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Otto, Rolle
Der Artikel Sozialdemokratie gehört zur Kategorie: Sozialdemokratie, Staatsphilosophie
Sozialdemokratie ist die Bezeichnung für eine internationale Bewegung, die mit Hilfe eines demokratischen Staates und sozialer Gesetze eine freiheitliche und sozial gerechte Gesellschaft schaffen möchte. Bis etwa Anfang der Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts gehörte auch die Verstaatlichung der Produktionsmittel (teilweise heute noch immer) zu den Zielen der Sozialdemokratischen Bewegung - ein Ziel, das in Deutschland mit dem Godesberger Programm der SPD 1959 aufgegeben wurde. Der Begriff Sozialdemokratie und die entsprechenden Ableitungen sind in Deutschland durch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands rechtlich geschützt.
Politischer Standort
Die Sozialdemokratie unterschied sich zunehmend ab Beginn des 20. Jahrhunderts von kommunistischen Bewegungen dadurch, dass sie die sozialen Probleme nicht durch eine Revolution der Arbeiterklasse, sondern durch demokratische Reformen zu lösen versuchte und versucht. Entsprechende in Deutschland insbesondere von Eduard Bernstein ab den späten 1890er Jahren vertretene Thesen (vgl. Revisionismustheorie) setzten sich nach und nach in der Sozialdemokratie gegen die zunächst noch revolutionär gesinnte Mehrheit bis spätestens nach dem Ersten Weltkrieg durch. Dabei steht die Sozialdemokratie in einigen Ländern dem Linksliberalismus nahe, der allerdings dem Staat nicht - wie die Sozialdemokratie - die entscheidende Rolle bei der Lösung politischer Probleme zuweist. In ihren Anfangszeiten orientierte sich die Sozialdemokratie auch stärker an gesellschaftlichen Klassenstrukturen, insbesondere an der damaligen Arbeiterklasse. Von Kommunisten wurde der Sozialdemokratie wegen des Verzichts auf die Revolution, der Kompromissbildung mit den bürgerlich herrschenden Schichten und der zeitweiligen Zusammenarbeit mit konterrevolutionären auch rechtsextremistischen Militärs beispielsweise bei der gewaltsamen Zerschlagung der Novemberrevolution 1918/19 in Deutschland, immer wieder "Verrat" an der Arbeiterklasse vorgeworfen. Andererseits wurde die Sozialdemokratie von rechts stehenden Kreisen oft mit den Kommunisten gleichgesetzt, ihre demokratische Prägung als Tarnung diffamiert.Deutschland
Geschichte der deutschen Sozialdemokratie
Die Sozialdemokratie in Deutschland hatte ihre Anfänge in der gescheiterten Märzrevolution von 1848. Zu dieser Zeit entstanden die ersten Arbeitervereine, die jedoch noch keine nachhaltige politische Wirkung erzielen konnten und 1854 verboten wurden. 1863 gründete Ferdinand Lassalle in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). 1869 wurde die am Marxismus orientierte Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) in Eisenach durch August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegründet, die sich 1875 mit dem ADAV zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) zusammenschloss. Die SAP benannte sich 1890 - nach der Aufhebung der zwölf Jahre bestehenden Sozialistengesetze - in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) um. Trotz der Bekämpfung der Sozialdemokratie durch Reichskanzler Otto von Bismarck, zum Beispiel mit den Sozialistengesetzen, durch die zwischen 1878 und 1890 sozialdemokratische Aktivitäten außerhalb des Reichstags verboten waren, wurde sie bis 1912 zur stärksten politischen Kraft in Deutschland. Die SPD unterstützte mit der Burgfriedenspolitik die Kriegsanstrengung des Kaiserreiches. Viele Sozialdemokraten sahen dabei in der Kriegswirtschaft einen Schritt in Richtung Sozialismus. Im Zuge von Niederlage und Novemberrevolution kam die SPD 1918 an die Macht. Ihr linker Flügel hatte sich während des Krieges aus Protest gegen die Burgfriedenspolitik der Mutterpartei, als USPD (Unabhängige SPD) von der SPD abgespalten. Als es im Zuge der Novemberrevolution Ende 1918/Anfang 1919 zur Gründung der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) kam, hatte sich die deutsche Sozialdemokratie endgültig in zwei verschiedene Parteien gespalten: Eine reformorientierte SPD und eine revolutionär-sozialistische bzw. kommunistische Partei. Auch in anderen Staaten war es nach der Oktoberrevolution von 1917 in Russland, bei der Kommunisten die Macht erobert hatten, zu kommunistischen Abspaltungen von der Sozialdemokratie in Form kommunistischer Parteien gekommen. Während der Weimarer Republik war die SPD größte demokratische staatstragende Partei. Die SPD-Fraktion lehnte als einzige Reichstagsfraktion trotz massiver Drohungen der Nationalsozialisten 1933 das Ermächtigungsgesetz ab. Sie wurde wie alle anderen Parteien auch, von den Nationalsozialisten 1933 verboten. Viele ihrer Mitglieder und Anhänger wurden verhaftet, in Konzentrationslagern interniert oder gingen ins Exil. Die im Lande Verbliebenen bekämpften die Diktatur des deutschen Faschismus aus dem Untergrund.Nach dem Krieg übernahm die SPD in der Bundesrepublik Deutschland zunächst die Oppositionsrolle, ab 1966 auch Regierungsverantwortung, zunächst in einer großen Koalition mit der CDU/CSU und ab 1969 zuerst unter Bundeskanzler Willy Brandt, seit 1974 unter Helmut Schmidt, in einer sozialliberalen Koalition. In der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, war es 1946 zur Zwangsvereinigung der SPD mit der KPD zur SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) gekommen, die in der DDR bis 1989 zur regierenden Staatspartei wurde.
