Wikipedia GNU FDL Artikel anzeigen Artikel bearbeiten
 
Tridentinische Messe

Toplinks zu diesem Thema:
Gruppen, Schreiben, Kommission, Latein, Sprache, Verlag, Website



Der Artikel Tridentinische Messe gehört zur Kategorie: Liturgie (römisch-katholisch)
Abbildung
Das Stufengebet zu Beginn einer Tridentinischen Messe
Bildherkunft

Als Tridentinische Messe wird die Feier der Heiligen Messe im Römischen Ritus gemäß dem Römischen Messbuch von 1570 oder einer der nachfolgenden Ausgaben bis einschließlich der von 1962 bezeichnet. Innerhalb der römisch-katholischen Kirche wird bei solchen Feiern allein letztere Fassung („1962er-Ritus“) gebraucht, die die Liturgiereform durch Papst Pius XII. einschließt. Die Bezeichnung „tridentinisch“ leitet sich vom Konzil in Trient, dem Concilium Tridentinum, ab.

Geschichte

In Folge des Konzils von Trient wurden unter Papst Pius V. das Missale Romanum als verbindliches Messbuch für die ganze Kirche des Römischen Ritus herausgegeben. Es wurde jedoch auch in diesem die Verwendung aller Riten weiter zugelassen, die zum damaligen Zeitpunkt älter als 200 Jahre waren, z. B. Diözesan- und Ordensliturgien.

Laut der Bulle Quo primum tempore von Papst Pius V. vom 14. Juli 1570 wurden dazu die ältesten damals verfügbaren Handschriften und Messbücher herangezogen, um Fassung "nach der Norm der Väter", d. h. der Kirchenführer und Theologen der Zeit vor den Wirren der Reformation, wiederherzustellen. Inhaltlich handelt es sich bei dem von Papst Pius V. veröffentlichten Missale Romanum um eine leicht korrigierte Neufassung des Missale curiale von 1472.

Ein Ziel der Vereinheitlichung und der verbindlichen Festlegung der Liturgie war es, protestantische Einflüsse fernzuhalten.

Die Liturgie wurde von den nachfolgenden Päpsten den Erfordernissen der jeweiligen Zeit angepasst, beispielsweise neue Feste in den Jahreskreis eingebunden und entsprechende Messformulare geschaffen. Die gleich bleibenden Teile der heiligen Messe (Ordo missae) blieben dabei bis 1970 praktisch unverändert. Die Veränderungen beziehen sich auf die sogenannten Propriumsteile, also auf die veränderlichen Teile der Messe. Neue, überarbeitete Ausgaben des Missale Romanum wurden beispielsweise 1604,Nachweis auf www.catholicliturgy.com 1634,Nachweis auf www.catholicliturgy.com 1888, 1920, 1955 und 1962 veröffentlicht. Die tiefgreifenste Änderung des Missale Romanum nach der Ausgabe von 1570 und vor der Liturgiereform des 2. Vaticanums (Missale Romanum von 1970) war die unter Papst Pius XII. durchgeführte Neuordnung der Liturgie der Osternacht und der Karwoche.

Gliederung

  • Vorbereitungsgebet
Asperges
Stufengebet (vor den Altarstufen, und bevor der Priester tatsächlich an den Altar tritt)
Psalm (Júdica)
Schuldbekenntnis (Confiteor)

  • Gebetsgottesdienst
Introitus
Kyrie
Gloria
Oratio

  • Lehrgottesdienst
Epistola oder Lectio (Lesung)
Zwischengesänge (Graduale, Allelujalied, Tractus, Sequenz)
Evangelium
Credo (Glaubensbekenntnis)

  • Opfervorbereitung
Offertorium
Opferung des Brotes
Opferung des Kelches
Selbstaufopferung
Anrufung des Heiligen Geistes
Lavabo (Händewaschung)
Aufopferungsgebet zur allerheiligsten Dreifaltigkeit
Orate, fratres (Betet, Brüder)
Secreta (Stillgebet)

