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Der Artikel Tetrodotoxin gehört zur Kategorie: Chemische Verbindung, Alkaloid, Nervengift, Chemiebox fehlt
Das Tetrodotoxin (kurz TTX) ist ein Nervengift, bei dem es sich um ein Alkaloid aus der Imidazolan- und Pyrimidingruppe handelt. In Aceton ist es löslich, in Wasser nur schlecht. Es wurde in der Natur bei den verschiedensten Tieren gefunden. Vor allem bei den Kugelfischen, Igelfischen und anderen Familien der Tetraodontiformes - woher der Name rührt - ist es bekannt. Aber auch bei den Westamerikanischen Wassermolchen (Taricha sp.), den Stummelfußfröschen (Atelopus sp.), einigen Krebsen, Schnecken und Seesternen wurde es gefunden. Selbst unter den Kraken ist ein Träger dieses Gifts vertreten, und zwar Hapalochlaena maculosa (Synonym: Octopus maculosus) die zu der Gattung Blaugeringelter Krake zählt. TTX ist auch unter den Namen Tarichatoxin (isoliert von Taricha sp.) und Maculotoxin (isoliert von Hapalochlaena maculosa) bekannt.
Bildung
Tetrodotoxin konnte erstmals 1950 aus Ovarien von Kugelfischen isoliert werden, wobei die Isolierungsversuche bereits seit 1909 andauerten. 1963 konnte von Kyosuke Tsuda und T. Goto erstmals die Struktur des Tetrodotoxins aufgeklärt werden. Die Biosynthese des Tetrodotoxins ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Aufgrund der enormen Vielfalt der bekannten TTX enthaltenden Organismen wird angenommen, dass die Tiere es nicht selbst bilden sondern es durch Aufnahme aus "externen Quellen" erhalten. Bisher nachgewiesene Bakteriengattungen die TTX produzieren und somit als Quellen dienen könnten sind u.a. Pseudomonas, Vibrio und Pseudoalteromonas haloplanktis (u.a. auch Alteromonas halopklanktis benannt). So wurde von der Haut des Kugelfisches Fugu poecilonotus ein Bakterium der Gattung Pseudomonas isoliert. Weitere Beispiele sind das Bakterium Vibrio fischeri, gefunden bei der Olivgrünen Steinkrabbe (Atergatis floridus) und Vibrio alginolyticus isoliert von dem Kugelfisch Fugu vermicularis vermicularis. Beide Bakterienarten produzieren TTX. Dies verstärkt die Vermutung, das TTX von den Tieren nicht selbst produziert wird, sondern es durch Aufnahme der Bakterien oder durch eine Symbiose mit diesen Organismen erhalten.Wirkung
Tetrodotoxin blockiert spannungsaktivierte Natriumkanäle in Neuronen. Dadurch können keine Aktionspotentiale mehr ausgelöst werden. Das heißt, jegliche Nerven- und Muskelerregung ist unterbunden. Die Folge sind motorische und sensible Lähmungen. Tetrodotoxin zählt zu den stärksten Nicht-Protein-Giften und wird hinsichtlich seiner Toxizität nur von wenigen anderen Giften wie beispielsweise Maitotoxin übertroffen. Die tödliche Dosis von Tetrodotoxin beträgt etwa 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei der biologischen und neurologischen Forschung wird TTX gern verwendet, um im Experiment selektiv Natriumkanäle zu blockieren.Die Symptome der Vergiftung nach einer Aufnahme des Giftes (etwa beim Verzehr des Fugu) beginnen innerhalb einer recht kurzen Zeit von etwa 45 Minuten. Der Patient zeigt diverse Lähmungserscheinungen, darunter die Lähmung der Skelettmuskulatur und somit auch der Atemmuskulatur, des weiteren fallen Koordinations- und Wahrnehmungsprobleme auf. Eine Beatmung und die orale Gabe medizinischer Kohle kann helfen. Wenn der Patient die ersten 24 Stunden nach Aufnahme des Giftes überlebt, sind die Prognosen sehr gut.
Beispiel: Bei Konsum der letalen Dosis von 0,5 bis 1 Milligramm auf oralem Wege tritt die tödliche Wirkung erst nach einem gewissen Zeitraum ein, so dass eine Rettung der Opfer meist noch möglich ist. Wird das Gift jedoch intravenös injiziert, so wird in Folge schneller Ausbreitung das gesamte Nervensystem lahmgelegt und der Betroffene erliegt nach kurzer Zeit einer Atemlähmung.
Nutzung durch den Menschen
Da Tetrodotoxin in sehr geringen Mengen eine schmerzlindernde Wirkung zeigt, wird es auch für den Einsatz in Krebstherapien in Betracht gezogen.Desweiteren wird Tetrodotoxin auch in gewissen Kulten genutzt. Siehe: Zombie, Voodoo.
