Reimwörter dann in der Folge 3,6,4,1,2,5. An die sechs Strophen schließt sich eine dreizeilige Coda an, in der sämtliche Reimwörter in der ursprünglichen Reihenfolge der ersten Strophe noch einmal (zwei pro Zeile) wiederkehren.
Als Erfinder dieser Form gilt Arnaut Daniel, ein mittelalterlicher Trobador, der damit im Mittelalter und Frühhumanismus besonders in Italien, unter anderem in Dante Alighieri und Francesco Petrarca, Nachahmer fand.
Deutsche Vertreter: Martin Opitz, Andreas Gryphius, Ludwig Uhland, Friedrich Rückert
Beispiel:
- Wenn durch die Lüfte wirbelnd treibt der Schnee,
- Und lauten Fußtritts durch die Flur der Frost
- Einhergeht auf der Spiegelbahn von Eis;
- Dann ist es schön, geschirmt vorm Wintersturm,
- Und unvertrieben von der holden Glut
- Des eignen Herds, zu sitzen still daheim.
- O dürft ich sitzen jetzt bei der daheim,
- Die nicht zu neiden braucht den reinen Schnee,
- Die mit der sonn'gen Augen sanfter Glut
- Selbst Funken weiß zu locken aus dem Frost!
- Beschwören sollte sie in mir den Sturm,
- Und tauen sollte meines Busens Eis.
- Erst muß am Blick des Frühlinges das Eis
- (...)
- Mit Blütenschnee schmückt sich der kahle Frost,
- Das Eis wird Lichtkristall und Wohllaut Sturm,
- Wo ich voll Glut zu dir mich denke heim.
- Fr. Rückert: Sestine (aus den italienischen Gedichten)
Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Sestine und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).