  • Opferhandlung
Præfatio
Sanctus-Benedictus
CANON MISSÆ
Empfehlung der Opfergaben und Gedächtnis der Kirche
Gedächtnis der Lebenden
Gedächtnis der Heiligen
Bitte um Annahme der Opfergaben
Bitte um Verwandlung der Opfergaben
Verwandlung des Brotes
Verwandlung des Weines
Gedächtnis des Erlösungswerkes Christi
Bitte um Annahme des Opfers
Bitte um unsere Einigung mit dem Opfer Christi
Gedächtnis der Toten
Bitte um Gemeinschaft mit den Heiligen
Feierlicher Lobpreis Gottes

  • Opfermahl
Pater noster (Vater Unser; Abschluss des Canons)
Embolismus (Weiterführung der letzten Vaterunser-Bitte)
Brotbrechung und Vermischung der heiligen Gestalten (dabei wird ein kleiner Partikel der Hostie in den verwandelten Wein getaucht)
Agnus Dei
Friedensgebete
Letzte Bitten vor Empfang der Kommunion
Kommunion des Priesters
Kommunion der Gläubigen
Communio
Postcommunio

  • Entlassung
Ankündigung der Entlassung
Bitte um Annahme des Opfers
Segen
Schlussevangelium (Aus dem Johannesevangelium. Meist wird der Anfang des Johannesevangeliums verwendet: „Am Anfang war das Wort …“ usw.)

Arten der Tridentinischen Messe

Es gibt verschiedene Arten der Tridentinischen Messe:

  • Hochamt (Missa In Cantu): der zelebrierende Priester singt die in der Rubrik für ihn vorgesehenen Teile. Das Hochamt kann zwei Ausformungen annehmen:
    • Missa Solemnis: ein Hochamt, bei der der zelebrierende Priester von einem Diakon und einem Subdiakon unterstützt wird (wird auch als „Levitenamt“ oder „levitiertes Hochamt“ bezeichnet). Seit 1955 ist dabei für die Messen der Karwoche auch eine Sonderform, die „Missa cum Diacono“ (also ohne Subdiakon) zulässig, die vorher nur in einigen Ordens-Sonderriten, z.B. dem Kartäuser-Ritus, vorkam.
    • Missa Cantata: ein Hochamt, das der Priester ohne die Unterstützung eines Diakons und Subdiakons zelebriert.
  • Stille Messe (Missa Lecta) – der zelebrierende Priester liest die gesamte Messe. Er wird dabei nicht von einem Diakon und Subdiakon unterstützt.
  • Pontifikalamt (Missa Pontificalis): eine Missa Solemnis, die von einem Bischof oder einem das Privileg der Pontifikalien genießenden Priester zelebriert wird. Diesem wird stets durch einen Diakon und einen Subdiakon assistiert, außerdem steht dem Zelebranten ein „Presbyter assistens“ zur Seite. Dieser kann jedoch u.U. auch entfallen.
  • Requiemmesse (Missa Pro Defunctis)
  • Missa Conventualis
  • Missa Capituli

Liturgiereform

Nachdem Papst Paul VI. die Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils ausführte und am Gründonnerstag, dem 3. April 1969 die Veröffentlichung einer neuen Messordnung mit einer neuen Ausgabe des Missale Romanum angeordnet hatte, wurde die tridentinische Messordnung faktisch abgeschafft und die Zelebration von Messen gemäß der „alten“ Messordnung von vielen Bischöfen untersagt. Die neue Messordnung brachte eine Vereinfachung des Ablaufes; neu eingeführt wurde die Erlaubnis, die Messe in der jeweiligen Volkssprache zu halten, was seither faktisch zur bestimmenden Praxis geworden ist. Zudem wurde im Missale Romanum für etliche Teile der Messe – besonders das Hochgebet – mehrere Formulare zur Auswahl gleichwertig nebeneinander zugelassen.

Mehr zur Liturgiereform: Sacrosanctum Concilium und Römischer Ritus

Tridentinische Messe heute

Abbildung
Für die Feier einer Messe nach Tridentinischen Ritus vorbereiteter Hochaltar
Bildherkunft

Während der Tätigkeit der Liturgiekommission entstand eine Gegenbewegung, aus der sich später traditionalistische Gruppen formierten. Bekannt wurde vor allem die 1970 unter Erzbischof Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X., die den heutigen Römischen Ritus ablehnt und Messen ausschließlich gemäß dem Tridentinischen Ritus feiert. Die Katholische Kirche beurteilt das Verhalten von verschiedenen Mitgliedern der Piusbruderschaft als schismatisch. Sie hat die Priester der Bruderschaft suspendiert und ihnen somit verboten, Messen zu feiern und Sakramente zu spenden.