Literatur
- Kyosuke Tsuda: Tetrodotoxin, Giftstoff der Bowlfische - Naturwissenschaften 53(7), S. 171-176 (Januar, 1966). ISSN 0028-1042
- Gerhard G. Habermehl und Hans Chr. Krebs: Gifttiere und ihre Waffen - Naturwissenschaften 73(2), S. 459 - 470 (August, 1986). ISSN 0028-1042
- D. F. Hwang, O. Arakawa, T. Saito, T. Noguchi, U. Simidu, K. Tsukamoto, Y. Shida and K. Hashimoto: Tetrodotoxin-producing bacteria from the blue-ringed octopus Octopus maculosus - Marine Biology 100(39), S. 327-332 (1989). ISSN 0025-3162
Weblinks
Diskussion der Autoren über den Artikel: Tetrodotoxin
hallo zusammen!
bei meiner suche im netz nach tieren die tetrodotoxin bilden können, stoße ich immer wieder auf ungereimtheiten bezüglich der herkunft dieses giftes. einmal wird lapidar davon geredet, dass es in organen bestimmter tiere vorkommt. eine sehr unbefriedigende und unpräzise auskunft - wichtig zwar wenn man unbedingt ne portion fugu verdrücken will, aber wissenschaftlich gesehen unbrauchbar. weitere recherchen meinerseits haben ergeben das es von einigen pseudomonas-arten sythetisiert werden soll, welche die fische mit der nahrung aufnehmen. leider ist das auch "nur" eine aussage die sich nicht auf eine verbürgte quelle bezieht. kann mir da ggf. jamand weiterhelfen? ich schaue die tage nochmal vorbei.
hi! In Gefangenschaft aufgezogene Kugelfische produzieren weniger Tetrodotoxin als wildlebende. Darüber hinaus kommt dieses Gift in vielen verschiedenen Tieren vor. Beides spricht dafür, dass das Tetrodotoxin von einem mit dem Kugelfisch in Symbiose lebenden Mikroorganismus produziert wird. Der Weg der Biosynthese ist bislang aber ungeklärt und die Idee mit dem Symbionten stellt nur eine Hypothese dar. Schöne Grüße
Nur peripheres Nervengift
Zitat: "Koordinations- und Wahrnehmungsprobleme [...], die durch die Lähmung von Hirnnerven hervorgerufen werden"
Ich denke, diese Aussage ist falsch. Das Molekül ist ein Zwitterion, welches nicht durch die lipophile Blut-Hirn-Schranke gelangen kann. Das steht auch nochmal im Artikel Kugelfisch:
"Es wirkt nur auf die Körpernerven, nicht auf das Gehirn -- die Opfer werden vollständig gelähmt und können sich weder bewegen noch sprechen, bleiben aber bei Bewusstsein. Sie sterben an durch die Lähmung bedingtem Atemstillstand und folgender Erstickung oder an Herzstillstand."
Überarbeitung
"Das Tetrodotoxin (kurz TTX) ist ein Nervengift, welches vor allem beim Kugelfisch, Igelfisch, Sonnenfisch aber auch bei Blaugeringelten Kraken (Hapalochaena spec.) oder dem kalifornischen Molch Taricha torosa vorkommt. Die Tiere bilden es jedoch nicht selbst, sondern es ist in den Algen enthalten, die sie fressen; sie selbst sind resistent dagegen."Das sind die ersten beiden Sätze. Blaugeringelten Kraken und ein Molch fressen Algen und nehmen dadurch Tetrodotoxin auf. Vegetarische Kraken und Amphibien gibt es meines Wissens nicht. --Haplochromis 17:09, 17. Aug 2006 (CEST)
- Ja das reichert sich durch die Nahrungskette an, ich werd das bei Gelegenheit verbessern --Chb 18:27, 17. Aug 2006 (CEST)
- Ich habe jetzt nochmal nach Primärproduzenten von Tetrodotoxin gesucht. In einer Doktorarbeit fand ich folgendes: 1986/87 konnte aus Kulturen der Spezies Pseudomonas ... , Alteromonas ... und Vibrio ... Tetrodotoxin ... isoliert werden, und von der Haut des Pufferfisches Fugu poecilonotus wurde ein Bakterium des Typs Pseudomonas ... isoliert. Ich werde der Sache anahnd der zitierten Literatur nochmal nachgehen und ggf. den Artikel bearbeiten, Grüße, --Kogge 12:40, 13. Sep 2006 (CEST)
- Tetrodotoxin wird von dem Bakterium Pseudoalteromonas haloplanktis gebildet. Quelle W.E. Engelmann: Zootierhatung, Fische, Seiten 810 und 814. --Haplochromis 15:05, 13. Sep 2006 (CEST)
- Aber auch von Vibrio fischeri und anderen. Bitte lass mir Zeit, habe schon dran gearbeitet und wollte eben den Artikel abspeichern, musste aber feststellen das du ihn schon bearbeit hast. Ich muss jetzt leider weg, heute Abend werde ich meinen Senf dazugeben. --Kogge 16:36, 13. Sep 2006 (CEST)
Zum herbeiführen eines Zobmieähnlichen Zustandes
In dem Artikel über "Zombie" wird gesagt, dass durch gabe von TTX eine art "tod" eintritt, was dann mit gabe von Atropin als Gegengift, in den Zobmbiezustand versetzen soll. Nun frage ich mich wenn TTX die Na-Kanäle blockeirt, also es zu keiner Reizübertragung kommt, Atropin als "gegengift" wirken soll, wenn Atropin selbst als Acetylcholinrezeptorblocker die Reizweiterleitung verhindert? Hab ich da was nicht verstanden oder ist das ein fehler der im Artikel über Zombies steht, eigentlich zitiert der Autor da ja auch nur aus einem Buch? ich würd mich freuen wenn ich dazu mal einige Meinungen bekäme die meine Frage dann beantworten könnte....