siehe auch: Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Aktuelle Lage
Durch die im Godesberger Programm vollzogene Abkehr vom Marxismus öffnete sich die SPD für neue Wählergruppen und spricht als Volkspartei breite Schichten der Bevölkerung an. Hinzu kommt, dass sich die soziale Lage der Arbeiterschaft in der Bundesrepublik Deutschland sich über die Jahrzehnte wesentlich verbessert hat. Insbesondere die von der SPD forcierte Bildungsexpansion der siebziger Jahre hat dazu geführt, dass auch Arbeiterkinder zu höheren Bildungsabschlüssen kommen. Der soziale Aufstieg weiter Teile der Arbeiterschaft verstärkt den Trend, dass Wählerschaft und Parteibasis der SPD zunehmend auch aus der Mittelschicht stammen. Aufgrund der zunehmenden Auflösung traditionell sozialdemokratischer Facharbeitermilieus befindet sich die SPD zurzeit in einer programmatischen und personellen Umbruchphase (Neue Mitte). Von der Politik ihrer Partei enttäuschte ehemalige Sozialdemokraten schlossen sich einer Anfang 2005 neu gegründeten Partei, der WASG an. Für die Bundestagswahl 2005 ging diese Partei ein Wahlbündnis mit der PDS ein. Die Liste der Die Linkspartei.PDS, zu der sich die PDS umbenannt hatte, erreichte unter ihren Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine (ehemals SPD, seit Juni 2005 WASG) und Gregor Gysi (Linkspartei.PDS) bei der Wahl am 18. September 8,7 % der Wählerstimmen, und bildet damit eine wieder erstarkte Kraft links von der SPD im Deutschen Bundestag.Internationalismus
Die Sozialdemokratie sah sich von Anfang an nicht an eine einzige Nation gebunden, sondern hatte stets den Anspruch, eine internationale Bewegung zu sein. Die Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914 durch die SPD-Fraktion im deutschen Reichstag stand im scharfen Gegensatz zu dieser Tradition und hatte entscheidenden Anteil an der Auflösung der 2. Internationale. Sozialdemokratische und gemäßigt sozialistische Parteien sind weltweit in der Sozialistischen Internationale zusammengeschlossen, deren Vorläuferorganisation schon 1889 in Paris gegründet worden war. Die Sozialdemokratische Partei Europas ist als Fraktion im Europaparlament vertreten.Österreich
Die SDAPÖ (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs) wurde 1888 gegründet und war bis in die 1930er Jahre von marxistischen Ansätzen geprägt. Innerhalb der Partei gab es zwei Flügel:- der sozialdemokratische Flügel war der gemäßigtere linksliberale Flügel der SDAPÖ und stand für einen Wohlfartsstaat, liberale Demokratie und für einen festgelegten Mindestlohn für die Arbeitnehmer.
- der austromarxistische Flügel war von revolutionären Ideen geprägt. Den Kommunismus lehnte sie aber ab. Dieses Spannungsverhältnis beschreibt Norbert Leser in seinem als Klassiker geltenden Buch "Zwischen Reformismus und Bolschewismus", 1968; 2. Aufl. d. zentralen Teiles 1985.
Nach dem Verbot 1934 der SDAPÖ im austrofaschistischen „Ständestaat“ und der Zeit des Nationalsozialismus (1938-1945) wurde sie 1945 als Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ, seit 1992: Sozialdemokratische Partei Österreichs) wieder gegründet.
Die SPÖ lehnt im Gegensatz zu anderen sozialdemokratischen Parteien den Wirtschafts- bzw. Neoliberalismus ab.