Da es einige Priester und Gläubige gab, die weiterhin den tridentinischen Ritus bevorzugten, gestattete Papst Johannes Paul II., nach einer Umfrage der Gottesdienstkongregation im Jahr 1981, den Diözesanbischöfen, diesen Priestern und Gläubigen die Genehmigung zu erteilen, sogenannte Indultmessen nach dem Römischen Messbuch von 1962 zu feiern. Das Schreiben Quattuor abhinc annos der Kongregation für den Gottesdienst vom 3. Oktober 1984 erlaubt den Diözesanbischöfen, eine solche Genehmigung unter folgenden Bedingungen zu erteilen:

  • Priester und Gläubige, die eine solche Genehmigung erhalten möchten, müssen öffentlich und ohne Zweifel klarstellen, dass sie nicht die Legitimität und die Exaktheit der Glaubenslehre des von Papst Paul VI. promulgierten Römischen Messbuches in Frage stellen.
  • Diese Messen nach dem tridentinischen Ritus dürfen nur für solche Gruppen angeboten werden, die darum ersuchen. Die Messfeier darf nur in Kirchen und Kapellen stattfinden, die der Bischof für angebracht hält (allerdings nicht in Pfarrkirchen, außer der Bischof erlaubt dies in außergewöhnlichen Fällen). An welchen Tagen und unter welchen Bedingungen diese stattfinden kann, wird vom jeweiligen Bischof festgelegt.
  • Diese Messfeiern müssen gemäß dem Messbuch von 1962 und in Latein stattfinden.
  • Es dürfen nicht Texte verschiedener Messbücher vermischt werden.
  • Der Bischof muss die Kongregation über von die von ihm an solche Priester und Gläubige gemachten Zugeständnisse informieren.

Weiterhin veröffentlichte Papst Johannes Paul II. am 2. Juli 1988 das Motu Proprio Ecclesia Dei, in dem er alle Katholiken, die bisher in irgendeiner Weise mit Bewegung des Erzbischofs Marcel Lefebvre in Verbindung standen, auffordert, diese nicht weiter zu unterstützen. Er bietet „all jenen katholischen Gläubigen, die sich an einige frühere Formen der Liturgie und Disziplin der lateinischen Tradition gebunden fühlen“ an, ihnen „die kirchliche Gemeinschaft leicht zu machen, durch Maßnahmen, die notwendig sind, um die Berücksichtigung ihrer Wünsche sicherzustellen.“ Um dies zu erreichen, sollten die im Schreiben Quattuor abhinc annos herausgegebenen Richtlinien zum Gebrauch des Römischen Messbuchs von 1962 „weit und großzügig angewandt werden“.

Am 18. Oktober 1988 erteilte Papst Johannes Paul II. der Kommission Ecclesia Dei durch ein Dekret die Vollmacht, „allen [Priestern], die darum bitten, den Gebrauch des Missale Romanum von 1962 zu gestatten“.

Innerhalb der katholischen Kirche gibt es heute etwa 30 altritualistische Ordensgemeinschaften, Liste der Gruppen die die Erlaubnis erhalten haben, Indultmessen zu feiern, beispielsweise die in Wigratzbad ansässige Priesterbruderschaft St. Petrus oder das Institut Christus König und Hoherpriester. Auch die Laiengruppe Pro Missa Tridentina wirbt für den „Tridentinischen“ Ritus. Ebenso die Vereinigung Una Voce welche vor allem auf die lateinische Sprache so wie auf den gregorianischen Choral wert legt.

Quellen

Literatur

  • Gaudron, Matthias: Die Messe aller Zeiten - Ritus und Theologie des Meßopfers, 1. Aufl. 2006, Sarto-Verlag, 275 S. (ISBN 978-3-932691-51-5)

Weblinks


Diskussion der Autoren über den Artikel: Tridentinische Messe


Die Version wurde händisch wieder hergestellt, zur Versionsgeschichte sei auf History:Römischer Ritus verwießen. --Emes 09:45, 24. Feb 2005 (CET)


Sehr geehrter Herr Dr. Otterbeck!

Es bleibt Ihnen natürlich unbenommen, Ihre persönliche kiritische Meinung zur Piusbrunderschaft zu haben. Nur hat diese

  • nicht wirklich etwas in einem Lexikon zu suchen. Um solches zu artikulieren gibt es div. Diskussionsforen.
  • schon gar nichts in einem Artikel über die "Tridentinische" Messe zu suchen. Wenn überhaupt, so können Sie Ihre diesbezüglichen Vorhalte, soweit sie substantiiert sind, im Lemma Piusbruderschaft unterbringen.

Ihre Auslassungen bezüglich der "Tridentinischen" Messe sind darüberhinaus sachlich nicht unbedenklich:

Während der Tätigkeit der Liturgiekommission entstand eine Gegenbewegung, aus der sich später traditionalistische Gruppen formierten.

Stimmt so nicht: diese "traditionalistischen Gruppen" formierten sich z.T. bereits während des Konzils. Vgl. "Coetus Patrum" etc.

Die Katholische Kirche beurteilt das Verhalten von verschiedenen Mitgliedern der Piusbruderschaft, deren Programm überdies im Verdacht steht, die für ca. 0,2 % der 1,1 Mrd. Katholiken vermutete Vorliebe für die Tridentinische Messe vor allem als Instrument zur Verbreitung antidemokratischen und antisemitischen Gedankenguts einzusetzen, als schismatisch.

Das ist unrichtig.

  • Zunächst stimmen die 0,2% der 1,1 Mrd. Katholiken nicht. Es gab z.B. in den USA eine Untersuchung des Gallup Instituts (1985), die diesbezüglich zu ganz anderen — nämlich weit höheren — Zahlen kam. Sie gestatten, daß ich daraus einige Ergebnisse zitiere:
  • "Do you favor bringing back as an alternative to the newer Mass, the older Latin Tridentine Mass, without restrictions such as these, and celebrating it as it had been prior to the Second Vatican Council?"
Hier waren 40% dafür, 35% dagegen, 25% k.A.
  • "If the older Latin Tridentine Mass were made readily available at convenient times and locations, and you were able to attend, would you do so, or not?"
Hier meinten 53% ja, 37% nein, 10% k.A.
  • Aufgliederung nach Gruppen:
"FAVOR THE OLDER MASS"
                        FAVOR %   OPPOSE %   NO OPINION

ALL CATHOLICS 40 35 25 Men 39 37 24 Women 40 34 26 Under 30 years 31 43 26 30-49 years 40 37 23 50 and older 49 25 26

"WOULD ATTEND THE OLDER MASS"

                        YES %   NO %   NO OPINION

ALL CATHOLICS 53 37 10 Men 51 37 12 Women 56 37 7 Under 30 years 43 43 14 30-49 years 33 40 7 50 and older 65 27 8

  • Ebenso wenig stimmt die geschickt als "Verdacht" getarnte (und damit juristisch nicht den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllende) Unterstellung, die Piusbruderschaft setze die "Tridentinische" Messe bloß als "Instrument zur Verbreitung antidemokratischen und antisemitischen Gedankenguts" ein — also im Klartext: wenn die Piusbruderschaft könnte wie sie wollte, dann würde sie nämlich gar nicht lateinische Messe feiern, sondern lieber eine Diktatur errichten und Juden vergasen. Ich halte das für eine, gelinde gesagt, infame Unterstellung, die eines Christen (der Sie doch wohl sein wollen) unwürdig ist!

Da es einige Priester und Gläubige gab, die weiterhin den tridentinischen Ritus bevorzugten, gestattete Papst Johannes Paul II., ...

Das ist unrichtig. Es sind nämlich keineswegs "einige". Mittlerweile ist in den USA ca. jeder zehnte Besucher einer Sonntagsmesse der einer "tridentinischen" Messe. Daß es in vielen Teilen der Welt anders ist, liegt u.a. auch daran, daß seitens der Bischöfe kaum ein Mittel gescheut wird, die "tridentinische" Messe möglichst unattraktiv zu machen - z.B. indem man verkehrsungünstig gelegene Kirchen dafür vorsieht, oder generell Sonntagsmessen nicht gestattet - oder überhaupt nicht zuzulassen. Und wo es keine "tridentinische" Messe gibt, kann man sie einfach auch nicht besuchen.