Seit dem 1.Oktober 2006 ist sie nach 6 Jahren wieder stärkste Fraktion im Parlament. Außerdem hatten sie bei der Nationalratswahl die Wählergunst der Arbeiter wieder zurückerobert.Eine der Forderungen der Sozialdemokraten ist zum Beispiel eine Grundsicherung für Arbeiter/Arbeitnehmer in der Höhe von 800€, welche zwar Hartz IV ähnelt, jedoch im Prinzip eher sozialdemokratisch als neoliberal erscheint.
Schweiz
Bevor es zur Gründung der heutigen Sozialdemokratischen Partei kam, wurden im 19. Jahrhundert verschiedene Arbeiterorganisationen, so zum Beispiel der Schweizerische Gewerkschaftsbund 1880 und mehrere sozialdemokratische Parteien in der Schweiz gegründet. Diese Arbeiterparteien hatten aber meist nur kurz Bestand, bis dann am 21. Oktober 1888 der Schweizerische Arbeitertag die Gründung der SPS beschloss. Der Berner Albert Steck verfasste das der Demokratie verpflichtete Parteiprogramm, welches revolutionären Bestrebungen absagte, und der ebenfalls aus Bern stammende Alexander Reichel wurde zum ersten Parteipräsidenten gewählt.
Zwei Jahre nach der Gründung der Partei wurde Jakob Vogelsanger als erster Sozialdemokrat in den Nationalrat gewählt. Das gemässigte Parteiprogramm wurde 1904 am Aarauer Parteitag durch ein von Otto Lang verfasstes marxistisches Programm ersetzt.
Heute ist sie (Sozialdemokratische Partei der Schweiz) die zweitgrößte Fraktion im schweizer Parlament. Wie die SPÖ lehnt sie eine Öffnung zum Neoliberalismus ab.
Siehe auch
- Sozialismus, Sozialistische Partei, Sozi
- Sozialdemokratische Partei Österreichs
- Sozialdemokratische Partei der Schweiz
- Internationaler Frauentag
- Demokratie, Sozial
- Liste sozialdemokratischer Parteien
Diskussion der Autoren über den Artikel: Sozialdemokratie
Fordert die Sozialdemokratie tatsaechlich noch die Verstaatlichung der Produktionsmittel? (Matthias)
- Nein, natürlich nicht. Danke für den Hinweis, Artikel korrigiert... Ulrich.fuchs
In ihren Anfangszeiten orientierte sich die Sozialdemokratie auch stärker an gesellschaftlichen Klassenstrukturen, insbesondere an der damaligen Arbeiterklasse, die heute in den modernen Industriestaaten so - als potenzielle revolutionäre Klasse - nicht mehr existiert. Zumindest hat sich im Lauf des 20. Jahrhunderts in den entsprechenden Staaten die soziale und ökonomische Lage der Arbeiter entscheidend verbessert.
Mit Arbeiterklasse sind natürlich nicht nur Arbeiter gemeint sondern Arbeitnehmer. Die "Arbeitnehmerklasse" wird heute natürlich zunehmend wieder darauf verwiesen, dass sie es nicht verdient hat, im Laufe des 20. Jahrhunderts ihre Situation verbessert zu haben. Einige werden es noch erleben, wozu der Kapitalismus fähig ist. Die Zeit der Regression ist gekommen.
Deutschland lastig
Der Artikel behandelt fast nur die Situation der Sozialdemokratie in Deutschland und damit die SPD. Er sollte allgemeiner geahlten werden, z.B. die SPÖ einschliessen. --SoWhy 19:33, 28. Mär 2005 (CEST)
WInston Churchill
Ich finde den Artikel sehr interessant. Ich habe gehört das WInston Churchill sich bezüglich Sozialdemokratie auch geäußert hat, finde etwaiges aber nirgends. Könnt ihr bitte helfen?
Internationalismus
Der Teil zum Kriegsfall ist bisher ungenau formuliert gewesen. Schließlich hat die Sozialdemokratie weder in Deutschland noch weltweit im Kriegsfall stets die internationale Solidarität aufgekündigt (siehe 2. WK). Deshalb sollte das präzisiert werden!
- Ja aber es war ja im 1sten Weltkrieg so, dass sich in den Sozialdemokratischen Parteien die nationalen Flügel durchgesetzt haben und mehr das Nationale vor dem Internationalen kam. Im 2ten Weltkrieg war es anders, aber das war auch kein Kampf zwischen Nationen wie der 1ste sondern eher zwischen Ideologien. So wie ich es verstanden habe,, wurde die internationale Solidarität nicht aufgekündigt, sie wurde nur nicht mehr praktiziert da im 1WK die Nation mehr als das Internationale war. So kann man dann auch das Zitat von Ebert: "Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich", sehen, das ja auch die Mehrheit der Parteibasis wiederspiegelte. (siehe auch der Wikipedia Artikel zu Ebert.--Japan01 00:24, 20. Aug 2005 (CEST)