Um dies zu erreichen, sollten die im Schreiben Quattuor abhinc annos herausgegebenen Richtlinien zum Gebrauch des Römischen Messbuchs von 1962 "weit und großzügig angewandt werden".

Leider vergessen Sie dabei zu erwähnen, daß es bei der "weiten und großzügigen Anwendung" in der Praxis ziemlich hapert!

Vermutlich wird die Schönheit und der Reichtum der Tridentischen Messe gerade durch diese Gruppen erst neu entdeckt.

Darf ich die Vermutung äußern, daß von Ihnen "... die Schönheit und der Reichtum der Tridentischen Messe ..." offenbar noch nicht entdeckt wurde (Ihre tendenziöse Abwertung derselben läßt mich nämlich auf diesen Gedanken kommen).

Obzwar nur von einer krassen Minderheit gepflegt, hat die Tridentinische Messe einen theologisch und kirchengeschichtlich so hohen Rang, dass sie eigentlich nicht nur als "Museumsstück" in Ehren gehalten werden darf. Das Interesse der großen Zahl Gläubigen an der alten Liturgie wird aber mutmaßlich sehr gering bleiben, zumal deren Zelebration so stark auf den Priester konzentriert ist, dass ohne katechetische Unterweisung das liturgische Geschehen weithin unverständlich bleibt.

  • Die Beurteilung als "krasse Minderheit" spricht bereits Bände. Selbst wenn ich die von Ihnen kolportierten 0,2% von 1,1 Mrd. Katholiken ansetze, wäre diese "krasse Minderheit" ca. 2,2 Mio. Nur zum Vergleich: mit Ausnahme der Ukrainer erreicht keine einzige (!) unierte Kirche (Maroniten, Armenier, Syrer, Chaldäer, Kopten etc.) auch nur annähernd die Zahl von 2,2 Mio. Das wären demnach also alles bloß "krasse Minderheiten" in Ihrer Diktion?!
  • Das Interesse der "großen Zahl" der Gläubigen an der neuen Liturgie ist nachweislich noch viel geringer. Denn während die Zahl derjenigen, die sich für die "tridentinische" Messe interessieren weitestgehend gleich groß ist wie die der tatsächlichen Besucher dieser Messen, sind die 1,1 Mrd. Katholiken nämlich zu ca. 70%-90% reine Karteileichen (Sie werden kaum ein Land finden, in dem die Zahl der allwöchentlichen Gottesdienstbesucher mehr als maximal 30% der Katholiken — meist aber nur 10% — beträgt). D.h. die interessieren sich weder für "tridentinisch" noch für "Novus Ordo". Nur kann man die dann auch nicht ehrlicherweise als Argument gegen "tridentinisch" anführen.
  • Ganze Generationen konnten die Messe mit Hilfe des guten alten "Schott" auch ohne das Mitwirken einer "Laienspielgruppe am Altar" - (c) Erzbischof Dyba - verfolgen. Wer willens ist, sich mit der intuitiv erkennbaren Symbolik des überlieferten Römischen Meßritus auseinanderzusetzen, wird bald dahinterkommen, worum es geht. Nur wer die im postvatikanischen "Ritus" übliche Dauerberieselung mit kommentierenden Plattitüden aus dem Mund von PastoralassistentInnen gewohnt ist, den wird anfänglich vielleicht die Stille stören. Aber - vielleicht beginnt er dann einmal nachzudenken, daß das Heil der Menschheit nicht erst nach dem Konzil (gemeint ist damit jene ominöse Schwätzersynode von Trastevere, die uns diesen ganzen "Greuel der Verwüstung" einbrockte) begonnen hat.

--Christianus 17:52, 23. Mär 2006 (CET)

Hochaltar / Zelebrationsrichtung

Interessanter als das sektiererische Geplapper auf dieser Seite wäre mal, zu erfahren, was es mit dem Hochaltar und Seitenaltären in den Kirchen auf sich hat (wie wurden die früher genau benutzt?), und inwieweit die Zelebrationsrichtung (früher: nach Osten weg vom Volk, heute andersrum) eine Rolle bei den Befürwortern der Beibehaltung spielt. --AndreasPraefcke AndreasPraefcke 12:15, 24. Apr 2006 (CEST)


Danke Herr Kollege, daß Sie meinen vorstehenden Beitrag als "sektiererisches Geplapper" bezeichnen. Schon mal was von Netiquette gehört? Aber das nur nebenbei. Zur Strafe bekommen Sie jetzt einen Crash-Kurs in Sachen Zelebrationsrichtung:

Traditionell waren die Kirchen des Frühchristentums geostet, damit der für das versammelte Volk vor Gott tretende Priester nach Osten, d.h. Sonnenaufgang (Symbol für den Auferstandenen) blickte. Es ist recht charakteristisch für unsere Zeit, die von liturgischen Traditionen wenig bis keine Ahnung hat, daß das "Vor-Gott-Treten" (das ein "Zu-Gott-Hinblicken" impliziert) als "nach Osten weg vom Volk" fehlinterpretiert wird — andersrum wird ein Schuh draus!

Nur in jenen Fällen (prominentester Fall: St. Peter in Rom), wo aus örtlichen Gegebenheiten eine Ostung des Kirchengebäudes nicht möglich war, zelebrierte der Bischof versus populo (dem Volk zugewandt), da er eben als Zelebrant traditionsgemäß nach Osten blickte. Das führte dazu, daß später auch in anderen römischen Kirchen, in denen der Papst zelebrierte, unabhängig von ihrer geographischen Orientierung der Papstaltar für eine Zelebration versus populo eingrichtet war — man wußte zwar noch, daß der Papst so zelebriert, hatte aber den eigentlichen Grund bereits weitgehend vergessen.

Erst durch die sogen. "Liturgiereform" nach dem Vaticanum II wurde die seit der "Liturgischen Bewegung" der Zwischenkriegszeit (Pius Parsch & Co.) immer wieder angedachte Zelebration versus populo faktisch alleinherrschend und die bestehenden Kirchengebäude durch z.T. geradezu monströse "Volksaltäre" verunziert, obwohl — theoretisch wenigstens — auch nach der sogen. "Liturgiereform" über die Zelebrationsrichtung keine zwingende liturgische Vorschrift bestand (d.h. der Priester hätte durchaus am Hochaltar versus Deo zelebrieren können — es hätte nur eine weitere Karriere vermutlich im Keim erstickt ;-), doch wurde in diözesanen Direktiven etc. eigentlich immer automatisch der "Volksaltar" als selbstverständlich vorausgesetzt. Wenn Sie sich darüber kurz und prägnant informieren wollen (Website "Initiative Altar").

Was die Seitenaltäre betrifft: diese entstanden im Mittelalter durch die Quasi-Verpflichtung der Priester zur täglichen Zelebration v.a. in den Klosterkirchen, wo bei oft an die hundert Priestermönchen ein Altar einfach nicht ausgereicht hätte (durch das damals strenge Gebot der eucharistischen Nüchternheit mußten ja die Messen alle bist spätestens zum mittleren Vormittag gelesen sein) und außerdem ein alter Grundsatz bestand, daß an einem Altar nur ein Meßopfer täglich gefeiert werden solle (und Konzelebration im heutigen Sinne gab es bis zur sogen. "Liturgiereform" außer bei der Priester- und Bischofsweihe nicht). In den Pfarrkirchen verbreiteten sich die Seitenaltäre einerseits aufgrund des auch an Pfarrkirchen früher meist zahlreichen Klerus (früher gab es in einer Stadtpfarre neben dem Pfarrer meist 3-4 Kapläne/Koooperatoren/Vikare, zu welchen dann noch ein paar "Altaristen", also Priester ohne fixe Anstellung an der betreffenden Kirche kamen - z.B. Emeriten im Pfarrsprengel, Religionsprofessoren etc.), andererseits durch die Bestimmung, daß jede Bruderschaft an einem konkreten Altar errichtet sein mußte, an welchem auch besondere Bruderschaftsmessen etc. zu feiern waren.

So, ich hoffe, das war in aller Kürze eine Antwort auf Ihre Anfrage. --Christianus 11:44, 25. Apr 2006 (CEST)



Diese Definition bzw. Erklärung des Begriff Tridentinische Messe und dessen Bedeutung wurde zuletzt am 25.7.2007 aktualisiert (Glossar Lexikon Enzyklopädie).